Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 531 Ologauer Prozess und dem längeren Aufenthalt in Klciu-Tsehirne! wieder in Berlin abhielt. Der Versammhmgssaal bei Bugg.11-! •hagen war fiberfiillt. Das Thema war: ..Meine letzte Gerichts- Verhandlung in Glogau". Wie er einleitend bekannt macht;.•, v. i:| Graf Piickler letzt ..d cii letzten entscheidenden K a m p f g e g e ji das Berliner .1 u d c n t u nt“ aufn.hnicn. Nachdem er d e bekannten Vorgäm־׳: seiner Verhaftung und des Prozesses in Glogau geschildert hatte, beklagt; er. dass alle seine Önfer für das deutsche Volk beinahe nutzlos erscheine», dum noch Immer sei kein Jude In Berln verhauen worden. Zur Lösung der Judenfrage machte er dann Vorschläge, die so drastisch waren, dass der überwachende Polizeileutnant die Versammlung auilöste. Die versamm.lte Menge blieb zunächst im Saale, brachte dem Grafen stürmische Ovationen und saug ..Deutschland über alles". Etwa 20 Schutzleute, die plötzlich aus einem Nebenzimmer kamen, räumten darauf den Saal ,i:\valtsam. Graf Piickler war über de Auflösung sehr erregt. Aus M.ftl heim-Ruhr berichtet die FRANKFURTER ZEITUNG: AK jüngst der Grundstein zü einer neuen Sv nag o g e gelegt wurde, beteiligten sich auch die drei ältesten Gemeinde-Mitglieder. Davon zählte .iuer. Michael Hirsch. I"2 Jahre, der zweite. Dr. Markus 90 Jahre und jder ...iimgstU' des Kleeb 1• tts M. Kann, «;nrnterliüi schon 72 Jahre. Rundschau der Presse THE JEWISH CHRONICLE vom 22. Scptbr. bringt nebst der vollständigen Rede Zangwills ein Interview Greenb e r g. das sich mit derselben beschäftigt und gegen manche Behauptungen derselben pol.misiert. Die ganze Rede habe Cie etwas gewagte Voraussetzung, dass Zattgwill im Recht and jeder andere am Kongresse im Unrechte sei. Zangwiil dürfe nicht glauben, e r sei der einzige gewesen, der den Ernst der Situation ganz erfasst bähe, der einzige, der an das lnglück der jiid sehen Massen gedacht .habe und der* einzige, der mit Erbitterung errül't war. wenn er Juden, wie Lucien Molt zum Beispiel, ihren Stammesbrüdern den Rat geben sah. alles zu erdulden, in der sicheret! Hoffnung, «.inmal das russische Staatsbürgerrecht zu gewinnen. Und sobald Zangwill einmal zugebeu müsse, dass auch die anderen, die ihm cutgegentraten oder ihn nicht unterstützten, wie er nur das Wohl ihres Volkes im Auge hauen, dann sei der einzige Vorwurf, den er gegen den Kongress Vorbringen könne, cer. dass die Abstimmung den Wünschen der überwiegenden Kongressmajorität entsprach und nicht denen seiner eigenen kleinen Minorität. D.e Differenz in d.n Ansichten Zangwills und des Kongresses drehe sich um Ostafrika. Seihst Zangwill sei jedoch nicht für die Annahme des angeboteuep Terri- KtViums gewesen, denn seTte Resolution spreche von Ergänzung oder Ersetzung durch andere Gebiet.. So weit war er ja eins mit dem Kongress. Die einzige Differenz war. dass Zangw.ill verlangte, der Kongress möge ein anderes Territorium verlangen, und der Kongress lehnte es ab. dies zu tun. Zangwiil ist d:r Ansicht dass die Lage der Juden in der unmittelbaren Zukunft die Errichtung einer autonomen Ansicdluiig erheische. Der Kongress war derselben Ansicht, nur zog er es vor. alle Kräfte um das Land, au das das jüdische Volk mit unlösbaren Bauden gebunden ist. zu kottzentrieren. Warum wartete Zattgwill so lange mii der Gründung der neuen Orgjuisat ou. obwohl er wusste, unter welchen Bedingungen der sechste Kongress das Augeb״t der englischen Regierung in Erwägung zog. obwohl ihm bekannt war, dass von den zionistischen Fonds absolut nichts in Ostafrika verwendet werd.n sollte. Damals wäre die Gründung einer Organisation von Vorteil gewesen, die den Zweck gehabt hätte, bei günstigem Aus alie des Komtniss'otisheriehtes die Kolonisation zu leiten ut:d zu finanzieren. Aber Zangwiil wart.te datu-t so laug., bis er;ndliah sicher war. dass man das Anerbieten nicht annehmen könne. Tatsache sei. dass Zangwiil die Kottgressresoutioner ebenst» missverstehe, wie Ussischktt! d״s Ostafrikaangebot. Ussischkin fasste den Ostatrikaplan als ein Aufgeben Palästinas auf. Zangwiil sehe in den Beschlüssen des Kongresse ein Aufgehen des politischen Zionismus. Beides sei unrichti״. Tatsächlich habe Ussisehkm bereits zugegeben, dass der siebente Kongress uns bezüglich des Baseler Programmes keine Aetiderung gebracht habe und ebenso sei es Sicher, dass wir m politischer Beziehung zielbewusst w.tter arbeiten werdet׳, trotzdem dies durch Zangwills Assoziation etwas erschwert werde. Denn wenn dieselbe überhaupt einen Einfluss auf den Zionismus haben werde, so könne dies kein anderer sein, als unsere Organisation zu schwächen. Weint schon kein anderer Schaden entstelle, so werde uns Zangwills unJ •seiner Anhänger wertvolle Arbeitskraft entzogen. Jedoch ist Grcerbcrg der Ansicht, dass Zattgwill nach reitlieber Uebcrlegimg einscheu werde, dass seine D-iLre-uzen mit der zionistischen Organisation so geringfügiger Natur seien, dass sein Platz innerhalb des Zionismus sc:. THE TIMES veröffentliche.