Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 536 JÜDISCHE RUNDSCHAU_____;^_:..־i_1;־ - *o 42 ■י * ilfnen den Mut gegeb'en, auszuhärren Im Unglück, treu zu bleiben der Fahne des alten ewigjungen Volkes, die 'dich*einmal wieder Über Palästinas Auen flattern muss. '־> Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren. Noch dürfen wir daran glauben, dass es uns gelingen wird, auf dem Boden unsere Zukunft zu bauen, der durch - das Blut unserer Makkabäer, unserer Helden von Jotapata und Masada für alle Zeiten geweiht ist. Noch ist auch Juda nicht verloren, Hoffnung hat uns neu belebt, dass das Land, uns zugeschworen, sich <11 neuern Glanz *erhebt. . ־ ׳ עוד לא אבדה תקותגו' . ־ *•;• . . התקוה הנושנה י' לשוב לארץ אבותעו עיר בה דוד הגה Wenn wir um Tau und Regen bitten, venn das *Volk die Stimme erhebt zu ,dem, der den Wind wehen lässt und den Regen herabgiesst, wenn wir uns freuen der Torah, an den Schluss ihrer Vorlesung unmittelbar wieder den Anfang knüpfen, dann sind wir es doppelt gewiss, dass wir nie so nahe der Hoftnmg waren dass die Tränen Rahels um ihre Kinder getrocknet werden, dass die Kinder zurückkehren in ihre Grenzen. Dann werden wir unsere Feste feiern im alten Lande der Väter das Altneuvolk in Altneuland! E 1 j h tj i m. Londoner Brief Am Sonnabend, dem 7. Oktober, Abends, veransaltete der hiesige Verein ״Maccabaeens" eine Mitgliederversammlung, in der Mr. Zangwill Gelegenheit gegeben wurde, über den Territorialismus zu referieren. Das Auditorium bestand zum ־ grössten Teil aus akademisch gebildeten Herren des Westends. Eingangs der Versammlung wurde ein Flugblatt verteilt, das die Gründe und Ziele der Jewish Territorial Organisation bekannt gab und in folgendem Programm Zangwills gipfelte: I. Das Ziel der Jewish Territorial Organisation ist, ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden 'zu schaffen, die in Ihren jetzigen Wohnsitzen nicht bleiben können oder wollen. II. Als Mittel, dieses Ziel zu erreichen, schlägt die Organisation vor: , # a) Den Zusammenschluss aller Juden, die mit diesem Ziele einverstanden sind; b) in Unterhandlungen zu treten mit Regierungen, offentliehen und privaten Unternehmungen; c) finanzielle Institutionen, Arbeits-Bureaus und andere Unternehmungen, die für notwendig befunden werden, ins Leben zu rufen. Herr Zangwill sprach nur sehr kurz über die von ihm ins Leben gerufene Bewegung. Er erzählte, dass in Russland der Grundstein für die Entwickelung der Jewish Territorial Organisation (der JTO) gelegt sei und dass namhafte Männer (Dr. Jasslnowsky, Dr. Mandelstanun) sich’der Bewegung anzu- schlossen bereit seien. In Deutschland habe er mit hervorragenden Persönlichkeiten gesprochen und viel Sympathie gefanden. Er verlas einen Brief vom ״Hilfvercin Deutscher Juden'*,*) der sich mit den Bestrebungen der JTO einverstanden erklärt und sogar Zusicherungen betreffs der zu leistenden Hilfe gibt. In England sei mau schon mit dem Ausbau der Organisation beschäftigt, ein Bureau int Westen Londons sei instaltiert« eine Filiale in Manchester errichtet, und die Arbeit bi!vollem Oange. *) Siehe weiter unten. Annt. der Red. ״Ich'hatte genug־ Kongress1 und’ genug.Gcsciiwätz .(aalking). ich י will keine geschwätzige. Bewegung", so sagte* Mr.