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Jüdische Rundschau · 1905-10-13 · Heft 41 (13.10.1905) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 530 JÜDISCHE RUNDSCHAU Mass zurückführte, um blindwütig;iir die ״akademische Freiheit“ zu kämpfen, ohne zu verstehen, dass es sich uni eine einseitige antisemitelnde Mache gegen unsere katholischen Mitbfirger handelte. An derselben Technischen Hochschule, von der der von der F. Z. so freudig begriisste akademische ..Freiheitskampf" gegen* die konfessionellen Verbindungen ausging, sollte jüngst ein Gesangverein gegründet werden, und zu der darüber beratenden Versammlung hatte sich auch ein jüdischer Student eingefunden. Dieser wurde äusserlich zuvorkommend aufgenonuneii. erhielt jedoch anig•; "Tage später folgenden Brief: ..Sehr geehrter Herr Kommilitone! Zu meinem Bedauern sehe ich mich genötigt. Sie zu bitten, fernerhin davon absehen zu wollen. Anschluss an unsere Kar■ tellverciätigung zu suchen. Als Angehöriger der mosaisch c 11 Konfession können Sie, falls Sie sich zum Eintritt melden sollten, bei uns nicht Aufnahme finden. Fs tut mir um so mehr leid. Ihnen dies erklären zu müssen, als Sic an unseren Bestrebungen so regen Anteil genommen habt 11. Mit studentischem (miss L. H. Dazu teilt d.r!Einsender die bekannte Tatsache mit. dass von sämtlichen studentischen Vereinen und Verbindungen an der Technischen Hochschule zu Hannover, ca. TO, mir eine einzige, der ..akademische Reitklub”. i ii d i s c 11 e Studenten. aufnimmt. Die FRANKFURTER ZEITUNG bemerkt dazu klagend: ״Uns war bekannt, dass an der hannoverschen Hochschule iriiher Tendenzen, wie die lii.r geschilderten. bestanden hatten. Wir nahmen aber selbstverständlich an, dass die neue studentische Bewegung mit diesen Ausscldussbestrebungei: ohne weiteres aufgeräumt bah.. Die hannoversche Studentenschaft, und mit ihr die studentischen Vereine, galten ja in dem Hochsclmlstreit 'als besonderer Hort der akademischen Freiheit und speziell als die Hauptgegner aller kontesiouclien Absonderuiigsgeliiste. Und mm wollen dieselben Leute, die sich deshalb haben fcieri: lassen, selber konfessionelle SonJerpoütk treiben, wollen Leute nur ihrer Konfession wegen von ihren Vereinen feriihalten. Eine merkwürdige Konsequenz! Wenn das der berühmte frGe Zug ist. dann ist es mit dem Ereilie. tsempfinden dieser Herren nicht weit her." Verehrte FRANKFURTER ZEITUNG, und deshalb ..Räuber und Mörder?“ Ja. wir wussten das bereits, als die F. Z. es noch iiir nötig befand, uns und die Vereine Jüd scher Stildeuten wegen unserer aus Sachkenntnis stammenden Stellungnähme in Bausch und Bogen zu verdamm.•11. Tempora mutantur. liebe Frankiurterin. und nein immer so. we man gern möchte. Man wird eben auch in Frankfurt manches müssen umdenken lernen, wenn mau weiter auf der Höhe der Zeit bleiben wll. Nur rasch, rasch, sonst Kern te es zu sziii werden! Ein deutscher Staatsbürger In Königsberg i. Pr. ist ein ״Jüdischer Turnverein“ in der Bildung begriffen. Natürlich macht das ganze assimilatorische Judentum nun dagegen mobil. So bringt das dortige liberale Blatt, die HARTUNGSCME'ZEITUNG im ..Snrcchsaal" folgende Zuschrift: ..W ie ich von zuverlässiger Sei*•* Nire. beabsichtigen Mitglied. r der hiesigen zionistischen Vereinigung einen lüdlschen Turnverein hlersclbst zu gründen. Wenn es schon bedduerlich ist. dass hierselbst ein Verein iiidischer Studenten besteht, so ist dies doch aus dem Umstande erklärlieh, dass studentisch; Burschenschaften und Landsmannschäften und andere akademische Verbindungen Juden prinzipicll von ihren Verbindungen ausschliessen und somit die Bildung eäics Vereins Jüdischer Studenten als ein Akt der ,Notw.hr erschien. Anders verhielte es sich mi* e'nem indischen Turnverein: es müsste dies geradezu als eine P rnvnk’ati o n des Antisemitismus erscheinen, da die beiden hiesigen Turnvereine Juden zu Mitgliedern haben urd nicht bekannt geworden ist. dass iemals die Aufnahme eines Juden um seiner Konfession willen beanstandet worden ist. Ja noch mehr, der ,'erstorbene Stadtrat M i c h e 11 v gehörte zu den Begründen׳, des Mämierturnvereiiis hiersebs*: den! verstorbenen Stadtverordneten Isidor Fried mann setzte Ger Mämicrturnverein als seinem laneiälirigen Vorstands״Mtgliede einen Denkstein auf dem alten jüdischen Begrähnisp'atzc hierselbst. Stellvertretender Ordner des Männerturnvcreuis ist zurzeit Stadtrat a. D. Adainsolm. Dem״c«et!üb.r wäre *’s wahrhaft frivol, aus lenen Absonderunesgeliisfcn einen konfessionellen Verein ins Leben zu rufen. Die Bürgerschaft Künieslvrgs hat bisivr keine» Unterschied zwisefTen Cliristeii und Juden gemacht und cs erscheint daher die dringende Mahnung gerechtfertigt, von solch törichtem Beginnen Abstand zu nehmen. Ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben s.“ No. 41 Dazu bemerkt die Redaktion dir H. Z.: ״Wir Könne.*: uns dem Standpunkt des Einsenders dieser Notiz nur vollinhaltl ch anschticsseu und sind überzeugt, dass diese Ar׳schaumig auch von den massgebenden Steilen dcMiidisehen Gemeinde vertreten wird. D. Red.“ Die Selbstachtung, die aus dent Schreiben dieses würdigen deutschen Staatsbürgers spricht, ist phänomenal. Auch die E.vstenz des Vereins Jüdischer Studenten, wiewohl er sie als notwendig erkennt, bleibt ihm bedauerlich. Und auch in den Turnvereinen sollen die Juden natürlich unbedingt solange bleiben, bis man sie hiuausw iri't. Sch iiir zu gut zu balteii. urn sich ei ädiest dulden zu lassen, und lieber eigene Kreise auf/ustichen. das erscheint dem Staatsbürger als trivolc kon* iess*o;!ci!e Absonderung. Die Ucberzeugung der Redaktion des 'iber.*!.״ Bbttes. dass die ״massgebenden Stellen der jüdischen Gemeinde“ mit dem Staatsbürger einverstanden sind, die teilen wir auch leider. Mit Verlaub, vcr.hrter Kömgsberger. welche Juden werden in den dortigen Turnverein auigenommo!!. die deutschen, di׳.* russischen oder die polnischen Juden....?? Bei der scharfen Scuetdtmg dieser drei jüdischen Nationalitäten in Köni'gsb.rg ist das nicht nime weiteres klar! — U. A. w. g. Der Splitter im fremden Auge Fugen Richters FREIE DEUTSCHE FRESSE hat es b;- kaimtlich darauf abgesehen, den Sozialismus abzutun. Darum woiss sie auch so gut d.e antisemitischen Ergüsse, die in sozir'JeiiK'krauschen Blättern gar 11 cht so sehen sind, herauszui'!uk>1. So schreibt sie: _ ..Her Antisemitismus in der LEIPZIGER VOLKS- Z'TTIXG treibt weiter l.eHiche Blüten. In einem gegen den Redakteur L i!11 a u von den LEIPZIGER NEUESTEN NACH- RICHTEN einen Herrn indischer Abstammung. «rirchteten Artikel sei,reiht das Leipziger demokratische Blau unter anderem: ..I:• tadellosem Gesellschaftsauzug. mit lisearpms und Schual'erscluiluv:. tritt er au die Rampe und jüdeit. oder uni die Gefühle Eugen Richters zu schonen - - jodelt er das bekannte Lied von der deutschen Treue und der sozia’demokratischen Tücke. Das Lied 1s: alt. aber Freund Luttan geht es wie d.r Nachtigall, die auch nach ihrer Rückkehr aus dem Sude: diese'heu alten wonniglichen Lieder singt. Der Lima!!leben war entfernt. Der Frühling bracht" hu wieder. 'was Neues hat er nicht gelernt. Singt alte, liehe Lieder.*‘ — Uns wundert es nicht, dass sich in sozialdemokratischen Blättern so viel Spöttelei über die Juden findet. Man kann eben als Fr.isinuiger und Sozialdemokrat kein ״Antisemit“ sein, aber darum nicht minder ..Rischus“ genug haben. Russische Briefmarken Es wurde bereits des öfteren darauf hingewiesen. dass e'n Teil der iüdischen Bevölkerung Jerusalems sich au der polir sehen und fi11i*pz׳'elle:1 Schädigung der Türkei durch Unter- Stützung der rtns;eben Post beteiligt. Jetzt versendet wcderum die Altersvcrsorgungsaiistah Mose bah Sekciiim gross׳; Mengen \on Bittbricfen fast ausschliesslich mit der rus> scheu Post und sclüid gt die Türkei und das Ärschen der Juden bei hr in i'e.chir Weise. Die erzige Gegenwehr hiergegen Ist: D i e T a s c h e n / u 1 Kleine Mitteilungen Am L Oktober fanden geleeeutl.cli der jüdischen NeujahrsfcLr;11 New-York, verschiedene Juden hetzen statt, namentlich im Ghetto. Mehrere Israelitin wurden durch Steinwürfe verletzt. Die Presse wirft d.r Polizei vor. dass sie die Ruhestörer häufig 'ärgere Zeit ״ewühren hiss, ohne sofort einzuschreite!!. - Sollte wirklich das ..freie Amerika" auch diese W'oh'tat europäischer Kultur kernen lernen müssen? Einstwei .11 bleibt eine Bestätigung d?r obigen Meldung des LOKAL- ANZEIGERS abzuw arten. In K ö I!1 ist am 25. September Isidor Seiss. der ausgezeichnete K 1 a v i c r p ä d a g o g e . der bedeutende Mozart- und Weber-Interpret, im (5. Lebensjahre nach längerem Leiden gestorben. E'n Sohn des Dresden.r Kammermusikers Seiss, Schüler von Wieck und Moritz Hauptmann, kam Isidor Sviss in jungen Jahren au das Kölner Konservatorium, wo er ein Mensolienaber hindurch als Lehrer einer grossen Reihe zu Ansehen gefugter Schüler, hcsond.rs hervorragend \v־ rkte. Longo Jahre war er auch Dirigent der musikalischen Gesellschaft. Er war ein Anhänger der romantischen und vorromantischen Richtun׳״. Polizeilich aufgelöst wurde am 4. Oktober abciMs eine Piiddcr-Versammlung. d־e erste, di; Graf Piickler nach seinem

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