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Jüdische Rundschau · 1905-11-10 · Heft 45 (10.11.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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45 .0 ז JÜDISCHE RUNDSCHAU * Seite 581 Personen das Werk vollendet, das am 30. Oktober 1905 die feuerprobe einer öffentlichen Hauptversammlung zu bestehen haben soll. 2. Das erste Geschäftsjahr. A. Der Ausschuss. Die Satzung vom 29. April 190-1 bezeichnet als Organe des Verbandes die Hauptversammlung und den Ausschuss. Der Ausschuss bestellt aus mindestens 27 Mitgliedern: 21 werden von der Hauptversammlung b:rufen. je zwei Abgeordnete entsendet der Zcntralvercin. der D. J. 0. B. und der Rabbinerverband in Deutschland, je einen Delegierten die über 10000 jüdische S.clcn umfassenden Gcmc'nden. Der Ausschuss kann stell unbegrenzt durch Zu wähl ergänzen. Insgesamt gehörten schliesslich 61 Mitgheder dem Ausschuss an. Der Ausschuss ist an folgenden Tagen, im ganzen fünf. Mal in Berlin versammelt gewesen: 26. Juni!904. 28. August 1901. 27. Dezember 1904. 30. April 1905. 7. August 1905. Aus.den Protokollen ergibt sich, dass den Ausschuss, der den Zusammentritt des Verbandes den Zentralbehörden der Bundesstaaten, sowie dem Reichskanzler ang.zdigt hatte, der auch in einer Abordnung vom Staatssekretär Oralen P״s1׳- dowsky empfangen wurde, besonders die Organisation der Wahlvcrbände zur Hauptversammlung, eine HnquOte zum Schulgesetz und zur Zuriicksct/.nngsiragc. d e Schaffung ein .׳r finanziellen Grundlage de.; Verbandes, die äussere Einrichtung der Geschäftsräume und die Anstellung des Personals beschäftigt hat. Eine unten abgedruckte Erklärung des Justizrats Fuchs, die dieser in der Sitzung vom 27. Dezember 1904 abgab. fand die Zustimmung der Versammlung und ist gedruckt auf vielfache Anfragen beledigter Kreise häuiig versendet worden. Ais Generalsekretär ist Justizrat Dr. Lövinsnn seit Februar 1905 zunächst probeweise tätig. Seit dem I. Oktober 1905 besitzt der Verband ein von ihm gemietetes Ci c s c 11 ä f t slokal, Magdebu rge rstr. 14, nachdem der D. J. 0. B. bis dahin dem Verbände gastliche Unterkunft in dankenswerter Weise bewilligt hatte. B. Der Vorstand, die Kommissionen und der geschäftsiülircndc Ausschuss: % Der Ausschuss besetzt.* die Ämter wie f«lg.t: Geschäftsführender Vors'tzendcr: Prof. Dr. M. Philip p.s 011, 1. Stell- Vertreter: Rechtsanwalt H o r w i t z. 2. Stellvertreter: Justizrat Dr. Fuchs. 1. Schriftführer: Jiwtizrat B r eslauer. 2. SchrMtiülircr: Justizrat Friede mann. Schatzmeisten Oscar Berlin. . ״ .. Professor P 11 i 11 PP s 0 11. der seit Dezember 1904 sich aus Gesundheitsrücksichten mehrere Monate auf Reisen befand, legte nach seiner Rückkehr im April 1905 den Vorsitz ircdcr und wurde durch Justizrat La eh mann ersetzt, den die Vor- Sammlung vom 30. April 1905 einstimmig in dies Amt wählte. Schon in der ersten Versammlung des Ausschusses, die am 29. ׳Mai 1904 zusanuuentrat, wurde beschlossen, vier K o nt m>i s s j o n c 11 zu bilden. 1. eine politische — Vorsitzender: Makower. 2. eine juristische ־־־ Vorsitzender: Horwitz. 3. eine Kommission für den Verkehr mit Gemeinden und Verbänden — Vorsitzender: Pilippson. 4. cm: literarisch-apologetische — Vorsitzender: May bäum. Jedes Ausschussmitglied wurde aufgefordert, sich einer oder mehreren Kommissionen anzuschlicsscn. was auch mit wenigen Ausnahmen geschehen ist. Am 26. Juni 1904 tagte der Ausschuss zum zweiten Male und beschloss unter Ablehnung einer festen Geschäftsordnung: Die Beamten des Ausschusses, die Vorsitzenden der Koni- Missionen und die Vertreter der Gemeinden B c r 11 n. B reslau Frankfurt. Ha m bürg (denen später C o 111 zugefügt wurde) führen die laufenden Geschäfte des Ausschusses, verteilen die Arbeiten an die Kommissionen und bereiten gemeinschaftlicli die Arbeiten des Ausschusses vor. Diese Konferenz der Beamten des Verbandes erhielt ui der Ausschuss-Sitzung von! 30. April 1905 den Namen eines gcschftftsführciidcn Ausschussc5. Die Protokolle zeigen, dass der geschaAshtln ernte Aus- Schuss die Beschlüsse des grossen Ausschusses vorbereitet und erledigt hat. C. Die Kommissionen. Die politische K o m ni 1 s s i o 11 hat nach Anstellung einer Umfrage eine Denkschrift zum preussisclien Schulgesetz-Entwurf ausgearbeitet, die dem zuständigen Minister zugegangcn ist. Die vereinigte juristische und politische Kommission