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Jüdische Rundschau · 1905-11-17 · Heft 46 (17.11.1905) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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% No. 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 605 Institut eingehenden Gelder zu verwalten. Das Komitee beab-! sichtigt, sieh an die grössere jüdische Öffentlichkeit zu wenden, sobald alle Vorfragen klar geregelt sind. Das wird hoffentlieh recht bald der Fall sein.. Kleine Mitteilungen Berlin. 11. November. Für die notleidenden russ sehen luden hat die Alliance I s r a e l i t c Universelle am 7. d. M. 100 000 Frs. an das Komitee in Pctersbu.g, ד in 8. d. M. 6t; unO Frs. an das Komitee in Odessa telegraph'scli überwiesen. Ihre Sammlung für die Opfer der schmählichen Verfolgungen erbrachte in Paris allein 500 000 Frs. Pas Bankhaus Meyer-Cohn n mmt Beiträge für die Sammlung entgegen■. An: S. d. •Vits, fand eine ausserordentliche Sitzung ü« s Zentral- Komitees der Allance statt, m welcher der Geheime Konimcrzienrat Ludwig Max Goldberger in Ucr!:<! anstelle des verstorbenen Justizrats Dr. H e i!1 r i c h Mcvcr-Cnhn zum Mitglied des Zentral-Komitees kooptiert wurde. Unter dem erschütternden Eindrücke der Sehrcckcnsnachrichten aus Russianddie sich fast von Stunde ־zu Stunde steigerten. kann der Vorstand des Israebt. Fortbi!u10.gsve!c:ns Mcntcficrc es nicht übors Merz, bringen, ictzt ein Fest zu feiern. Infolgedessen ist das für den 9. d. Mts. geplant gewesene?1. Stifumgsfest in letzter Stunde abgesagt und bis auf weiteres •»erschollen worden. Berlin. Die Jüdische Gemeinde wird Excrzicrstr., licke Sclnifstrassc. ein Krankenhaus errichten. Beim Hcrarmahmeii der kalten Jahreszeit macht sich in der von Arbeitswilligen voll besetzten Jüdischen ArbciterKolonle in Wcissensec das Bedürfnis nach Kleidungsstücken sehr fühl• bar. Die zahlreichen Gönner des humanitären Unternehmens werden herzlich gebeten, durch eine an Herrn Inspektor Behrendt in Weissensee bei Berlin. Wörtherstr. 20. schriftlich oder telephonisch (Amt \Yeissensec 192) zu richtende Aufforderung die Abholung von gebraucltten Sacb.cn gegen Besclteinigung giitigst veranlassen zu wollen. Der Bericht über das Rclchenhcimsche Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde. Weinbergsweg 13. für die Zet vom 1. April 19fM bis 31. März 1905 ist erschienen. Erzogen wurden im Berichtsjahre 75 Zöglinge (-15 Knaben und 30 Madien): entlassen wurden 15 Zöglinge, von denen sich zwei Knaben und ein Mädchen einem Handwerk, und sechs Knaben und ein Müdch.n einem kaufmännischen Beruf widmen, zwei .Mädchen die Hauswirtschaft erlernen. Die Gesamtausgaben beliefen s ch auf 53576.31 Mark, die durch Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuss von 25 835.95 Mark aufgebracht wurden. Für je einen Zögling betrugen die Gesamtausgaben für das Jahr 733.92 Mark, d.c Tagesvcrpfleeung für den K^of 52 Piennig. Die an der Anstalt bestehenden Stiftungen sind vermehrt worden durch die Alfred Bcnvenisti-Stiftunc. Margot Berliner-Stiftung. Ida Feist (geh. ReichenheinD-Stiftung. Dem Eisernen Fonds flössen zu aus dem Legat des Geh. Sanitätsrats Dx. Adolf Abraham 3000 Mark und aus dem der Ehrendame Frau Mathilde Bcrend 60 000 Mark. Alle Zöglinge־ besuchen öffentliche Schulen, erhalt»» aber im Hause noch Unterricht in Gelang. Turnen und Handfertigkeit. Die ehemaligen Zoglingc haben einen Zusammenhang im ..Rcichcnhcim-Vercin’ Die Anstalt steht unter der .Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Sanitäsrat Dr. Julius Stern ist. und unter der Leitung des Direktors Dr. Moritz Jutrosinski. In Posen hat sch ein Verein unter dem Namen J ii d i - sciher Di s k u t i c r k I u b gebildet, der die Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins durch Beschäftigung mit jüdischer Geschischte und Literatur und allen jüdischen Fragen erstrebt. Das Sanatorium des Dr. Hetlinger in No r d r a c 11 ist andie Rothschildstii'tung in Frankfurt a. M. zum Zwecke der Errichtung einer Lungenhclfanstalt für israelitische Kranke verkamt vordem. Sprechsaal O Für 41« MiMeitungch an dieser SteU« übernimmt die Redaktion nur die pressgcseutiche Verantwortlichkeit. An die jüdischen Frauen Nach tagelangem Weh und Jammer, den mir das unselige, alle menschliche Phantasie der Schrecken weit iibcrtrcffende Schicksal unseres Volkes in Russland entquellen Hess sagte ich mir: Nur eines gibt cs. unseren Schmerz auszulösen, die opferwillige, schnelle Tat! Und vor mein geistiges Auge trat zuletzt das düstre Bild derer, denen Mdrderhaud Vater und Mutter