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Jüdische Rundschau · 1905-11-24 · Heft 47 (24.11.1905) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 47 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 613 Tochter 3000 Gulden mitgibt und in der Aussteuer von allen• ein Dutzend. Daneben ein fröhlicher Rabbi, der (ncht wie der Suüermaiuisclie gern eine heimliche Schinkenscmmcl, 5011dem) , rituell: Butterstriezeh! mit Rosinen am Sonnabend nascht.er schmeichelt in harmlos-widerlicher Art den Rassetugeudeii seiner Leute, ein Houston Stewart Chamberr3in des CilKttos. nur nicht?,׳• komisch, mit dem Leitsnruch: ..Bloss bei uns Juden findet sich da?.** Daneben, hiervon und von sonstigem angcekelt, der junge. edle Sohn Raffael Saeltel. ein Träumer, der Blümchen vom Grabe seiner!Mutter nach Hause bringt. ideal gesonnen ist und. wem! er einmal anfängt, zu sprechen^— weh:!! •— einen Oelstrorn von sie!) gibt. Was Raffael Sachel im Laute des Werkes quatscht, dies zu schildem geht über den Rahmen einer Zeitung nebst Beilagen. Endlich ein christliches Dienstmädchen, die .,Schickse", Rösehe» £:11anui. . . . Das wären die Gestalten; wie gruppieren sie sich? Naheliegend, schlicht und einleuchtend ist die Beziehung zwischen dem Jiiugling und der Schickse. Ruhe' und Rös* eben selile'cheu nachts zueinander und mach. 11. durch k״nfessioucllc Gegensätze nicht getrennt, im Schutze des Dunkels, völlig ungestört, weder von indischen noch ein istlicheit Augen beobachtet, häutig und entschlossen eimoiJer Erklärungen Ihres Wohlwollens. Konilkt: er will Röschen heiraten und soll nicht: er Will Röschen und sich kotuessionsthei machen ־ und erwischt Röschen dabei, wie sie Jüdin werden will. Dies nimmt er ihr so übel, dass er die junge Köchin in die Nacht hhiausstösst.;die Schickse dem Schicksal üh.riässt. nach allem, was er ihr innerlich s׳:l!n!dig geworden ist. und selbst hochherzig, düster. einsam, enttäuscht bei seinen! 'Vater auf dessen Kost־.!! weiterzuleben bescli iesst. H. . . . Der Leser gewahrt, wie hier uu Mutbittcrlicl; ernster Stoff in der unfähigen Behandlung dieses Herrn Heyernnns iast nur Komik erhält. Gewiss hat Heycrmans!׳*mz recht, in die HtCe ׳zu grvüv'n: denn bei d'esent ZcluuiiiHionenstamm kommt es auf die paar Gerettet.11 nicht an. die Prlvatflotteu־ direktortu oder Kommerzienräte oder Museuiusgriir.dor oder Herausgeber nationaler Wochenschriften sind, sondern auf die namenlose Menge, auf die Hunderttausende. die noch wirklich sagen, was sie fühlen (das bissoh.n 1־reilieit in ihrer elenden Unfreiheit). . Gewiss also kommt cs auf die Unterste־! an: aber das Primitive ist nicht gleichbedeutend mit dein Siim'osen; die Schlichtheit nicht mit der Unlogik: die him'alt n;:!1t mit der Einfältigkeit. Dies alles bietet der schwache holländische Jude Heyconans. Sr sicht auch die welthistorische Seite des Palls nicht. Die engen Alten, ־welche den Wahlspruch der Luxemburger: ״Mer wolle blciwe. was m.r sinn!" auf den! altgraueu Fühnchcn tragen, sind lange nicht so bcstaunenswert wie die Alten Und Jungen zusammen, d e nur d:e erste Satzlullfte. ,,!!’er wolle blciwe" seit so langer Zeit beherzigen. Was an dieser historischen Erscheinung mein.m Gefühl köstlich erscheint, ist der Dascinsdrang: das Stehaufmäwicrtum. ,das ״rosse Lcbenswunder, das in diesen! Stanimbaumvolk verkörpert ist: d:e Macht, zu dauern. Und siclq Hevern!an> heutige Strömungen an: so steht an der Spitze des Mon smus B. Spinoza, an der Stütze der sozialen Bewegung K. Marx. Herr Hcvcmnos hat dafür kein:!! B'ick. Er möchte gutmütig, liberal die Entscheidung herbc.Vühreu über dis Los von so starken Kräften, die •seit zweitausend Jahren verstimmt sind. Er hat den anständigen Wunsch, zu retten, was da vielleicht dorrt urd säuert: den Wunsch, diese tiefen, zähen Urgewalten in den Dienst heutiger Dinge zu stellen. Den Wunsch, die Eigenbrödler der Menschheitsgeschicl.te in Reih’ und Glied zu steck.