Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 563 No. 43 JÜ DJ SC HK RUNDSCHAU 11 i s aii. Aussardwn erteilen die Beamten zu iedur Zeit bercitwilligst Auskunft. Der' Direktor des Rclchenfcelra’nchcn Waisenhauses am Weinbergsweg, Herr Dr. Moritz Jutrosinski feierte am 12. d. M.. seinen ,80. Geburtstag. Dr. Jutrosinski ist in Saitdberg, Provinz Posen. geboren und hat in Breslau seine Universitätsstudien absolviert Während seiner Studienzeit nahm er als Mitglied der alten Burschenschaft, der ״Raczeks־•, an der politischen Bewegung des Jahres 18J8 und auch in! selben Jahre als Delegierter der Breslauer Studentenschaft au dem Eisenacher Studentenkongress teil. Im Jahre 18/2 wutde er von, der Berliner jüdischen Gemeinde zur Leitung des Reichcnheim’schen Waisenhauses berufen, welches ei nunmehr 33 Jahre verwaltet Er gedenkt im nächsten Frühiahr in den Ruhestand zu treten. — Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde ihm vom Kultusminister der Titel ״Prof c sso r“ verliehen. In Paris starb im Alttr von 56 Jahren der als Kunstfreund und Kunstkenner sehr geschätzte Herr Charles Ephrussl, Offizier der Ehrenlegion. Eohrussi. der ein sehr grosses Vermögen hinterlässt, besass prächtige Kunstsamtnhingen und betätigte sich auch als Kunstkritiker und Kunst- Schriftsteller. Seine Studie iibtr Dürer gilt als ein Meisterwerk. Er war Herausgeber der GAZETTE DES BKAÜX-ARTS. will Graf Pücklcr Jetzt den letzten entscheidenden New-York, 3. Oktober. Am diesjährigen Danksagungstaec. dem 30. November, und am vorhergehenden Samstag und Sonntag wollen die Juden in den Vereinigten Staaten das 250 jährige Bestehen ihrer A n s i e d I u!1 g hier feiern. Am 1. September 11.5» landeten die ersten Juden im damaligen Neu-Amsterdain und a::1 26. April 1655 wurde ihnen die Ansjedlinig durch einen Erlass des Gouverneurs Stuvvcsant erlaubt. Rundschau der Presse DER FRAIND schreibt in eh cm Brief aus Jerusalem u. a.: ״Die von uns bereits mitgeteilte Tatsache, dass d;e Gcneralvcrsanunlung des palästinensischen Lehr,rvereins während ihrer Tagung in Jerusalem in der Lätnclsd.ulc von Polizei und Militär überrascht worden ist, bewahrheitet sich leider in vollem Umfange. Bezeichnend für die türkischen Zustände ist die Tatsache, dass die Polizei i.icht in die Schub selbst eintreten konnte, weil sich die Lätnelschulc bekanntlich unter deutschem und österreichischem Schutz befindet. Bei Verlassen der Versammlung wurden sämtliche Lehrer angehaltcn. ihre Namen notiert und sie nur g,ge!1 Kaution ireigelassen. Am nächsten Morgen hat dann auf dex Polizei ein Verhör stattgefunden, wöbe! die Lehrer zu Protokoll geben mussten, dass sic keiner ausländischen Gesellschaft angehören, deren Zweck darin besteht, Land in Palästina zu erwerben. Hierauf wandten sich die Lehrer, an die Konsuln in Jerusalem und diese sind dann gemeinsam mit dem Direktor der Lämelschule, Herrn Ephraim Cohn, bei dem Pascha von Jerusalem vorstellig geworden, indem sie eben nachwiesen, dass der Lehrcrvercin sich ausschliesslich mit pädagogischen Fragen beschäftigt unJ mit Politik absolut nichts zu tun hat; Bei dieser Gelegenheit erklärte der Pascha von Jerusalem, der übrigens ein den Juden wohlgeneigter Beamter sein soll. Herrn Ephraim Cohn., dass er einen Befehl aus Konstantinopel erhalten habe, mit offenem Auge die Tätigkeit der Zionisten in Palästina zu überwachen. Im Laufe der Unterredung nahm auch der Pascha auf die bekannte Broschüre von Ussischkin ״Unser Programm‘־ Be׳/.ug und erklärte, dass man in türkischen Regierungskreisen wohl die Beschlüsse des siebenten Kongresses kenne, aber, bemerkte der Pascha, ..die Juden würden eher Konstantinopel als Palästina cinnehmen.