Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 43 Seite 552 JÜDISCHE RUNDSCHAU wohin sie gesandt werden, sorgfältig sortiert, sodass jedes seltenere Exemplar seinen vollen Preis bringt. Das Zentralbureau ersucht die noch fernstehenden Orts• gruppen nochmals, baldigst Sammclstcüen iti ihrem Orte ,ns Leben zu rufen und Nansen und Adresse des betreffenden Oe.־ schäftsleiters der Lübecker Zentrale (Adr.: Er au D r. J oö l, Beckergrubc 58) mitznteilci!. die die näheren Anweisungen sofort cinschicken wird. * Eben während des Druckes erreicht uns die traurige Kunde, dass D r. O. K «> k e s c h . Mitglied des Grossen und früher des Engeren Aktionskomitees, nach langem Leiden gestorben ist. Er war einer der ersten, die sich in Westeuropa mutig zur Fahne des Zionismus bekannt hatten, ln unerschütterlicher .Treue hiüt er au Z'on fest, für das er schon lange vor dem I. Kongresse tapfer kämpfte. Bis zu allerletzt hat er unter schw eren körperlichen Leiden und Schmerzen unermüdlich seine zionistische Arbeit fortgesetzt. Ehre dem Andenken des mutigen und tapferen Kämpfers! Ein Brief Dr. Max Nordaus Herr Dr. Adoli Ericdemaim stellt uns tretmdiiclist folgenden Briei unseres verehrten Führers Nordan zum Abdruck zur Verfügung. Wir machen mit bestem Dank hiervor! Gebrauch Paris, den 22. Oktober 1905. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich bedaure nun doch, dass über meinen Reclienscliafts• bericht an meine hiesigen Wälder nichts in die zionistische Presse gelangt ist. Denn in meiner Rede habe ich ungefähr alle Fragen, die in Ihren lieben Zeilen enthalten sind, ausführ־ lieh beantwortet. Der Territorialismus ist nun einmal eine Tatsache, die man beklagen, doch nicht aus der Welt schaffen kann. Wir müssen darum zu ihr Stellung nehmen, da es auch nicht angeht, sie zu übersehen. Eine Aenderung der Kongressbeschlüsse kann nur ein Kon־ gress beschtiessen. Eine Auflehnung gegen sie, ehe sie rege!־ recht aufgehoben sind, wäre ein anderer Charkower Putsch. Nach meiner Auffassung binden die Kongressbcschlüsse nur d;e Organisation, die als sofehe territorialistische Bestrebungen nrt ihren Mitteln nicht fördern daif. Dagegen bezieht sich die Ablehnung des Territorialismus ״als Zweck und Mittel" nicht auf den einzelnen Zionisten, der seine volle Freiheit walirt, auch nichtzionistische Bestrebungen zur Besserung der Lage eine; Teils des jüdischen Volks — zumal von nationaljiidischem (reiste erfüllte --zu unterstütze!!. Wenn Zangwill und die um ihn sich nicht auf Wolütätigkeitskolonisation ä la General Bootli beschränken, sondern sich als berufen hinstellen würden, die Judeufrage durch eine politische Tat. die Gründung eines Staates für das ganze Jüdische Volk. zu lesen, würden wir Ihnen ebenso entgegentreten müssen, \vi: jenen die de Lösung durch die Assimilation herbciführc-i; /״ können behaupten. Aber für eine derartig verkehrte und schädliche Haltung Zangwilis habe ich noch keine Anzeichen. Einstweilen scheint er für das jüdische Elend Elemente zu interessieren, die ihm gegenüber kalt geblieben sind, und das ist Gewinn. Er lehrt überdies manche nationaljüdisch denken und macht auf diese Weise den Territorialismus zur Vorfrucht des | Zionismus. « j Lassen wir uns vor. einiger Aufregung der Schwankenden י unter uns und einigem Hohnlächeln der Gleichgiitigen und! Gegner nicht irremaehen. Das überdauern wir. wenn wir dauern. Die Hauptsache ist. dass wir standhaft bleiben und an einigen einfachen, klaren Leitsätzen festhalten: Die Lösung der Judcrurage durch Schaffung eines national• jüdischen Gemeinwesens ist nur in und um PaläsEna möglich. Wir müssen diese Lösung durch möglichste Stärkung unserer Organisation und praktische Erforschung aller wir!