-Zangwill. Als ־•erster Diskussionsredner sprach Prof. J. Fried- 1 find er aus Ncw-Yorfc.; Er stellte'den •Zionismus hin als;die Bcwcgu rg, die, getragen von einem hohen Ideal, begeisternde und־agitator1schc Kraft besitze. Während die JTO nur an die Taschen der Juden appelliert, wendet sich der Zionismus an das Herz des Jüdischen Volkes. Ein grosse Volksbewegung muss auch gross sein in Idealen und kann ■ nicht rein als Gcschäftssache betrieben werden. Was der Territorialismus •Gutes, wolle, * beabsichtigt der Zionismus ebenfalls. Erstcrcr bedeute nur eine Verwässerung ‘ des Letzteren. Auch dem Tcrritorialismus werde״ dc? der Verwirklichung seiner Ziele grosse Schwierigkeiten entgegentreten, die Mittel, solche ׳’zu beseitigen, besitzt aber nur der Zionismus, kraft der in ihm wohnenden khalen Begeisterung. Darauf sprachen mehrere Herren, teils für teils gegen de.־: 'Territorialismus. Während man -‘atu der einen Seite höre:: konnte, dass die Juden national wie durch ihre ־religiösen Band.־ zusanimengcl.ören. sprach man auf der anderen Seite davon, dass der Mehrzahl der Juden an der Religion überhaupt nichts läge, dass sic aber nationale Zusammengehörigkeit hätten, die ihrerseits aber nichts' mit Zion zu tun habe und nichts zu tt.n haben dürfe. Der einzige Punkt, i!1 dem die Versammlung einig zu sein schien, war, dass die Juden an verschiedenen Stellen der Erde stark verfolgt würden und dass es gilt sei, wenn matt dem abzuhelfen sucht. Eine Ansicht, die wohl den Stempel trauriger Wahrheit, nicht aber den besonderer Ne:;־ beit trägt. Der Hauptclou des Abends war Herr Lucicu Wolii, ein bedeutender englischer Journalist. . Während des letzten Kongresses noch hatte Mr. Wolif im JEWISH CHRONICLE einen Artikel veröffentlicht, in dem er Zionismus und Territorialismus für Unsinn erklärt, der Terriotrialismus sei aber noch ein gut Teil unsinniger, als der Zionismus. Heute denkt Herr Woldr gerade umgekehrt, was wir ihm ja natürlich nicht übelnchmen können; aber wir können deshalb auch nicht umhin, seine Abneigung gegen den Zionismus nicht gar zu tragisch zu nehmen, denn vielleicht, wenn er sich auch mit diesem einmal etwas genauer beschäftigen wird, kann er ja seine jetzige Meinung ändern und gar noch ein tätiger Zionist werden. Qui vivra, verra. ־ Herr Wolff erklärte, ihm sei von Zangwill gesagt worder, der Zionismus sei so gut wie tot, man möge nur Zusehen, dass man die Seele desselben, das Ideal der Massen, a u f f ä n g t, wenn sie den toten Körper verlässt und ehe sie verfliegt, für eine nette Bewegung verwertet. Diese neue Bewegung, die Bewegung der Tat, sei der Territorialismus. Es wäre allerdings nichts, sagte Herr Wolff, dass man eine jüdische Autonomie haben wolle, auch jüdischnationale Gesinnung sei nur schädlich. Die ganze Bewegung müsse darauf ausgehe!’., den neuen jüdischen Staat englischnational ciir/urichtcn und englische Verwaltung zu haben. Nur unter englischen Gesetzen könne ein neues Gemeimves.11 florieren. Die auswanderndeu Juden müssten sich englischen Verhältnissen akklimatisieren, sich den Engländern assimilier(.!!. Es dürfe sich nicht um nationale Regeneration handeln, so!!• dem nur tim eine rein soziale Bewegung, deren Anfang En’igra* tion, deren Ziel Kolonisation, deren Ende Assimilation sein müsse. Dem traten die Herren Herbert B c n t w i c 1!, Dr. F r i 0 * deberger und Green borg iiussersi wirkungsvoll entgegen. Herr Grecnbcrg legte dar, dass cs etwas ganz anderes sei, von einer Regierung Land angeboten zu bekomme״ oder bei ihr «m Land schnorren zu gehen. Nur weil die englische Regierung uns Zionisten das Landangebot gemacht hätte, hätten wir uns in Unterhandlungen eingelassen. Aus den! Kougrcssbeschluss sei aber hervorgegangen, dass gerade die