“ Der Pascha «fügte aber gleichzeitig hinzu, dass die Regierung nichts dagegen hat. wenn einzelne Juden für ihren eigenen Bedarf Land in Palästina erwerben. Das Erscheinen der hebräischen Zeitung des Herrn Bcujchuda ״Haschkaffah“ ist für cin.11 Monat verboten worden, weil in dieser eine Bekanntmachung über nie Lehrervcrsainmliuig »!)gedruckt war. — Ferner ist dem Buchdrucker Lunz, der die Statuten des Lehrervereins ohne besondere Erlaubnis von der Zentralregierung in Konstantinope! gedruckt hatte, ein Prozess angchängt worden.“ — Dazu bemerkt ein hiesiges jüdisches Blatt: ״Dieser Brief beweist .zweierlei: nämlich die Kurzsichtigkeit und übertriebene Ängstlichkeit der türkischen Regierung, die hinter einer harmlosen Lehrerkonferenz umstiirzlcriselie politische Aspirationen wittert und er beweist ferner die O e I ä h r. 1 i c h k e1t »der Politik von U s s i s c h k i n und seinen Freunden, die nur dazu beitragen kann, die türkische Regierung misstrauisch zu machen und schliesslieh dazu führen muss, dass jegliche Tätigkeit im heiligen Lande unterbunden wird." Offeutsichttich stammt diese Notiz aus derselben Quelle. die sich zur Zeit des ictzten Kongresses diu Entdeckung leistete: Das Bakschischwcseu, die Schwierigkeiten beim Landkauf und das Einwanderungsverbot existierten erst seit dem Auftreten ״eines gewissen Herrn“ (Ussischkin, der 1903 in Paliistina war!!). Wir werden uns nicht wundern dürfen, wenn demnächst Ussischkin auch für das Klima des Landes oder für die ״kriegerischen Ereignisse im Haurau*־ verantwortlich gemacht wird. Dem FRAIND, der seit -- 1— Jahren ivicht mehr ein zh»- nistisches, sondern ein oft zionistenfeindliches Blatt ist. muss die Verantwortung für die Richtigkeit seiner Meldungen bis auf weitere Prüfung überlassen bleiben. Wenn es aber wahr sein sollte, dass der!Vlutesariff (Pascha) die Ussischkinsche Broschüre als staatsgefährlicli bezeichnet hatte, so erinnern wir nur. dass seinerzeit Bcu-Jehudah ebenfalls einer antiziouLstischcn Denunziation, die einen harmlosen Chanukali- Icitartikel aus dem HA'OR so übersetzte, dass daraus eine Aufforderung zur Empörung wurde, zutn Opfer fiel. Mit unendlicher Mühe gelang es damals, in der Zelt des Eüiwanderungs- und Landkauisvcrbots, ihn und seinen Leidcnsgciiosscn aus dem Bagno zu befreien, in dem sic bereits längere Zeit geschmachtet hatten. Die Zionisten sind es nicht, die er!! Interesse an solchen Angebereien hätten. Wo steckt der Denunziant? Das Urteil über den Jetzigen Herrscher der Türkei lautet im allgemeinen sehr ungünstig. Namentlieh in England ist man seit dem starken Wort G'adstoir.s vom ״grossen .Mörder‘• sehr geneigt gewesen. Schmähungen und Anklagen aller Arten auf Abdul Hamid II. zusammc! - ztiiiäufen. Es ist daher