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Jüdische Rundschau · 1905-10-20 · Heft 42 (20.10.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 544 JÜDISCHE Bestrebungen, die nach meiner Kenntnis von der Stimmung in den einzelnen Logen, »üerseits freudig begriisst werden dürften. >Vie Ich mir bereits erlaubt habe. Ihnen mündlich zu erklaren, beruht die Verfassung der Grosslogc auf demokratischer Grundlage. Bei wichtigen Fragen muss der Grosskörper bcschUessen, und ich selbst habe darin nur eine Stimme. Die Grossloge tritt aber voraussichtlich erst im Mai 1906 zusammen״ so dass ich Ihnen zunächst nur meine per s ö 11liehe Ansicht mitteilen kann. Ich glaube aber berechtigt zu sein, Ihnen zu erklären, dass Sie die volle Uebcrzeugung haben können, dass die Grossloge für Deutschland des U. 0. B. B. Ihre Bestrebungen gern und freudig unterstützen wird. Mit den besten Empfehlungen, auch an Ihre hochverehrte Frau Gemahlin, bin ich Ihr ganz ergebener Timendorfer. Die Antwort Zangwills lautet: Sehr geehrter Herr! Ich bin sehr erfreut, eine so herzliche Sympathiczusicherung für die Jüdische Tcrritorial-Organisation seitens des Gross- Präsidenten alter deutschen Logen des grossen Ordens Buci Berith zu erhalten. Ich yerstchc vollkommen, dass Sie angesichts des Um- Standes, dass vor nächstetu Mai leider keine Sitzung der (irosslöge stattfinden kann, nur Ihren persönlichen Standpunkt ausdrücken können. Was aber Ihre Furcht bezüglich einet zionistischeu Obstruktion gegen die erwünschte Mit- Wirkung Ihrer Logen an der Jüdischen Tcrritorial-Organisjii»» bet rin t, so ist diese grundlos. da die politischen Zionisten Deutschlands mir ihren Dank für meine ״Tätigkeit seit dem Kongresse” telegraphiert haben, ln der Tat halte ich festes Vertrauen, dass die gesamte Judenlieit sich einig bereit finden wird, eine Aufgabe zu vollenden, welche die Lage tutseres Volkes so notwendig und so dringend gemacht bat. Empfangen Sie bitte meinen Dank sowohl für die Sclmellig* keit. mit der Sie mir geschrieben, als auch für die freundliehen Gefühle mir und meiner Gattin gegenüber. Ihr sehr ergebener I s r a e I Z a « g w i 11. P. S. Ich möchte noch betonen, dass, obgleich wir nicht nur eine philanthropische Kolonisation wünschen, wir dochdie nationalen Empfindungen derJudcnindenverschicdcnen Staaten nicht stören. Unser Wunsch ist einfach, den iüdischcn Auswanderern. welche dadurch, dass sie ihre Länder verlassen.־ jeder Untertanenschaft beraubt werden, ein neues Bürgerrecht so unabhängig als möglich, in dem neuen Lande zu geben, das sie durch eigene Arbeit sich schaffen wollen. ♦ Ein Brief D r. Max Nordaus an Z a n g w i 11. der ebenfalls die Runde durch die Presse macht, hat folgenden Wortlaut: Mein lieber ZangwilU ln der letzten Woche hatte ich Gelegenheit, in Gegenwart von Mr. Greenberg und 500 Pariser Zionisten meine Meinung über die Beziehungen von Territorialismus und Zionismus zu äussern — eine Meinung, die ich seitdem in Briefen an die Vereinigung der rumänischen Ziöitisten und an Dr. Katzcnclsohn. Libau (Russland) wiederholt habe. Ich bleibe dabei, dass man zugleich ein Tcrritoriaiist und ein Zionist sein kann, indem der Territorialismus nur tiumittelbare Hilfe bringen will, während der Zionismus die endgiltigc Lösung des I ii d isehen Problems erstrebt, welche meiner Ansicht nach nur in Palästina g e f u n d e n w e rden kamt. Ich bin sehr glücklich, von Ihrer hofmungsvollen Beurteilung der Aussichten des Territorialistmts Kenntnis zu nehmen. Ich wünsche von ganzem Herzen. Gott sei mit Ihnen. Herzlichst Ihr M. N 0 r d a u. ♦ Wir können mir unserer Anerkennung des uns ausserordeutlich wohltuend berührenden Taktes gegenüber der Zionistischcii Organisation Ausdruck gebat. mit dem namentlich Herr Justizrat Timendoricr seine Stellungnahme zu der JTO begründet hat. Was diese Organisation selbst angcht. so teilen wir durchaus de» Standpunkt des Präsidenten unseres letzten Kongresses. Dr. Nord au, dass der Territor'valismus eine rein philanthropische Bewegung sei. der gegenüber der Zionismus dieselbe Stellung einnimmt, wie gegenüber dem ״Esra". RUNDSCHAU...... . Mo. 42 dem Hilfsverein 11. a. älmlfdlKöi Vereinet). Daraus ereiebt sich ja auch ganz natürlicher Weise die Interessen- und Arbeits- Solidarität der iTO mit ׳ diesen Vereinen» die ihrerseits dass.