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Jüdische Rundschau · 1905-10-20 · Heft 42 (20.10.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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t»- J־* nu. *li .JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite russischen Juden, denen ts doch am schlechtesten ginge, und die das Hauptkontingent der Judenhcit verkörperten, gar nicht daran dächten, in irgend ein beliebiges Land zu ziehen. Sie wollen nach Zion und nur nach Zion. Wir haben hier eine Anicht gehört, sagte Herr Oreenberg, dass die russischen Juden nicht so sehr an ihrer Religion hängen, als sie von dem Oedanken an ein ruhiges Leben beseelt sind; aber selbst zugegeben, dass diese Ansicht so richtig wäre, wie sie falsch ist, so wollen wir Zionisten eben den armen Leuten, denen der Sinn für etwas Höheres abhanden gekommen ist, wieder cui ledaj geben, das ihnen das Leben als des Lebens wert erscheinen lässt. Herr Wo i •f f sagt, er bestreite die Existenz der indischer Nationalität. Ich weiss, am Jom-Kippur geht Herr Wolff in die Synagoge und spricht den ganzen Tag seine Gebete. Lassen Sie doch einmal alle Gebete nationalen Irhalts aus Ihrem Gebetbuch fort, und scheu Sie zu, oh Sie dann noch 12 Stunden lang zu beten haben. In wenigem Stunden werden Sie alsdann schon fertig sein. Herr Greenbcrg führte verschiedene Stellen an aus Zangwillschen Agitationsreden früherer Jahre, in denen Zangwill sagte, nur auf nationaler Basis und nur in Palästina könne der gegenwärtigen Judennot gesteuert weiden. Wie vereinbart siel! dies mit Herrn Zangwills j. tziger Haltung? Zum Schluss richtete Herr Grcenberg an diesen die Präge, ober für das zu erlang.ade Territorium jüd sehe Autonomie verlangen wolle oder nicht. Aus dun Schlussworte des Herrn Zangwill war die Enttäuschung, die ihm diese Debatte gebracht hatte, leicht herauszuhören. Gleichwohl hielt er es nicht für angebracht, ernsthaft auf die ihm gemachten Einwiirie zu entgegnen. Es stand Jetzt nur noch der angenehme Plauderer, der Dichter des ״Königs der Schnorrer“, vor der Versammlung. Er wählte beinahe die form eines humoristischen Vortrages. Als Zangwill die Entgegnung des Pr<Z. Dr. Priedländcr streifte, warf dieser ein: ״Ich habe nicht das gesagt, sondern ich sagte.“ ..Was Sie auch immer gesagt haben mögen,“ unterbrach Zangwill, ״ich bin doch ganz anderer Ansicht” Mit schallendem Gelächter wurde dieser —- Witz von der Versammlung belohnt. Und so ging es weiter. Ein Witz Jagte den anderen. Die Versammlung hörte kaum noch, was gesagt wurde, sondem wartete nur noch aui die nächste geistreiche Bemerkung. Auf die Frage des Herrn Greenbcrg nach der Autonomie antwortete Zangwill: ״Wenn die auswandernden Juden Autonomie werden haben wollen, so werden sie sie bekommen, sonst nicht.“ Das wurde von der Versammlung als eine Verzichtleistung auf die Forderung der Autonomie angesehen. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr S p i e I nt a n n, erklärte zum Schlüsse, dass er bereit sei, der JTO beizutreten, dagegen halte er, den Zionismus für eine ideale Phantasie im Wolkciikukuksluim. Alexander B. E f r a i m. Zur Russprachß der Gesinnungsgenossen ״Misstrauen“ Ich habe nicht die Absicht gehabt, vor dem Zusammentritt des deutschen Zentralkomitees nochmals über die Beschlüsse des letzten Kongresses zu schreiben. Wenn ich es trotzdem lie. so geschieht cs zunächst und hauptsächlich, weil Herr Schachtel in No. 4L der RUNDSCHAU eine Wiedergabe von Worten Dr. Herzls einer Kritik unterzieht und eine gegensätzkhe Bemerkung von Zangwill zitiert. Er lügt hinzu: ,Zweifel j!t dem, was Herzl mit Uganda wollte, sind nun einmal so lit! vorgerufen.