Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 558 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 43 UNSERE HOFFNUNG 7u empfehlen. Alles dies kann, wie die ümstärfde es erfordern, mit der bestehenden Religionsschule oder neben ihr eetpaoht werden: cs muss aber ohne Geschrei und Lfirm geschehen und möglichst so. dass alle empfinden, sie tun es freiwillig. Weiteren — also die Schüler da oberen Klassen eines Gcymnasiums—.bringe man in einer Fortbildungsklasse unter. Ihr Studium gilt der alten und besonders der neuen jüdischen Literatur — vor allen Dingen aber den Tagesfragen. Die pol*- tischen Parteien, die Lage der Juden in den einzelnen!.ändern usv.. alles dies soll , ihnen von Zionisten, die cs kennen und zu lehren verstehen, gezeigt werden. Die Lehrlinge in Handel und Gewerbe, kommen in einem ״Diskussionskhib” zusammen, der genau dasselbe leisten soll, wie die ..Fortbildungsklasse". Jeder Teilnehmer hier oder dort soll verpflichtet •*׳o Re- Scrat über irgend ein Tema zu halten. Die ganze Arbeit soll von Zionisten geleitet und inszeniert werden. Und wenn dies mit Lust und Liebe getan wird, so können wir sicher sein, dass der lSjähriec Mensch, der als Handlungsgehilfe oder Student in die Welt hinauskommt, ein guter Zionist — zum wenigsten ein werdender Zion.st ist. Aeimlichc Kjrse Hessen sich für junge *Mädchen einrichten, und sie sollen besonders darin unterrichtet werden, wie sie sich selbst und aiie l'amiücnglieder zum flcissigeu Sparen zu 01111sten des N.-F. anhalten. Dazu braucht man. noch einmal sei's gesagt, keinen verband, keim« Bund, keinen Verein, keine Statuten ־ es echt alles wunderschön ohne die grosse ..Verhandsarbeit". wie wir CS hier in Posen bereits praktisch erprobt haben. Wir haben einen Diskutierklub und eine Fortbildungsklasse, mir die Sabbathschulc fehlt noch. — Nur wenig ist nötig: Geduld und die nötige Lust zur kleinsten ,.Kleinarbeit" ohne neue ..Gründüngen". Jakauw b. Jchudoh Hecht, stud. med. z. Zt. Posen. Vom Territorialismus Herr Israel Z a 11 g wi 11 versendet an die Zeitungen (ausgenommen die zionistischen!) zwei weitere Briete, die er als Antworten auf seine Werbeschreiben erhalten hat. Zur Oricn- Uerung unserer Leser, die unseren Standpunkt zu der Zangwillsehen Gründung ja kennen, geben wir auch diese Briefe wieder. Philadelphia, den 1. Okt. 1905. Mein lieber Zangwill! Ich unterstütze von Herzen gern die Jüdische Territorial- Organisation. Sie wissen, dass ich jeder Zeit über alles empört war, was nach Anti-Zionismus roch, obgleich mir der zionistische Plan, die Herrschaft über Palästina zu erlangen, (unter den gegenwärtigen Verhältnissen niemals ausfahrbar erschien. Das Projekt der JTO mag Schwierigkeiten in der Durchführung bieten, es ist indessen der ernsthaftesten Prüfung wohl wert. Weit davon entfernt, dem Zionisrnus entgegengesetzt zu sein, ergänzt die JTO ihn vielmehr und wird, wenn sie in allem erfolgreich ist. bei seiner Erfüllung und endlicher. Realisation ihm bcistchcn. die andere Hand streckt die JTO zur J. C. A. hin, und sie sollt« schliesslich in ihrer praktischen Seite imstande sein, ׳mit jener konservativen und wohlmeinenden Gesellschaft iti Eintracht zu wirken- Ich wünche Ihnen und der JTO. Gott möge sich eilen! Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre selbstlose Ergebenheit zu der Sache der Dürftigen und Bedrückten Lächerlichkeit und Verleumdung über Sie bringen wird. wird, dessen bin ich sicher, weder die Heiterkeit Ihres Sinnes stören, noch Sie veranlassen. In Ihrem Vorsatz zu wanken. Ich bedauere nur, dass äussere Umstände midi darin verhindern, einen aktiveren Anteil an der Sacke zu nehmen als bloss einfaches Mitglied zu sein. Unter ihrer Führerschaft würde ich gern an jeder Aufgabe arbeiten, die mir zugewiesen’ wird. Möge das neue Jahr Gesundheit und Glück Ihnen und Ihrer Frau bringen, sowie Kraft und Stetigkeit der JTO. Stets Ihr sehr ergebener Mayer Sulzbergcr. Mr. Oskar Strauss, früherer Gesandter der V. St. v. A. in Konstantinopel, schreibt an Zangwill: Lieber Mr. Zangwill! Ich habe Ihren Brief vom 21. v. M. sowie die Nummer der ״Times“ vom!2. v. M.. welche Ihren Buefwechsei mit Lucieu Wolf betreffend die Schaffung einer autonomen jüdische« Kolonie in Britisch-Ostafrika enthält, erhalten. Sit* bitten mich um nieine Sympathie und Mitarbeit. Ich erinnere Sic an unser Gespräch über diesen Gegenstand, als Sie letzten Winter hier waren. Ich