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Jüdische Rundschau · 1905-11-10 · Heft 45 (10.11.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 585 No. 45______JÜDISCHE in der unteren Stadt behielt einen Ste!1 auf dem anderen. Vormittags wurden alle indischen Läden In der Hauptstrasse zerstört. Tausende von Männern. Frauen und Kindern kämpft e n \v ie d i c F u r i c n u ni die W a r c 11 und Kostbarsten. Starke Militärpatrouillen sahen lächelnd und untätig zu. Po'izisten steckten Wertsachen ein. Kosaken verbärge« geraubte Waren unter ihren Mänteln. Gestern Abend f! Uhr besann das!,bindern wieder, trotz, strömenden Regens. Die Juden 1 c tt c r t 1;׳! von den Balkoneu auf die Truppen und Loyalistcnprozessionen, und diese erwiderten das Feuer. I) i c Bureaus und Häuser von Baron G ii!1 z b u r g. Brods ky, Zaitzew und Epstein wurden ztlrstört: ü i e fi b r i v e n Juden erwarten heut noch Schlimmeres und drohen mit einem C h r i ־ s t e n in a ssa k e r. Kiew, 2. November. Hie Krawalle gegen die Juden dauern fort. Die Pol •־/.ei ergreift keine Massr .geln dagegen. Der Kommandant der Truppen versprach dem Vorsteher der Jüdisch׳.!! Gemeinde Schutz des Lchcis und do»Eigentums. Gleich darauf b e g a 11 neu PI ti n d e r u n g c u d.r Häuser von reichen Juden, die neben dem des Generalgc.uvcrneurs liegen. Petersburg, 2. November. (Meldung der Petersburger Telegraph.'.i-Agcntur.) Aus mejircren Provinzstädten. nameutlieli Rost o w a ui Dou. K i e w . N o w g ״ r o d und Chers״n. sind heute Depeschen hier eingegangen, welche melden, dass sich bei der Bevölkerung eine wachsende Erbitter u;1 g gegen die Juden bem.rkbar mache. Man besehudige die Juden, dass sie sieh vatcrlandsfcln ü lieb verhielten, durch 1,.."::sci!e Agitation Ruhestörungen hervorriefen und die rcvo'utonnie Bewegung veranlasst hätten und leiteten. Juden gehörige Häuser und l.äd::1 •a den genannten Städten wurden geplündert und teilweise In Brand ges.tzt. Viele Personen wurden g etötet beziehungsweise verwund.t. Petersburg, 2. November. (Meldung der Petersburger Telegraphcn-Age: tur.) Die letzten Telegramme berichten die Fortdauer der gegen die Juden gericht.teu Unruhen, so in N j c s hi n . W i t e b s k . R ״ nt 11 y . Kiew. Wilna. E l i s a b e t h g r a d und namentlich Odessa, wo unter der grossen Zahl der Verwundeten v c r k I ei d c t c P 01 i - /.ist e!1 e-k’ont wurder. Die Ruhestörungen fiihrfen wie bisher rcg.Mmässfg zrr Plünderung und! I11br;md$etzu1־£ der Läden der Juden u־a! Gewalttaten gegen die Jüdische Birvölke- 11׳pg, von der viele getutet und verwundet wirrten. In Saratow wurde die Synagoge g e p 1 ü n d e r t. Kischlncw. 3. Novcmb.r. Seit gestern finden hier wieder *yos:e Judoihetzer. statt. Der Pöbel stürmt viele Häuser' von Juden, und verwüstete alles in denselben. A eilt Persotten wurden hierbei getötet. Unendlich gross ist die Zahl der Verwundeten. Die RUSSISCHE KORRESPONDENZ erhält aus Petersbürg, 5. November, Nachm. 3 Ul.r. folgendes Telegramm: Aus Saratow. Kasan. Kiew. Odessa. K 1 s c h in c w, Rostow, Minsk. T וחיי sk. Bachmut. Fco dos in. Jaroslaw. Mariopel. E I i׳s a b e 111 g r,a J und vielen anderen Plätzen liegen Nachrichten über Judenmassacres vor. Sogar in dem offiziellen Bericht wird zugegeben, dass eine ungeheure Zahl von Personen ermordet oder verwundst wurde. Die V erluste an Wert:» sind unbereclicnbar. Jedenfalls aber gehen sie in die Millionen. Die reaktionären Elemente betreiben offen oder geheim die antisemitische Agitation. Die S t c 12 u וו g d c r B ״* hü r d c 1! i s t z w e i d c u t i g . es werden hier in Petersburg bei der Regerung lebhafte Vorstellungen gemacht, und cs liegen auch von ihrer Seite V c r s t> r c c 11 u p - g e 11 vor. En Telegramm aus Solotcnoscli meldet: Nahezu der ganz כ Ort Ist zerstört. 500 Familien sind vul'ig brotlos, allenthalben übersteigt die Not alle Grenzen. Petersburg, 6. November. Hiesige Privatpersonen erhielten über die J u d e n h e t z c n i m l u n er« R u s s 1 a u'd s verschiedene interessante Meldungen. So wird aus Bachmut berichtet, dass dort schon zwei Tage hindurch ununterbrochen eine Judenhetze im Gange ist. Die Behörde gewährt keine Hilfe; der Kusa ke u ko \nm;v w de u ז K«Ua״!nv wollte en.rgiseh ciugrcifeii (!!!). iand aller keine Unterstützung heim Militär-Chef. Der Gouverneur sendet ebenfalls keine Hilfe. De Stadt beginnt zu b r e n u e n. In .1 c s c 11 i n wurde gestern und vorgestern g r a u s a mg chatist. Massnahmen dagegen sind nicht bemerkbar. Nach einer Mdldung aus H otu e l Ir.rrselit im ganzen Gouvernement Ts c 11 e r 11 i g 0 w Jude 1! I! c t z <!