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Jüdische Rundschau · 1905-11-24 · Heft 47 (24.11.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 618 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. Al Königsberger Hochverratsuik! Zarenbeleidigungsprozesses gründlich desavouiert hatte. Aber ״cs kommt alles anders“, sagte einst Herr v. Meyer-Arnswalde ur.d sagt heute Herr von Lucanus. Der Justizministcr wird einen hohen Orden, vielleicht auch den Adel erhalten; aber er wird gehen. Und wir werden sehen, ob der Personenwechsel auch ein System- Wechsel hedeutet. Das ist der Wunsch weitaus des grössten Teils des?russischen Richtcrstaudes und der Juristenwelt und wer weiss. am Ende selbst der Mehrheit derjenigen Bcamtcn. die dem Just*zn1ini«terium angehören.'’ Bekanntlich ist Inzwischci! der Breslauer Oberlandesgcrichts-Präsident Bcselcr zum Justizminister ernannt worden. Die rote Karline Ora,‘ Pücklcr aus Klcin-Tschirn. leclt kürzlich wieder eine Radauvcrsammlung in Berlin ab. Ein Diskussionsredner meinte in der Versammlung, der Graf möge doch nicht nur Phrasen dreschen. Wenn der Graf den ersten Juden tot-; schlage, schlage er den zwc:teu tot. Hicraui erklärte Graf Pücklcr. wenn er jenia's gesagt habe, er wolle einen Juden totschlagen, so nehme er das zurück. Jetzt sei er so artig, dass er gar nicht nu.hr wisse, wie er noch, artiger sein sollte. B.rlin werde doch das Schicksal von Sodom •und Gomorrha teilen, wenn es nicht von der Sünde ahlasse. Er weine viel darüber, denn seine Strafe werde entsetzlich sein. Tiei betrübe es ihn. dass die rote Arbeiterschaft nichts von thm wissen wolle. Und er sei doch sicher, der antisemitische Karren konur.e erst daun in Schwung, wenn die rote Karlitte mit der Revolverschnauze und der rote Schulze mirmachten. ״Rote Karline, bedenke doch.“ sagte der ..Dreschgraf” wörtlich, ״da gibt cs dann goldene Broschen die neuesten Hüte mit grünen und gelben Federn Kostbarkeiten und Schmuck. Alles das wiird. d׳r dein roter Schulze mitbringen . . . ." Für Bürger aller Konfessionen Der VOSSISCHEN ZEITUNG telegraphiert man aus Breslau. H. November: Der am Donn.rstag• in Berlin verstorbetie Reut er M a r t i n L! 11 a u c r. ein geborener Broslauer, vermachte seiner Vaterstadt gemeinsam mit seinem Biuder Eduard in wechselseitigem Testament vierhundert tausend Mar k behufs Schaffung billiger Wohnungen für verarmte Bürger aller Konfessionen. — Die Wohltaten der Juden gelten immer den .,Angehörigen aller Konfessionen”, d. h. bei der bekannten Verwaltungspraxis: iiir alle Nichtjuden — und die Schläge d.r anderen gelten immer den Juden: damit ist dann die l'beralc Theorie von der Harmonie der Kräite glänzend gerechtfertigt! Kleine Mitteilungen New-York, 11־. November. Die hiesigen Stadt verordne ten nahmen ein.־ Resolution an, in der Rooseyelt ersucht wird, zu Gunsten der russischen Juden zu intervenieren. Der antisemitische Abgeordnete Pastor a. D. Kröseli. gegen den kürzlich das Landgericht Stargard i. Pomm. e neu Halt- Befehl erliess, weil er als Angeklagter in einer Belcidigtings- Sache nicht zum Termin erschien, hat jetzt der Behörde mitgeteilt, dass er bis aut weiteres in Malmö. Danemark-Hotel, Aufenthalt genommen habe. — Vorsicht galt auch bei den Antisemit.•» noch stets als das bessere Teil der — mit dem M—־■unde — gepriesenen Tapferkeit! Malmö Hegt nämlich in Schweden!! Das Genesungsheim zu Lehnitz bleibt auch in diesem Jahrt während der Winte rmonatc geöffnet. Aufnahmcgesuche von Rekonvaleszenten oder sonst erholungsbedürftigen weibliehen Personen sind unter Beifügung c'nes ärztlichen Attestcs an den ..Verein Jüdisches Genesungsheim B e r li n“. Grosse Pr äsidente ns trasse 31. zu richten. In Nicolai (Schlesien) ist ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur gegründet worden. Vorsitzender ist der dortige Lehrer und Kantor S a 1 i n g e r. Im Riesensaale der Londoner Kingshai! fand dieser Tage die Parade des aus der jüdischen -Bevölkerung rekrutierten Knabenbataillpus statt. Ausser dem Oberrabbiner Dr. Adler wohnten auch