Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 557 ist ein Oehelmnls elngcweihter Kreise, das mir noch nicht aufgegangen ist. Das entscheidende Wort hat die Palästina-Kommission zu sprechen. Es wird das erlösende Wort sein, wenn sic zu dem Entschlüsse kommen wird, in El-Arisli das Werk zu beginnen. In diesem Falle wird man in Erwägungen darüber cintrctcn müssen, ob und inwieweit mau die oben bczcichnetcn Gegenwartsarbciten in Palästina in Angriff nehmen soll Im anderen Falle würde es aufkiärend wirken, wenn die Kommission eine nochmalige und mehr spezialisierte Darstellung ihrer Anschauungen über die Gegenwartsarbeit in Palästina, wie sie hi Kürze der Kongressbericht der Kommission enthielt veröffentlichte. Es ist freilich nicht zu vergessen, dass viele dieser Projekte nicht öifentücli besprochen werden können. — Wenn somit denjenigen, die an Palästina fcsthalten, eine gleichzeitige ausserpalästinensische Besiedelung unmöglich erscheint (was nicht ausschlicsst, dass sie ein solches Werk, wenn es notwendig sein sollte, gern der nicht-zionistischen JTO überlassen), so kann die von Dr. Friedemann erhoffte Konzession der Kongress-Majorität nur darin bestehen, dass die Partei ausserpalästinensische Koionisationsprojcktc, die sich vielleicht als ein politisches Mittel zur Erlangung Palästinas benutzen lassen, überhaupt zur Diskussion stellt. Die Ausführung der Projekte kann nicht nur aus prinzipiellen, sondem, wie oben dargclegt, auch aus rein materiellen Gründen nicht von der zionistischen Partei übernommen werden — ob von einer anderen Körperschaft, kommt hier nicht in Betraclit. Eine derartige Konzession braucht aber nicht erst gemacht zu werden. Ich wurde schon auf dem Kongress von einem Herrn darauf aufmerksam gemacht, dass־ alles, was bisher mit dem Ugandaprojekt gescheiten war, in einem künftigen Falle auch nach der Resolution Ussischkins möglich wäre. Diese Resolution, die ja nur von einer *kolonisatorischen Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner Nachbarländer“ spricht, schlicsst keineswegs die Besprechung derartiger Projektc und ihre Uebcrweisting an andere Körperschaften, ja — streng formell — nicht einmal die Entsendung einer Expedition aus. Diese Möglichkeit ist eine ausreichende Beruhigung bei dem ausschliesslich theoretischen Interesse, das wir an der Frage des ״politischen Mittels“ so lange haben, ais sich nicht die ״politischen Zionisten“ nach dem Muster einiger ihrer Gesinnungsgenossen und der Territoriaiisten zu Landsuclicrn entwickelt haben. Ich wiederhole also: eine Konzession, die nur die Entgegennahme eines ausserpalästincnsischcn Projektes ״lediglich als Mittd zum Zweck“ zulassen würde, braucht nicht erst gemacht zu werden. Die Durchführung eines solchen Projektes aber ist nicht Sache der Partei und kann von der *Majorität nicht konzediert werden; unter den mannigfachen Gründen hierfür ist einer darin zu suchen, dass die Gegenwartsarbeiten — allerdings nicht innerhalb der engen Grenzen, in die sie Dr. Friedemann eiiidrängcn möchte — unsere ganzen Kräfte und Kapitalien in Anspruch nehmen werden. Breslau. י* D r. S a n d 1 e r. ״Herzlbund“ Mancher ״junge Jude”, der den Aufruf an die jüdische Jugend Deutschlands (Not 41 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU) gelesen hat, wird doch nicht gleich für die Idee eines ״Herzlbundes" der jüdischen Jugend begeistert gewesen sein: dieser oder jener wird tTSt einmal abwarten, was sich aus diesem Ei entwickelt. Doch der, der die Uebcrzcugung liegt, dass der ״Hcrzlbund" ein falsches und verfehltes Unternehmen sei, darf nicht schweigen und abvarten. da es sich׳ um ״unsere Hoffnung”, um die jüdische Jugend handelt. So schön dio Idee eines Bundes, einer Organisation ist. in praxi zeigt sic sich ais undurchführbar. Ich setze allerdings voraus, dass der' ״Herzlbund” sich besonders mit der Schuljugend befassen will. Den« es hätte keinen Sinn, etwa einen Studenten-Verband zu gründen, erstens hat Jeder Studenfc — abgesehen von Studentenvereinen — ln den Ortsgruppen die Möglichkeit, nach jeder Richtung für den Zionismus tätig zu sein: zweitens liefe die ganze Jugend-Organisation auf einen zionistischen Studenten-Verband hinaus, für den ghr kein Bedürfnis vorlicgt und der. was man ruhig schon jetzt sagen kann, nichts, besonderes leisten wird. Soll also der ״Herzlbund" einen Sinh