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Jüdische Rundschau · 1905-11-24 · Heft 47 (24.11.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 612 __ JÜDISCHE Mitarbeit antrcibcn. können sie mit uns.rer Begeisterung mitr rissen. was tausend Aufforderungen und Aufrufe der Ortsgruppe nicht vermögen. — Durch die Jugend ־ - fiir die Jugend, in hoc slgno ־,iixes! . Und die Neutralität den Richtungen innerhalb des Zinnesmus gegenüber sollten wir niclit wahren können? Wir bähen bei uns Anhänger verschiedener Richtungen, die friedlich zusammen arbeiten an der Vertiefung und Verhütung der Idee. Ich glaube auch nicht, dass national jüdische Jugendveranc c:n weiteres Arbeitsfeld b eten als zioivstischc. Wer den Zionismus verwirft, tritt auch nicht!in einen nationaljüü.schcn JugcnJvcren. und gäbe es solche, die dies täten, so würden sie uns Z.onisten an der systematischen Arbe't fiir unsere Sache hindern. Etwas aher sollten wir stets bei Seite lassen. Das B.- fassen mit Dingen wie Stclienverm'ttclung, Krankenkassen. Pensionsversicherung usw״ wie cs Herr Leopold Lesser einpfiehlt. BC! Beschäftigung mit diesen uns jmiecn Ziori'sten gänzlich fern liegenden, realen Dingen, kennten einem Teil von uns die Ideale verloren gehen, und das wäre doch janunerschade. Die Aengstüohen mögen Zurückbleiben. Unser Ruf ergeht an unsere jungen Gesinnungsgenossen, die ccwillt s'nd, allen Dochwerceu zum Trotz, mit dem Feuereifer, den die B.ge sterung für unser Ideal zu erwecken imstande ist. zu kämpfen, um die jüdische Jug/nd für den Z'onisn::׳? zu erobern. Dein! der Zionismus braucht d e Jugend. Das alte wird stürzen, die Zeiten werden sich ändern, wehe, wenn dann kein jung.5 Leben aus den Ru nen blüht. Doch es wird blühen. Wir werden arbeit.n. wir werden schaffen de Zukunft wird unser sein. S te 11 i u. Erich hreyc r. Eine Volksküche in Safed Der folgende Brief wird uns vom Berliner Hilfskomitee t'ü! die rumänischen Juden in Palästina zur Verfügung gcst.llt. und wir hringen ihn gern zur Kenntnis unserer Leser: Sehr geehrter Herr! Als ich im April dieses Jahres im Begriffe stand, nach Palast na zu reisen, ersuchten Sic mich, im Aufträge des Komitees zur Unterstützung rumänischer Juden nach Safed zu reisen und die dortige jüdische Volksküche zu inspizieren. Sie versprachen mir damals. nach e'ner vorher stattgehabten Sitzung Ihres Komitees, mir eine schriftliche Vollmacht zu dieser Inspektion e'nzusenden, jedoch blieb dieselbe aus und so vergingen mehrere Monate, ohne dass ich mein Ihnen gcgebenes Wort einlöste. Jetzt kam. ich vor wenigen Wochen, aut einem Ferienausfluge nach Haifa, befand mich also auf dem Wege nach Safed. Ich beschloss, auch ohne schriftlichen Auttrag die Reise nach dort zu unternehmen und gelangte nach einer beschwerlichen Fahrt zu Wagen und zu Pferde innerhalb zwper Tage nach Safed. Bereits auf dem Wvgc dorthin und bei allen denen, die ich inder Stadt selber kennen .lernte, erkundigte ich mich nach dem Leiter ihrer Anstalt und ,hörte, dass er überall gut beleumundet ist. dass man ihn allgemein als rechtlichen und fähigen Mensch. 11 halt. Um die Mittagsstunde ging ich •in d e Anstalt selbst. Diese liegt tu der M tte des jüii'schcn Stadt- Viertels, in sehr günstiger Lage. Ich kam völlig uuangemeldet, ungefähr eine halbe Stunde vor Beg nn des Mittagessetts au. Tritt mau in das Haus ein. so liegt zur rechten d.e Küche, zur linken dn Raum, ln verbeut die brauen essen: dann kommt man in ein grösseres Zimmer, wo zwei Jange Tische für Männer und Knaben stehen, nch.n demselben befindet sch e'n kleines Apartemcnt uir den Verwalter mit Vorratsschränken für Brot. Branntwein und dergl. mehr. Es waren alle diese Räumlichkeiten peinlich sauber, seihst die Küche machte den Eindruck guter Ordnung und der Reinlichkeit. Auf den Tischen lag für jede Person neben dem Es:.- geschirre ciu ganzes Brot, in der Mitr: standen Wasserilasclien. mit Gläsern umstellt Allmählich sanuneltcn sich die Tschge nassen, um!2 begann die Mahlze t. Hs waren an 50 Personen (In Frauen, ebensoviel Knaben. 2יי Männer) anwesend, alle boten den Anblick grosser Düritiukc't und Armut dar, manche geradezu ein Bld schrecklichen Elends. Die Gesellschait war bunt gemischt. Scphardim wie Asclikenasim und diese aus allen Ländern. Ungarn. Rumänen. Polen usw. Jede» gab beim Eintritt eine Einlasskarf.