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Jüdische Rundschau · 1905-11-10 · Heft 45 (10.11.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 582 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 45 Material beschafft, uni den Nachweis zu führen, wie wenig die Gleichberechtigung durchgefiihrt und das für alle'gcsetz- | gebcrischcu Arbeiten die nntwendigen Unterlaßen schafft. Die kommende Regelung des prcussischen Volksschulwesens rouss tin Organ finden, welches das jüdische Gcsamtiiitcrcsse 7.u vertreten legitimiert, fähig und willens ist. So harren zahllose Aufgaben ihrer Erledigung, für welche die bestellenden Organisationen nicht geschaffen sind und nicht ausreichcii. Es ist undenkbar, dass die Juden in dein Kampf der Interessen, den sic zu bestehen haben, bestehen können, wenn ihnen ein einigendes Organ fehlt, das ihre Gcsamtintcressen zu vertreten befugt und fällig ist. Gibt uns der Staat keine Gesanitvertrctung. so müssen wir sie uns selbst schaffen. Das Organ für die Gesanitvertrctung der Deutschen Juden will der Verband der Deutsehen Juden sein. Er hat in! Gesamtin tc resse der deutsehen Judcnheit alle die Aufgaben zu erfüllen, welche von der Sonderorganisation nicht erfüllt werden: er hat dafür zu sorgen, dass zwischen den Sondcrorgauisatioit.n die notwendige Fühlung hcrgcstcllt wird und die Rücksicht auf das grosse Ganze und seine Interessen nicht ausser Acht bleibt. # * * Auf die von der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden ai! den Kaiser gerichtete Huldiguugsd.pcschc ist folgende Antwort eingegangen: .,Seine Majestät der Kaiser und König lassen der Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Juden für den Ausdruck truier Ergebenheit danken. Auf all׳ .nächsten Bcr.h! der Geheime Kabinettsrat v. Lucanus.“ ״Herzlbund“ I.!11 der Nummer *13 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU hat Herr stud. med. Jakauw ben Jehudoh Hecht die vor kurzem erfolgte Gründung des ״Herzbuudes“ der Jüdischen Jugend Deutschlands mit einer Reihe abfälliger Bemerkungen begrfisst. Er ist der Ucberzcugunß. ..dass der ..Herzlbuud" ein ialsches und verfehltes Unternehmen sei." Auch ich. der ich die Vorarbeiten des Vefbandes aus nächster Nähe beobachten körnte, habe ebenfalls vor der Gründung manche Zweifel und Befürchtungen ähnlicher Art nicht unterdrücken können. Wird der ..Herzbund“ die jüdischen Schüler seiner Organisation c'niügcn können? Diese Frage und ihre Beantwortung ist die Grund’age. auf welcher sich die ganze Argumentation des Herrn Hecht aufbaut. Auch mir war es von vornherein klar, dass man gar nicht daran denken dürfe. Schüler in Vereine, überhaupt noch weniger in solche mit quasipobtischeni Charakter cinzuglicdcrn. Und auch dem ״Herzlbund" ist es in der Tat sehr bald klar geworden, dass er keinesfalls die Schüler als ein tätiges Glied des Vereinslebens in den Kreis seiner Berechnungen ziehen könne. Der Herzbund sicht seine vornehmste Aufgabe darin, in allen Städten Organe zu schaffen, die־ sich ausschliesslich mit der Erziehung unserer Jugend zum Zionismus beschäftigen sollen. Herr Hecht glaubt, dass die Ortsgruppen in ihrer jetzigen Form Imstande sind, diese Arbeit zu leisten, also ganz neue Bahnen eänzuschlagen auf einem Gebiete, dem bisher jede svstematischc Arbeit ferngcJegen hat. So wissen wir z. B.. dass UNSERE HOFFNUNG zur Zeit in Deutschland in so wenig Exemplaren gehalten wird, dass wir uns schämen müssen, die Zahl der Abonnenten anzugeben. Gerade jetzt, wo in den Ortsgruppen der Streit der Meinungen tobt, kann nur eine unabhängige Orgaiusation, die für die Jugenderziehung unbedingt erforderliche Stetigkeit verbürgen. Nur sie kann unbeirrt vom Lärm des Parteigetriebcs auf breiter Grundlage die uns allen gemeinsamen grossen zionistischen Ideale propagieren. Sic wird alle dahinzielenden Bestrebungen umfassen, sic wird stell bemühen, alle Anregungen einer fruchtbaren Kritik zu unterwerfen und. soweit ich sehe, unter anderen! auch 1m Sinne der von Herrn Hecht gegebenen Anreguiig.n wirksam werden. Eüt die Notwendigkeit der neuen Ideen ist cs wohl ein bcd.utsamer Beweis, dass der ..Hcrzbund“ von Anfang an durch die Zustimmung und den freundlichen Rat von leitenden Männern des Zionismus ermuntert worden ist. Noch eins! — Aus begreiflichen Gründen ist cs mir leider nicht möglich, in den Spalten der RUNDSCHAU über die taktische Richtigkeit seines Vorgehens zu rechten. Am wenigsten hätte ich erwartet, dass von zionistischer Seite gegen ein von echt zionistischem Geiste erfülltes Unternehmen Stimmung gemacht werden würde. — Selbstverständlich bin ich auch ausser Stande, einen Wechsel auf die Zukunft auszustcllcn. Oh der ..Hcrzlbund“ alle Erwartungen erfüllen wird, die wir heute in um setzen, das liegt nicht bei uns! Von der jüdischen Jugend •hängt cs ab. ob der ..Hcrzlbund" die notw.mligste Vorbedingung für eine gedeihliche Entwickelung haben wird oder nicht. Sollten wir wirklich ..erst abwarten. was sich aus diesem Ei entwickelt?