Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Na. •13 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 559 gramnis um! zur strikten Ablehnung jeder Kolonisationstätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner Nachbarländer. Ferner beteiligte sich der Verein an Arbeiten der B. Z. V. sowohl in Mitgliederals auch in AgitationsVersammlungen. l>cn Broschiirenverkauf bei den Versammlungen hat der Verein übernommen und zwar lallt der Nutzen hauptsächlich dem Nationalfond zu. Zur Deckung der der Spesen erhält der Verein U'rj^c des Umsatzes. Die erst kürzlich erfolgte Errichhing eines Share-Clubs, dessen Verwaltung in den Händen des Kassierers Herrn Abraham. Lüneburgerstrass:4 ׳, liegt, hat auch schon einen grosseren Umsatz erzielt. — Die Ver- Sammlung schritt nach Entgegennahme des Berichts zur Wahl eines naicn dreigliedrigen Vorstandes, die folgendes Resultat ergab: Vorsitzender: S. Translateur. Schriftführer: Leon Saul. Kassierer: Fritz A b r a h a m. Als dritter Punkt der Tagesordnung folgten Anträge. Es wurde beschlossen, ein ständiges Lokal zu mieten, ferner zionistische Zeitungen und Schritten zu halten, sowie an die Einrichtung einer Bibliothek zu geben. Man ersieht aus diesem kurzen Bericht über die erst achtmonatliche Tätigkeit des Vereins, dass er jedenfalls lebe ns- und iptwickluiigsiähig ist. So steht zu hoffen, dass alle zionistischcn Kauflcute sich bald dem Verein anschliessen. Am Mittwoch, dem 1. November 1905. spricht der Vorsitzende <les Vereins. Herr S. Translateur. im Restau- .aut Lewin. Neue Schöiiliauserstr. 10. über die Notwen• d i g k e i t zionistischer kaufmännischer Verei n i gu n gen. Berlin. Am Sonntag, den 29. Oktober, nachmittags 4 Uhr findet in der Turnhalle der XIII. Realschule. Schlcswigcr Ufer 14 (Bellevue) ein gemeinsames Schauturnen der III. Männerabteilung und der II. Frauenabteiiung des״Jii dischcn Turn ver eins Bar Kochba" statt. Die Gesinnungsgenossen werden um rege Propaganda für. die Veranstaltung gebeten. Berlin. Am Dienstag, den 31. Oktober, findet im Restauraut Lcwin. Neue Schönhauserstrasse 10, ein Diskussionsabend der Freien Verbindung ״H asinonae a" statt. Herr Davis T riet sch wird über ,.Das Arbeitsfeld des Zionismus״ sprechen. Der Vortrag beginnt pünktlich um 9 Uhr. Jeder Zionist ist herzlich willkommen. Berlin. Am Mittwoch, den 1. November, findet im .,Koni g von Portugal", Burgstrassc 16. die Semester-Antrittskneipe der ״F r c i c n Verbindung Hasmonaea" statt. Jeder jüdische Student ist herzlich e i n g eladen. Dessau. Unser Wintersemester cröffnctcn wir am 15. d. Mts. mit einer Generalversammlung, die ziemlich gut besucht war. — In einem einleitenden kurzen Referate gab der 1. Vorsitzende Ges. Dr. A s c 11 e r einen Ueberblick über die gegeitwärtige Lage im Zionismus. Er schilderte die Vorgänge auf und nach dem Kongresse und kam zu dem Resultate, dass die Krise überwunden wäre. Wenn wir bei uns in Deutsch- Ia1t<| noch die Aulzuckungen der letzten Kräfte der Krise bcobachteten, so liege doch für uns im allgemeinen kein Grund vor, unzufrieden zu sein. Die Majoritätsbeschlüsse müssten wir achten und müssten uns il.