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Jüdische Rundschau · 1905-11-17 · Heft 46 (17.11.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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No. 46 Seite 604. a c h t u n g arbelangt. haben unsere Juden eben noch sehr viel zu lernen. Man sollte einmal t u Fabelbuch mit solchen und ähnlichen Geschichten zur Unterhaltung und Belehrung herausgehen — wir fürchten nur. d i e Juden würden es nicht lesen. Zeichen der Zeit f Die ALLGEMEINT. DEUTSCHE UNIVERSITÄTSZEITLNU. mit der med'zinischen Bei’aee AESKL'LAP hat nach zwanzig-;;ihrigem Bestellen ihr Erscheinen eingestellt. Sie bekämpfte den Antisemitismus, nicht minder aber das lebenskräftige Judentum. Die ALLGEMEINE DEUTSCHE UNIVERSITÄT?־ ZEITUNG hat sich vollständig überlebt. Sie vertrat dien deutschnationalin Kos;1u*po!itismus. der vor dreissig Jahren Wenigstens den Assimilationsjudcn behagte. Sie ist eiligegangen aus Mangel a!1 Lesern. Abonnent.1! und vor allem geistigen Kräften. Dass sic den Zionismus bekämpfte, ist selbstverständlich: denn das Tote lehnt das Lehen ab. RUNDSCHAU V. ü. St. Verein Jüd scher Studenten Breslau i m B. J. C. Der Verein Jüdischer Studentin an der Univcrsitiit Breslau kann das verofissenc XII. Semester als ein sehr erfolgreiches bezeichnen. Die altbewährten Bahnen wurden weiter ausgebaut und dadurch das Tätigkeitsgebiet erwc'tcrt. Das Semester b.gann am 2. Mai mit den! Antritts- Konvent: hieran schloss sch einige Tage darauf eine grosse, zahlreich besuchte Antrittskneipe, auf der sich sechs neue Füxc aktiv meldeten. In der Generalversammlung des Zentral Vereins Deutscher Staa tsti'ü r g c r .Jüdischen Glaubens wurde wie bisher ein Vertreter des V. J. St. in den Vorstand g.Wählt. Aber auch die <i rni e r c A r beit ruhte nicht. In den F u x e n s t u 11 d c 11 wurden neben rc« studentischen Fragen jüdische Fragen lebhaft besprochen. Jüdische Geschichte und Literatur wurde gepflegt und allwöchentlich fanden Vorträge über jüdische Themen statt, au die sich lebhafte Diskussionen knüpften. Hieran schlossen sieh feucht-fröhliche Kneipen. Folgende Vorträge wurden hu Sommer-Semester gchalt-'n: 1. Die Strömungen im heutigen Judentum. 2. Kritisches Referat über Fromers ..Wesen des Judentu ms״. 3. Geschichte der Enwlckelung uns.rer palästinensischen Kolonien. •b Die Bedeutung der Speisegesetze. 5. Oppe״heimerscheSiedh:ng*־ge!1fSsen5clu1ftc11 in Palästina. Gab der Verein so seinen Mitgliedern das geistige Rustzeug, um sie zu gradeu. offenen und selbstbewussten Jud.-n zu erziehen, so sorgte er auch iür ihre körperliche Ausbildung durch tägliches Fechten und allwöchentlichen Turnunterricht. In dem Kampfe um die sogen, akademische Fre heit hat tmser Anfang Juli in Berlin tagender Kartelltag durch eine Resolution Ste lling genommen, die bereits bekannt ist. Ferner wurd: aui dem Karte’ltage die Einrichtung eines i ii U i s c 11 ־ a k a d c in i s c 11 e n A r b c i t s a m t e s für d r c östliche 11 P rovi n 7. e 11 mit dem Sitz in Breslau Fesch'ossc!!. Dieses Arbeitsamt soll dazu dienen, jüdischen Akademikern geeignete Positionen zu verschaffen und gleichzeitig dein Rückgänge der indischen Bevölkerung, besonders