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Jüdische Rundschau · 1905-10-27 · Heft 43 (27.10.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite •555 trotzdem nicht ausgeschlossen, dass dieser Weg beschritten wird, da die Zustimmungskundgebungen von nicht zionistischer Seite fast durchweg den philanthropischen Gesichtspunkt betonen. Auch das Zusammenwirken verschiedenartiger Jüdischer Kreise aui dieser Grundlage würde ich als einen segensreichen Fortschritt betrachten, in der Hofinung, dass alle diese Kreise auf der Suche nach einem Territorium, schliesslich zu der Ueherzeugung kommen werden, dass für die politische Lösung der Judenfragc nur ein einziges Territorrum in Frage kommen kaum nämlich Palästina. Wenn die Grupjx; der politischen Zionisten es bis dahin erreicht hat. die Führung in die Lage zu setzen, sich mit der Territorialistisehen Organisation zu verständigen, so würde Ich cs nicht für ausgeschlossen halten, dass die Jasager des 7. Kongresses auf dem Wege nach einem Territorium Palästina gewinnen, so wie die Jasager des C. Kongresses in der Lage waren, auf dem Wege nach Palästina ״Uganda“ zu erlangen. Im übrigen beziehe ich mich auf mein an Herrn Zangwill gerichtetes Schreiben vom II. Oktober, das wohl auch publiziert werden wird, und auf den Inhalt meines Aufrufes. Mit Zionsgruss! Ihr ergebener D r. B o d e ti 11 c i ru e r. Irrungen und Wirrungen Zur Russisraclis der 08sliin1«8n0ss8n W O Die RUNDSCHAU veröffentlicht fortgesetzt Artikel, in denen die verschiedenartigsten Standpunkte vertreten wenden. Line Klärung der ,Anscliauungtn wäre nur möglich, wenn auf jeden einzelnen Artikel von gegnerisch:r Seite sofort erwidert würde. Das ist praktisch undurchführbar. Will man nun nach Möglichkeit verhüten, dass dieser oder Jener Satz in schwankenden Gemütern Verwirrung anrichte, so bleibt nichts übrig, als einzelne springende Punkte, die Grundirrtümer enthalten, aus den Artikeln herauszugrciienl und kurz zu besprechen. Man darf freilich nicht durch dialektische Künste einzelne Schwächen eines Artikels für sich auszu־. heuten versuchen, sondern muss sich tatsächlich an die Pointen der gegnerischen Beweisführung halten. Ich beginne mit einem Punkte, der mir nicht unwichtig erscheint. Herr Dr. Gronemann nennt den Streit um den Namen des Verbandes ״klelnfich”. Ich möchte ihm heute trotzdem einen neuen Vorschlag, der sich mit dem Namen befasst, unterbreiten, und hoffe, dass er mir nach Lektüre dieses Abschnitts zugeben wird, dass ein Streit um den Namen gewissermasse'n und so- Zusagen auch ein Streit um das Wesen einer Sache ist — ganz abgesehen davon, dass die Wahl des Namens bei der Agitationsarbeit praktische Bedenk.n gewinnen kann. Wenn man den Satz aufstellt: ״Wem der Wein zusagt, der wird nicht der Aufschrift wegen Magenschmerzen bekonimen,” so könnte ich wie ein Talmudist antworten: ״Man kam» auch anders lernen”. Kntweder entspricht die Aufschrift dem Inhalt oder nicht. Trägt der GrünF.erger Wein die Markenaufschriit ״Bordeaux”, so ist die Täuschung strafrechtlich zu verfolgen und die Markenaufscnrtrt zu ändern. Entspricht aber die Aufschriit dem Inhalt, so werde ich tatsächlich schon baim Lesen der Etikette Magenschmerzen bekommen. — Wenn sich eine Vereinigung nicht als ״Trust der Kohlenhändler“. sondern als ״Verband der politischen Zionisten" bezeichnet, so muss ich als vernunftbegabtes