Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 43. Seite 551 JÜDISCHE RUNDSCHAU als unsererseits ebenfalls unsere Pflicht zu tun, für die Ausbreitung unserer Ideen, für die Machterhöliung unserer Partei, für die Einigkeit des Zionismus zu wirken und zu schaffen. So verschaffen wir ihm die Machtmittel, deren er zur Ausführung unserer Politik bedarf. Vertrauen zu unser!! Mitkämpfern und Vertrauen zu unserer Führung wird durch das Vertraue«! zu uns selbst bedingt. Wir müssen wissen, dass wir uns auf uns selbst verlassen können. Wir dürfen keine Naturen sein, di.e das eine Mal in Enthusiasmus entflammen und dann wieder einmal an Unrechter Stelle kalte ausgebrannte Asche darstellen. Wir dürfen nicht Leute sein, die sich einmal keck aufrichtcii, und dann weich und schwächlich zusammenknicken. Wir müssen starke, ganze Männer sein, keine geflickten Halbnaturen, die von Muskcljudentum den Mund voll nehmen und selbst nur schwächliche, schwindsüchtelnde Seelchen sind. Vertrauen zu uns selbst können wir nur haben, wenn wir gesunde, kraftvolle Naturen sind, wenn wi: etwas Ganzes darstellen, wc,nn wir mit ganzem Herzen und ganzer Seele der Bewegung angeboren, die wir gross zu machen helfen wollen. Vertrauen zu uns selber können wir aber haben. Denn wir haben in langen Jahren des Kampfes bewiesen, dass wir gerade, aufrechte Männer sind und nicht leicht verzagen. Zu diesem Vertrauen, das wir unser!! Mitkämpfern und unserer Führung entgegenbringen, das wir zu uns selber haben, kommt das Vertrauen hinzu, das wir zum Zionismus haben. Die Siegesgeiwissheit, die uns zur Fahne gerufen hat, sie nimmt nicht ab, sie wächst mit jedem neuen Hindernis nicht minder als mit jedem neuen Mitkämpfer, der in unsere Reihen tritt. Vierfach ist das Vertrauen, das uns an unsern Leiter, an unsere Mitkampier und an unsere Sache kettet. Das ist ein Band, das nicht reissen kann, eine eherne Kette, die das Jüdische Volk an sein Zion schliesst für alle 7eiten. In diesem Sinne begrüssen wir die Zentralkomitee- Sitzung, die am Sonntag hier tagen wird. Sie erfüllt ihren Zweck, wenn sie. uns das Vertrauen und die Einig* keit wieder gibt. Sie hat eine schwere Aufgabe übernomtnen, die Mannszucht und die freiwillige Unterordnung unter die selbst gegebenen Gesetze in einer Zeit zu betonen, wo die Wogen der Erregung unter den Zionisten gerade in Deutschland hochschlagen. Gegenseitige Duldung und ehrliches Vertrauen zu einander möge der Tagung den Stempel aufdrüd׳en. Wir wünschen von Herzen, dass die Beratungen und Be- Schlüsse dazu angetan sein mögen, die Ein.gkeit zu fördern, die Parteidisziplin zu stärken, dem Zionismus zu nützen. Dann wird die Zentralkomiteesitzung eine Stelle finden können in dem Goldenen Buche der Geschichte des Zionismus. Willkommen zur Einigkeit! Heinrich Loewe. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Alle Ortsgruppen, die sich bisher noch nicht an dem Sammeln von Materialien zu gunsten des Nationalfonds beteiligt haben, werden nochmals dringend hierzu aufgefordert Bevor nicht jeder einzelne Zionist es für seine Pflicht halt die kleine Mühe des Sammelns zu übernehmen, wird das Ergebnis der Materiaüensammlung unzureichend sein. Welche Erfolge durch eifriges Sammeln erzielt werden können, beweist die bekannte Bodelschwinghsche Anstalt in •Bielefeld, die allein aus dem Verkaufe von Zigarrenabschn'tten rm letzten Jahre *1000 Mk. gewonnen hat. Wenn auch selbstverständlich die deutscher! Zionisten allein