sagte Ihnen damals und will es Ihnen wiederholen, dass ich keinen Grund sehe, warum eine Judcnkolonisation nioht erfolgreich sein soll, besonders unter Britischem Schutz, vorausgesetzt nur. dass das Land hinsichtlich der Fruchtbarkeit, des Klimas tmd der Lage geeignet ist. und dass in den ersten Jahren w־,r ,. ,ens die Kolonisten mit der notwendigen Rücksicht auf ihre Fähigkeit ru den schwierigen Arb.iten ausgewählt werden, die ihnen als den Pionieren zufallen werden. Ich ssmipathisicrc vollkommen mit den von Ihnen entworfenen Plänen, und ich freue mich zu erfahren, dass Sie mit Mr. Wolf sich verständigt tmd Hand un!J Sinn vereinigt -haben, um diesen vcrheissuugsvoilen und ruhmvoll.!« Kolonisationsplan auszuführeu. Vcrhcissungsvoll deshalb, weil Grossbritannien in der Weltgeschichte bewiesen hat. dass cs selbst die fruchtbarste und selbstloseste Mutter von gesunden, selbständigen Kolonien ist. Ruhmvoll, weil der Plan, wenn er erfolgreich ist. einen Ruheplatz für die verfolgten Kinder Israel schaffen wird, die sich, wie schwierig auch der Anfang sein mag. als eine britische Kolonie ohne Gefahr der Sclntui- Irrung des Lebens, der Freiheit und des Glückes werden erfreuen können. Es ist ein historisches Recht für die Nachkommen Josephs, dass sie .unter einem grossen und friedlichenden König nach Verlauf vo.1 1000־ Jahre״ mit d-mselben Erdteil den Wiederaufbau eines Staates beginnen. Welch anderes Volk könnte solches tun und die Weisheit und die Erfahrung miibringen. mit welchen 30 Jahrhunderte des Leidens cs für das grosse Werk so wundervoll ausgestattet haben. Als ich zuerst von dem grossmiitigen Anerbieten der britischen Regierung an Herzl hörte, hoiite ich. dass cs angenommen werden könnte und würde: und ich bin glücklich zu wissen, dass Sie der Prophet und Leiter des neben Exodus sind. Alle KoloisisationspUine, lehrt die Geschichte. s׳'nd mit Schwierigkeiten bcladen und haben im Anfang Teilmisserfolge zu erwarten, wofür unsere Puritanerpilger ein schlagendes Beispiel liefern. Aber wie auf diesem Kontinent, so können auf Jenem diese neuen und doch ältesten Puritaner und Pilger ein Reich gründen, das Ruhm dem Muttcrlande bringen, die Fackel der Zivilisation in den dunklen Erdteil liincintragen und eine Zufluchtsstätte für die Bedrückten in Israel sein wird. Ich vertraue fest darauf, dass die Jcwish Colonisation Asso eiation (JCA) klar ihren Weg erkennen, d. h. ihre Energie und ihre Hilfsquellen diesem Plane widmen wird, denn auf Grund meiner intimen Bekanntschaft mit Baron v. Hirsch und seinen Plänen bin ich davon ülcrzeugt, dass er einer Kolonisation unter britischem Schutze jedem andern Plane oder dem Schutze jeder andern Regierung vorgezogen hätte. Aus diesem Grunde wollte er die Insel C\ pern wählen, wenn die Umstünde cs erlaubt hätten. Ich enthalte mich dessen, auf die Details einzugelkn, aber ich kann nur Ihrer weisen und sympathischen Mitarbeiterin. Mrs. Zangwill, zustimmen, dass der Gouverneur der Kokm׳c nicht nur ein Jude sein soll, sondern auch ein britischer Untertan, weil dieser am besten den Genius der britischen Kolonisationspolitik und Kolonialvcrwaltung versteht. Ich verbleibe Ihr am'ric'htig ergebener Oskar Strauss. —ן Aus der Beweguijg ן— Berlin. Der Verein zionistischer K a u f I e u t e ״Theodor Herzl” hielt am Mittwoch, dem 18. d. Mts., seine erste Generalversammlung nach achtmonatlichem Bestehen ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ist folgendes zu entnehmen: Der Verein, dessen Aufgabe es ist. den Ziomsn׳us unter den jüdische« Kautlcutcn zu verbreiten, hielt zu diesem Zweck mit wenigen Ausnahmen allwöchentlich Versainmhiiigsabendc ab. Die Referenten wurden nur dem Kreise der Mitglieder entnommen. Dreimal in der kurzen Zeit seines Bestehais trat der Verein in eine grössere OcftenUicUkcit. Im März hielt Herr Dr. Bernhard Kahn einen Vortrag über: ״Jüdische Emigration”. Am Jahrzeitstage Herzl’s veranstaltete er eine grössere Feier, die Dank •der Mitwirkung der Mitglieder Trauslateur. D r i ase n ׳ und Wiener einen überaus würdigen Verlauf nahm. — Seine politische Stellungnahme bekundete der ..Theodor Herz!" als . einer der ersten bald nach dem Kongress in einer stark hesuchten Versammlung, in welcher Herr Redakteur Julius Becker das Referat übernommen hatte. Die damals mit grosser Majorität angenommene Resolution beglückwünscht den Kongress *zur Wiederherstellung des reinen Baseler Pro-