־״״> lügen. Nicht ..Gewehr bei Fuss”. sondern ״An die Gewehre" muss unsere Parole sein. Fr erinnerte an ein Wort Scharnhorsts: ״Wir haben ange-!fangen. die Kunst des Krieges höher, als die militärischen Tugeuderi zu schätzen. Das war der Untergang der Völker in allui Zeiten. ‘ Manneszucht. Aufopferung, Standhaftigkeit. Tapferkeit sind die Grundpfeiler der Unabhängigkeit eines Volkes; wenn für sie unser Herz nicht mehr schlägt, so sind wir verloren." Der deutsche Delegiertentag wird dennoch den letzten Wellenschlag glätten. Von den deutschen Ortsgruppenfülircrn werde gelten, was einst einer über den römischen 5cnat gesagt habe: ein jeder stark genug zu befehlen, ein jeder stolz penug zu gehorchen. Die Ausführungen fanden allgemeinen Beifall. Es folgte dann ein allgemducr Bericht des Vorstandes, an den sich eine lebliaite Diskussion anschloss. — Aus d.bi Bericht ist zu ersehen, dass wir im letzten Arbeitsjahre ein gutes Stück auf dem Wege vorwärts gekommen sind. Die Ortsgruppe zählt jetzt 50 Mitglieder und 72 Schekelzaiiler. Im Laute dieser Zeit hat eine ganze Reihe von Versammlungen stattgenmden. Zu vielen wurde die ganze Gemeinde geladen, die gern unseren Einladungen Folge leistete. Von den auswiirtigen Rednern sind die Gg. Herrn Dr. Klee. Dr. S oskin, Dr. Sandler und B. Pciwe-I hervorzuheben. — Von den heimischen Rednern ist in erster Linie unser Vorsitzender, Gesinnungsgenosse Dr. Ascher zu nennen, der uns sehr viel Wertvolles und Lehrreiches gegeben hat. Dann unser unermüdlicher und treuer Arbeiter für deu Zionismus, Gcsiimungsgeii. Kantor Blitz. Insbesondere muss aut seine Gcschichtsvorträgc hhigcwiescn werden, die stets mit warmem Interesse aufgenommen wurden. — Zu erwähnen ist noch ein Vortrag über Uganda von einem Christen Herrn R.-A. Heine, einem Kenner dieses Landes. Obwohl er sich warm für Uganda ausgesprochen hat. so haben doen seine interessante« Ausführungen auf uns einen solchen Eindruck gemacht, dass das Land für uns nicht taugt. — Auch der Kassenbericht zeigt uns günstige Resultate. Ucber die Art und Weise, wie für unseren Nationalfond gearbeitet worden ist, folgt ein besonderer Bericht. —~ Nach der Diskussion, an der sich viel: von der Versammlung beteiligten, wurde dem Vorstand Pank für seine Tätigkeit ausgesprochen und׳ Dechargc erteilt. -- Bei, dem Punkte: Festsetzung des Winterprogramms wurde eine ganze Reihe von Anträgen angenommen, die sicherlieh unsere Arbeit fördern werden. Die vorg^nommencii Wahlen ergaben das folgende Resultat: 1. V o 1 sitzender: Rechtsanwalt Dr. Ascher: 2. Vorsitzender praktischer Arzt Dr. Moses: Schriftführer: Ingenieur A. Gur Und; Kassen reu da 111: Kaufmann M. Schopir Beisitzer: Kantor B. Blitz. Bei weiterer andauernder Arbeit hoffen wir noch gute Erfolge verzeichnc/1 zu können. Köln. In unserer Monatsversammlung am Samstag, den 7. ds. erstattete Herr Gustav Wolff seinen noch rückstiindigen Bericht über den Kongress. Auch Herr Wolff kam, wie unsere anderen Delegierten, zu einem ungünstigen Schlüsse. Auf dem Kongress sei die Minorität durch eine blind eiternde Majorität gröblich vergewaltigt worden. Im Interesse des Zioirsnuis sei zu wünschen, dass die späteren Kongresse einen sachlicheren und vornehmeren