׳. Vollkommen zerstört und niedergebrauut sind Kmonzy und Nowosybkow. Diese reiche Stadt Ist am Bettelstab, alle Jüdischen Magazine und Wohnungen sind ft! Schutthaufen verwandelt Odessa, 6. November. Hier sind fast sämtliche jüdische Geschähe demoliert und ausgeraubt. Die Opfer an Toten und Verwundeten zählen nach Tausenden. Die Schreckens- Szenen, di. sich liier abgespielt haben, sind nicht zu beschreiben. Kinder unJ Frauen wurden massakriert. Ganze Wagenladungen von Leichen mussten fortgcseliaiit werden. London, 6. November. Nach Odessacr Telegramme« solle! dort im ganzen an 3500 Personen getötet und gegen 12 000 verwundet worden sein. AB: Hospitäler, ein halbes Dutzend grosser Schulgebäude und viele Kliniken und Privathätiser sind voller Verwundeten. In der Vorstadt Moldavanka lagen Sonnabend von Mitternacht b's Mittag au tausend Leichen und Verwundete aut der Strasse. Sie wurden dann von den Behörden autgclcsen und diu Leichen in grosse Massengräber geworf.n. Im Juden viertel wurde« unglaubliche Greuel verübt, ahe Leute, Frauen und Säuglinge w urden massakriert, viele Kinder wurden erwürgt und Hunderte von Ihnen lebendig vo״ liehen Häusern aus den Fenstern geworfen. Der Pöbel Nt.rte die Opfer zu Tode, indem er ihnen Nägel in die Köpfe schlug, d e Augen; *drückte, die Ohren abschnht lind die Zungen mit Z311gen aisriss; vielen Frauen wurden die Eingeweide ausgcrisse«, alte Leut, und Kranke. die sich in Kvaera versteckte«, wurden mit Petroleum begossen und lebendig verhrar.n*. Die• Rasereien des Pöbels wurde n v 0 r. Polizist c n u 11 d 'S o l d a t e « organisiert und geleitet. 1.1 de« Privatkim ken allein wurden über 300 Kinder an schwere«, von Soldaten erhaltenen Sahelwuuden an Köpfe:! und Schulter« behandelt. D.r in Odessa angerichtete Schaden wird auf 20 Millionen Mark geschützt. Wjasma (Gouvernement Smolensk). 2. November. Das ganze Judenvierte! ist zerstört und geplündert. Die Verluste s t!d sehr bedeutend. London.• 6. November. Aus Odessa wird telegraphiert, dort herrsche vollständige Anarchie und grauenvolles Gemetzel. Die Zahl der Getöteten wurde gestern Abend spät au! vier- bis f fi 11 i t a u s c 11 d geschätzt. Die Aufriilirer benehmen «ich \v:e wilde Bestien ur.d schiessen ohne Unterschied aut alles. Viele Kinw&mcr erwidern das Feuer und überschütten den Mob 1r.it mörderische:! Salven aus ihre« Häuser«. In der Finsternis knatterten nah und fern Schüsse und kracht•.« Bomben. Schmerzensschreie und wildes Wutgebrüll erfüllten die Luft. Niemand wusste, welche Schrecken die Nacht bringen würde. . . . Der Kommandeur der Kosaken fleh in Zivil aus der Stadt, um c!;r Wu: des Pöbels za ‘entgehen. Die Juden verteidigen sich tapfer in ihrem Viertel. Bukarest. J. November. \\l: der ADEVERUL eriährt. herrscht i :1 K i s c l! i 11 e w A!1 a r c h i e. Die Alexander- und die Ihischkingassen. sowie der Boulevard sind i« F lamm e 11. Banden rauben in den Häusern der Juden, die sich mit Revolvern verteidigen. Hin derte von Toten lieg.« auf de« Gassen. Warschau, 5. November. Die Jüdische Bundpartei organisiert eine bewaffnete Pcttirngsbcreitschaft: alle Häuser im J u d e n v i e r t e 1 w e r d e :1 geschlossen g e 11 a Iteil. In der Gcusiagasso wurden heute sechs Diebe v<»!1 Juden getötet, fünf schwer verletzt. In der Dzikagusse wurde ein Polizist erschossen. Viele jüdische Familien halten sich auf dem Bahnhöfe verborgen. Das Blutbad in Odessa Die BI tt t a r b e i t in de« Strasse« Odessas, telegraphiert der dortige STANDARD-K«rr.sp«11deut. der die Dunkelheit am Mittwoch AbcnJ ei« Ziel gesetzt hatte, begann am Donnerstag Vormittag gegen II Uhr vo« neuem. Im Zeutrutti der Stadt knattern unaufhörlich Revolver- und Gewehrschüsse. dazwischen krache« die Salve« der Soldaten. Alle W o h n 11 ä u s c r sind von den zu Tode geängstigten Einwolmern versperrt und verbarrikadiert. Bewafiuete Volksscharcn werden allmählich durch die Karabiner dec Kosaken gelichtet Dt.se selber sollen bereits über I«« Mann au 'roten durch Bomben mul Schüsse aus den obere« Stockw erken der Häuser ver’oreu haben. Die Verluste beeinflussen bereits die Stimmung der Kosaken, die an Antworten in der gleichet! RUNDSCHAU י״י>%י־ יויי

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