Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 47 |, '1 |י< 1; r ו I i I JÜ DISCHE RUNDSCHAU Seite 615 ״Wie glücklich bin Ich. Ku:h in Deutschland zu wissen. | Ich Klaube zwar, dass augenblicklich das Schlimmst: vorbet ist. aber die Gemüter sind noch sehr nruhig und die geringste Veranlassung könnte wieder den Fanatismus des Volkes erwecken. Die ausländischen Zeitungen fangen an einzutreffen. Die darin enthaltenen Schilderungen der Ereignisse scheinen jedoch in parteiischer und tendenziöser Weise wiedergegeben zu sein: Dass die Behörden die Judenhetze in Szene gesetzt hätten, erweist sich als Märchen; * allerdings haben sie nichts getan, um den Grausamkeiten, Mord und Plünderungen Einhalt zu tun. als der Pöbel in seiner Wut losgelasscn war. Hütten sie es aber vermocht? Der Judenhass ist int ganzen niederen Volke so heftig, dass d e Soldaten wohl kaum geschossen hätten, uni die Juden zu schützen. Es ist jedenfalls Tatsache, dass bei einem solchen Befehl eines Oiiix ers die Mannschaften sich weigerten, auf Russen zu schiessen, und ihn auf ihre Bajonette aufspessten. als er sich mit den» Revolver in d.r Hand Gehorsam verschaffen wollte. — Wenn man nun bc denkt, dass diese Soldaten seit Stunden unter einem Hagel von Kugeln aus den jüdischen Häusern und Wohnungen standen, ohne durch־ Schüsse den versteckten Angreifern antwarten zu können, so begreift man. dass es nicht fercht war, die Ordnung herzustellen. Wir alle sind durch die Ereignisse überrascht worden." Was hundertmal b ewicsc n und von M i 11 c selbst inzwischen darch di. Absetzung des Generalgouverneurs und des Stadthauptmnims bestätigt wurde, dass die Judenmetzelc.’en ohne die Begünstigung der Behörden nicht hätten stattiinden können, das wagt d eser ..Briefschreiber" a's ..Märchen zu bezeichnen. S e h r m c r k w ft r d i g ist übrigens, dass d.T Rriefsclireibcr am 5. November bereits in Odessa die ..ausländischen Zeitungen’’ gehabt hat. die doch erst am 3 November eingehendere Depeschen brachten, und die infolge des damals noch vollständigen Streiks noch er- 11 c 1» 1 i c 11 c Verzögerungen in der Beförderung erfuhren! Das wirft auf den ..P r i v a tb r iei” der DEUT- SCItEN TAGESZEITUNG ein etwas eigentümliches L i c 111! Und obwohl - - die vorstehenden I.ügennachrichten als wah r angenommen! — die Juden doch sehen, wie eklig ihnen ihr provokatorisches Auftreten bekommen ist. indem Tausende von״ihnen bestialüch gesch'aciuet wurden von der ״loyalen Bevölkerung", so können sie es doch nicht lassen. Die feigen Juden legen einen unglaublichen Mut an den Tag. den selbst d e arischsten Pächter des Mutes, die teutsche״ Antisemiten, nicht für angebracht halten. Die Jud-.n provozieren immer weiter, obwohl sie doch wissen, dass sie dafür von vertierten Horden ermordet werden. Unglaublich aber d:c DEUTSCHE. TAGESZEITUNG sagt es; das gle clie Blatt lässt sich vom gleichen Korrespondent.11 weiter he--richten: ״In Tula und Jaroslaw haben in den letzten Tagen starke Ausschreitungen gegen die Juden und Revolutionäre stattgefunden, die von der radikalen Presse ausserordentlich;•ufgcbauscht wordvn sind, ln Wirklichkeit haben die