Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite *529 1 3. Hare Court. Temple. E. C. 20. September 1905. Werter Mr. L v 11 c 11 011! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres Briefes von! 1(5. d. Mts., in dem Sie mitteilen. dass iniolee der Entscheidung des Baseler Zionistcr.kongrcsscs. den Plan der jüdischen Sicdehmg im Ostafrikaprotektorat nicht weiter zu verfolgen, das für die Siedclung in Aussicht genommene Land nicht Jünger mehr reserviert sei. Ich bemerke indessen mit Dank, dass dies für die Regierung Sr. Majestät kein Hindernis bedeutet, weitere Vorschläge für eine derartige Siedclung.. die Ihnen die neue Jüdische Tcrritorial-Organisatiou unterbreiten würde, in Erwügup.g zu ziehen. Ich muss •hierbei erwähnen, dass Sie den Charakter und die Aussichten der Jüdischeu Territorial-Organisation ein wenig missverstanden haben. Obgleich sie ihren Keim in der zionistischen Minorität hatte, war sie doch von Anfang an eine völlig unabhängige Körperschaft, die jetzt frische und machtvolle Elemente aus allen Klassen des Jüdischen Volkes aller Länder in sich ausgenommen hat. Sobald der Rat und die J .hrcnbcamtcn Zeit gehabt haben werden, die in ihrem Programm enthaltenen Kragen völlig durchzusprechen, hoffe ich. in der Lage zu sein, von Ihrer freundlichen Erlaubnis Gebrauch machen urd Ihnen einen Territorialplan Vorleger.» zu können, den S׳e als «Ciir die Regierung Sr. Majestät annehmbar finden werden. Ihr sehr ergebener Israel Z a n e w i 11. Die Juden in Skandinavien Mit Ausnahme von Spanien und Portugal hat kein Land Europas eine so geringfügige jüd sehe Bevölkerung, wie die Länder der skandinavischen Halbinsel, die jetzt wieder einmal im Vordergrund politischer Interessen stellt. Dänemark zählt beieiner Bevölkerung von über 2 Millionen Einwohnern 3-176. Schweden mit über fünf Millionen Einwohnern 2800 und Norwegen mit 2!* Millionen kaum 600 Juden. Im ganzen Iche.'j in den drei Ländern mit einer Bevölkerung vor. ca. 10 Millionen Einwohnern nur 6876 Juden 0.06. Prozent. Der Grund dafür ist in erster Reihe in der Tatsache zu suchen, dass die Judcuemanzipatüm in Skandinavien nur ganz jungen Datums ist. So dpritcu die Juden bis 1860 beispielsweise in Schweden 1:ur in drei Städten wohnen und selbst da bedurite dv: Niederlassung eines Juden jedesmal der ausdrücklichen Genehmigung des Königs. Im Jahre 1779 sind die wenigen daseihst wohnenden Juden verhaftet, bestraft und ausgewiesen worden. Die in Skandinavien eingewanderten Juden stammen teils aus Hamburg und Amsterdam, meist aber aus Russland. Da jedoch die Hamburger und Amsterdamer Juden cs nicht nötig haben, nach Skandinavien auszuwandern, der. russischen Juden ab.r das Land nicht gerade auf dem Wege liegt so wächst die jüdische Bevölkerung daselbst sehr langsam. Es darf auch nicht vergessen werden, dass Skandinavien äugenscheintich trotz seines grossen Umfangs und seiner diinn gesäten Bevölkerung doch kaum seine eigenen Einwohner ernähren» kann. Dieses beweist die Tatsache, dass vom Jahre 1820—1901־. also in S-t Jahren, die skandinavische Halbinsel 1 763 115־ Emigranten nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika entsendet hat. Wie naturgeinäss nicht anders zu erwarten, sind die skandinavischen Juden auch dem Untergang durch Assimilation näher als alle anderen Stammesgenossen. Und wenn der Zionismus nicht bald unter ihnen energische Propagatorcu findet — der Arbeit unserer Kopenhagcncr Gesiununesgenossen sei dankbar gedacht! — so werden diese Stammesbrüder, die als Bürger freier Länder doppeltes Vcrstündnis für unsere Ereilieits-Idcc haben müssen, unserem Ziele bald ganz verloren sein. Ostmarkenpolitik Ein nettes Stückchen Ostmarkeunolitik wird dem ..B. T.“ aus S c 11 r 0 d a unter dem 29. August mitgetcilt: ..Zu der heute stattfindenden Beerdigung des hiesigen Bczirksadju tauten. Leutnants Riedel, war». 11 sä in t liehe Offiziere und die Kapelle des Eiisilicrreginicuts v. Steinmetz No. 37 aus Krotoscliin hier eingetroffen. Sämtliche Offiziere begaben sicli zum Mittagsmahl in das hiesige polnische Hotel Hüttner, wührciicf man die Musikanten in das Hotel ..Deutsches Haus“, weiches dies.»! Namen vor nicht allzu langer Zeit aui Veranlassung eines einflussreichen Ostmarkcnpolitikers von hier erhalten hat. schickte. Der augenblickliche Besitzer dieses deutschen Hotels ist Jude . Das erklärt wollt alles. Ein sonstiger Kommentar ist gewiss überflüssig.