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Jüdische Rundschau · 1905-10-20 · Heft 42 (20.10.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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S2ite 540 No. 42 JÜDISCHE RUND SC HAU lästitknser haben uns weder sämtlich den Zione-Zion Ussischj kins mit Haut und Haaren verschrieben, noch sind wir für alle Einzelheiten der Broschüre ״Unser Programm" verantwörtlich, noch haben wir an der Charkower Verschwörung teilgenommcn. Man hat in einer Protestresolution gegen die Kongressbesch Hisse auch gegen die Gesinnungen und Hand* Jungen d.s Herrn Ussischkin Protest erhoben. Zwar hat Zaug* will, dessen Londoner Ausführungen übrigens weit verständiger und gemässigter waren als die Kundgebungen seiner Anhänger in Deutschland, sich teilweise nicht ungünstig über Ussischkin ausgesprochen und ihm auch das Recht 7.ugestand n, die Früchte seiner Erfolge zu ernten. Zum mindesten so'Ite man aber den Inhalt dir Kongressbeschlüssc von dem Inhalt der Bestrebungen jener Miinrcr trennen, die die Kongressbeschlüsse herbeige.'ührt haben. Die Charkower Affäre ist?iir uns kein.s* wegs durch die Verdienste des Herrn Ussischkin um den letzteil Kongress in ein milderes Licht gerückt. Ja. ich will nicht verhehlen, dass manchem von uns, als er sich bei der Vcrtretung seiner Anschauungen auf dem Kongress plötzlich in etwas eigenartiger Umgebung sah. nicht gatiz geheuer zu Mute war. Ich habe da an die kleine Episode in Frcnsseiis ״Jörn Uhl" denken müssen. Der Gefreite Lobmann II hat in der Schlacht bei Grave* lotte Wunder der Tapferkeit vollbracht. Im schwersten Kampfe putzte er mit dem Wischer das Kanonenrohr mit derselben Ruhe, wie zu Haus auf dem Schiessplatz in der Lüneburger Haide: Eins — und — zwei. Alles zitterte vor Erregung, er aber prahlte im schwersten Hagel, er werde sämtliche Frarzosen totschlagen. Als des Rätsels Lösung ergab sich, dass er vorher zu tief in die Flasche gesehen und wohl nicht im Zustande vollster Orientierung gehandelt hatte. Von seinem Batteriechef, Hauptmann Glaser, wurde er nun wegen Trunkenheit Im Dienst auf zwei Stunden ans Kanonenrad gebunden, wegen Tapferkeit vor dem Feinde aber mit dem Fiserucn Kreuz belohnt. Der Hauptmai'n Glaser war kein Philosoph, aber die Trennung der zwei etwas intim zusammenhängenden Hand-!trugen erscheint mir Im höchsten Grade praktisch. Ich denke, auch bei der Beurteilung des Kongresssteges tun wir gut, die innerlich zusammenhängenden Tatsachen schematisch in Einzelhandlungen zu zerlegen, die wir verschieden zu zensieren haben. Der Hauptmann Glaser war entschieden ein kluges Mensch, und ich kann sein Benehmen gegen den Gefreiten Lohmann II nur billigen. * Drittens. Dem Verband der politischen Zionisten ist mehrfach nahe gelegt worden, dass der Name, den er führt, all den Zion'Stcn. die die Bestrebungen des Verbandes nicht vertreten, den Titel des politischen Zionisten abspricht. Die zahlreichen Führer des neuen Verbandes wtrden vielleicht Zeit finden. e׳ncn neuen Namen für den Verband ausfindig zu machen. Sollten sie sich hierzu nicht bereit finden, so werden wir diesen kleinen Coup durch einen Kontrecoup parieren. Ich werde Vorschlägen, dass sich die Gegner des ״Verbandes der politischen Zionisten" zu einem ״Verein der politischen Zionisten” Zusammenschlüssen. Diese drei Wünsche zur gefälligen Kenntmsnahmc. Breslau. Dr. Sandler. * * * Wer lärmt? Einer der Besten und Verdienstvollsten im deutschen Ziouismus, Sammy Groneniatm, hat zu unserem häuslichen streit das Wort ergriffen. Er gehört zu den ״Verbändiern" und i«t von diesen mit der vorläufigen Wahrnehmung der Verbandsgeschäfte betraut worden. Aber auch die Zionc-Zian wissen Um zu schätzen, was sie ihm in der Landsmannschaftssitzung sehr wohl zeigten, in der die Vorschläge für das grosse A.