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Jüdische Rundschau · 1905-11-10 · Heft 45 (10.11.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 587 ־ -״— ..^ I No. 45 JÜDISCHE RUNDSCHAU Ein Hetzbischof ' Aus Saratow. 7. November, meldet die Petersburger Telcgraphcn-Agentur: Die Bevölkerung. welche sicli bereits ciiiigcrniasscii beruhigt hatte, ist gurch eine Proklamation des Bischofs Hcrniocciics von Saratow von neuem heftiß erregt worden. In dieser Proklamation fordert der Bischof 7u Gcwalttütigkcitcu gegen die Feinde des Staates (!!) au׳.'; zu diesen zahlt er die männlichen und v. eiblichen Zöglinge der Gymnasien. Nur die Ent* f.rnung des Bischofs konnte die Bevölkerung beruhige». Amerika sammelt Aus N e w - Y o r k, 7. November, wird gomeldct: In einer grossen Versammlung von Juden wurden 56 800 Doll, gezeichnet, die bestimmt sind für eine Sammlung zur Unter- Stützung aller Opfer der Massakres in Russland, /:um Vorsitzenden des Hilfsvereins, der sich gebildet hat. wurde Oskar Strauss. zum Schatzmeister Jacob Schiit gcwählt. Aus Oesterreich I)ic Wut der Tschechen in Mähren richtet sich י ach dem letzten deutschen und tschechischen Volkstag in Brintn mit verdoppelter Nettigkeit gegen Deutsche und luden. Das B. T.. meldet am 25. X.: Aus!Müt.ren werden! letzter Zeit -fortwährend Angriffe und überfülle der t-chechische» Bevölkerung gegen Deutsche und Juden gemeldet, hin solcher Oberin!! wurde am Sonntag in der Umgebung Briiims gegen den Verein deutscher Touristen bei cniern Aus- Lug verübt. . . . Am SoimabenJ wurde iibcrdi.s auf einen Zug ein Schuss abgeicuert. Sonntag unten,ahmen endlich in der Stadt Austerlitz Arbeiter und Bauern unter Führung tschechischer Agitatoren eine Demonstration zur Rache für die N .*derlage der Tschechen Ln Briinn. sie drangen in das J u d e n v i c r t c 1 ein. zertrümmerten die Fenster der Häuser 1:!!d bedrohten die Juden. Allgemein wird Beschwerde ilarülser geführt, dass für den Schutz der Deutschen in den tschechischen Orten Mährers nicht gesorgt wird. Die Juden in Rumänien Der letzte Monatsbericht der Alliance Isradlite Universelle (August—September) enthält die folgende bemerkenswerte Korrespondenz aus Bukarest. ״Der Antisemitismus fährt hierzulande, seitdem die KonscTvativui ans Ruder gekommen sind, wieder mit vollen Segeln. Unsere Stammesgenossen!ragen sich, ob nicht das Regiment der sogenannten Liberalen dem gegenwärtigen vorzuziehen war. Man hatte sieh hier und da der Hoffnung hingegeben. dass das Beispiel Russlands, das die Lösung der Judeufragc wenigstens in Angriff nimmt und de Juden zur Wahlurne zulässt, auf die Rumänen Eindruck machen und ihr Gewissen rühret! würde. Bisher ist davon nichts zu merken. Niemals hat die Presse des Landes eine so brutale Gehässigkeit gezeigt wie gerade in diesen Tagen. Einige. Bezirkspräsidenten gehen in, ihren W llkurmassregeln soweit unJ die Regierung beweist stich ihnen gegenüber so schwach, dass man an die hässlichen Vorgänge aus der Verwaltung des Herrn Sturdza erinnert wird. Zur Stunde muss Herrn Vasescu. dem Präfekten des Departements Botosani. der Rekord der Verfolgungen zugesprochen werden. Er sicht seine Aufgabe darin, die Juden seines Bezirks durch unsinnige Massnahmen aufs üusserste zu quälen, und hat sich vorgenommen, auch diejenigen ,Juden, die seit Jahren die kleinen Städte und Dörfer bewohnen.' in der Stadt Botosani cinzupferchen. um sic direkt im Grifte zu haben. I;1 missbräuchlicher Auslegung des LanJgeineindegesetzes fordert dieser Präfekt-Satrap, dass alle, welche die vom Gesetz geforderten Aufenthaltszcugnissc unter grossen Mühen und Kosten bereits erlangt haben, sie noch einmal, tiachsticlicn. bi seiner Eigenschaft als Präfekt hat er die von den Gemeinderiiteu ausgestellt.n Zeugnisse annulliert und treibt die Unglück-!iclien. die sich schon seit Jahren im Besitz einer Art von Bürgerrecht dünkten, mitleidslos ohne Verzug hinaus. Noch unbegreiflicher ist. dass Herr Vasescu seine Ausweisungsedikte!!hht nur an die kleinen Händler in den Städten, sondern auch zu DutzeuJcn an die Grosspüohtcr auf dem Laude gerichtet hat, an Leute wie Eischer. Costiner, iustcr, Hermann, Gutmann, Krasusseisky und hundert andere, deren Kulturen in der nördlichen Moldau mehrere Millionen Francs repräsentieren. E* verweigert ferner auch den angesehensten luden von Botosani. die sieh ins Ausland begehen wollen, die Pässe. So wurde letztens dem reichen, achtzigjährigen Schneycr der Reisepass verweigert, weil er keinen Ausweis darüber vorgelegt habe, dass er dem Militärgesetz genügt lätte! Aber cs ist unmöglich, alle Aeusserungen eines überspannten Machtbewusstseius aufzuzähleu. durch die sich Herr Vasescu seit dein Regierungsantritt seiner Freunde hervorgetan hat. Auf Bitten mehrerer Glaubensgenossen, die ich in Botosani sprach, teile ich nur noch folgende Tatsachen mit: 1. Herr S. Brief, aus CostcsG, hatte das Recht zum Aufenthalt in dieser Gemeinde von der Zcntraivcrwaltuug selbst erlangt. Der Präfekt Vasescu annulliert diese Erlaubnis entgegen dem Geist und dein Buchstaben des Gesetzes, das allein dem Richter Vollmacht hierzu gibt. 2. Eine Witwe, seit *10 Jahren Einwohnerin des Dorfes Ostopeeui-Cturu (Jijia). wurde brutal hinausgctricben trotz guten Führungszeugnisses der Ortsbchördc. 