“ -- Ich glaube an den .,Hcrz’.bund". weil ich an die Bereisterungsfäliigkcit und Hoffuuugsfrcudigkcit unserer Jugend t!aubc. Bei e'nein Zionisten sollte nur die Logik der Tatsachen diesen Glauben erschüttern kömi.n. J e h u d a h. II. So sehr auch die Ausführungen des Herrn Hecht in voilgcr Nummer richtig sind, den Kern der Sache treffen sie doch nicht, und ich möchte mir daher gestatten, auf einen Umstand hitizuweisen. der das Unrichtige derartiger Gründungen, wie der n.ue ,.Hcrzlklub“ oder der ..Verein Zionistischer Kaufleute Theodor Hcrzl-Bcrlin" klar vor Augen führt. Beide Vercne stellen sich auf einen ausgesprochen zionistischen Standpunkt und können daher nur denjenigen in ihre Reihen aufuchmeii. der sich h.reits zum Zionismus bekeimt. Aber abgesehen davon, dass dann solche Vereine überflüssig sind, da ja ein jeder, der das Baseler Programm anerkennt, in die am Platze bestehende Ortsgruppe aufgeimmmeii werden kann und muss, ist es daher meiner M.inuug nach nur eine Zersplitterung der Kri;1'te. wenn neben der Ortsgruppe noch ein zionistischer Vere.י besteht. Denn wer für den Zionismus arbeiten will, kann u.es auch in der Ortsgruppe tun. Ferner lässt sich die Neutralität, die diese Vereine gegenüber den einzelnen Fraktionen innerhalb des Zionismus proklamiere.׳!, gar nicht durchführen, und wir haben dies am Verein Theodor Hcr/J deutlich genug gesehen. Dieser Verein stellte sich nach einem Referate des Herrn Redakteur Becker auf den Stand- Punkt der Mehrheit des VII. Kongresses und erteile dem ..Verbände politischer Zionisten", eine recht kräftige Absage. Für mich also, der ich mit dem ״Verbände" durchaus sympatbisiere. wäre kein Platz in dem Vereine, und so dürfte es vielen ergehen. — Wenn nun schon vom zionistischen Standpunkte die Gründüng des ״Hcrzlklub״ zu verwerfen ist. so ist dies «msornchr der Fall, wenn wir das Interesse der anderen mcht/ionistischen Juden in Betfacht z'ehen. Gerade wir Zionisten sollten doch du-eh unseren Zionismus gelernt haben, dass .s notwendig sei. a:!e Kräfte innerhalb des Judentums ziisammenzufassen. Wir müssen zunächst weiter damit fortfaliren. die westeuropäischen Juden zum Judentum zurückzuführen, ihnen klar zu machen, dass es ein Stolz sein muss. Jude zu sein, utrd cs eine grobe Pflichtvergessaihcit und ein Verbrechen am jüdischen Volke ist. wenn man sein Judentum vergisst׳ und verleugnet oder sich nicht genügend jüdisch betätigt. Zu diesem Zwecke haben wir Zionisten jüdische Lesehallen. Toynbeehallen und nationaljiidlsche Turnvereine gegründet, überall da. wo es nur irgend möglich war. und mit dieser Praxis muss fortgefahren werden. Eine Organisation auf der Basis eines guten 7.:elbewussteu und selbstbewusstem National- Judentums mit dein Arbeitsprogrannn des Hcrzlklubs oder aber eine kaufmännische und gewerbliche Organisation mit gleicher Tendenz könnte für das Judentum und auch für den Zionismus nur ErspriessÜchcs leisten. — Wenn w ir uns jedoch von vornherein auf den exklusivzionistischen Standpunkt steilen, schliessm wir eine grosse Anzahl von Juden aus. während wir bei!.;:?•oiialjüdisclier Tendenz jeden Juden, der das jüdische Volkstum anerkennt auch autnehmeti können. — Das Eine stellt doch lest durch den ״Hcrzlklub“ werden sich 1ms auch nicht mehr anschlicssen. als durch die Werbearbeit der Ortsgruppe. Ich möchte mir daher den Vorschlag erlauben. dass der zu gründende oder bereits gegründete Hcrzlklub sein Programm in der Weise inniindert dass er sieb als Tendenz nicht den Zionismus, sondern das Nationatjudcutum setzt. Wenn man damit eine kaufmännische und gewerbliche Organisation unter Einrichtung von Wohlfahrtscinrichtungen, wie i>tel!cnvern1itthing, Stelknloscnversichcrung. Krankenkassen und Pcnsionsvcr- Sicherung verbinden könnte, würden wir eine Vereinigung schaffen, die in hohem Masse kulturell in nationaler und sozial in wirtschaftlicher Beziehung für unsere Stammesgenossen arbeiten könnte. Stellen wir also unseren Zionismus hintenan. \tcn1׳ e.s das Wohl des gesamten jüd'• scheu Volkes erfordert und seien wir dessen eingedenk, dass wir Zionisten wie bisher, auch fernerhin überall da wo es gilt, iiUffsche Arbeit zu leisten, die Ersten am Platze seht müssen.

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