Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 3× ep/1000834
- Liepāja 1× ep/1000744
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Seite 61? No. Al JÜDISCHE RUNDSCHAU!11 dem Schreiben erklärt sich Cliamberlai!! bereit, die praktischen Pläne der Befreiung der Juden aus ihren gegenwärtigen Leiden zu unterstützen. Pr. H c r z 1 hätte auf ihn grossen Kindruck gemacht und Herzl's Plan, ein-' grosse Judenkolonie unter britischem Protektorat 7.u gründen, seine Billigung j gefund.n. Kr bedauerte, dass die Kommission das offerierte י Land als ungünstig bczeichnetc und in Basel die Zionisteji die Idee ganz aufgaben. Umsomehr sei er erfreut, dass jetzt Langemtann und dessen Freunde de Ideen Hcrz’.'s wieder aufpehmen, obgleich die Schwierigkeiten gewachsen seien. Die letzten Ereignisse aber machen das Auffinden eines Ausweges aus dem gegenwärtigen Zustand mehr als dringend; daher sei I er gern bereit, allen seinen Kmtluss geltend zu machen, um das Ansinnen der Jiid.-terr. Organisation an d:e britische Regierng. ׳Jen Plan Herzl’s eventuell mit Abänderungen in Krwüguüg zu ziehen, zu unterstützen. Die ausländischen Konsuln Einem Telegramm des ..Bureau Reuter“ aus Odessa vom 9. November zufolge haben die Konsuln von Oesterreich, Deutschland und Italien ihre Rcgiwungen ersucht, da neue Ruh.stürugeij möglich seien, die Stationsschiffe aus Koustatninopel nach Odessa zu sutden, um ihre resp. Staatsangehörigen zu beschützen. Wie der NIX KN FREIEN PRESS!־; aus Lemberg gegemeldet wird, hat B a r o n U ii n z!ו u r ׳_׳ aus K i e w auf der Durchreise s׳-wu!.| in PoJwnloczyska als auch in Krakau erzählt, dass \r wahrend der Judenkrawalle am heliiclitet! Tage in seinem Hause, das in einer der Hauptstrasseti der Stadt l.egt. überfallen wurde. Die ganze Kinriehtung des Hauses wurde zcrirümmerj und zun! Lenster hinuusgeworfen. Viele Kostbarkeiten wurden ihm g. raubt. Bei seiner Selbstvciteidiguug wurde er verwundet. Spuren von Verlctzungen sind an; :1; noch sichtbar. Kr trägt einen Verband am Kopfe und hinkt. •Trot/.dem die Aussl .hreltuugcn des Pöbels »n einer d.r meist frequentierten. Strassen im Stadt- Zentrum sielt er»1!’׳:־ctcn, sah die nahe befindliche Polizeiw a ehe dieselben in aller R u 1t c an. Ein Volksgerlcht Libau. 16. November. (Petersburger Telegramm-Agentur.) Hier wurde ein P o 1 i z c i b e a in t e r namens Kluge, d.r nach durchzcchttr Nacht durch Geldspenden zu einer Juden hetze au!'reizte, von der Volksmenge von rin i'mprovis:crtes Gericht gestellt und erschossen. — Dass die russische offizielle Agentur dieses TeLgramm verbreitet, ist etwas auiiällig. Das zerschnittene Zarenbild in Kiew Durch die gesamte antisemitische presse Europas wanderte eine telegraphische Meldung aus Petersburg, wonach in Kiew irn Saale der städtischen Duma am 18. Oktober ein jüdischer Rechtsanwalt Ratner eine Brandrede hielt und das Bild des Zaren aus dem Rahmen aussclmitt. Nun wird jetzt, wie wir im HASMAN lesen» durch Zeugen festgeste'.lt, dass derjenige, wvlcher das Zarenbild zcrschnitcn hat, ein gewisser W'osko Oregoriew. einer der Hauptam'ührer hei den Judcnmassakrcs in .Kiew. war. Neue Metzeleien? London. 16. November. Die CENTRAL NEWS nUdcn aus Odessa: I*iir Ende November werden neue Angriffe auf die Juden angedroht. Der Auszug aus Odessa dauert fort. Kiscubatmfal.rkartcn erster und zweiter Klasse müssen zwrli Tage voraus bestellt werden. 22 («in Ausiadspussc s'nd während der letzten vierzehn Tage ausgestellt worden. Erk'ärung von Offizieren In Odessa Odessa. 17. November. Eine U r ti p p c v o n ö t f i z i e r c n g!bt in d.n hiesigen Blättern die Erklärung ab, dass alle ihre Bemühungen, die Unruhen zu unterdrücken und zum Schutze bedrohter Bürger ehizuschreiteu, von der Obrigkeit vereitelt worden seien. Hilfsaktionen Lübeck, 17. November. Angesehene Männer der Stadt traten zu einem Hilfskomitee für die Opt'.r der russischen Judenverfolgungen zusammen und erzielten bereits am ersten Tage sehr bedeutende Beiträge. Nürnberg, 17- November. Eine von christlicher Seite einberufene und von allen Konfessionen besuchte Ver- Sammlung, in der auch protestantische und katholische Geistliehe sprachen, beschloss, eine Sam in lu iir für die r u s s isehen Juden zu veranstalten. London, 13. November. Der STANDARD meldet aus Odessa; Der britische Konsul iibergab gestern 10 000 Pfund Sterling, die Spende d!;5 Lord Rothschild für den Ponds zur Unterstützung jüdischer Waisen. London, M. November. Lord Rothschild führte heute den Vorsitz in einer Kornenenz. in der die Art der Verteilung der für die notleidenden russ;schen Juden gesammelten Gelder beraten \vurd.