* ab. d׳'e vom Verwalter aus• gegeben werden, um den starken Andrang der Gäste zu regeln; das Mittagsmahl bestand aus Fisch und Kartoffeln, jeder erhielt RUNDSCHAU _________No. 47 eine grosse Poiiion. Ich Hess mir eine solche bringen, um sie zu kosten, und ich muss gestehen, dass sie vorzüglich zubereitet und wohlschmeckend war. Ich übertreibe rieht, wenn Ü.h sage: es war herzerhebend, zu schon. w'e diese Armen frcud.g ztigc.griffen und sich an dem erqinckten und stärkten, was die Hand edler Mensch.nficinulc :ihnen darbietet, und \ve sie ihrer dankbaren Gesinnung in euer in das Tischgebet eigeschaltekii Segensformel Ausdruck geben. Herr Taubenhaus, der während des Mittagsmahles pcrsöitlieh kam. sagt.• mr, dass au jedem Wochentage die Zahl der Gäste so grgss sei, dass manche von diesen täglich, manche• zw־e:- und dreimal wöchentlich gespeist werden, cs gebe stets abwechselnd e'n solches Gericht, bald Fleis-'l! mit Kartoffel, bald eine Kartoffclsuppe. bald Gemüse, je nach Jahreszeit und Preis der Lehensurttel. Fiir diese Mahlzeiten wird n'chts bezahlt. Anders am Sabbath, wo abends und Mittags ein aus 2 oder 3 Gängen bestehendes Mahl verabreicht werde: dafür bezahlten die einzelnen insgesamt 2 Piaster (etwas über 30 Pf. nach unserem Oelde). An Personal hat die Anstalt 2 männliche Bediente, (ein Sohn des Herrn Taubenhaus, der die Bücher führt und die Aufsicht hat. und ein Kellner) 2 w.ibiichc für de Küche. Auch ein aus -I dortigen Juden bestehendes Aufsichtskomitee ist vorhanden, von denen jede Woche e'ner bei den Mahlzeiten zugegeg ist. Wenn ich ein allgenie'nes Urteil lallen soll: Herr Taubenhaus bes'tzt unleugbar europäischen Geist, die Anstalt ist gut geführt. Diese ist eine grosse Notwendigkeit bei der .:n Safed herrschenden erschreckenden Armut, sie erfüllt, wie es scheint, und ich ,$ von allen bestätigt bekam, ihren Zweck nach Kräften. So ״laube ich. Sic versichern zu können, dass Sie Ihr Geld durch die Gründung und Aurfechterhaltuug der Volkskiiehe in nützlicher Weise verwendet haben. Ich weis?, dass Sc Bedenken hegten inbetren der Verwaltung des Bcth-TLawsclni. Herr Taubenhaus wollte mir seine Bücher vorlegen, j.־d<»1!.:־ erkannte ich sofort dass die Prüfung der Einnahmen und Ausgaben nur von kundigen Gescliäftsleuten vorgenomnien werden kann. Nun existiert zwar das obengenannte Aufsichtskoinitec. jedoch sind die Herren nicht völlig unabhängig von Herrn Taubenhaus, auch schon alt und nicht sehr in geschäftlichen Dingen bewandert. W enn Sie ganz sicher gehen wollen, so können Sie dort ein Komitee ernennen aus Mer!en. die mit Safcds Verhältnissen vertraut and. und die in vorurteilsloser und sachverständiger Weise das Ganze beauisicht gen. Ich würde Ihnen dazu die Herren Seidel. Koman. Bardasch. Levy und Dr. med. Cohn, alle wohlhabende Männer, in Vorschlag bringen. d׳e sicher gerne die Amsiul.t üb.ז nehmen werden, weil alle dem Institute wohlgesinnt sind. Es hat mich gefreut, dass ich Ihnen Günstiges berichten konnte. Erscheint Ihnen etwas der Ergänzung bedüritig. so stehe ich gern zu weiterer Auskunft bereit. Ihr ergebener Snn.-Oberiehrer Jos. C a r I ח b a c 11. Hermann Heyermans ״Ghetto“ Der bekannte Kiitiker Alfred Kcrr schreibt im TAG über das neueste ..Werk“ des Herrn Heyermans: I. Zuvörderst zeigt der Dichter Herrn M. Sacliel, der mit getragenen Kleidern, alten Plaid?. Trompeten, Schüttstiefeln handelt, in s.inem engen, vollgestopiteu Laden der Laden ist auf der Bühne virtuos hergeriehtet. Solei |ג Geschäfte sahen wir schon in der Auguststrasse z.’i Ber’in. Oder an Ort und Stelle, wenn wir das Pech hatten. je nach Amstet diCm zu kommen, diesem handelsniichternen FIc4.־k mit der« verwaschenen Menschen, wo die Holländer wie Massenartikel d.r Natur herumlaufen und im Ghetto sicehvertrocknetc Juden gepfercht sind mit schmut/.ent/ündeten Triefaugen, bleichen, langen Nasen, schrecklich reizlos — o du schetisslliche Stadl, du ähnelst einem selirijerigercii. kleineren Hamburg, mau möchte dort nicht ciiigeäschcrt sein.Herr M. Sa'chei s.tzt m seiner Höhte von AUhandUmg -- er ״leicht aber nur der Tracht nach jcn.ui ״Sohn des alten Volks“, den Jozet Israels als sein Meisterstück vor einem Geschäft mit getrageneu Gegenständen gemalt hat; . . Sachcl ist misstrauisch, erblinde!, gegen die Kunden (wie einer von ihnen sagt) ״ä Blut- Sauger", gegen die Familie 0:11 Krakchlcr. ein Griesgram, ein Nörgler, ein Mäkler, ein ״Pcge“. Daneben steht seine alte, dicke Schwester, der immer heiss ist; eine leichtere, gut mutig vermittelnde Natur — aber in Keuschheits- und Heiratsiragen eine Bisse. Daneben ein Bekannter, Aaron, der seiner

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