beachtenswert, dass jetzt ein Mitarbeiter des LANCET, einer der bedeutendsten ärztlichen Zeitschriften Englands, den jetzigen Sultan als einen der besten bezeichne:, die je das ottomanische Szepter geführt haben. Es sei Tatsachc. dass er s.m Volk fast dreissig Jahre lang unter den u״- günstigsten Verhältnissen regiert und in dieser Zeit Bewe sc einer ungewöhnlichen Veranlagung als Organisator und Staatsrrern geliefert habe. Der Gewährsmann bezieht sich hauptsächlich auf das. was unter dem Sultan zur Förderung der Medizin in der Türkei geschehen ist und sagt, dass Abdul Hamid stets eifrig darum besorgt gewesen sei, seinem Vo!he soviel wie möglich den Segen der neuesten Entdeckungen der Wissenschaft zuzuwendeu. In allen Teilen des Reiches ist au! seine Initiative hin eine grosse Zahl von wohltätigen Anstalten Geschäften worden. Fontä nen von kaltem Quellwasser, die i״! einem vorzugsweise heissen Lande sich als ein ausscrordentlieber Segen bewähren, sind auf Kosten seiner Privatschatul.c in vielen Ortschaften entstanden, In Konstantinope! selbst befindet sich jeder Distrikt im Besitze einer solchen Fontaine, die ausgezeichnetes Trinkwasser abgabenfrei lieiert Die türkische Hauptstadt hat überhaupt in besonders hohem Grade Zeichen der Fürsorge ihres Beherrschers empfangen. AsyJe. Lazarette und Krankenhäuser verschiedener Art. die vom Padischah persönlch unterstützt werden, öffnen ihre Pforten den Leidender, jeder Nation und Jedes Standes ohne Entgelt. Ein geradezu väterliches Interesse und ein grossherziges Mitleid bcweisst der Sultan kranken Kindern. Sein Himidie-Hospita! ist eine Anstalt ersten Ranges, die mit allem Bedarf der modernen medizinischen Wissenschaft ausgestattet ist und über die besten Atrzte der Hauptstadt verfügt. In diesem Hospital befindet sich übrigens auch ein Stab von deutschen Krankenpfleger:׳. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet der Sultan dem grossen Lepra-Hospital auf der asiatischen Seite des Bosporus. Ferner sind durch ihn Zufluchtsstätten für Alte und Arme und des Asvl für Geisteskranke geschaffen und werden nur durch grosse Zu- Windungen aus seiner Kasse erlialten. Gleichfalls ist es seiner Initiative z. uzuschrcihcn. dass die Hauptstadt eine ärztliche Schule mit!leistungsfähigen Lehrern besitzt. Vor der Thron- Besteigung Abdul Hamids war i m ganzen türkischen Reiche weder ein einziges medizinisches Institut, noch einige einzige hygienische Anstalt, vielmhr hatten die Quacksalber ein unbeschränktes Feld für ihre Tätigkeit. Unter seiner Regierung sind auch die Sanitätsbehörden entstanden, ferner ein Labora• toriuin für die chemische Untersuchung von Nahrungsmitteln, Instlttutc zur Bekämpfung der Hundewut. für bakteriologische Untersuchungen usw. Au jedem medizinischen Kongress nimmt der Sultan lebhaftes Interesse, und jeder wird von hervorrageiKlen Vertretern aus der Türkei besucht, die nach ihrer Rückkehr Gelegenheit zur Verwertung ihrer Erfahrungen und zur Einführung־ notwendiger Reformen erhalten. In mehreren Seehäfen des Reiches stehen jetzt wohlausgestattete Lazarette. In der Provinz Castamoni u. a. sind grosse Hospitäler zur Be- Handlung von Geschlechtskrankheiten angelegt worden. O Q ״p« ייייידי~•