Kriegsmiuister Förster, Lord Roberts und Feldmarschall Wight der Parade bei Sprechsaal ך3ם Für die Mitteilungen an dieser Stelle Cbernimmt die Redaktion nur die prcssgcsetiliche Verantwortlichkeit Wir erhalten!folgende Zuschrift: Kiel, den li. November 1905. Sehr geehrter Herr Redakteur! Da es noch immer Gesinnungsgenossen zu geben scheint die die Anschauung vertreten, die der .JTO” als Mitglieder beigetretenen Zionisten müssten sielt innerhalb dieser Körperschaft organisieren, um dadurch in naiionaliiidischem oder gai zionistischem Geiste erzieherisch auf sic einwirkeu zu können erlaube iöh mir. Ihnen beiliegenden Ausschnitt aus No. 2935 des DAILY MAIL iKont'nent-Ausgabe) zur Verfügung zu stellen, aus dem klar und deutlich für jeden hervorgeht, dass di׳' ..JTO־ gar nicht einmal die Absicht hat. eine exklusiv jüdische Organisation zu sein, sondern cm niterk o 11 ie s s i o n c 11 e s u 11 d internationales Hilf sw er k iiir bedrängte Juden ir.sztliieren möchte. Vielleicht wird durch Bekanntgabe diese, für viele von uns gcw'ss neuen Tatsache manches überflüssige Wort vermieden. Mit Zionsgruss Ihr Willy Unna, llasnionaeac (NX), cand. med. Der Ausschnitt hat unter Weglassung eines lediglich propagaudistisclien Passus folge»den Wortlau;: To the Editor 01 the DAILY MAIL Sir. In view oi tiie heartrerd 1;g mnssacrcs of Je\v* througlumt Russin, the slaughter of o!d an.! youug the toitur׳; ui woiucn and ciiildrcn. (>u a scale unpatallcled wen in tb.c Middle Ages. will you kindly permit n:c t<> r.inina >our readers oi the• existence of the Jewish Territorial Organsation alle ho), wlüch. rcfecting palliatives sechs to pro\idc a raJical Solution of the Russo-Jewish problem by cstablishiug a Jtw.'sh land יו: reit:ge, prcferably uude. British protection, in accordancc with the niaguanimoiis Suggestion of h's Majcsty’s Government? M c tu b e r s h i p o i the Organisation i s 0 p e 1 t. : Pcrsons oi a יו y race o r creed, at a nniimunt oi ״. Shilling a \ear. and a:l subscript'ons and donations sein tu tlu sccretary of the* lio, will be gratefuliy acknow ledgcd by Israel Z a n g w i 11. Hon. Pres. Jewish Territorial Organisation. Wir geben nachfolgend die s'nngetreue Ucbcrsetztmg dies.! Bekanntmachung: An den Herausgeber der DAILY MAIL Mein Herr. —- In Anbetracht der herzzerreis$e11d*11 Judenmassakres in ganz Russland, des Gemetzels \on Alt und Jung, der Marterung von Frauen und Kindern, in einer .Weise, de man kaum tu t dem Mittelalter vergleichen kann. b;tte ich Sie um die gütige Erlaubis. Ihren Lesern d e Existenz der Jüdischen Territotial-Organisation (Jto) in Erinnerung zu bringen. d־;e unter Verwerfung alle Palliativrottel eine radikaleLösung der russisch •jüdischen Frage zu schaffen sucht durch Errichtung einer jüd'׳schen Zufluchtsstätte, wenn möglich unter britischem Prot.kturat, in l'ebercinstinmuing mft dem giossmtitigen Rat der Regierung Sr. Majestät. D ׳: e Mitgliedschaft der Organisation k 0 11nen Personen jeder Rasse und jeden Glaubciis erwerben gegen einen Minimalbcitrag von einem Sh ll'ng iührlich: alle Anmeldungen und Gaben s’nd an den Sekretär der Jto zu richten. Hochachtungsvoll IsraelZ a n g w i 11, Ehrenpräsident der Jiid. Terr.-Organisat׳on. # OefFentliche Proteslversammlung Die ungeheure Aufregung, die in der Berliner J11denh.it infolge der Gewalttaten und JudcnmetzeVen in Russland herrscht und nur wenige gewohnh.itsnüissige Leisetreter nicht ergriffen hat. sollte sich atu vergangenen Montag in einer R־escnversammlung in der Tonhake Luft machen. Hierzu waren Einladungen ergangen und prangten Anschläge folgendem Inhalts an d.-n Lirfasssüuien: Oeftentliche Protesivcrsammiung. Thema: Der Verzweitlungskampf der russischen Juden. Montag, den 20. סאyejnber, 9 Uhr altnds. in der Tonhalle. Friedrichstrasse 112 (ani Oranienburger Tor). Gäste willkommen. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 10 Pi. erhoben. Prof. Dr. A. B a g i n s k y , San. R. Bergmann, Rabb. Dr. Escheibacher, Justr. Dr. E. Fuchs, Dr. A.

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