Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1905)
- Date
- 1905-11-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651439--02958-2659865- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 4ri JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 588 die Jede praktische Tätigkeit auf unabsehbare Zeit hinausschiebt. 7u befehden. Zur ״J. T. 0." dagegen. die ein jedes Territorium, Zion mit einbegriffen. als din Zweck ihrer Tätigkeit anerkennt, zu ihr kann die Gruppe der deutschen P. Z. in keinen anderen als freundschaftlichen Beziehungen stehen — soviel, was die theoretische Frage betrifft. Was die praktische Tätigkeit jJdoch anbelangt, die nur darin bestehen kann, ganz unmittelbar und geraden Weges auf die Erlangung eines möglichen Territoriums loszusteucrn (wobei der Endzweck natürlicher Weise Keineswegs hemmend im Wege stellt), so müssen sich beide Parteien zu di.scr gemeinsamen Arbeit die Hand reichen. Die P. Z. Deutschlands sind vor eine klare, unzweideutige Alternative gestellt; das ergibt sich schon ganz gewiss aus dem neuerdings in der JÜDISCHES' RUNDSCHAU veröffentlichten Aufruf Dr. BoJeuheimers. Aus ihm «folgt. dass alle diejenigen, die auf dem Bojen der alten Organisation stehen und stehen bleiben wollen, sich in kc:ncr Weise mit den Bestrebungen der J. T. 0. vereinigen können. Und das geht nicht eigentlich aus jen:m Briefe erst, sondern auch vor allem aus der bekannten, aut dem Ml. Kongress angenommenen Rcso’ution hervor, durch die der Sinn des Baseler Progratmr.es in bekannter Form präzisiert werden sollte. Die mildere Komentation Nordaus. die die scharfe Ausprägung des gegensätzlichen Standpunktes absclilelien wollte, hat nur einen persönlichen, aber durchaus keinen offiziellen und irgend wie verpflichtenden Wert: zu dein steht sie auch keinesw^s im Einklang mit der Reso- *Imion des Kongresses. — Die politischen Zionisten Deutschlands können, so lange s'e auf .dem BoJen der alte» Organ!«״!;־«:: stehen, niemals dar. erreichen, was sie erreichen woheu. Wol'en sie aber mit ihren Aufgaben wirklich ernst nachen. so hat jene Kongressresolution und die Stimmung der von l'ssischkin geleiteten Majorität das letzte Wort über ihre Stellung gesprochen, l'nd deswegen richten wir an sie die Frage, die ihnen selbst klar vor Augen stehen muss: Jetzt wohin. D. J 0 c h e 1 m a 11 n. Antisemitenwirischaft in Dresden ln Dresden wurde bekanntlich vor kurzem gegen den ehemaligen Direktor 1. e h 1 c i t n c r geriehtl'clt verhandelt. Dieser ehrenwerte Herr, dem Schwindeleien grossen St:ls uachg wv!csen wurden ist als Ober-AnEs-’niitePch bekannt cewesen. Interessant ist was die DRESDENER RUNDSCHAU über das Ycrhälpvs Lch’eitners zur Antisemiten-Chque in DrekUn zu berichten vveiss. Das Blatt schreibt: . Im Fall! Lehleitiier handelt es sich darum, dass dieser sch!!e:digc Dircktor unter dem Schutze der Reformer stand d e ihn hegten und pflegten und den Deckmantel christlicher Nächstenbebe über sein Tun breiteten. Da; ״cschab natürlich aus Patriot'Smns: man wollte d:e ..Roten** aus der Verwaltung drängeln, unj das ist ia auch zum Hc'lc d״s — Lehlcitncrschen Geldbeutels glänzend gelungen. Als die Verwaltung aus Reformern bestund. hatte Herr Uehlcitncr freie Hand: er konnte tun und lasse!