Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Jahrgang.' t! 1 Der Feiertage Schluss בועדים לשבחה הנים וזבנים לששון Die jüdischen Feiertage sind zum grossen Teile Feiern, die an die Jahreszeit anknüpfen. Sie sind nicht zum wenigsten Erntefeste, die aufs innigste mit dem Lande Zusammenhängen, in dein sie zuerst gefeiert wurden. Darum beten wir in nordischen Ländern um Tau und Regen zu einer Zeit, wo wir in Palästina dieser Segnungen bedürfen, während hier ganz andere Jahres- Zeiten, ganz andere Gebete zu erfordern scheinen. Aber das ganze, synagogale und häusliche Leben haben unsere talmudischen Weisen geregelt, als sollten wir bereits jetzt wieder das neue Leben im alten Lande be•* ginnen, als wäre kaum cjne; Unterbrechung eingetreten und als ob wir noch heute im alten Lande der Väter sässen. Denn so sehr glaubten unsere Vorahnen das Schicksal Üfes Jüdischen Volkes mit dem angestammten jüdischen Lande verknüpft, dass sie für alle Zeiten die Gebete an den Feiertagen und ־währfend des ganzen Jahres so regelten, als ob das Jüdische Volk noch immer unangefochten auf dem Boden der Väter die Pflugschar durch den Acker zöge. Das Laubhüttenfest ist das Fest der abschliessenden Ernte in Palästina und das Schlüsslest, das sich daran anschliesst, שמיני הג העצרת ist der Schluss des Jahres das die Vegetation in Palästina durchkiVist. Das neue Jahr der Saat und Ernte beginnt, ein neuer Kreislauf im Leben des Heiligen Landes der Väter. Was die Bibel hierin schaffen musste, weil sie ausser dem palästinischen Boden kein anderes Land in den Kreis ihrer gesetzgeberischen Betrachtung zog, das weiteten die Weisen der Mischnah und Gernarah mit gutem Bedacht aus. Sie bezogen noch mehr, als das ohnehin im eigenen Lande der Fall gewesen war, das ganze Leben des Einzelnen wie der Gemeinschaft auf die Heimatsscholle Palästinas. Denn sie wussten sehr wohl, dass das Jüdische Volk zu Grunde gehen müsse, wenn es Jerusalems vergässe, das die Seele des jüdischen Idealismus war. Nur so ist es zu verstehen, wenn Rabbi Metr sterbend in der Verbannung und auf der Flucht sich am Meeresgestade Kleinasicjts eiuscharrcn Hess, damit wenigstens die Wellen den Gruss seiner Seele dem geliebten Lande zutrügen. Nur so ist es zu begreifen, dass die Talniudisten lehrten, dass der Jude, der nicht auf heiliger EAle Palästinas bestattet sei, sich so lange ruhelos unter dem Erdboden fortwälze, als bis er im Staube. Kanaans ruhe, der durch der Vorahnen Leben und Tod geheiligt sei. Von diesem Gesichtspunkte aus begreift man die scheinbaren Härten des jüdi<c;:en Ehegesetzes sehr wohl, das die Frau ohne Rückerstattung ihrer Morgengate aus dem Ehebündnis entlassen lässt, wenn sie sich weigert, ihrem Manne nach Palästina zu folgen. Wer zulässt, dass Grund und Böden Palästinas in Hände von Nichtjuden übergeht, der ist nach dem Talmud nicht anders anzusehen, wie der Mörder, der das Biut seiner Mitbrüder vergiesst. Denn das Land gehört nicht den Fremden, sondern dem Gotte Israels, dem Jüdischen Volke zu eigen, so lange der Himmel über der Erde steht. Und dieser unverwüstliche Glaube an die Zukunft Israels im Lande der Väter hat das geknechtete Volk aufrecht erhalten durch alle die Stürme der Vertannung un'd hat ihm die Hoffnung gegeben, die es davon abhielt im grossen Becken der Assimilation unterzutauchen. Wenn das Schlussversammlungsfe't uns alle zusaimnenführt, umj gleichzeitig oder am folgenden Tage das Freudenfest zu begehen, dass wir die Torabesitzer geworden sind, dann erinne.rn wir uns der! Worte unseres ersten und grössten Lehrers, des Mannes, von dem gerühmt wird, dass er allein so viel Wert besässe wie das ganze Israelitische Volk in allen Zeiten und allen seinen Geschlechtern, — da:s wir zurückgeholt werden nach Palästina und wäre ♦ ־י von den vier Enden der Erde. ״Und es wird geschehen, wenn alle di ■se Dinge über dich kommen, der Segen und der Fluch, die ich dir heute vorgelegt., und du nimmst es dir zu Herzen unter deu Völkern, ״dahin der Ewige, dein G ‘tte dich verstossen, dass du zurückkehrest zu dem Gotte deiner Väter, so wird der Ewige zurückführen deine Gefangeneu und sich dein erbarmen, und wird dich sammeln, aus allen den Völkern, dahin der Ewige, dein Gott, dich zerstreut hat. Wenn deine Verstossenen sein werden am Ende des Himmels, so wird von dort her der Ewige, dein Gott, dich sammeln und von dorther dich holen Und der Ewige, dein Gott, wird dich bringen in das Land, das Meine Väter besessen, und du wirst cs besitzen, und er wird dir wohltun und dich vermehren mehr als deine Väter.“ . •. Diese unverwüstliche Hoffnung, der Rückkehr ins eigene Land, ist der Leitstern geblieben in dei Nacht des Elends. Er hat unsern Vätern vorangelenchtet und m