erhielt vom engeren Ausschuss am 20. September 1904 den Auftrag, einen Fragebogen für die Enquete über Zurücksetzung der Juden im Staats- und Heeresdienste vorzubereiten. Am 16. November 1904 ist der von der Kommission ausgearbeitete Fragebogen festgestclU worden. Das Ergebnis der Umfrage ist noch nicht aufgcarbcUet Doch bietet das cingcgang:11c Material schon jetzt eine Fülle überraschendcr Einblicke. Die literarischapologetische Kommission verteilt die Lektüre der jüdischen Zeitungen unter sich. Ausser diesen eigenen Kommissionen war eine gemischte Kommission mehrerer Verbände unter Führung des Zentral- Vereins tätig, um die Angriffe auf das rituelle Schächten, dessen gesetzliches Verbot offensichtlich angestrebt wird, abzuwehren. Eine vom Generalsekretär ausgearbeiLte Denkschrift Ist dem preussisclien Handelsministerium zugegangcn. F'erncr ist auf Anregung der gemischten Kommission eine grössere literarische Arbeit des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer über den Gegenstand im Aufträge des Zuitralvereins licrausgcgcbcn worden. Auch sonst ist der Verband anregend und fördernd bei!•terarischen Arbeiten aufgetretcu. * * Erklärung «les Justizrats Fuchs über das Verhältnis des Verbandes zu den älteren Vereinen. Die Frage, was der Verband der Deutsch:•!! Juden will und wie sich seine Wege und Ziele von denen di.r übrigen jüdischen O^auisationen. insbesondere vor. dem ..Deutsch- Israelitischen Gemeindcbtmd“ und dem ..Cemral-Vcreiit Deutscher Staatsbürger jüdischen Giaub-.ns“ al'grcnzen. ist zwar Schon oit gestellt und o.t von uns beantwortet worden: da hier aber noch viele Unklarheiten herrsche:•., so ist mir die gestellte Frage willkommen, um die Unklarheiten beseitigen zu können. Der Verband der Deutschen Juden will kein neuer Verein neben 60 vielen anderen Vereinen, sondern eine Zusammciifassung der verschiedenen Vereine sein. D; c g c I s t i - gen Kräfte des Judentums, die sich in hu 11 - derten von Vereinen hundertfach zcrsplitt c r t haben, will er zu gemeinsamer, planmassiger Arbeit vereinigen und so auf autonomer Basis eine Gesamt Vertretung der Deutschen Juden schafien. Den Deutschen Juden fehlt ein sie einigendes Band, eine Organisation, die vom Standpunkt des ganzem aus die Interessen des Ganzen wahrninunt. In tausenden von Gemeinden zersplittert sind die Juden Preusseris und der meisten deutschen Bundesstaaten. Während die Evangelischen ihre Landeskirche -haben und die Katholiken sogar eine internationale Einheit bilden, fehlt es de 11 deutschen Juden an der Einheit und der Gesamtvertretung. Wir haben weder Synoden noch Konsistorien, noch c'nen Oberkirchenrat: wir haben auch dem Staate gegenüber keine Organisation, die die Gesamtheit der Juden eines Landes vertritt. Wir haben Abwchrvcrcinc. Gemeindevcreinigungen. Kabbinorverbände. Lehrcrvcrbändc. Wohlfahrtsverbändc. aber wir haben keine Zentralstelle, welche diese Organisation zusanm.enfasst. sie nach einem gemeinsamen Plan arbeiten lässt. Dass wir bisher nur eine Reihe von jüdischen Organisationen. nicht eine jüdische Zcn t r al-O r g a 11 isa - tion gehabt haben, hat sich bitter fühlbar gemacht. Ganze grosse Aufgabengebiete sind unerledigt geblieben, vitale Intercssen haben keine Wahrung und Berücksichtigung gefunden. So hat der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Gemässheit s.incr Statuten, den Fragen der Ein - Wanderung, der Auswanderung, der Naturalisation gar keine oder doch nur geringe Fürsorge widmen können, und doch sind cs dringende Fragen, an deren befriedigender Lösung die deutsche Judenlieit ein dringend.« Interesse hat Sollen wir cs ruhig mit anselien. dass Leute, die sich hier ordentlich geführt und vielleicht nur ihren Konkurrenten lästig geworden sind! aus keinem anderen Gründe abgeschoben werden, als wkil sie Juden sind! Die Stellung der Juden in den Ost marken heischt unsere dringen de Fürsorge. Sic werden dank einer einscitigen Politik in dem Streit zwischen Deutschen und Polen zerrieben. Die Kompetenzen des Gcmcindcbundes und des Rabbiner- Verbundes sind gleichfalls eng umgrenzt. Wir bedürfen einer Stelle, welche Fürsorge dafür schafft, dass aufklärende und apologetische Schriften in die Lande gesandt werden, welche über das Wesen des Judentums, seine Ethik. Aufschluss geben. Wir bedürfen einer Kontrollstelle, welche das statistische

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