Juden durch ihr freches Auftreten selbst den Au- 1 a s s d a z u gegeben, dass die Y’olks'eidenschaft sich gegen sie kehrte. In T u 1 a hatte aus Anlass der Veröffentlichung des letzten Manifestes t in Dankgottesdienst sjattge’unden. an dem eine zahlre che Volksmenge teilnalim. Nach Beendigung des Gottcsdiens'es wollten die Leute ein patriotisch. Kundeebung veranstalten und begaben sich in grossen Scharen mit Vorantragung von Fahnen und des Kaiserbildes, sowie t!11t־.r Ahsingung der Natioualhvmuc durch die Strassen zur Wohnung des Gouverneurs. Bei der Rückkehr vo:1 dort stiess m an mit einer r c v o 1111 i o 11 ä reu Gruppe, unter der steh zahlreiche Juden u nd S t u d e il t e n b e- 1fanden, z 11 s a nt m : n. Diese sangen revolutionäre I.iedt r. bedroht e n die L o v a 'cn mit den R e v o Iver n und Dolchen, die sic bei sich führten und brachten es durch ihre S:hmäl:unge11 gegen den Zoien und die Regierung v.n Stande, dass es zu ehוווג ־ H a ת d g c \\\ enge kam. Dabei aber güg es der nati״ tialcu Gruppe, di c 11 n b e w a f fnet war. schlecht: Kosaken mussten später eingreiien. aber auch diese wurden dabei von den Dächern der Häuser, auf ihnen sieh Juden aufgestelit batten, beschossen. Infolgedessen bedeckten schliesslich zahlreiche Tote und Verwundete den Schauplatz, den die Kosaken übrigens als S;eger verliessen. .Wenn die loyale Bevölkerung aus Zorn über den unmotivierten Überfall säter die Juden tätlich angriff, so kann man sich darübsr unmöglich wundem. In Jaroslaw hatten die Umstürzler in wildester Weise agitiert und den Zaren, wie die Regierung in einer Weise geschmäht, das die loyale Bevölkerung in höchstem Masse erbittert war. Diese Schmähungen wiederholten sich während mehrerer Tage, und in Verbindung damit wurde das Auftreten der Juden immer dreistei und snmassender. Auch hier kam es infolgedessen zu blutigen Ausschreitungen, bei denen die Juden entsetzlich m'sshatid.lt wurden. Aber niemand anders, als sic selbst Süd schuld daran, dass cs so weit gekommen ist. Alles is*. die Folge ihres herausfordernden Bcneh• mens gegen Andersdenkende." Schluss-und Preisfrage: Was ist bei der Redaktion des ״teutseben“ Blattes grösser, di.' Dummheit oder die Niedert rächt igkeit? - ־־־ — — — Die Judenverfolgungen Die wenig judenfreundliche deutsche PETERSBURGER ZEITUNG schreibt: Der Hetzruf geg.11 die Juden, der nicht verstummt, seit die- Religion der Liebe besteht, gellt lauter denn je durch Russland. Er ist in den letzten 30 Jahren nie ganz verstummt. de!1!1 P o b j c d o n o s z c w hatte einst erklärt, er persönlich Iahe geg.u die Juden nichts: im Gegenteil, er halte sic für ein ungemein tatkräftiges׳ und begabtes Volk. Das sei aber für RnsslauJ. gefährlich und darum müsse mau die Juden vermeinen. Nach diesem Grundsatz des all-!r;'i:!1t!gen Lenkers der Geschicke Russlands wurde im Laufe der letztet» 3b Jahre verfahren, bis Plc 11 wo kam und seinerscits .!