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Jüdische Rundschau · 1905-10-27 · Heft 43 (27.10.1905) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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j 0 di sc he ,innen. Dass ein solcher Zustand so lange bestehen konnte, erklärt sich zum Teile aus dem festen Zusammengehen von Direktorium und Ausschuss. Zweifellos gab es im Direktorium und Ausschuss Mitelieder. die von den Schiebungen und Machcnschaften Lchleitners Kenntius hatten, die aber auf den Teil der Nichtwissenden, die in sträflicher Sorglosigkeit und Vertrauensseligkeit ihres Amtes — nicht walteten, einen belierrsehenden Einfluss ausübten. Bemerkenswert ist das Zeugnis j des früheren Direktors der Augusta. Mollinaar. der sich dahin aussprach, dass Lehlcitner bei der Fusion eegen Treu und Glauben gehandelt hat. Hätte er (Zeuge) bei der Fusion klar gesehen, würde er anders verfahren sein, aber Lehleitner habe eben eine Geschäftsführung beliebt, dass es kein WunJcr sei. wenn seine Beamten alle verrückt geworden wären. L e hleitner selbst hat auch, wie ein anderer Zeuge bekundete. selbst einmal erzählt, die Augusta derart äugeschmiert zu haben, dass ihr die Augen übergehen sollten. Ein anderer Zeuge, der Kassenkontrolleur Zimmerniaim. hat einmal, nachdem er über das auffällige Gebaren des Direktors dem Verwaltungsausschuss Mitteilung gemacht hatte, dem An* geklagten* in einem Briefe um Verzeihung gebeten, irnr um seine .Existenz nicht zu verlieren, obgleich er von der Riehtigkeit seiner Beschuldigungen überzeugt war. Wie in der Ge- Seilschaft gewirtschaftet worden ist. geht auch daraus hervor, dass für Vcrwaitungskosten 57 Prozent der Prämien aurgegangen sind. ״Bezalel ‘ In der von dem Unterzeichneten Komitee zur Begründung jüdischer Hausindustrie und Kuustgcwerbe in Palästina ..Be• z. a I e 1” ntcr Leitung von Pro.'. Boris Schatz im Laute dieses Winters in Jerusalem zu errichtenden Kunstgcwerbeschule gelangt die Stellung eines jüdischen Lelircrs für Zeichnen. Maten und angewandte Kunst mit «3000 Mark jährlichem Gehalt und einmaliger Vergütung der Reisekosten mit 1000 Mark zur Besetzung. Der Kontrakt wird zunächst tür ein Jahr gcschlossen, doch ist nach Ablauf des ersten Jahres der Lehrer auf Wunsch der Gesellschaft verpflichtet, noch weitere zwei Jahre in seinem Amte unter denselben Bedingungen zu verblei hen. Ein Atelier steht dem Lehrer zur Verfügung. B e w c rher werden ersucht: I. Originalarheiien in Oeiiarbe und Akt- Zeichnungen, eventi. dekorative Entwürfe. 2. einen kurzer! Leb.enslauf, 3. Reproduktionen ihrer Werke a n E. M. Lilie 11. Berlin SW.. Grossbccrcnstrasse 69. spätest c n s bis zum I. November 1905 portofrei zu senden, lieber die Aufnahme entscheiden: Prof. Boris Schatz. Sofia: E. M. Lilien. Berlin: Hermann Struök. Berlin; Ivan Merkwitzka. Direktor der Kunstschule in Sofia. Berlin. September 1905. Komitee des ..Bezale*”. Uom-Kippur*Feier Seit einigen Jahren pflegt cs im Ostend von London am Versöhnungstage zwischen den Juden immer zu Streitereien zu kommen. Die Orthodoxem deren es in Whitechapel bckamjtlich eine grosse Zahl gibt, feiern dieses Fest und halten insbesondere die damit verbundenen Fasten mit der grössten Strenge, während andere wieder, die cs mit der Religion nicht so ernst nehmen, den Festtag nicht nur wie jeden anderen vorübergehen lassen, sondern obendrein noch grosse Festgeläge abhaltcn, um die Orthodoxen zu ärgern. Diesmal hatten sich in der Hauptsynagoge in Whitechapel die gläubigen Juden versammelt, als im Nebenhaus., einem russischen Anarchistenkiub, dessen Mitglieder meist Jude» sind, ein fürchterlicher Lärm begann. Die Mitglieder dieses Klubs hatten ein grosses Festessen arrangiert und sangen bei ofienen Fenstern Lieder, die offenbar nicht für den Busstag bestimmt waren. Es kam zu Streitereien, die bald in eine wilde Prügelei ausarteten. Die Fenster des Klubs wurden eiitgcschlagen. und die Mitglieder suchten sich durch allerhand improvisierte Barrikaden gegen die Eindringlinge zu schützen. Schliesslich wurde ein grosser Teil der Gesellschaft vor den Polizeirichter geschleppt, der den Orthodoxen sagte, es sei nicht das erstemal in der Weltgeschiehte. dass die Orthodoxen sich im Unrecht befänden, man solle jeden seine Fasten und Feste nach eigener Fagon halten lassen. Acht Skandalmachcr und zwei Polizisten waren so böse zugerichtet worden, dass sie in das Hospital gebracht werden mussten. Es erscheint uns nicht minder geschmacklos, wenn Juden am Jom-Kippur in der Nähe einer Synagoge ein Fcstgelage abhalten, als wenn betende Juden atn Versölinungstagc (!) mit Prügeln glauben andere belehren zu müssen und zu können. Für diesen Fall wie ■für viele hat der unsterbliche Heinrich Heine die unsterbliche Kritik geschrieben: .Doch es will mich schier bediinken. Dass der Rabbi und der Mönch. -- Dass sie alle beide stinken.” .. ..... N0.J3 Verband der deuischen Juden Der ..Verband der deutschen Juden" hält am ALmtag. dem 3'•. Oktober. Vormittags 9M* Uhr. im grossen Saale der Gc- Seilschaft der Freunde. Potsdamcrstr. 