-K. bcrat*:[! wurden. Die ״Kongress-Zionisten" durften von ihm geradc die grösste Objektivität erwarten. Leider hat er sic mit seinem Artikel in der letzten Nummer der RUNDSCHAU aufs bitterste enttäuscht. Manches ist ganz unfassbar. Er erzählt, die ״Vcrbändler“ werden in ihren Entschlüssen zum Teil dadurch geleitet, dass sic glaubten, Kongresszionisten würden einen Verband lei vor der Öffentlichkeit einer Agitationsvcrsammlung, in der noch dazu dieser gesprochen, angreifen, oder herabsetz,en, — ״da im nächsten Moment wir zum grossen Gaudium des Publikums der gewohnten (?!) liebenswürdigen Behandlung eines unserer bisherigen Mitkämpfer verfallen könnten." Wie komm en die Herren zu solchen Vermutungen? Was gab Anlass., solche Böswilligkeit und Schädigung der Sache von den Kongresszionisten auzunehmen. Und das waren die Herren gar schon ..gewohnt“, als sic während des Kongresses zu ihrer Ent- Schlüssen kamen! Ist d:un in den Reihen der Zionisten, sowohl Verbäi'.dlcrn wie Zione-Zion nicht mehr so viel Interesse für die Sache des Zionismus vorhanden, dass sie nicht einmal die öffentlichen Versammlungen mit ihrem inneren Streit vcrschonen können? Die Bezeichnung ״politische Zionisten“ vom Verband allein für sich rcklatmert, ist trotz der sophistischen Auseinander- Setzung Gronemanns eine Beleidigung für die übrigen politischen Zionisten, weil sie eben auch politische Zionisten sind. Sie sind cs, nicht weil sie ein politisches Zion wollen, sondern weil auch sie Zion durch politische Mittel wollen, genau so wie die Verbändicr, nur dass sie aus der Reihe der politischen Mittel eines allein ablehnen, von dem sie fürchten, dass cs nicht Mittel bleiben wird, sondern einmal — Endziel werden könnte. Darum ist cs zweifellos eine Unduldsamkeit, eine Anklage, zumindest ein Missverständnis, oder da ja gegenteilige Erklärung vorliegt, ein Missverstelien-woUen, wenn der Verband für sich allein die Etikette ״politisch“ rcklaimert. Daher auch die Gereiztheit dieser so Beleidigten, die ihrerseits nicht ein Gleiches getan haben. Denn sie wollen eben nur Palästina, die andern aber wollen, das!st zugegeben, Zion als Endziel, aber als Mittel doch auch ein anderes Land. Und darum kann cs für sie keine Beleidigung, kekic Unduldsamkeit sein, wenn man sie von der Bezeichnung ausschliesst, die ausdriiekt, dass man alle'n und nur Zion will: Zione-Zion. * Niemand hat in Freiburg einen Riitiischwur geleistet Alle aber sahen ein. dass eine solche Blockbildung unbedingt notwendig sei, damit nicht eine grosse Zersplitterung erfolge und der Kongress zu gar keinen Beschlüssen käme. Mit diesem Blocke stimmten dann sehr viele, die nicht in Freiburg waren. Hätte vi-l'cicht eme der zersplitterten kleinen Gruppen, die nicht-zione-zionistiscli waren, überhaupt für irgend einen Beschluss eine Majorität schaffen können? oder wäre nicht vielmehr dann der Kongress zerfallen? Und weiter heisst es: ״die Beratung über die Territorialfrage war eine Farce“. Ich gehe zu, mau hätte schliesslich gleich ohne diese Beratung zur Abstimmung schreiten körnen. Denn wer in den zwei Jahren, die vorangingen, zu keiner Stellungnahme gekommen war. der konnte und sollte es hier nicht mehr. Der Kongress sollte doch nur das Fazit der voraugegang-.uen Beratungen in der ganzen Partei, der Diskussionen während der vergangenen zwei Jahre kotis t a t i e r e n. Wie ja auch in anderen Parlamenten, die Reden der Abgeordneten kaum am Schicksal eines Gesetzes etwas ändern. Dieses ist vor den Reden schon besiegelt, die doch keinen mehr irmstiniinen. * ״Unabänderlichkeit der Freiburger Beschlüsse“ wi*־d beluiuptet, — und dabei weiss jeder Kongressteilnehmer, da‘ s das nicht der Fall war, sondern dass sie unter dem Einfluss von Mnrmorck.Grecnbcrg und C o w e n wohl abgeändert wurden. Und denen, die dagegen waren, ist wohl Entgegen- \

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