gerauht, der 11״- schuldigen 300(1 jüdischen Waisen. Wer nimmt sich dieser an, die jetzt die kalten Winternächte hungernd im Freien zubringen; wohin mit diesen? Mein ernster Vorschlag erbittet von den massgebenden tatkräftigen Leitern des Hilfswerks diejen ge'Hilie. die man im Jahre b91 russischen Kindern durch Gründung des Pankowcr Waisenhauses erwies. Könnte nicht auf ähnlicher Basis ein. wenn auch noch so primitives Heim erstehen, um einen Bruchteil jener Enterbten zu erretten, zu erhalten? Gern wäre Schreibcr'.ii dieses gewillt, 30 Kindern mit Daransetzung .aber Kräfte das Mutterhaus in Beaufsichtigung' und Obhut zu* ersetzen. Sic bittet nun diejenigen Frauen mm Mädchen. Jener jüdische» Vcikswohl und Erhaltung höher gilt als das eigene Ich. mitzuwirken an dem Pianc, unseren verwaisten Kindern ein Heim zu schaben. Und an Euch, Ihr Frauen mit dem Herzen zum Lichen und Erretten, au Euch geht mein Wort, nehmt Euer nur eines der verlassener. Kinder an. Wird auch nur pro• ־/.entual so wenig daran erreicht, wie sich ein Tropien zun׳ Meere verhält., nun dum. ist denn nicht ein Menschenleben genau der Rettung wert, wie unser eigenes?. Ich weiss. da» persönliche Opfer seines Selbst ist das grösste; aber hatte n ein die jüdische Frau zur Zeit der ägyptischen Sklave!ei das Verdienst, ihr Volk zu erhalten? Und wer weiss. ob durch di» Optcrbereitschatt jüdischer Frauen nicht aufs neue die rulösui'g emporspriesst. von der ein Talnmdw־“׳* v.1gt, Jass sie von den Kindern der Armen ausgeht. Wir dürfen sie inciu verlassen, wir sind ihnen, die uns als K'ndcr unseres Volkes teuer sein müssen. wie die eigenen, verpflichtet auf Leben unu Tod. Kinderträneii zu trocknen. KinJerlücheln zu er/.eagei! sind die süssesten Aufgaben der Frau. - l'nd diejenige, di«, sieh ihnen auch den fremden Kinder!! ihres Volkes gegenüber unterzieht, ihr wird der Segen dessen zuteil werden, der sich an rufe!׳ lässt als ..Vater der Waisen u:׳d Anwalt der W itwen.•‘ Eine wohltätige Frau, die nicht genannt sein wi'I, eröffnet eine Sammlung hierfür mit 100 Mk. Weitere Spenden für diesen speziellen Zweck wird Herr M. Wo! I stcincr. Berlin NW. 23. Holsteiner Hier 10. gern cntgegeiinehmen und in der ״J. R.“ auswetsen. Ch. M. Sachs. * ♦ In No. 45 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU befindet sich eine, die von den Berliner Biu-Brith-Logen unterhaltene Toyniilce-Hallc betreffende Notiz, die diese Institution unseren Freunde;! zu Besuch und Mitarbeit angelegentlich cmpnhlt. In dieser Notiz nndet sich folgender Passus; ״So löblich die Institution der T0\nbechalle ist. so dürfen wir doch wohl erinnern, dass wir seinerzeit namens ihres Vorstandes ohne jede Veranlassung von der Mitarbeit ausge’nücu wurden, weil wir Ziiüstcn sind." Dieser Passus muss auf einem Irrtum beruhen. Die loynbeehalL ist von den Bnö-Brith-Logen gegründet, ist iedigl.ch eine Logeninstitution und wird von einem ausschliess• he'1 aus Logenbrüdern bestehenden Komitee verwaltet. Die Mitarbeit Aussenstchendcr beschränkt sich somit auf eine übernähme von Vorträgen und Darbietungen im ges.lligen Teil. Ein Blick in die Liste der Vortragenden Zeigt nun. dass vom ersten Anbeginn an unter den Rednern eine aussei ordentlich grosse Zahl Zionisten waren und!loch sind. Aber auch in den! hogen-Koinitee und in d.m aus de sein hervorgegungenen enger»;! Vorstände arbeiten zionistisdie Brüder mit. und zwar gleichfalls von Anfang an. so z. B. Dr. Citron. der erste Schritttüll 1 er. Dr. Karl Lew in. der derzeitige Schriftführer, unser Dr. Klee, der Unterzeichnete und andere mehr. Dass d.. Halle ihre Existenz wesentlich dem schönen Vortrag, den unser Gesinnungsgenosse Prof. Dr. Kellner s. Zt. vor den hiesigen Logen gehalten Int. verdankt, dass sie eigens nach dem Vorbilde der Wiener jüdischen Tonvbeelialle. die von Zionisten gegründet ist. eingerichtet wurde, dürste bekannt sein. Davon, dass neben Berthold Auerbach und Moses Monteüor», wach denen sieh Berliner Logen neunen» auch unseres verklärten Theodor Herzls sei. Bild an weitlun sichtbarer Steile in der Halle angebracht ist. kann sich jeder Besucher überzeugen. Woraut sich also die Notiz, in der RUNDSCHAU bezieht, ist unverständlich. Das strikte Gegenteil muss hervorgehoben werden. Gerade in der Tovnbcehalle arbeiten alle sozial interessierten jüdischen Kreise Berlins in gleicher Treue gemeinsam und das Verdienst der Logen, diese wundervolle Institution allen Schwierigkeiten zum Trotz — und es gab deren gar viele, die glaubten Schwierigkeiten machen zu

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