Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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41 .סא JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 523 muss cs uns doch auch unverwehrt sein, uns ausserhalb des Zionismus nach der Möglichkeit umzuschcu, das zu schaffen, was unserer Meinung nach dereinst das wertvollste Mittel für den Zionismus werden wird, -* eine autonome jüdische Sicdehuig, wo immer in der Welt. Noch mehr, — von zionezionistischer Seite wurde uns se׳t dem sechsten Kongress gepredigt: Der Zionismus muss ein solches Angebot, wie das der englischen Regierung, den grossen jüdischen Vereinen zur Durchführung überlassen. — Ich habe mich darret nie befreunden können, denn was jene Institutionen angreifen, habe ich mir gedacht, wird einen ganz philanthropischen, ganz und gar lüclit politischen Zug haben. Sie werden sich nie zur Autonomic verstehen, — kurz: was hcrauskommeit wird, wird vielleicht ein philanthropisches Hiliswcrk sein, nie aber ein Mittel t'iir den Zionstnus. t'nd nur a’s solches interessiert mich die Sache ernstlich! So lange die Sache also stand, hatte der Verband keinerlei Interesse, ein solches Projekt ausserhalb der zionistischen Organisation zu fördern. Nun hat sch aber in den letzten Wochen die Situation bedeutsam geändert. Hs hat sich eine Organisation gebildet, welche gemeinsam mit anderen jüdischen Organisationen, bewusst aut politischer Grundlage, eine autonome jüdische Siedeluitg anstrebt. — d e JTO. Ich brauche nicht erst auseinanderzusetzen, in wieweit die Ansichten der meisten von uns von den Tendenzen der JTO abweichen. Hinstunmig sind wir der Ansicht, dass inuerüalb des Zionismus territorialistisehe Ideen keinen Platz haben. Die meisten sind gleich mir der Anschauung, dass die rein ־ territorialistisehe Idee auch an sich verfehlt ist. Aber das was sie als Hudzweck anstrebt, erscheint uns als ein vortreffliches Mittel für unsere zionistischen Zwecke. -- Wenn sie auf politischer Grundlage das schafft, was der Zionismus gegenwärtig nicht schäften darf, so erschiene uns das als die Rettung aus aller Not. Die meisten von uns, so auch ich, zögern, der JTO beiztitreten, nicht, als ob uns der Beitritt eine Verletzung unserer zionistischen Prinzipien erschiene, aber weil wir ein Unrecht gegen die JTO begehen würden, wenn wir, die wir nur den einen Gedanken an Zion haben, zu ihnen kommen, die eine Heimstätte schlechthin suchen. Vielleicht wird die Situation noch geklärt werden. — Aber wir können mit ihr Hand in Hand gehen, bis sic das erreicht hat. was ihr das Endziel, uns nur eine Station bedeutet. Dann werden wir uns trennen, vor den Kongress treten und sagen: Hier ist di. Basis für weitere zionistische Arbeit. Der Kongress ha! es abgelebt!!. Kräfte au! ein solches Siedc'ungsprojekt zu verwenden. Wer kam cs aber uns verwehren, aus eigener Kraft das I:\perin1. nt zu machen?! Miss* lingt es. - so ist »iaht der Zion smus der Geschlagene. Gelingt es aber, sowird er den Erfolg benutzen können, wenn er will. - Ob es ein brauchbarer Erfolg w ird. das hängt davon ab, ob von vornherein Unter den Arbeitern ein starker Stamm von zielbewusste!» Zonist.11 ist, die stets das Eine im Auge behalten, dass jene Sicdclung die Basis fiir die Errichtung der Heimstätte in Palästina werden soll. Und diesen Stamm von ernsthaften zionstreueu Mitarbeitern wird unser Verband liefern, Er hält die Verbitterten davon zurück, blind ins Territorialistenlager zu laufen, — er gibt ihnen die Möglichkeit, in! Zonismus und zugleich auss:rhalb desselben für ihn zu arbeiten. ־ Künftig wird es keinerlei Stre t im eigenen Lager mehr geben, wenn von beiden Seiten loyal und objektiv geurteilt wird. Wir habt!! ein grosses gemeinsames Arbeitsgebiet. W ir unsererseits sind b . r e i t, u n s e r e Arbeit treu wie bisher zu verrichten, wenn man auf der anderen Seite die Feindseligkeiten ei ״stellt und