\ Aus Paris, Berlin und Petersburg waren Delegierte anwesend. Es wurde beschlossen, mit den Ueberweisungcn an Baron Günsburg, der für die Verteilung sorgen soll, fortzufahren und ferner die Abreise emer aus drei Mitgliedern bestehenden Kommission ins Werk zu setzen, die die durch die Unruhen hc'mgcsuchten Städte besuchen soll. Ferner wurde bestimmt, ein Z e n t r a l -1 n*f o r m ationsbureau in Berlin zu errichten, das die Meldungen über die Bcdiirfirsse jeder Ortschaft im einzelnen sammeln soll, um die entsprechende Verteilung der Gelder zu sichern. Jedes Komitee auf dem Kontinent soll die Kontrolle über die Gelder, die cs aufgebracht hat behalten, aber anordnen, dass der U.bcrschuss aller Gelder durch H. H. Rothschild and Sons überwiesen oder zur Verfügung dieser Firma gehalten werde. Emanzipation der Juden Petersburg. 21. November. Ich kann aus erster Quelle mitteile״, dass W11 c den wichtigen B.sch’uss gefasst hat die Grenzen des jüdischen A n s i e d e I u n g sravons a u f z u h c b c!!. Den Juden wird freies Wohnrecht in ganz Russland mit Ausnahme der beiden R c s id c 11 z c 11 gewährt uerd.n. F1> das Wohnen in den Residenzen vv rd eine besondere Erlaubnis erforderlich sein. D e Veröffenti'׳ rm;g dieser wichtigen Entscheidung, durch die den Millionen w>u Armen im Westgebiet. c'ngepferehten Juden andere Existcnzmittel geboten werden, stellt •11 der nächsten Woche bevor. ־ Wir bezwe.feln zunächst noch die baldige Durchiührung dieser unleugbar kommenden Reform. Aber ihre gleichtal'.s unzweifelhafte Wirkung wird im Enden»kt — fred'ch neben einer Erleichterung der Lage —- ein ungeheures Anwachsen des wirtschaftlichen Antisemitismus so'״, dessen wc tere Folgen natürlich noch garnicht abzusehen sind. Eine merkwürdige Meldung Die AUGSBURGER ABENDZEITUNG bringt iolgendt m.rkwürdige Meldung: Petersburg, 16. November. Der Zar bewilligte atu Wittes Vorschlag 15 Millionen Rubel zur Entschädigung der Israeliten und anderer Personen, die bei den letzten Unruhen zu Schaden kamen. Erstens:- Zweitens: ״\Voher nehmen und nicht stehlen?“ Minister iustitiae Die VOSSISCHE ZEITUNG schreibt von dem scheidend;» Minister Schönstedt (minister iustitiae, deutsch: Diener der Gerechtigkcit!): ״Die Antisemiten feiern Herrn Schönstedt, weil kein Justizministcr seit Menscbcngedenkai so sehr wie er den Juden die juristsche Laufbahn verleidet habe. Sic sind seines Lobes voll, dass unter seiner Verwaltung Juden als Rechtsanwültc erst nach zwanzig oder mehr Jahren Notare werden, dass Ass.ssoreit nahezu zehn Jahre oder auch länger auf eine R.chterstellc warten müssen, dass Amtsrichter oder Landrichter niemals Landgcrichtsdirektoren oder Oberlandesgerichtsrüte werden. Die Tatsachen sind richtig. Mit einer einzigen Aus• nähme. Herr Schönstedt hat den Landgerichtsrat Somtttcr zum öberlandesgerichtsrat befördert. Und der hatte das Glück, auf dem Kasseler Gymnasium ein Schulkamerad des damaligen Prinzen Wilhelm zu sein. Der Minister hat geglaubt, seine Politik mit־ der Verfassung und d.m Reiebsgesctz vereinbaren zu können, obwohl diese vorschrciben, dass die Aemter allein Befähigten, ohne Rücksicht aui das Glaubensbekenntnis, gleich zugänglich seien. Unter Herrn Schönstedt konnte Bewerbern im Justizministerium ganz offen gesagt werden: ״Ab.r Sie kenneu doch die Grundsätze unseres Chefs? Warum räumen Sie das Hindernis nicht aus dem Weg? Warum lassen Sie sich nicht taufen?“ Ober man fragte auch einen Rat, der erklärt hatte, schon die Pi.tüt vor seiner greisen Mutter verbiete ihm die Taufe, beim nächsten Besuch: ״Lebt denn die alte Frau immer 110 c h?” Ja. wenn man sich taufen liess. da war afles anders; da hatte man gar keine Vorurteile» Es gibt Leute, die meinen, in d.r alierjimgsteu Zeit scheine sieh der Kurs ein klein wenig zu ändern. Und wetterkundige Beobachter schlossen daraus schon vor etPchen Monaten: also stellt Herr Schönstedt vor dem Abschied. Und nun hat sich diese Voraussage b.stiitigt, •vielleicht früher, als der Minister selbst glaubte. Denn man erzählt, er habe die Absicht gehabt, ״die nächste Kampagne noch durchzuhalten.״ Mag sein, dass er sich dazu stark genug fühlte, auch nachdem das Reichsgericht ihn in der Auffassung der Rechtsfragen des