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Jüdische Rundschau · 1905-11-17 · Heft 46 (17.11.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 46 Seite 597 JÜDISCHE RUNDSCHAU t - sagten die Leute, deren ganze Tätigkeit durch lauge Zeit sich auf die Polemik mit den Tschinowniks3) beschränkte Wo waren eure Spenden (wir braucht.11 euer Geld nicht!) für die von den Krawallen Betroffenen, damals als sogar dk Aennstc» der Juden ihre Groschen opferten für die Hungernden im Gouvernement Samara? Von Ze־t zu Zeit habt ihr gnädigst verkündet, dass die Juden nützliche Bürger sein können, und dass es ungerecht und unklug sei, Ruten die bürgerlichen Rechte zu entziehen• Aber als die Jud;n selbst etwas lauter von ihren Rechten zu sprechen begannen, als cs dem feiucmpfindlfchen arischen Ohr angenehm war, da habt ihr es ״Taktlosigkeit" genannt und habt sogar leise von ״Unverschämtheit” gesprochen . . . Eure ausläud:schen Apostel der Gerechtigkeit, die Sozialdemokraten, haben ihr Anathema gegen den jüdischen ״Bund" ausgesprodien, als er die Frechheit hatte, von einer jüdischen Nation zu reden. Wir waren afir euch die Parias, denen man gern einmal wohlwollend aui die Schulter klopfte — und doch war in uns die revolutionäre Kraft, die den Anbruch der Ereiheit beschlcunigtc. Ja, nun ist aucl! die Presse frei geworden. Und was für ,.unzeiisuriertc" Nachrichten brachte sic am ersten Tage der verkündeten Freiheit? Von de;1 Strumen jüdischen Blutes musste sie berichten, die aufs neue vergossen waren, vo:1 neuen Schandflecken in der Geschichte eures Volkes. Ich weiss das ist die ״schwarze Bande"! Ich weiss — das ist Plehwe! Und wer Jetzt, Witte? Vielleicht Trepow? — Ich wage zu behaupten, dass Trepow, der wahrlich keine Patronen spart, diese Hetzen nicht inszeniert, nicht einmal veranlasst hat, sowenig wie ihr, freilich aus anderen Gründen. Der letzte Urheber dieser Metzeleien ist die russische Gesellschaft, ist das russische Volk! Die antisemitische schwarze Bande ist nur der rohe Ausdruck eures verfeinerten Antisemitismus, wie einst die revolutionäre Garde nur der Ausdruck war des dunklen Bureaukratenliasses des Volkes — die ״schwarze Bande” ist eure Hand, wie die revolutionäre Garde das Haupt des Volkes war .... Genug — ich habe gesagt, was ich fühle, und w a s h e u t c jeder Jude fühlt, der sich nicht selbst betrügen will. Was folgt daraus? Jetzt ist nicht die Zeit, daraus den Schluss zu ziehen. Jetzt sind *die Tage der Trauer, Tage schrecklichen Leidens, und umso־ schrecklicher, als man sich losreissen muss zur Organisation der Hilfe für die vernichteten Existenzen, für die Tausende, die mit einem Schlage in Not und Elend gebracht sind .... Möge dieser blutige Schrecken unsere Arme und Herzen stark werden lassen. Möge er uns Juden zu einem grossen nationalen Kampfe vorbereiten! ״Herzlbund“ In Nummer -13 der RUNDSCHAU zweifelt Herr Hecht die Notwendigkeit d-.vs .,Herzlbundcs" an. wobei er aü״ den Gegensatz hinweist, dass der Bund UNSERE HOFFNUNG zu seinen: Verbandsorgane gemacht habe, die gegen die Begründung vor. Schülcrvcre neu Stellung nimmt. Was die Existenznotwendig־ keH des Herzlbundcs anlapgt. so bin ich zu deren Vereidigung nicht kompetent und in die näheren Pläne seiner Propagatorei: nicht eöigeweiht. Nur soviel sei hier gesagt, dass ein Gegensalz zwischen den Prinzipien von UNSERE HOFTNUNG und den Intentionen des ״Herzlbundcs” m. E. n'cht besteht. Allerdings steht die Redaktion von UNSERE HOFFNUNG auf den: Standpunkt, dass ein Hhieinziehcn von Schillern jcg'ichcr Kategarie in die Partei fragen des Zionismus sowie in das Vereins leben überhaupt. als durchaus unoädagogiscli. und darum für die Jugend nur schädlich, verurteilt und hiinange- 3) Unterer Beamter: gemeint ist der Kamp״* gegen die untere Bureaukratie. (Anm. d. Redaktion.) halten werden muss. Doch habe ich das Programm ..Herzlbundcs" niemals derart aufgefasst, dass ich sein Tätigkcitsfeld in der Gründung von ..Pcrmülcrvereineir erblickte. — Der ״Herzlbund" hat durchaus ernste Aufgaben. Er kann