uns gestattet, unsere Sonderanschauung wie bisher 7. n vertreten. Hur die praktische Betätigung unserer Anschauungen liab.ti wir ein Held ausserhalb der Organisation gefunden. Insoweit wir hier arbeiten, tun wir das als eine private, mit dem Zionismus nicht organisch verbundene Vereinigung. W ir lassen bei uns freilich nur Mitglieder zu, die durch ihre Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation uns ihre Legitimation zur Ar bei*, in unserem Sinne erbringen. Diese Arbeit aber wird nie gegen den Zionismus gerichtet sein, sondern sic will nur Früchte zeitigen, die d.m Kongress augeboten werden sollen. Welche Früchte die Arbeit bringen wird, wird die Zeit lehren. Gerade durch diese neue Wendung aber wird alles das ausgesclialtct, was zu Reibungen Anlass geben körnte Eine Nachprüfung unserer Tätigkeit, insoweit sie siel« aussennlb des Rahmens der Organisat on abspielt. liegt den Organen des Zionismus nicht ob. Unsere Tätigkeit im Zionismus s.lbst aber kann in nichts anderem bestehe;, als darin, dass wir gleich allen anderen fiir unsere Idee werben. Aufklärung verbreiten, zu überzeugen und zu belehren suchen. - ־ Sc.ue Überzeugung aber st.ts offen zu vertreten, wenn es sielt um das Wohl und Wehe des Ganzen liatideX ist nicht das Recht, sondern die Pflicht eines jeden Zionisten. Was wir begehren, ist. dass man uns nicht verlästert und nicht vcrveluut. ehe man unser Wirken erkannt. ־ ־ Es befinden sich an der Spitze der Z׳oue-Zinn eine Reihe vo!1 Männern, die nach dem VI. Kongress ma1:c!!es getan Itah.n. das auf einen Mangel parlamentarischer und politischer Sc«a!'ung schltessen lässt, um cs gelinde auszudrücken. 1 rot/.dem hat der Kongress ihnen sein Vertrauen geschenkt, in. der Hoffnung, dass sie künftig als herufuie Wächter der Verfassung sc•1 bst vor ihr Ehrfurcht habe!’ w.rdcn. Deser. weitreichenden Kredit beansprachen w ir nicht - - aber es ist wohl nicht allzu unbescheiden, darauf hinzuweisen. dass unter den Männern, welche für den Verband politischer Zionisten zeichnen, cirige sind, de durch ihr? bisherige Tätigkeit im Zimtsmus genügend akkreditiert sein sollten, uni ihnen nicht Felonie. Disziplinlosigke-t und so'che Dinge zuzutrauei׳, wie w;ir sic e:nige!1 der jetzigen Führer unserer Organisation erst vergessen sollen. € * * Die Basis der Verständigung — Zum Tage der Versöhnung. — Als Herz! seinen .,Judenstaat‘* geschrieben und zum Zion-smus kam, begegnete die Echtheit und Aufrichtigkeit seiner (Jesinnungen Misstrauen, nicht nur bei Abscitsstehenden. sonder״ auch bei solchen, die bereits Zionisten waren. Er wusste, durch sein Tun. das folgte, zu beweisen, wr. echt mtd wahr er gewesen, gab er d!:ch sein Hab imd Gut, seinen ihm winkenden schriftstellerische!; Ruhm, sein Leben für den Zionismus hin. I־r wusste alle Zweitel zu schänden zu machen. Das vermag acht jeder. L'itJ wir sel.cn. wenn wir zuriickblieken, von den ersten Tagen des Herzischen Zionismus au Zweifel und Misstrauen auf allen Seiten. Der Herzische Zionismus, unser Zionismus einte Gegensätze, brachte* Männer und Gedanken in eine gleiche Form, ehe siel, zuvor widerstrebten: jeder musste von seinem früheren Penk.i! mehr oder weniger Kissen und seinen Oedanken neue Bahnen weisen: der suggestive und überzeugende Einfluss Her/Js liess es r.icht allzu schwer werden. Ist es aber ein Wunder, wenn bei den! einen und anderen sich Zweifel regten, ob dieser oder jener ganz zum Neuen gekommen sei. sich dem Neuen eingeordnet habe, um es ganz zu wollen, oder aber um am Ende das Neue zu seinem ursprünglichen W'oUen Irnzulenkcn? Man kann diese Zweifel, dieses Misst! aneii keinem verdenk.!־. Leise schlummerte es meist zunächst, regte sich nur zuweilen. Ihid wir kennen manchen, der mit Macht dieses Misstrauen unterdrückte, und manches Mal, w enn solches iaut geäiisscrt wurde, cs energisch bekämpfte, wenn auch er selbst am letzten Ende cs wohl verstand.