nicht ebensoviel aufbringen können, so kann doch gerade von diesem Material eine Menge zusammenkommen, wenn jeder rauchende Herr beim Einkauf von Zigarren regelmässig Spitzen als Beigabe verlangt. Ausserdem zeigt die Erfahrung, dass auch N'ichtgesinnungs- und Glaubensgenossen einen Sammler von derartigen, sonst wertlosen Dingen gern in seinen! Bestreben unterstützen. Zigarrenabschnittbüchsen mit dem Aufdruck: ,,Jüdischer Nationalionds“ sind von der Lübecker Zentrale zu beziehen. Preise: einzeln 25 PL 100 Stück ä 15 Pf., 50 Stück ä 20 Pi., 25 Stück ä 22 Pi. Der Betrag ist ־ vorher cinzusendcn. Ganz besonders wird das Sammeln von Staniol empfohlen, für das die Zentrale sehr gute Preise erzielt. Irrtümliche Anschauungen walten vielfach über das Sammein der Briefmarken ob. Da diese unsortiert und unabgelöst eingeschickt werden können, verursacht ihr Sammchi keincrlc: Mühe. Selbstverständlich werden sie in der Wiener Zentrale, EAle voll sein sollte von Einigkeit und Frieden und aller Herrlichkeit. Es konnte ja nur ein kurzer Niedergang ictzt sein, eine ganze, unendlich kurze Spanne Zeit und der Friede würde über das Land kommen und Blühen und Gedeihen wirken. Freilich nur langsam geht der Fortschritt durch die Welt, und behutsam bringt die Zeit das Neuere und Bessere, aber doch schreitet sie unaufhaltsam fort und je weiter sie kommt, um so schneOle« wird ihr Schritt zum Guten und Besseren. In ferner Zukunft würde es dahin kommen, dass die Schwerter zu Winzenuessern und der Speer zum Karst unigeschmiedet würden, so hatte Prophetenmund verkündigt. Und der kann nicht lügen. Und die Zeit des Friedens müsse nahen mit der Herrlichkeit des Jüdischen Volkes Und wenn erst die Zeit käme, wo die Menschen zi Brüdern würden, wo der Hass aufgehört habe, die Weltgeschiehte zu leiten, wo nicht bloss der Ne׳'d und die Habsucht die Triebfedern sein würden, wo die Erkenntuis durchgedrungen wäre, dass alle Menschen Brtfder und alle Kinder desselben Gottes seien, dann wäre die Welt wirklich schön und das Leben wirklich lebenswert. Wie hatte doch die Bildung zugenommen in de! Zeit seit dem grossen Alexander, wie war das Wissen י •ngedrungen in die weitesten Voflkskreise und wie vermehrten sich Bildung und Wissen von Tag zu Tage. Durch das ganze weite Morgenland gingen seit uralte.* Zeit grosse Heeres- und Verkehrsstrassen und in den letzten Jahrhunderten war das nicht' minder weite Abendland in den Kreis dieses Weltverkehrs gezogen worden. Kühne Seefahrer hatten fern im Norden der bisher bekannten Welt ein weites Land entdeckt, in dem barbarische Völkerschaften hausten. Dort öffnete sich für Handel und Wandel eine grosse und unübersehbare Aussicht. Dort drang die Bildung ein und die Kultur, getragen von den Nachkommen stammverwandter phönizischer Stämme und von den Angehörigen griechischer Handclsrepubliken. Ueberall dehnten sich neue Kultur- Strassen und brachten die Keime unaufhaltsamen Fort- Schrittes in alle Lande der bewohnten Erde. ״Schweigt, ihr Bäume und Sträucher, weint nicht, ihr Blumen, die Zeit ist nicht mehr zu fern, \v•» der Leu aus dem Stamme der Söhne Adams friedlich neben dem einfältigen Menschensohne, leben und ,sich nicht mehr von seinem Blute nähren wird. Die ferne Zeit rückt näher, sie wird Gewissheit.“ Und wie er so dachte, wie schön es wäre, wenn e r es erleben könnte, wenn er selbst noch diese Zeit sehen könnte, da wurde der Wunsch in ihn! rege. Sin- ייי?*זי n^r— 1! י I » I 1 1 i i י J I 1 ו c j