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Jüdische Rundschau · 1905-11-17 · Heft 46 (17.11.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 46 JÜDISCHE fcÜÜDSCriAÜ Seite 595 Euere! Lordschaft vielfache Beweise ihres grossen Wohlwollens gegeben hat, erlaube ich mir, an Euere Lordschaft in einer Stunde höchster Gefahr für Millionen unserer Brüder im Osten die ergebenste Bitte zu richten, die englische Regierung wolle den in ihrem Leben Bedrohten ihren machtvollen Beistand gewähren. Ununterbrochen laufen beim zionistischen Aktions-Komitee entsetzliche Details über die Gemetzel von Frauen, Kindern und Greisen ein. Die Gefahr ist nicht vorüber und droht durch da,s Uebergreifen der Mordbewegung auf das ilachc Land noch Tausende von Existenzen zu vernichten. Wir bitten im Namen der Menschlichkeit Euere Lordschatt, durch die wohlwollende Intervention der britischen Regierung auf die Beendigung der furchtbaren Greuel hinzuwirken. Ich verharre als Eurer Lordschaft ganz ergebenster D a v i d W o I f f s 0 h n , Präsident des zionistischen Aktions-Komitees. Köln, Deutschland. ¬ן¬ Lord Lansdowne antwortete : President Zionist organizing coinmittee Cologne. London, 9./11. I liave rcceivcd your telegram 01 yesterday. His majestys goverament greatly deplore suffering oi your corrcligionists an liave reason to believe that russian govermnent is making every efiort to bring these lamentable disorders to an end. L a n d s d 0 w n c. An den Präsidenten des zionistischen Aktions- Komitees, Köln. London, 9./11. Ich habe Ihr Telegramm von gestern erhalten. Die Regierung Seiner Majestät bedauert tief die Leiden Ihrer Glaubensgenossen in Russland und hat Grund zu glauben, dass die russische Regierung alle Anstrengunge.n macht, um den beklagenswerten Unruhen ein Ende zu bereiten. .* Landsdowne. Zu dem am 14. November in London veranstalteten Massen-Meeting sandte der Präsident des A.-K. folgendes Telegramm: Llkewlse London. Massenmeeting Memorial Hall Tarrington Street. Zionisten! Brüder! Das Aktions-Komitee erhält stündlich neue Hiobsbotschaften. Das Unglück unserer russischen Brüder scheint noch viel grösser, als allgemein bekannt. Alle Berichte stimmen überein, dass die Gefahr noch nicht vorüber. Das Aktions- Komitee tut das Möglichste und erhofft auch von seinen politischen Schritten Erfolg. Doch ist der bereits angerichtete Schaden und die Not unermesslich gross. Unsere armen Brüder erwarten unsere Hilfe. Nicht nur Witwen und Waisen müssen wir hcjfen, wir müssen auch unsere Brüder, die ihr Leben gegen Mordbanden zu verteidigen haben, in ihrer S e 1 b s t w e h 1 unterstützen. Unser Trust wird grosse Anstrengungen machen, ich bin überzeugt, alle unsere Aktionäre werden gerne die diesjährige Divfdende für die Unglückliehen Brüder hergeben. Abe.r auch jeder Einzelne muss kräftig mithclfen. Hoffen wir zu Gott, dass aus diesem Unglück endlich für alle die Erkenntnis erwächst, dass die grossen Leiden unseres Volkes erst in unserer alten Heimat authören werden. Mit treuem Zionsgruss , David Wolffsohn. _J, Zum Judentag Waren die Nachrichten von der russischen Bartholomäusnacht schon in Berlin bekannt gewesen — der deutsche Juden־., tag, oder wie es jetzt (harmloser heisst, ״die Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden“ hätte unter Stürmen getagV. Aber das neue grosse U.^Iück unserer Brüder war noch nicht bekannt und so klang er in einer friedlichen Demo!!