“ Dass diese Zweifel .noch immer bestehen, ist tief bedaucrlieh und fast unbegreiflich. ״So hervorgeruien“ sind sie aber eicht, vielmehr sind sie so alt wie das ganze Ugandaprojekt — sie haben ja das ganze Unglück in der Partei erst verschuldet — und d e Folge jenes Misstrauens, das ein. Erbfehler bei uns ist Dieses Misstrauen hat aber nicht der Herzlaniscbe Zionismus, ״der diplomatische“, verschuldet, sondern jahrhundcrttlanger Druck, Elend und Verfolgung von allen Seiten, Veirat der ״Helfe r“ zu unzähligen Malen. Insbesondere unsere Brüder im Osten leiden noch an dieser Krankheit des Ghetto, und so haben viele \on ihnen auch Dr. Herzl nicht getraut. Sie trauen überhaupt niemandem — oft genug sich selbst nicht. Die Folgen davon waren die wunderlichsten. Es ist heute nicht Zeit, aus der Geschichte d:s Aktionskomitees zu plaudern, sonst würde Herr Schachtel gründlich darüber erstaunen, was ein Herzl von den eigenen Gesinnungsgenossen einsteckcn musste. Und mehr noch würde man die Seelengiesse dessen anerkennen, der dieselben Männer, die ihm -!.ach westlichen Begriiicn -- tödliche Kränkungen zufügten, stets wieder liebevoll aufnahm und nach Wien berief. Er war eben genug Psychologe, um nicht den formalen Standpuitkt e'nzunchmcn. sondern in den zerrissenen Seelen derer zu lesen, die ihm schwerstes Leid zufügten. Das nebenbei. Aber hat man vielleicht Herzl geglaubt, als er schwor, dass seine Rechte verdorren möge, wem! er Zion vergesse? Haben ihm die Charkower geglaubt, ab er ihrem Abgesandten Briefe zeigt;, aus denen zur E v ide uz hersorging, dass er Palästina nicht für Uganda geopfert habe? O nein•. Derselbe Herr, der den Unterhändler spielte, reiste* heim und berichtete den Kollegen, Herz! wolle Palästina fallen lassen! Und darauf erkläre Charkow. Ist das religiöses Misstrauen? Oder hat das der diplomatische Zionismus verschuldet? — Wenn Israel Zangwill sagt. Herzl habe gcüussert, er hofe, dass der VII. Kongress der letzte sein werde, so können in t n.ir viele von denen, die unserem Führer nahe standen, diese Bemerkung bestätigen. Die von Zangwill angeführte Bcgriindung habe ich nicht gehört, was natürlich an sich nicht ausschiiessen würde, dass Herzl sie gegeben hat. Aber mr schein, dass Zangwill die Schlussworte gar nicht als Woite Herzls meint, sondern seinerseits die Anfangsworte Hcrzis erklären will. Und dann muss er irren. Der beste Beweis dafür ist schon, dass Herzl ja nicht de englische Oiferte annahn:, selbst ein geeignetes Terrain in Uganda auszuwälilen, sondern die Auswahl der englischen Regierung übcrliess. Wer aber hat je gehört, dass man dem Verkäufer überlässt, die Wai c bestens auszusuchen, wenn man selbst die Tücher vorgelcgt bekommt? — Dies zur Ergänzung der historischen Tatsachen. Herr Zangwill hat sicherlich völlig bona iide gesprochen. Aber irten ist menschlich. Und warum ich auf dem letzten Kongress geschwiegen habe? Gegenüber dieser Mehrheit, die nach Herrn Usslschkms Willen die Hände hob und senkte, wie einst nach den Worten eines Herzl, gegenüber dieser Mehrheit, die am Jahrzeitstage Herzls entschlossen alle seine Traditionen Tiber Bord warf, den Toten zitieren, damit man über seine Worte zur Tages- Ordnung überging? Das war wirklich nicht zu verlangen!! Herr Schachtel sagt im Eingang seines Aufsatzes, dass unsere gegenwärtige Situation hauptsächlich vom gegenseitigen Misstrauen herrühre; das hat meinen vollsten Beifall. Erfrtulichcr w׳äre es mir freilich gewesen, wenn er aus der Erkenntnis eine Tugend gemacht uml nun uns gegenüber seihst das Misstrauen überwunden hätte. Stau dessen folgt scitr bald der Satz: ״Das scheint doch eine Aenderung der Anschauung zu sein, die nicht durch bessere Ueberzcugung herbeigeführt scheint, sondern zu Misstrauen allen Anlass gibt." Ware ich boshaft, so würde ich auch den folgenden Satz des Verfassers abgeschriebcn haben! So bitte ich nur den Ver-

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