׳, was er wollte, cs wurde gebilligt oder gar offzicl! erklärt dass er zu seiner Handlungsweise d*c mündliche Genehmigung des Vorstandes besessen habe. Natürlich wurde auch die WACHT g e!1 e r ö s unterstützt: sic crbklt zahllose Priickaiifträgc selbst wem׳ sie um etwa 90 Pro- 7mt teurere Pre:se forderte als andere Druckereien. Auch Wechsel wurde!׳ ihr diskontiert usw.“ Das s’nd }׳־ ganz, allerliebste Dinge! Der WACHT ist die Sache so imangerehrn. dass sie sieh tok׳endcrmasscn heraus- /!«reden sucht: . H׳cr/u haben wir zu erklären, dass seit dem Uebergang der DEUTSCHEN WACHT :!! Privatbände irgendwelche geschäftlich»• oJer sonstige Beziehungen zwischen uns 111׳d Herrn Lehleitiier oder drr Dresdener Allgemeinen Versichern!.gs׳!»־st:׳lt nicht bestanden haben. Hs könnte s:cb also mir um Vorgänge Inndeln. die zu einer Zeit gespielt!!aber! »*,s die DEUTSCHE WACHT noch Aktiengesellschaft war und die sich unserer Kenntrs entziehen.“ AI?« bestreiten kamt die WACHT die Angaben der RUND- SCHAU nicht. Aber die ״Privatliände״ der DEUTSCHEN WACHT sind rein: sie wissen nichts v«m den«, was früher in der ״Aktiengesellschaft" vorgegangen ist. Das ist jedoch eine recht faule Ausrede, da die Geschäftsführung unu auch zum grössten Teil die Redaktion der WACHT heute dieselbe ist. als zu»• Zeit der ..Aktiengesellschaft**. Es handelt sich aber ja auch gar weht spcz׳ell um die WACHT, sondern um die ganze Ai'tiscmitenbande für die die WACHT bis vor kurzem den Handlanger machte. Israelitische Gesellschaftsreise Wir entnehmen dem PESTER LLOYD: Wie wir erfahren, hat sich kürzlich ein internationales Aktionskomitee gebildet, unter dessen Kontrolle und Oberaufsicht im Monate Feber 1906 eine zweite israelitische Gesellschaftsrcisc nach Palästina stattfindcu wird. Diesem Aktionskomitce sind unter anderen folgende Herren bclgctreten: Dr. Simon Hevesi (Händler). Rabbiner in Budapest; Jakob Boschan, Präsident der Chewra Kadischa in Budapest; E. Karlin, Diamantj’iändler, AmsterJam; Dr. Heinricl. Locwc. Redakteur, Berlin: Lippmann Bloch. Gutsbesitzer. Breslau; Dr. Schwarz- Schild. Frankfurt a. M.: Dr. David Lcimdöifcr. Rabbiner. Hambürg; Dr. Salomon Goldschmidt. Rabbiner. Königshütte; Prof. D. Simonsem Kopenhagen: Mendel Feigenbaum. Lemberg; Ascher Leon Finci. Rabbner. Sarajevo: Prof. Boris Schatz, Bildhauer in Sophia; Julius Weil. Kaufmann. Stuttgart; Dr. Werner. Redakteur, Wien usw. Mit der technischen Durchfiihrung des gross angelegten Rciscplancs. der in einem uns ziigegangencn illustrierten Prosp»!׳t sehr jnterssant beschrieben ist. wurde neuerlich das Faurkartcn-Burcau der König!.- Ungarischen Staatslnkncn (Budapest. Wigado-tcr 1) betraut, wo der in Rede stehende Prospekt für jedermann frei aurüegt. Die Rcaseges.llsehatt wird ein eigens für diese interessante Exkursion adaptierter Dampfer des Österreichischen l.lmd befördern.; . 