“ Dass passt durchaus zu dem Verhalten deutseh-preussischcr Edclleutc und Armeeknmtuandeure. die um 2—3000 Mark Mehrverdienst auf die ganze .,Germauisierune der Ostmark“ pfeifen und ihre Güter ruhigen Gemütes den Polen .verkaufen. Bald werden nur noch die allezeit überpatriotisclicn Juden den Germanisicrungsrummet mitmachen und sich dadurch die Polen zu ewigen Feinden machen. Und wie der Dank der Deutschen aussicht —-siehe oben!! Die Newyorkcr Bankiers bei Witte Ueber die bereis gemeldete Unterredung der Herr ״ Jakob H. Sch.fi, N. Seligmau. Adolf Lewisnhn. Oskar S. Straus, ui-d Adolph Kraus in Portsmouth mit Staatssekretär W ttc am N. August teilt ein Korrespondent von THE AMERICAN HEBREW noch folgende Einzelheiten mit: Herr von Witte war sehr liberal und sympathisch in seiner e geilen Heilung gegenüber den Juden, aber er sprach oifen die Befürchtung aus. dass jeder andere Plan, als eine allmähliche Aufhebung der Beschränkungen gegen die Juden n Russland unpraktisch se׳. Die Delegation suchte ihn ernstlich von der Notwendigkeit einer prompten Aktion bei Gewährung nic.tt teilweser Erleichterung, sondern vollständigster biirgcrl«chcr Rechte, wie sie alle anderen Mituntertuncn derselben haben, zi: überzeugen. Sie erklärten ohne Rückhalt und in der einfachsten Sprache, dass, wenn dies nicht durch die Regierung bewilligt werde, der stetig wachsende E uflus.; der jüdischen Bankiers und Kaufleute n Amerika und Europa gegen Russland und alles Russische gesetzt werde. Sic sagten auch, dass das Wohlwollen des amer kultischen Volkes Russland verlr 1!י gegangen sei, wegen der Ausnahmebehandltmg der Jude«, in den letzten 25 Jahren, deren natürliche Folgen Kischiiiew. Shitonur urd die anderen zahllos.•!! Exzesse waren und dass sein Wohlwollen nicht weder e!langt werden könne, als b's Russland tatsächlich gle che Rechte seinen jüdischen Untertanen gegeben hat. Das Konntet• glaubt einen sehr starken Eindruck auf Herrn v. Witte persönlich gemacht zu haben. Herr v. Witte wies darauf hin. dass die Juden das Recht haben, für dk Nationalversammlung zu stimmen und dass s. e selbst zu Mitgliedern derselben gewühlt werden können. Wenn diese Ye־»•- Sammlung sch! csslich konstituiert sei. sagte er. w erde sie die Entscheidung über die ganze jüdische Er׳»• * haben, die vor sie kommen werde und er war voll Hoffnung in bezug auf dis Eigebivs. Von einer Anleihe war nicht die Rede. Natürlich sprachen sie von dem Einflüsse, den Russlands Haltung gegenüber den Juden haben würde, auf irgend welche finanziellen Pläne, die d e Regierung hegen möge." ־ Dazu bemerk*.!: konservative Blätter: ..Hier wird cs also ganz orf-.11 dargelegt, welche Pressic.it dis internationale Judentum durch Diohungen auf den russischen Staatsmann auszufiben suchte. Aber Staatssekretär Witte hat sich als ein so tüchtger Diplnmat bewährt, dass der ..starke Eindruck" der Herren Seligman. Lew'sohn usw. ihn scher nicht zum Vorschlägen von Mussregeln bringen wird, die das heutige Russland nicht verträgt.*־ Also .verträgt" das heutige Russland wohl die gegenwärtige Behandlung der Juden besser? M r sind der Meinung, dass ihm die noch sehr n bei auistosscu dürfte. ״Schlesische Justiz'1 Die G ö r I i t z e r Strafkammer wird sich demnächst mit einer eigenartigen Pückler-Affäre beschäftigen. Es i$t bei ihr Strafantrag gestellt worden gegen die GÖRLITZER VOLKS- ZEITUNG wegen Beleidigung des Landgerichts Ologau, begangen durch den Abdruck eines, einem siiddeutschen Blatte entnommenen Artikels: ..Schlesische Justiz", der die eigenartige B.liandluug des Dreschgrafeu durch das G:ogauer Gercht kritisiert. — Diese ncupreussische Methode, auf missliebige Kritiken mit einer Beleidigungsklage gegen den Redakteur zu antwortet:, den» doch כ •ne Verletzung der persönlichen Ehre der Richte•־ gewiss ferngelegei! hat. setzt ja eigentlich niemanden mehr in Verwunderuii״. Neu ist nur ihre Anwendung in Sachen des verrückten Klein-Tschiriicr Grafen. Ein interessanter Rattenkönig von Prozessen kann das aber werden, wenn nun al'e Gerichte wegen Beleidigung klagbar werden wollten gegen alle Redakteure, die missbilligende Kritiken über Piicklcr-Urteile geb-acht haben. Denn es ist dem Landjrcrieht Ologau doch wahrscheinlich bekannt, dass auch eine ganze Reihe anderer Leute, die über die persönliche Ehrenhaftigkeit der Ologauer Richter sich gar keinem Zweifel hi,ngeben, das recht eigentümliche Vorgehen des Glogaticr Landgeridites zum Ausgangspunkte von Gedanken nahmen, die kaum freundlicher waren, als gewisse andere dem Gericht mm so unangenehme Auslassungen .... Und die Freiheit-akademisch Bekanntlich war die FRANKFURTER ZEITUNG itn vorderstcu Vordcrtreffc.il, als es den von Hannover ausgehenden ״Kampf um die akademische Freiheit“ galt. Es genügte ihr. dass der von ihr gehasste Ministerialdirektor Althoff sehr vcrnünttig diesen verlogenen Freiheitsdusct auf sein akademisches ^5,