־’ am 15. September einen Brief 1Mr. Grecnbcrgs. dem vielfach in der nichtzionistischen Presse ein ganz anderer Sinn gegeben wurde, als ihm innewohnt, weshalb wir hier die Hauptstcllcn wiedergehen: ..Im Verlauf eines Briefes an Mr. Zangwiil. den Sie in Ihrer heutigen Ausgäbe veröffentlichen, gibt Mr. Luzien Walt seine Auffassung von den Vojschlägett kund, die von der zionistischen Organisation der Regierung Sr. Majestät bezüglich der Form der in Ostafrika zum Zweck einer jüdischen Niederlassung einzunihrenden Autonomie gemacht worden seien. Da ich die Ehre hatte, die Verhandlungen betreffs der Organisation mit der Regierung Sr. Majestät von allem Anfang an zu führen, so bitte ich Sie um die Erlaubnis. Mr. Lucien Wolfs Auffassung als ganz apokryph z u r ii c k z u w e i s e n. Ich bin überrascht, dass Mr. Zangwiil es itt seiner von Ihnen veröffeutlichtcn Antwort nicht tat. Es bestand keineswegs die Absicht, aus der propanierten Kolonie eine ..Eingcborcnenr.servation** zu machen oder d.e Kolonsten dauernd Fremde bleibett zu lassen. Was beabsichtigt war. war genau dasselbe, wofür zu arbeiten Mr, Lucien Wolf siai jetzt bereit erklärt — eine britische Kolonie mit jüdische u Autono m i e r c c 1.1 e u. In jeder politischen und munizipalen Beziehung sollte diese Kolonie auf derselben Grundlage wie die bestehenden Kolonien — mutatls mutatidis auigebaut sein .... Die genauen Vor- Schläge, die ich vorhere:te»e. empfingen Dr. Herz s Billigung und wurden schliesslich von der Regerung im Prinzip acceptiert. *Nit Rücksicht auf diese Vorschläge wurde seitens Sir Clenmttt Hill der auf dem VI. KoKngrcss verlesene Brief geschrieben. Obgleich Mr. Lucien Wolf mit di.sen Vorschlägen j:1ög| cherw eise 11־ einigen Details nicht iibereitistimmt. so wird er doch finden, dass zwischen ihnen und den Anschauung•;!!, die er jetzt vertritt, kein Unterschied bestellt. Seine Kennt- 1:isse von dem. was die zionistische Organisation plante, schöpfte er allen! aus seinem eigenen Kopf, und er allein nur ist dafür verantwortlich. Mr. Lucien Wolf sagt jetzt, dass er immer für die Annahme des AncrbLtens war. Es wäre zu untersuchen, wie weit er auch seiner Sympathie itt seinen ־*»riftf chen Äusserungen in den TIMES und anderwärts zum Ausdruck brachte. Denjenigen \;״n uns jedoch, die des Tages schwere Last lange getragen, ist es schliesslich eine Genugtuung zu siibcit. dass ein so billiger Gegner, wie Mr. Luzien Wolf, sich ictzt zum jiidisehen Nationalistnus bekehrt. obgleich er noch etwas zu zögern scheint, dtp neuen Kurs mit vollen Segeln c nzuschlagen. Niemand wird denken, dass ich meines Freundes Zangwiil Überredungskunst und persönlichen Zauber vergesse, wenn ich s^ge. dass ich davon überzeugt bin. dass Mr. Lucien Wolfs Reise nach Russland und die folgenden. Ere'guisse mehr zu seiner Bekehrung beigetragen buben, als sein Feicrtagsgcsprücli mit Mr. Zangw iil in der Schweiz. Ich hoffe indessen, dass sich eine Möglichkeit findet, die auseezeichneten Intentionen Mr. Zangwills und Mr. Lucien Wolffs in gemeinsamer Arbeit mit der zionistischen O r g a n i s a t jV n auszuführei*. nachdem diese Organisation Ke wiesen hat. dass sic imstande ist. die Augen von Mr, Wolf und. wie ich rieht zweifle, von vielen anderen, die eine Zeitlang Gegner des Zionismus war.!!, in die R'chtnng der richtigen Methode, wie das Jüdische ProbPm anzupacken ist. zu lenket*, wenn nicht direkt zu ihr." An unsere Abonnenten Wir ersuchen höfliehst um umgebende Einsendung der rückständigen Abonnetmntsbeträße pro IV. Ouartal 195!׳. Diejenigen Ortsgruppen bez'w. Einzclabomunten. die bis 2<X d. Mts. die fälligen Beträge rieht eiugesandt habe:,, können die Zeitung nicht weiter erhalten. Verlag .Jüdische Rundschau**. E. G. tn. b• H.. Berlin N. 5-1. Aaguststr. 49 a. ^EÜ Sprechsaal EF Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressßeseuliche Verantwortlchkeit. Mit der anonymen Unterschrift אנרהס bringt das zionistisch-sozialistische Arbeiterorgan FREIHEIT in Krakau eine.11 Angriff auf Dr. Julius Katz und den Unterzeichneten.