9. seine Haupt vers a m m i u 11 g ab. “auf die wir hiermit nochmals hinweisen. Die Tagesordnung lautet: 1. Ansprache. Professor I)r. May bäum, Berlin. 2. Entwickelung und Aufgab.ח des Verbandes der deutschen Juden. Referent: Justizrat Dr. Fugen Fuchs, Beri n. Korreferent: Hermann Oumpertz. Hambürg. 3. Das Judentum in» Lichte■ moderner Kritik. Referent: Rabbiner Dr. Werner, München. •L Pie staatliche Lage der Juden in Deutschland. Refer.nt: Justizrat Breslauer. Berlin. KorrefcreiU: Rechtsanwalt Dr. Ernst Auerbach, Frankfurt a. AL 5. Wahl des Ausschusses. 6. Wahl der Kassen- Prüfer. Minister und Rabbiner Man berichtet dom PESTER LLOYD aus Loesc: lLr Kesmäarkcr Fabriksdirektor Ferdinand Trebits licss seine!- zeit an seinem Sohne Johann die Circumcisiou nicht vollziehe:. wünschte aber dessenungeachtet, dass der Knabe im Geiste de׳ mosaischen Religion erzogen werde. Als nun der Knabe im Vorjahre in die Elementarschule aufgeuommeu wurde, schloss ihn der Religionslehrer aui Weisung des orthodoxen Rabbiners Grünburger von dem Religionsunterrichte aus. Der Vater führte Beschwerde beim Kultus- und UiiterrichtsimniMer. worauf dieser den Rabbiner anwies, dem Knaben im Sinne des (LA. XXXVIII : 186$ und des G.-A. XXXII : 1S9-I den Religion*- unterricht erteilen zu lassen, umso eher, als im Sinne des Gutachtens der israelitischet! Landeskanzlei Johann Trebits - ohne Rücksicht darauf, ob an ihm die Circumcisiou vollzogen wurde — schon deshalb als zur mosaischen Religion g.- i.örend zu betrachten sei. w e i l c r von israelitischen Litern und hauptsächlich von einer j ii d i s c!1 e n M u 11 c r abstammt. Der Minister gewährte dein Rabbiner behufs Rückäusserung einen Termin bis zum 30. September I. J. Nun ist die Frist abgelaufen; der Rabbiner btharrt indessen auch weiter aui seinem negativen Standpunkte, indem er erklärt׳., dass er als orthodoxer Rabbiner sielt dem Gutachten der Laudeskonzlei nicht unterwerfe. Mangyaren mosaischer Konfession Nach Pcstcr Blättern ist in B e r 1 i n unter dem Titel BERL1N1 MAGYAR K0ZLÖNY ein magyarisches Blatt gegründet worden. Eine Probenurnmcr ist dem Fester ALKOTMANY zugegangen und dieser macht sich über die Berliner ״M a v y a r e n" lustig, da es i!1 \V i r klichkeit fast ausschliesslich Juden sind. ALKOTMANY schreibt: ״Nach dem BERL1NI MAGYAR KÖZLÖNY bestellt das Berlin! Ataevar Egycsület und dessen Vorstand aus folgend.1» Kuruzen: Präses Siegmund Lautenbürg. Vi epräsidenten Dagobert Ti mar ur.d Kalmar. Sekretär Arthur K epp ich. Kassier Jacques Frei man 11. Bibliothekar Desider W c i t n c r. Ausschussmitglieder Samuel i;reitnann. AdoW R u j d e r״. RoscnblQth. Ladislaus L ö w e n b a c 11. Samuel S.p b ö s t. David Kellner. Beim Berlin» Magyar Otthon heissen die Funktionäre: He iw׳ inge r. Nador- Ko wach. Leopold Rado-Stern, Siegmund Mesci, Eeher, Leo Zucker. Mano NValt e r s t e i 11. Bertold G o 1 d s t e i n. Ignaz Weis s. Der Leitej des .,Vereins der Berliner magyarischen Kaufleute und Gewerbetreibenden ist Hermann Schwarz. — Einem Juden von auch nur einigem Selbstbewusstsein treibt cs die Schamröte iu die Wangen, wei n er dieser in ihrer Knappheit doch faustdick ironischen Notiz des Antisemitenbtattes Recht gebet» muss. Kleine Mitteilungen Im Interesse des Publikums wird darauf hingewiesen, dass die Bibliothek der jüdischen Gemeinde (Oranicnburgcrstrasse 60/63) im Winterhalbjahr auch am Sonnabend Abend 6—9 Uhr geöffnet ist. Die Benutzungszeiten sind Sonntag bis Freitag Vormittag 11—2 und Alontag, Dienstag, Mittwoch, Sonnabends Abends 6—9 Uhr. Bücher werden unentgeltlich an jedermann nachhause verliehen, der sich über seine Person ausweist. Die Bibliothek, die erst vor 3L: Jahrai eröffnet wurde, zählt bereits 10 850 Bände Druckwerke und 10 Handschriften. Besonders reichhaltig sind die Gebiete der Geschichte und Belletristik vertreten. Im Lcsesaal ist eine grosse Handbibliothek aufgestellt, die namentlich Nachschlagebücher und die wichtigsten Literaturwerke umfasst, üeber den Bestand der Bibliothek orientieren vorzüglich eingerichtete Kataloge. Die neuesten Erwerbungen zeigt ein im Lesesaal aushätigendes Zugangsverzeich-

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