in den klein.n Städten, durch Heranziehung von Vorkämpfern für ihre Interessen emgcgenarheitcii. Alles .Nähere wird noch bekamitgegebeii werden. Ausserdem beteiligt sich der B. .1. C. auf Aufforderung des Verbandes der Deutschen Juden an der im Werden begriff.neu Organisation eines jüdisch-akademischen Arbeitsamtes für ganz Deutschland. Schliesslich seien noch de ini Sommer bereits begonnenen Arbeiterkurse erwähnt, die dazu dienen, den des Deutschen nicht mächtigen ausländischen jüdischen Arbeitern durch Unterricht in der deutschen Sprache. Lesen usw. das Fortkommen zu erl.iclitern. und die nach dem Vorbüde der Berliner Arheiterkurse weiter ausgebildct werden sollen. Diejenigen indischen Akademiker. d;e uns hierbei helfen wollen, bitten wir uns ihre Adressen anzugcbeii. Eine reiche, schwere, aber freudige Arlv.it wartet unser. Auf zur Tat! (Zuschriften sind zu richten an M. F r e 1111 d . Breslau. Eriedrichstrasse 66.) Eine Warnung Von dem Deutschen Bureau der Al'hiuce kra&l'tc L'niverrcllc *n Berlin wird u״s geschrieben: Seit einig( r Zeit wird Deutschland. Oesterreich und Russ-!and von Abgesandten des ״Israelitischen Blinden- Instituts" :11 Jerusalem besucht, zur E'iisaimnlung milder Gaben. Gegen die Ehrenhaftigkeit dieser Männer lässt sich nichts einweiiden, aber das Publikum muss doch darüber aufgeklärt werdui. dass diese Art von Sammlungen ebenso altmodisch w-'c kostspielig ist. hs hat sieh heratisgestellt. dass das im übrigen durchaus vertrauenswürdige Verwaltung;»- Komitee in Jerusalem einen ganz, unverl.ältnismässig gross.11 Prozentsatz vorn Erlös der Sammlungen auf Propagandaspesen verwandte. Das liegt weder im Sinne dvr freundlichen ('•eher, noch im Interesse des Instituts. Da die Sache an lind iiir sich bei dem!).kannten Überfluss an Augenkranken und Hlitv kn im heil gen Lande dringend notw endig ist. so hat sich in Frankfurt a. M. ein Komitee aus einflussreich•:!! Männern gebildet, das versuchen wird, de Verwaltung des bereits stark verschuldeten Blindcn-Instituts in Jerusalem zu übernehmen,!׳utigenfalls ein neues Institut, verbunden mit einer Augenklu/k. zu begründen. Di.sem Komitee werden sich Zwciekomitecs in den grösseren jüdischen Gemeinden angliedern. Beiträge für das Blinden-Iustitut wird mau gut tun. an das Komitee in Frankfurt a. M.. zu Händen des Kass;erers des Vereins ..Lcmaan Zion". Herrn Liesmami Fürth, i. Fa. Oebr. Fürth & Co. zu I senden, der die Freundlichkeit hat, vorläufig die für das Blinden- Ein alter Friedhof Die GRrNZZEITlWi in Bcuthen schreibt: Der alte jüdische Friedhof: an der Kaisers:rasse war vor enieer Zeit ן zur Erinnerung ai: de Zerstörung Jerusalems wieder dem; Publikum geöffnet, das an den Gräbern teurer Angehöriger I Piliente״ der Pietät crfül'te. Es dürfte iür einen grossen Teil; des Lescpublikutns unserer Zeitung ein gewisses Interesse füll e:׳, über dfcseu alten, seit etwa vierzig Jahren geschlossene•! Fredliof. etwas Näheres zu erfahren. Er stell: eine Bergeslehne dar. umgrenzt von der Kaiser-, Lange* u! d Dvngisstrnssc: der kleinere Teil links vom Eingänge hat sich im Laufe der Jahre muldenförmig v :r' eit. Uralte Grabsteine mit stark verw itterten, kaum 1< ch entzifferbaren