3. Pincu Cohen aus Ceriim. erhielt einen Ausweisungsbefehl durch die Bezirksbehörde, nachdem er von Herrn Juretz, dem Gehilfen des Bürgermeisters, barbarisch misshandelt worden war. Cohen liegt seit eiligen Tagen im Hospital, •für sein Aufkommen ist wenig Hoffnung. 4. Alle Juden, die auf den Gütern der Bojaren in welcher Eigenschaft immer angestelit sind, müssen ihre Wohnsitze aufgeben, sofern sie nicht einen neuen Auienthaltsschein beibringen; dieser wird ihnen jedoch wohlgemerkt unter den nichtigsten Gründen verweigert. So ging es selbst dem bevollniüchtißten Administrator des Grosspächters Costiner. Der Maire, der von dem Präfekten Vasescu gewonnen war. beantn.gte die Ablehnung seines Gesuches. Dennoch stimmte der G-1neir.derat für Genehmigung aus Achtung für Costiner. der nicht nur beträchtliche Steuern zahlt, sondern auch als Wohltätcr weit bekannt ist. Vasescu annullierte nichtsdestoweniger diese Entscheidung unter dem Vorwände, dass der Petent d.n Besitz eines Kapitals von 1000 Frs. nicht nachgewiesen habe. 5. Die Zahl der jüdischen Familien, die gegenwärtig Auswcisungsbeiehle erhalten haben, heläuit sich auf 253. Im Departement Dorc’ioi haben die Behörden besonders die armen Juden aufs Korn genommen, di; aut den Güter» des ehemaligen liberalen Präfekten Pilat angestelit sind. Auch Herr Pilat ist während seiner Amtsführung mit den Juden rrcht sehr zart unigesprungen. Die Zeitungen verzeichnen folgende Drohung Pilats. die er an die Adresse der Konservativen gerichtet hat: ״Heute verjagt ihr meine Juden, morgen verjage ich die eurigen.“ Ein offener Brief Den folgenden ״o firne 11 Brie f” an die ״politischen" Zionisten Deutschlands veröffentlicht das FRANKFURTER ISRAELITISCHE FAMILIENBLATT: Seit dein Ugandaproj'ckt haben sich die Tendenzen, di-* im Schosse der zionistischen Partei latenterweise Schlummerten, zu selbständigen Gruppen heraus entwickelt. Auf eigenen Prinzipien haben sich solcliermasscn drei Gruppen autgehaut. die unsere Aufmerksamkeit und Würdigung h! hohem Masse herausfordern: I. die Partei der Zione-Zion (Z. Z.) welche jedes andere Territorium ausser Zion als Grundlage für den jüdischen Staat verwirit. 2. Ihr gegenüber stehend die Organisation der Jüdisch-Tcrritorialistischen Partei (J. T. O.), weiche zu solcher Grundlage jedes selbständige Territorium erhebt, ohne dabei Zion auszuschlicsscn: und schli-ssücli 3. die Gruppe der politischen Zionisten (P. Z.). welche Zion als Endziel und jedes andere Territorium als eine blosse Vorstufe zu demselben betrachtet. — Es ist nun mit Freude zu b.grüsseii. dass sich in der alten, bestehenden Organisation, die jede Gründung eines jüdischen Gemeinwesens ausserhalb Palästinas ausschliesst eine Zahl von solchen zusaniniengefuiiden hat. die das Programm der Zionc-Zion nur bediiigtcrweise anerkennen, um nicht zu sagen verwerten. Wenn wir die Beziehungen, in denen die Organisation der Partei der Zione-Zionisten zu der Gruppe der politischen Zionisten steht, untersuchen, crg.bt sich unmittelbar, dass di. letztere mit der ersteren beständig in Konflikt geraten muss, sowie es siel, um praktische Realisierung der Ziele und Aufgaben handelt. Es ist gewiss erfreulich. Gesinnuiigsgeiiossen. deren energisches Auftreten sich bereits wirksam in den Stürmen des Kongresses entfaltet hat. in den Reihen der Gegenpartei zu finden. Andererseits w ird aber doch die Frage an sie berechtigt und dringlich, welche Förderung für ihre Plaue die politischen Zionisten Deutschlands von der geschlossenen Übermacht der russischen Zione-Zion erwarten können. Mit der Organisation der ...1TO” dagegen befinden sie sich theoretisch in ganz naher Verwandtschaft, praktisch müssen beide sogar die gleichen Schritte tun. um vorwärts zu kommen. 111 der Tat. Die Organisation der Z. Z., welche iedes mögliche Territorium ausser Ziou aus ihrem Programm ausgeschlossen haben will, kann unmöglich mit einer Gruppe zusantiiieiigchcii. die ihre Tätigkeit zu Gunsten eines anderen Territoriums entfaltet. Was war doch das Grundmotiv. das die deutschen Zionisten dazu bewog, eine selbständige!,artei mit ihren eigenen Zwecken zu gründen? Nichts anderes als die Einsicht in die Notwendigkeit, die Organisation der Z. Z״

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