׳lbe Ziel mit nur .wenig׳ Verschiedene!) «Mitteln ctstrebcn. : - '’ . '*. * .' ׳ * , Berlin. Am Mittwoch, dem II. Oktober fand im Rosentlialer Hof de Generalversammlung d;r ..Berliner Zionistischen Vereinigung" statt, die von fast zweihundert Mitgliedern besucht war. Zu Beginn der Versammlung verlas der Vorsitzende Dr. K a t z den folgenden ihm von dem Vorsitzenden der ..B. Z. V.“. Dr. Klee, /»gegangenen Briet: Sehr, geehrter Herr Doktor Katz! Es ist leicht möglich, dass ich morgen nicht in die Ver- Sammlung werde kommen können. Ich möchte Ihnen deshalb brieflich ein paar Mitteilungen machen, die ich Sic bitte, am besten durch Verlesung diese? Briefes zur Kenntnis unserer Mitglieder gelangen zu lassen. Zuerst möchte ich mit einem kurzen Wort zurfickkomnicn aut meine so vielfach missverstandene Acusserung. dass ich und ein Teil meiner Freunde fürs erste abwartend bei Seite stehe!) wollen. Wir haben gemeint, der Bewegung damit den grösste!! Dienst zu erweisen. Im Sinne der Kongressmajorität zu ag ileren, sind wir als ehrliche Menschen ausser Staude. Im Situie unserer politischen Auffassung u wirke!! aber würde, wie wir meine!!, die notwendige Einheitlichkei: und Zugkraft der Agitato:! schädigen. Es handelt sich also keineswegs uni ein ״Schmollen". sondern um die grösstmugüchste Rücksichtnahme •auf die'Sache. Wir wollen verhüten, dass uns Mitglieder und Ausseuslelicnde nach Agitationsreden de!» Vorwuri resp. E!:»wand hiochen können, die Anschauungen, di; wir vertreten, entsprächen nicht der Baseler Majorität und schüfe» Verwirrung. Ich hatte das iteilich an de!!) Abc*י־ ־, an dem ich meinen Standpunkt klarierte, so deutlich, me;)es Frachters.־ gesagt, dass mir das Missverstä.tHlnis vollkommen unbegreiflich erscheint. Sie werden morgen einen• neuen ersten Vorsitzenden zu wühlen haben. Ich habe de!! Wunsch, dass diese Wahl in versöhnlicher Weise vor sich geht, und möchte, so viel an mir li.gt. dazu beitragen. Ich bitte daher die Freunde meiner Anschauung dring.iid. mir nicht ihre Stimme zu gebe!!. l)a ich das Amt auf keinen Fall a.inehmen werde, so würde ein solches Votum eine Demonstration sein, die ich auf jeden Fall vermieden sehen möchte. Dass ich aber das Amt nicht annehme, scheint mir bei den Anschauungen der Mehrzahl der Mitglieder der B. Z. V. eine einfache Pflicht parlamentarischen Anstandes. Es ist ein Unding. Vorsitzender zu sein, wenn mau in seinen politischen־Ucbcrzeugungen sich nicht eins weiss mit der überwiegende)» Majorität der Gruppe. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Dr. Klee. Den Bericht über das seit der ausserordentlichen General- Versammlung verflossene Halbjahr erstattete in kurzem Rechtsanwclt Dr. Haut k c. Bei der darauf folgenden Vorstandswah'. der eine kleine Diskussion voraufging. wurde zum Vorsitzenden der ״B. Z. V." iast einstimmig Prof Dr. W a r b u r g gewählt. Weiter wurden zu Vorstandsmitgliedern gewählt die Herren Dr. A. Hantke (mit 82 Stimmen). Dr. Heinrich Loewe (79). Jacob W agner (71), Dr. Julius Katz (68), Dr. Hans Gideon H e y m a n 19-) ח) und Julius Becker (42). Ferner erhielten Stimme״ Dr. Israel Auerbach 41. Dr. Max Jungmann 40. J. Engländer 19. Berthold Fciwcl 17, Dr. Zlocisti 9. Dr. Klee 8. Dr. Citnm und Davis Trietsch ic 5. Prof. Warbürg 3 (ungiltig). Baum 3. Dr. Täubler 1. Drei Zettel waren mit ungehörigen Bemerkungen beschrieben abgegeben worden. ־ Auf Antrag Dr. Heinrich l.oewe wurden sodann die folgenden Resolutionen, die erste gegen acht, die zweite gegen drei Stimmen, angenommen: I. Die Berliner Zionistische Vereinigung stellt fest, dass drr VE. Kongress in strenger Wahrung der Grundsätze des politischen Zionismus, wie sie im Baseler Programm niedergelegt sind, die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina Ms den einzigen Zweck des Zionismus festeel.alteu hat Sie ist entschlossen, die Beschlüsse des Kongresses auf das genaueste dtirclizuführen. II. Die ״Berliner Zionistische Vereinigung" spricht den! Aktions-Komitee ihr volles Vertrauen aus. Eine dritte von Herrn Davis Trietsch beantragte Resolution wurde gleichfalls gegen wenige Stimmen an• genommen. Sie lautet:

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