ה . . . indem er einen Oelpott mit einen! Dleustbesen verheuert. Welche Kluft zwischen Krait und Ziel! Hermann Hevermnns. S'e sird zu kleines Format, um das Ansgnngsdrama Ilires Volkes zu schreibei!. Sie sind wehmütig, phrasenhaft, schwach, sehr trivial. Der Anblick der Schwäche i<t uneruuicklich. Daruin sind mir all Ihre Dramen ein Greuel: und dieses ein Gelächter. Sie bleiben ein ״NacL'/iigler kleinen Formats". Sie können, als Dramatiker, ein paar Bcobachtngen mach:!!, aber Sie haben nicht die Kraft, eine Idee fülltet! zu lassen. Sie geben ein schlechtes Stück mit guten Beobachtungen. (זהי. wo Personen iiir Alltägliches äussern: spottschlecht, wo Höheres dämmern soll. Ich sagte früher von Ihren Stücken, sie hätten nicht hervorragendc Mängel, sondern Mangel au Hervorragendem. Aber dieses hat nun auch hervorragende Mängel. (Folgt sodann Cs'ue Besprechung der Darstellung im ..Klein:•!! Theater‘‘ in Berlin.) —I Aus der Bewegung ן— Uie SchekeiDIocks pro 1905 1906 gelangen jetzt zur Ausgabe. Damen und Herren, welche die Einziehung von Schekeln in Berlin übernehmen wollen, bitten wir, sich mit genauer Angabe ihrer Adresse an unsern Schatzmeister J. H. Wagner, Prenzlauer Allee 9 zu wenden. Berliner Zionistische Vereinigung. Berlin. D«־r Verein Zionistischer K a u f I e u t c ״Theodor Hcrzl" hält am Sonnabend, dem 25. November 1905. abends 9 Uhr. eine Versammlung ab. in der Herr Fritz Abra- 11 am einen Vortrag ..In der Selbst we h r" halten wird. Lokal: Restaurant Lew in. Neu•;־ Schönhauser Strasse 10. Ebcrswafde. Atu Sonntag sprach hi.r in öffentlicher Vcr- Sammlung Pr. Heinrich I.oewe über .Eine Wanderung durch Palästina". In einem fast zweistündigen Vortrage wusste er ununterbrochen sein Publikum zu fesseln und cs oft zu lauten! Beifall hinzureissen. Eine Diskussion über allgemeine zionistische I "ragen schloss sich an die Ausführungen. — Eingangs d.r Sitzung gedachte der Vorsitzende Lazarus Barth unseres verstorbenen Oser K'okesch und der jüdischen Märtyrer in Russland. Für die Selbstwehr wurde gesammelt. Z. V. Gleiwitz. Auf Anregung von Herrn stud. mail!. L o e w y l:at sich liier kürzlich nach dem Muster des Herzi-Kiubs Stctt':! ein H e r z I - K I u b G I e i w i t z gebildet. Derselbe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die jungen Zionisten, di: zwar schon zum T׳eil der Glciwitzer Ortsgruppe angchörten. aber dort so gut wie gar keine zionistische Ausbildung gemessen konnten, w irklich auszulnldcn und iür die Oranisation verw endbar zu machen. Hoffentlich folgen diesem Yorgch..! bald anderc Ortsgruppen. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren stud. matit. Joseph Loc w y. Bahnhofstrasse 5. Vorsitzender. Friedrich Silber mann. Schriftwart. Friedrich Grodka, Kassenwart. Zuschriften sind au den Vorsitzenden zu richten. Kiel. Am 15. d. M. fand hier die erste zionistische Propaganda-Versatnmlung statt, die zugleich eine Protesikundeebune gegen die traurigen Ereignisse in Russland darsteilte. Herr Dr. Felix Pinkus sprach sehr eindrucksvoll über das Thema: ״Judenverfolgungen". Herr Dr. Kalmus-Hamburg leitete d e recht lebhafte Diskussion. Fol^nde Resolution fand einstimmige Annahme: ..Die aui Veranlassung der Z. V. f. D. an! 15. d. M. im Innuugs'iaus ..Harmonie" tagende Verspmmlung Kieler Juden gibt ihrem Schmerz und Entsetzen Ausdruck über die an unseren Brüdern in Russland verübte! Gräuel und spricht zugleich den heldenmütigen Kämr'crn der jüdischen Sclbstwchr ihre Bewunderung aus." 22 Damen und Herren vereinigten sich zur Gründung einer Ortsgruppe. Doch steht zu erwarten, dass die nach dem Statut erforderlich.1־ Mindestanzalil von 30 Mitgliedern bald erreicht sein wird. Bremerhaven. Im Aufträge des Hanseatischen Distriksbureaus waren Herr Dr. Felix Pinkus und Dr. Victor von der Hamburger Ortsgruppe am 19. d. Mts. zu einer Vcrsammlung in Bremerhaven erschienen. Dr. Pinkus sprach unt:r lebhaften! Beifall über die Aufgaben des Zionismus: Dr. Victor erläuterte die zionistischen Institutionen. Folgende Resolution gelaugte einstimmig zur Annahme: ״D:e am 19. d. Mts. vcrsammelten Jiid.ii von Bremerhaven. Geestemünde unJ Lehe geben ihrer Entrüstung Ausdruck über die entsetzlichen Judenmetzeieien in Russland 11113 drücken ihre Bewunderung aus für die heldenmütigen Kampier der iiidischen Sclbstwchr.** In der Diskussion üussertc der erste Vorsitzende dur jüdischen Gemeüidc. Herr Boas, einige Bedenken, die icdoch Dr. Püikus sofort zu beseitigen wusste. Hierauf erfolgte die Gründung einer Ortsgruppe, der sofort etwa 30 Mitglieder, darunter Herr Boas, beitraten. Di: Wahl des Vorstandes soll in der nächsten Sitzung erfolgen. Up! das Zustandekommen der Versammlung, der etwa 80 Personen beiwohnten, haben sich der Leiter derselben. Herr Samitowskv. und Herr Dr. Adler-Bremerhaven, besondere Verdienste erworben. München. Die an hiesiger Universität neu gegründete zionistische Studentenverbindung Jordania" begann ihr erstes S.'mester mit dem Antrittskouvent am 23. Oktober, an

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