- stration für die missachteten Rechte der deutschen Judcnheit aus. Wir halten das für einen Gewinn; so konnte keine Missdcutuug entstehen. Nicht unter dein Eindruck äusserer Ereignisse, nicht vom materiellen Elend gedrängt, vereinigten siel! in Berlin die Vertreter der deutschen Judenhcit nein sie kamen zusammen, um zum ersten Male offen Zeugnis dafür abzulegen, dass im parlamentarisch regierten deutschen Lande ciie furchtbare geistige Judennot besteht. Und sL Uwk«.1״ten. dass cs ein moralisches Elend gibt, das dem körperlichen wenig nachstellt. Sic erklärten weiter durch den Mund des Dr. Werner aus München, ja. des Dr. Werner aus München, dass wir stolz sein dürfen auf unseren Namen, freudig bekennen, dass wir hwar gute Deutsche — aber auch gute Juden sind! Und er iuhr fort: ״Wir sind stolz darauf, von den Geschlecli.er i abzustannnen, die der Welt das Edelste und Höchste gegeben, dass auch in unseren Adern das Blut der Propheten rollt. Kann etwa bestritten werden, dass viele nichtgermanische Stämme in Deutschland wohnen, dass ganze Teile des Reichs von Völkerschaften bewohnt sind, die ursprünglich auch keine Germanen waren und i.tzt d;e besten Deutschen sind?“ Wer hat das doch schon früher gesagt? Wir erinnern uns, das an ganz anderer Stelle gehört zu haben 1 Aber wir wollen uns dessen trauen und nicht Erinnerungen pfleg«!, die einen herben Beigeschmack haben. Ist doch der Judentag ein historisches Ereignis ün Leben der deutschen Judenheit. Unter schweren Nöten ist er geboren worden und den Männern, die jahrelang ihre besten Kräfte an das Gelingen des Werkes setzten, gebührt dhr Dank der Gesamtheit. Die ersten Anfänge liegen jahrelang zurück. Als der Plan zum ersten Male vor einer Vertrauensmänuerversammlung verhandelt wurde, brachten ihn die Bedenklichkeiten von Männern zu Fall, die gewöhnt w׳aren, alles ״den christlichen Freunden zu überlassen". Hinter verschlossenen Türen fielen Worte der Angst, der alten Ghettofureht, der Gleichgiltigkeit. Der Parteiiiberalisnms ward als der Retter aus aller Not gefeiert, jede Organisation als Angriffsobj'ekt für die Antisemiten gekennzeichnet Aber die Tatsachen sind stärker gewesen, als das Nichtwollcn, mit eis.rner Faust hat das Schicksal an dem Gewissen gerüttelt. Und da wir ehrlich das Verdienst anderer anerkennen, so sdll auch an dieser Stelle der Namen der Rhilippsuu, Edmund Friedemann, Breslauer. Fuchs und Horwitz nicht vergessen werden, die redlich iiir die gute Sache eintraten. Sie vor allem haben alles zum guten Ende gebrach . Aber auch der Zionismus darf sich ein gut Teil Verdienst am Gelingen beimessen. Hat er doch zuerst in zahlreichen Masse.!•.- Veranstaltungen den Judentag gefordert wieder und wiede.־ aui die Notwendigkeit der Gcsamtorganisatioii hingewiesen, und ״mit dem Zentralverein gewetteifert, Stolz, Selbstbewusstsein und Treue unter den Juden 74! verbreiten und den Geist zu bannen, der in! AssimiluiiLntum so gefährlich für die Juden geworden war,“ wie Herr Fuchs vom Zentralverein ausführte.-— Sein Referat ist wrohl als das beste der Tagung zu beze chneu. Klar und prägnant war seine Darstellung von der Geschichte des wiedererwachenden Selbstgefühls, klar hat vr auch erkannt warum wie die gesetzlich errungene Position nicht verteidigen konnten: weil nämlich die Emanzipation nicht durch jüdisches Blut und jüdischen Schweiss gekittet worden, sondern unseren Vätern zumenst als Frucht liberaler Weltanschauung an den Schoss gefallen ist Und treffend zeichnete er die Vereinsmeierei, die grosse Zeitaufgaben durch

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