segensreich wirken, wenn seine Leiter mit dem nötigen Ernst zu Werke gehen und allen bl׳nd:11 Eifer vermeiden. Es..gilt de werdende Generation, die intellektuelle Jugend in den Schulen. namentlich zur rechtin Zeit, in m o d e r n - j ü d i s c h c יח Sinne zu beeinflussen und dem Judentum zu gewinnen. Nicht einfach nach der Schablone Zionisten zu ..gewinnen", sondern die Jugend für einen Zionismus vorzubereiten, dei־* mehr ist als ein Parteiprogramm. Es gilt, der Jugend — bis zu enem gewissen Grade wenigstens — das zu bieten, was ihr Schule und Elternhaus voraithält. — Und hier sollt? eine Organisation überflüssig sein? Bef einer Sa/che. dec die zukünftige Generation betrifft, wo es gilt, nach gemeinsamen. Prinzipien vorzugehen, die noch fcstzustellen sind, wo es gilt, s;ch über wichtige F'ragcn klar zu werden, damit nicht Unberufene mit plumpen Hänaen das zarteste Gebilde zerstören und Verbrechen begehen ..gegen keimendes Leben", wo ein gemeinsames Programm und gemein*'_״nes Vorgehen einen Zug von Grösse in die Arbeit bringen ׳,״iss. Was nützt all das. was andere ..in Posen bereits praktisch erprobt haben", wenn man in Berlin und Magdeburg nichts davon weiss? Die Aufgaben des ..Herzlbundcs” stelle ich mir fol״cmLr-!nassen vor: Es sind lokale Arbeitsgrunpei; unter gemeinsamer Leitung zu bildet». Diese haben c|!erörtern die jüdischen Schulleitungen zu 1 ccii:*lussci». Gründungen von Jugcndkurscn für die Volksschuljugend und die Fortgeschritteneren anzurege.! und durchzuführcii. für passende Lektüre zu sorgen. ״Jung Israel‘־ und ..Unsere Hofinme" zu verbreiten. eventuell geeignete Schriften zu verlegen. Es sind womöglich Pädagogeu heranzuziehen. Neben dem Jüdischen darf das Aligemene nicht vernachlässigt werden. Besonders sei hier auf die reformcrische Richtung der ״Kunsterzieher” (Hamburger Lehrervereinigung) aufmerksam gemacht Dies nur Grundzüge! Die Logen sind in Deutschhand bereits a:. der Arbeit, sollen wir massig abseits stehen? Der Artikelschrciber hat auch Herzls Namen hineingezogen. Hier ein Zit?t aus Herzls ״Reise sc gen” (So. 1. Unsere Hoiinung): ״Die Herausgeber dieser Zeitung haben sich eine schöne und grosse, freudige und schwere Aufgabe gesetzt; sie woben unsere Jugend, unsere Hoffnung in dci: Mittelschulen mit ‘dem ziomst'schen Ideal ergreife״. Es gibt kein herrlicheres Werk zu tun in der Vorbereitung des jüdsehen Volkes für sc'me kommenden Geschicke. Die Schüler von heute sollen Gesellen und Meister werden, und uns, die wir heut? sebaffen. ablösch i«1 der Arbeit iür den Zionismus.“- Dem, glaube ich. ist nichts mehr hinzuzufügen. Wien. Arthur Freud. Redakteur von UNSERE HOFFNUNG. Akademischer Verein ״Jüdische Kultur“ (Qbersetzt aus dem Jüdischen.) Wien, im Oktober 1905. Gegen das Ende des Mittelalters lebte der grösste Teil des Jüdischen Volkes in Deutschland und sprach deutsch. Da sich aber die Juden des Hebräischen als Schriftsprache bedienten, mischten sich viele hebräische Wörter in ihre deutsche Sprache. Dejenigen Juden, welche nach den Verfolgungen der damaligen Zeit in Deutschland zurückblieben, arbeiteten diesen Mischdialekt nicht zu einer eigenen Sprache aus und heute kann man ihn in Westeuropa nur noch vo:! wenigen alten Juden sprechen hören. Anders war die Entwicklung bei dem grösseren Teile unseres Volkes, das sich in den slavischcn Ländern Osteuropas niedcrliess. Allmählich schlichen sich hier in ihre Sprache auch slavischc Wörter ein, und aus der deutschen Sprache, von hebräisch.:.» und slavischen Wörtern durchwirkt, bildete sich ein neues Idiom, die jüdische Sprache, heute die Mutterspräche von acht Millionen Juden. Der Genius des Jüdischen Volkes hat der!fremden Sprache seine Seele cingchaucht und drückte ihr den spezifisch jüdischen Charakter auf. Acht Millionen Juden reden und denken in dLser Sprache; Künstler, wie Percz. Mendele. Rosenfeld. Reisen. Pinsks und viele andere schreiben in ihr; zahlreiche Zeitungen und Bücher w׳erdcn U» ihr gedruckt. Trotzdem gibt es Leute, die

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