1. *jäf Hfl■\ * Auch eine ganze grosse Reihe anderer Blätter bringt mit grossem Tantim und einer ausserordentlich grossen Zahl von Unterschriften die Mitteilung von der geplant«.41 Gesellschaft*- rc!se. Auch der Name Dr. Heinrich Locwc!st ül>crall darunter. Nun wc;ss aber unser Dr. Heinrich Loewe erst aus di:scm Inserat, bez.w. aus den Reklame!׳ dieser Art im redaktionellen Teil namentlich österreichischer Ze'tung.n aber auch deutscher jüdischer Bläue . dass diese Reise geplant wird, in deren Aktionskomitee man ihn mit Unterschrift gesetzt hat ohne seinen Willen und ohne sein Wissen. Wenn er auch mm derjenigeist, von dem in gewissem Sinuc die jüdischen Ge״ schaitsreisen nach Palästina doch überhaupt erst anser‘• und wenn er auch au: dem letzten Kongress mit einen! Kollegen zusammen einen diesbezüglichen Antrag an den Kongress gestellt hat. so entspricht cs doch keineswegs kaufmännischen Gepflogenheiten, einem Geschäitsunternchmen dadurch mehr Reklaim-nachdrtick zu verleihen, dass man ohne Wissen und Willen Namen unter die Inserate setzt von Leuten, die nichts m;t dem Oeschäitsunternchmeu in irgend welcher Weise zu tun haben. Wir wollen hoffen, dass diese irrtümliche Unterschritt der einziga Irrtum ist. der bei der wahrscheinlich sehr löblichen und korrekten Gesohäitsuntcrnehmting untergelaufcn ist. Immerhin wäre eine Aufklärung recht wünschenswert. SCHLEMIEL vor Gericht Am vergang.nen Freitag hatten sich vor dem Schöffengcricht I in Moabit die Herren D r. Max Jungmann und D r. Julius Moses-Berlüt wegen Beleidigung durch die Presse zu verantworten. Es handelte sich um da« in der Mainummer des SCHLEMIEL erschienen.’ Gedicht .,K hi Ile W e i I b 11 r g“, in dem der Vorstand der Ke*tuc״cmcindc Wei'־ bürg a. L. cegeisselt wurde, weil er es z.ulicss. dass «in jiidischer Selbstmörder aut dem christlichen Friedhof beerdgt würde. Als Zeuge war der Vorsteher Reifenberg aus Weilbürg erschienen, die Verteidigung lag in den Händen des Herrn R.chtsanwalt Grone mann aus Hannover. Der Staatsauwalt beantragte gegen die Angeklagten ie 100 Mark Geldstrafe oder 29 Tage Gefängnis, der Gerichtshof billigte aber beiJen den Schutz des § 193 in vollem Umfange zu und erkannte auf Freisprechung. Kleine Mitteilungen Die Alliance IsraGltc Universelle hat eine allg.1r.eine Sammlung für die Opfer der J u d c!1 v c r f o l g u 1! g e <n in Russland eröffnet;: u4 erste Gabe wurden hunderttausend Francs an das Komite»• in Petersburg Ober wiesen. Beiträge für die Sammlung dwr Alliance nimmt das Bankhaus Meyer Cohn. Berlin W.. Unter den Linden II. entgegen. Berlin. Die Jüdische T o y 11 he c h a 11 e . Kaiser- Strasse 10 nimmt am Mittwoch, dem l. November d. Js., abends b'e Uhr, ihre Tätigkeit wieder auf. Allabendlich finden dann wiederum die gestigeu und geselligen Veranstaltungen statt, welche den bedürftigen Schichten unserer Glaubcnsgcmciu- Schaft Gelegenheit bieten, in der Toynbeehallc kostenlose Belehrung. Anregung und auserlesene Unterhaltung zu finden. So löblich die Institution der Toynbeehatlc ist. so dürfen wir doch wohl erinnern, dass wir seinerzeit namens ihrer Vorstandes ohne jede Veranlassung von der Mitarbeit aus- I geladen wurden, weil wir Zionisten sind. Das hindert uns