haben, dann darf er sich nur mit der Schuljugend befassen, ־d. h. mit jedem — nicht nur zionistischen — Juden, der. weil er noch nicht 18 Jahre ist, auch noch nicht Mitglied unserer Ortsgruppe sein darf, und!ferner müsste eine solche Organisation, um die Aufgäbe möglichst vollkommen zu lösen, bestrebt sein, schon den ABC-Schiitzen in seinen Kreis zu ziehen. Denn je früher man beginnt, Begeisterung und Verständnis für unser Volkstum der Jugend ins Herz zu pflanzen, desto besser ist cs. Wird der ״Hcrzlbund" dieses Streben betätigen, so dürfte er auf Widerstand stossen. Denn 'hoffentlich gibt es keine solch törichten Eltern, die es dulden werden, dass ihr Junge im Alter von 9—12 Jahren und darüber ■hinaus einem Verein angehört — besonders einem von klar ausgesprochener politischer Tendenz. — Der ״H.erzlbund" wird also auf die Schüler in dieser Altersstufe verzichten müssen. Im Alter von 14 oder 15 Jahren verlassen viele Knaben — Mitteischüler. Volksschüler und Gymnasiasten — die Schule, um einen kaufmännischen oder gewerblichen Beruf zu ergreifen, andere besucheu die Schule weiter. Unter diesen will der ..Herzlbund’’ betätigen, denkt mancher. — doch er darf es nicht und kann cs nicht. Denn den Lehrlingen und noch mehr den Schülern ist es verboten, politischen Vereinen an7.ugehören. Der ״Herzlbund״. der den Zionismus ausbreiten will, ist nach meinem Dafürhalten zu den politischen Vereinen zu zählen, wie irgend eine Ortsgruppe. — Es kommt aber noch hinzu, dass den Schülern die Beteiligung an jedem Verein, also z. B. ein&ni Literaturverein, untersagt ist. D e r ..He r zlbund” wird also auch auf die Jünglinge im Alter von 14—18 Jahren verzichten müssen. U!!d für die Folgezeit braucht man ihn nicht. — Der Lehrling, der mit 18 Jahren ausgelernt hat. kann sich der Ortsgruppe anschliesscn, wo dafür gesorgt werden muss, dass er nicht nur ein Schckclzajiicr. sondern wirklichein Zionist wird. Da gibt cs Institutionen, wie Diskussionsabende usw.. da ist der ..Herzlbund” nicht nötig. — Der Schüler verlässt mit 17 oder 18 Jahren die Erziehungsanstalt. Er wird Student. Nun ist nur noch übrig, darauf zu achten, dass der junge Student in eine national-jüdische oder zionistische Verbindung kommt, oder dass er, wenn nicht dies, in die Ortsgruppe cintritt Dazu braucht man auch keinen ״Herzlbund". denn agitieren muss jedor Zionist; bleibt nur. dass der ״Herzlbund” die ״Keiltätigkdit” besorgt dagegen wird kein Mensch etwas haben. Ich glaube gezeigt zu haben, dass der Herzlbund zum Teil unnötig und in praxi unmöglich ist, sofern man nicht ganz geheim arbeiten und die Gesetze des Landes verletzen will. Wer Sich rühmt, einem Herzl nachzueifern, der wird von vornherein diesen Weg nicht billigen: ganz abgesehen von׳ den moralischen Schäden, die jede Gehcimbündclei in den Herzen der Jugend anriahten muss. — Da bin ich auch schon berrn zweiten Teil meiner Kritik. Ich frage: Gesetzt den Fall, kein einziges Hindernis stände einem Jugcndvcrbande entgegen, darf dann ein solches Unternehmen gebilligt werden?! — Ich bitte alle, die die richtige Antwort erfahren wollen, den Aufsatz von Ben Samuel in der Scptcmber-Nunnncr der Zeitschrift UNSERE HOFFNUNG durchzulesen. Was In diesem Aufsatz von den Mittelschülern gesagt •wird, kann und muss für alle Schüler gelten. Und es Ist höchst wunderbar, dass von denen, die diese Zeitschrift zu ihrem Verbands-Organ machen wollen, ein solohcr Ailfsatz nicht beachtet wurde. Kurz und klar heisst es dort: ..Weg mit den Schijlervcreincn!” Der freundliche Leser, der mir in meinen Ausführungen bis hierher gefolgt ist. wird mich mit Recht fragen: ..Was also tun?” Getan muss etwas werden, also antworte* ich ihm: Für alle jüdischen Kinder von 8—11 oder 12 Jahren errichte man überall eine Sonntags- oder Sabbathschuie. Dort sollen die Kleinen — Knaben und Mädchen — von Begeisterung für unsere Helden erfüllt werden und im grossen und ganzen den Lese- und Lernstoff der Zeitschrift JUNG ISRAEL in sich aufnektneu. Den Unterricht leiten Erwachsene — Herren oder Damen. Grosser Kenntnisse bedartf es dazu weniger als einigen Verständnisses für die Kiudcrsccle. Im Alter von 11—15 Jahren sollen die Schüler und Sohiilerinnen gründlich und ordentlich jüdische Geschichte und Literatur lernen und allmählich mit den Erzeugnissen der neuen Literatm bekannt gemacht w׳erden. Als Zeitschrift wäre da