־klärte. es gäbe in Russland keine Revolut i o t!. sondern u u r Juden. In S t r ö in e 11 v <»» J u d e n b I u t werde er die R e v o 1 u t i 01t ersäuf c n. Der Standpunkt dieser beiden ausserordentlich klugen, aber c nscitigen und von falsche!» Voraussetzungen ausgehend.n Staatsmänner erklärt im wcsem’iche;! die entsetzlichen Ausschreituiigen. die gegen Juden begangen wurden und werden. Wenn die Juden, was keinem Zweifel unterliegt, ein ..unruhiges'' Element sind und ihr Schu’.dbuch inbezug auf Ausnutzung im Kleinsten und Grössten schwer belastet ist. so steht mal» trotzde»n vor den furchtbaren Judenhetz.m wie vor einen» Rätsel. Jude1»verachtu11g. Judenhass gibt es überall auf der weiten Welt und in einzelnen, zumeist wohlangebrachten Fällen setzen wohl auch irn Westen biedere, über de»1 Löffel barbierte Bau.rn und Handwerker, auch wohl andere Leute, ihre gcsuride Physis dem listige:» Geschäftssinn der Juden entgegen. Mail kann das empörend oder in der Ordnung finden. — je nach Geschmack. Ganz anders aber liegt die Sache, wenn Zel-.utausende von Menschen jahrein jahraus schweren Hetzji unterliegen: wenn man sie an Out und Leib schädigt oder gar. wie das eben geschieht, wahre Vcrn chtungskricge gegen sie unternimmt. Es ist ein müssiges Unternehmet» verschiedener Stellen, diese Hetzen als elementar.*• Ausbrüche des Rassen- Passes darzustellen. Ein solcher ist freilich \ur har den. und die Juden können nicht leugne»’., dass s׳e zu s.iner Schiirung idclit wenig beitragen. Dieser .latente Rassenhass, der seine Wurzeln in der wirtschaftlichen Ausbeutim? seitens der Juden l at. wird aber in ganz systematischer Wese aus״ejöst und ge- »«ährt von den Autoritär;» die hierin den Intentionen der Pobjcdc.naszcw und Plebwc folgen, wobei sie unterstützt werden von den reaktionären F. erneuten, die mit den» Sammelnamen ..Tschornaja Ssotnja” beleg; werden. Es gehört eine ungeheure Kurzs'ehtiekeif dazu, um nicht zu erkennen, dass di. bestäni’igui Judenhetzen schon allein deshalb eine gesetzliche Gefahr üvolvleren. weil sie den Bauer und den Kleinbürger völlig d c n» o r a I i s i 1־ f e 1». Di*• B a 11er nu u ruhen im Innern süd in den meisten Fällen ein direkter Ausfluss der Judcnhetzcu. denn w er ei 1» tu a L $ i c I»;י tu fremde!! Gut vergriff, der fragt nicht danach, ob cs unter dem Zeichen des Kreuzes oder des Pontagrainmes (?) steht. Die massgebenden Elen».nte treiben auo’1 in anderer Beziehung ein gefährliches Sniel. Man vergesse n'clit dass bei den grossen JuJenhctzen das M i I i t ü r hinzugezogen wird, das in jedem Fall, ob cs tum. wie das leider mir zu oft?.:schiebt, sich gegen die Juden wendet. oJer blindlings, ohne Wahl dreisebkigt. d e in o r a I i s i c r t wird. Sol Ja»en. die beständ e mit Nueaikcn und Kolben hantieren — u a m c n 1־ lieh unsere Soldaten müssen _s c 1,1 i c s s I i c h v e r \v itü e ז ». * darüber dari kein Zw ei* ei besteh* n. Doch ganz abgesehen hiervon, sind die JuJe-hetzeii eine Erscbei- 1!uog die eines Kultursnates unwiird g ist. Die Drsacbm. aut die mau sie zuriickfütire» muss, sind bekannt. — diese Gr- Sachen miiss n daher mii Stumpf und Stiel ausgerotmt w erden. Der Judcnscba.'t muss aber gleichzeitig der Rat erteil! werden, alle Anbisse zu ״e rechtem Zorn zu vermeiden und nainentlich zu berücksichtigen, dass die politische. Trcihcrroltc.! I . ' s \ ‘ j i y 1 t; ’ r ji