Ton anschliigen. In der Diskussion wandte sich Herr Julius Berger schari gegen diese Berichterstattung. Es läge gar kein Grund vor. so pessimistisch vom Kongress und vom Zionismus zu reden. Der Kongress habe sehr Erfreuliches gezeigt, vor allen Dingen, dass auch die schärfsten Differenzen das einigende Band des Zionismus nicht zu trennen vermöchten, weil wir noch Führer hätten, die es verständen, unter Hintansetzung der eigenen Person, in jeder Weise und unter allen Umständen der Einigkeit der Partei zu dienen und sie stark und arbeitskräftig zu erhalten. Man möge die Beschlüsse des Kongresses aufnehmen, wie man wolle, was die Majorität beschlossen habe, sei überall Gesetz und müsse es auch bei uns sein; das Gesetz aber sei zu halten und propagieren. Darum sei es unklug und ungerecht. Resolutionen und Proteste gegen die Kongressbcschliissc zu arrangieren; der Erfolg könne nur eilte Störung des Partciiebens und der Arbeit der Führer sein. Doppelt ungerecht und unklug sei eine solche Handlungsweise aber von den deutschen Zionisten, die besser vor dem Kongress und auf ihm gesprochen, als nachher sich beschwert hätten. Redner begrüsste den eben erschienenen Aufruf Dr. Bodenhcinicrs. den er zur Beachtung und Nacheiferung empfahl. Herr Dr. Goldberg -Neue nähr war mit den Ausfiihrungeu des Herrn Berger, soweit sie die Taktik oder Untaktik der deutschen Zionisten betrafen, einverstanden. Dagegen wollten ihm die Resolutionen des Herrn Dr. Bodenhcimer wcniger gefallen. Er fand Widersprüche und Unklarheiten darin. Man könne wohl verlangen, dass sich jeder Zionist den Kongressbcschlfisscu unterwerfe, dass er sie gegen seine Ueber- Zeugung propagiere, sei ausgeschlossen. Auch dem Zionisten müsse cs zustehen. sich jeder anderen Bewegung, die die Judennot zu lindern anstrtbe, anzuschliesseii.Redner wandte sich scharf gegen das Treiben gewisser ״politischer" Zionisten, deren Ent- Schluss, sich der Agitation zu enthalten, die denkbar schlimmste Undisziplin involviere und demgemäss zu ahnden sei. Zum Schlüsse der Diskussion verteidigte Herr Dr. B od c 111! e i m e r gegenüber Dr. Goldberg sc-ne Resolutionen. Der Anschluss zionistischer Körperschaften an solche Vereinigungen, die die Lösung der Judenfragc mit anderen politischen Mitteln als dem Zionismus anstrebten sei zu perhorreszieren. denn der Zionist kenne keine andere politische Lösung der Judenfrage als eben den Zionismus. Schliesslich erklärte sich die Versammlung in» Prinzip mit den Bodenheimcrsclicn Resolutionen einverstanden. Sammlung für de» N.-F. Metz. Am 22. d. Mts. sprach hicrsclbst vor Hunderten von Zuhörern im überfüllten Saale des Hotel du Nord Herr Dr. Adolf F r i e d c ni a 11 n aus Wiesbaden. Den Vorsitz der Ver- Sammlung führte Herr Dr. Dannenberg. Unter anderen waren erschienen: Der Oberrabhiuer von Lothringen, die Präsideuten des israel. Konsistoriums fiir Lothringen, der israel. Gemeinde Metz, der Lothringer Loge und viele andere bedeutende Persönlichkeiten. Die Versammlung folgte gespannt den packenden Ausführungen unseres hervorragenden Gesiiiiiungsgenosscfu der die Anwesenden zu stürmischem, nicht enden wollenden Beifall l.inriss. Das Publikum ermüdete