־ sehafllchen Möglichkeiten Palästinas vorbereitet». Bis zur Lösung haben wir für Bestrebungen zur Er- 1 leichterung des Judenloses nur Sympathie. Von alledem können Sie, mein sehr geehrter Herr Doktor, beliebig Gebrauch machen. Aufrichtige Grüsse von Ihrem hochachtungsvoll ergebenen M. N o r d a u. heii'd dachte er darüber, es müsse herrlich sein, wenn er fast zweitausend Jahre verträumen und in später, ׳später Zeit wieder erwachen dürfte; dann müsse die Welt viel schöner geworden sein, dann gäbe es keinen Krieg und keine bösen Menschen mehr und alle Men־ sehen würden glücklich und friedlich leben. Aber horch was war das? Der grosse Eisenring am Tor hatte sich bewegt. Es klopfte an das T.or und der Jüngling ging hin und machte auf. Ein grosser, alter Mann trat in den Garten, mit langen weissen Silberlocken, die ihm über die Schultern und den langen schwarzen Mantel herunterhingen, und sein langer, weisser Bart wallte ihm bis über die Knie. ״Ich kenne dich,“ sprach er, indem er in den Garten trat, ״du bist der Sohn des edlen Jekutiel, und ich weiss dass du ein guter Mensch bist, und dein Jüdisches Volk liebst. Wohlan denn, ich bin zu dir gekommen, um dir deinen Herzenswunsch zu erfüllen. Und damit du glaubst, dass ich auch erfüllen kann, was ich verspreche, so wisse, dass ich der Prophet Elijjahu bin, und von Gott selbst die Macht habe, alles zu tun, was ich will. Gott lässt mich ewig leben, um guten Menschen Gutes zu erweisen, und ich gestatte dir, einen Wunsch zu tun, den ich erfüllen werde. Aber wünsche gut und verständig, denn nur ein einziger Wunsch ist dir vergönnt “ Der Jüngling besann sich nicht lange, und sagte• ״Gib mir die Macht, mich an jeden Ort und in jede Zeit der Zukunft zu versetzen!“ Als der Prophet ftlijjahu diesen Wunsch hörte, da wurde er sehr betrübt und qr sagte mit finsterem Gesichtet ״Dein Wunsch ist di:־ gewährt! Aber du sollst wissen, dass du töhrieht gewünscht hast. Warum batest du nicht um Glück und Heil für dein Jüdisches Volk, das ,du doch liebst, wie du sagst. Aber so seid ihr alle! Wenn das Glück euch lächelt, so greift ihr nach allerlei Kleinigkeiten und Spielereien für euch selbst, aber an euer armes Volk wollt ihr nicht denken. — Doch ich halte mein Versprechen. Nimm diesen goldenen Ring und stecke ih:1 dir an den Finger, und sobald du ihn von rechts nach, links drehst, so ist dein Wunsch erfüllt. Drehst du ihn aber umgekehr von links nach rechts, so setzt er dich in die gegenwärtige Zeit zurück, aber seine Kraft ist erloschen.“ ״O, ich danke dir, du edler Prohet Elijjahu“ rief der Junge Mann, ״aber glaube mir, nie und nimmer werde ich ihn zurückdrehen.“ ״Das weiss ich besser," versetzte der Prophet, drehe ihn nur, und drehe ihn so oft und so viel du willst, ich werde deiner Rückkehr hier an dieser Stelle harren.*4 Und während jene־׳ eifrig den Ring drehte und sich um neunzehn Jahrhunderte weiter