Wese« annehmen, dass die Mitglieder des Verbandes diese Bezetchnung als für Ihre Anschauungen besonders charakteristisch auffassen: sie trifft demnach für die Gegner jener Anschauungen nicht zu. Ich bitte, diese primitive Art der logischen Beweisführung zu entschuldigen.. Das nebenbei.. Die ״politischen Zionisten", die die Bestrebungen Zang- Axills billigen, werden wohl mit Ausnahme weniger, die sich der Disziplin fügen oder die nicht gemeinschaftlich mit den Tcrritorialisten werden arbeiten wollen, der JTO beitretenf. Doch würde ich ihnen dann raten, sich nicht innerhalb der zionistischen Partei als Anhänger der JTO, sondern Innerhalb der JTO als Anhänger des Zionismus zu organisieren. Keimen sic sich ״Verband der politischen Zionisten", so besteht nicht nur eine .Meinungsdifferenz, sondern eine offenkundige Spaltung in der zionistischen Partei; nennen sic sich aber ״zionfstfsehe Gruppe der JTO“. so ist das nicht der Fall, ja, sie sind dann als ehrliche Palästinenser umso leichter imstande, die Interessen des Zionismus, desen Prinzipien sie ja treu bteiben wollen, innerhalb der JTO wahrzunehmen und so zu verhüten, dass die Zionisten der JTO allmählich in das rein territorialistische Fahrwasser geraten. Herr Dr. Gronemann wird das einsehen; denen, die das nicht einsehen, zeige ich ein Beispiel, das allerdings nicht ganz kongruente Verhältnisse bietet. Würden sich innerhalb des Zionismus in ausgedehntem welche die Garantie ihrer unzerstörbaren Einheit in einer unzerstörbaren. volkstümlichen Literatur hat. Diese Literatur ist der palästinische Boden, auf dem das Volk ein vaterländisches Leben fortführt, während es mit unsteten Füssen, ohne. Ruhe zu finden auf der westlichen Hemisphäre exiliert; diese Literatur ist das Gemeingut der Nation, in dem sich nach dem Verluste des Staates und des Vaterlandes das nationale I eben vor, Generation zu Generation vererbt; sie ist die Charta magna des Volkes, sein Vaterland, sein Tempel, da: geistige und um so festere Band seiner Gemeinschaft.“ (S. 105) ״In den Gedichten der Measfim uiid Bikure ha-Itim findet sich die nationale Naturauschauung mit der sentimentalen Schilderei der abendländischc.n Natur vertauscht; die hebräische Sprache ver• leugnet auch hier nicht ihre angeborene Schönheit, aber ihren volkstümlichen Charakter, ln ihrem Auge spiegelt sich die enthüllte Herrlichkeit des Himmels, in ihrem Herzen trägt sic unaustilgbar das Bild des heiligen Landes2) — nimm ihr beides, sie hört nicht auf, schö»’ zu sein, aber die heilige Sprache ist sic niciit 1neJ!r. Sobald die jüdische *) Ini Druck des Originals nicht hervorgehoben, Poesie das Zentrum 4es judentümlichen Glaubens, das Bewusstsein der nationalen Unzerstörbarkeit, der Gnadenbevorzugung des Volkes, und die Hoffnung der einstigen Glorie verliert — verliert sie auch ihre Seele und ihre edelsten Kräfte; sie stirbt ab und trägt keine natürlichen Früchte mehr.“ (S. 123) ״Reine Naturgedichte können schwerlich jüdisch-national sein, denn das jüdische Volk ist noch heute eine Nationalität ohne Vaterland, uni weder die üppige Natur in den Barbaresken. noch die rheinischen Wein lande können Judäa ersetze n.“s) * ־־ '־* *־''•״ Könnte aus den beiden׳ letzten Stellen nicht auch mancher Nationatiude etwas lernen? Ephraim. ג) Im Druck des Originals nicht hervorgehoben. 1יסי־ ייי

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