hebräischen Insclir ften. stellen in dichten Reihen bei einander: die Grabnfleee ist nur minimal; wo Gralmmnuineme in deutlicher lesbarer Schrift' hebräisch und deutsch - noch vorhanden sind, sind sie au Stelle der alten, zerbröckelten und zerfal'enen Grabsteine getreten, gestiftet aus Pietät und Dankbarkeit. Auf d'esctn alten Friedhofe ruhen Manier, die zuin Woble unserer Stadtgemeinde treu und redlich beigetragen haben. Mitglieder unserer Sv11ae״״en-Gcn1einde. die bei ihr noch lange in guten Andenken stehen werden. Die Rabbiner Israel Deutsch und Mendel Cohn waren treue Seelsorger in hiesiger Gemeinde; den be'den letzteren, deren Gräber neben einander liegen, hat der hiesige israelitische Krankenpflege- und Beerd'gunesvcrein in neuester Zeit ein würdiges Denkmal gestiftet. Dcscr alte jüdische Friedhof dürfte, nach der ältesten Orabsteinschrift 7.u schliessni. auf ein Alter von 170 Jahren zuriickHicken: das letzte Grab hat sch hier über Frau Kommerzienrat Moritz Friedlürder geschlossen, die im Februar 1896 neben ihrem Gatten beigesetzt wurde. Bekanntlich bilden Grabsteirinschrift׳•!’. Ouellen zur Geschic!.ts»orsclumg: diese sind auch in einem -׳tjistoriselieii Werke über tfe Svnagogeneetnchide Beutheii Imamre70ge» worden, das der hiesige Rabbiner Dr. Kopfstein von 15 Jahren verfasst hat und das Leute noch sehr lesenswert ist. Wer s;ch Zeit und Müsse nimmt, die Grabsteine genauer zu studieren, wird über die Langlebigke t unserer Vorfahren ganz interessante Aufschlüsse erhalten. Das höchste Aber dürfte Frau Lea Schweitzer geh. Prager.‘ aus Schwieibochlowitz erreicht hab•'!!. die int Juni 1862 im Alter von 106 Jahren verschieden ist. Auf dem neuen indischen Fr׳e׳il'o־'e ruht eine Frau Siedner. die vor etwa drei Jahren im hohen Alter von 99 Jahren verschiede!׳ ׳st. Für die Instandhaltung der Cmb- Stätten der auf dem alten Friedhöfe Ruhenden kan״ mancherlei getan werden: die hierfür a׳* den Israelit'scHcn Beerdigunesverein zu entrichtende Gebühr ist tatsächlich gering. Die;rteneti Grabsteine kö!’׳!:e״ wohl Konserviert. auch durch ohotograpYschc Aufnahmen für spätere Geschichtsforschung erhalten werden. Dazu bedarf es wemeor grosser Mi’tcl als eines grösseren Verständnisses iiir ideale Zwecke, das nur einiger Anregung bedarf, um betätigt zu werden. ־ Dieses Verständnis auch an anderen Orten zu wecken, wo solche alte geschichtlich interessante Denkmäler sien finden, wäre iür zionistische Gruppen. d:e an solchen Orten oder in der Nähe ihren Sitz haben, eine sehr dankenswerte Aufgabe. — Wir machen bei dirser Gelegenheit darauf aufmerksam, dass namentlich in der Provinz. Posen eine Anzahl sehr alter, jiurscher Friedhöfe sind, die für di׳.* ältere Geschichte der Juden in Polen von höchster Beücu'upg sind. Von den drei Friedhöfen der Gemeinde in Wr«nke bücken zwei auf eine nielirhun* dertiährige Vergangenheit zurück. Besonders sollte der älteste, ganz Mc'üie Frieibof. von der FTiedhotVorschung beacht.t w rden. Von Interesse iiir diese wäre auch der alte Begräbnisplatz in Strefitz in Mecklenburg, wo die ehemals sehr zahlreiche Judcngemeirde nur noch aus wenigen Familien besteht. JÜDISCHE

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