Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 522 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 41 nicht erörtern, — sie führte zum Siege. — Ich möchte aber gleich bemerken, dass ich in der Beurteilung des Verhaltens Nordaus nicht mit Zangvill übercinstinmic. Ich bewundere seinen Opfermut und nähere mich der von der Redaktion dieses Blattes vertretenen Auffassung. Dass ein Noidau sich, — der Ehre des Kongresses wegen. — terrorisieren licss. ist ein wunderbares Zcugns seiner Grösse. Eine Schande war cs, einen Nordau zu terrorisieren! — Die Zione-Zioi! siegten! — Die Sieger dieses Kongresses benahmen sich nach dem Siege anders, als wir, die Majorität des sechsten Kongresses, cs getan hatten. — Schwerer! Herzens sahen wir damals die Neinsager den Saal verlassen, — gedrückt durch die Absage vieler unserer Besten, warben wir weiter um ihre Liebe. Wir bracht.11 cs über uns, ihnen Beweis auf Beweis für die Aufrichtigkeit unserer Palästinaliebe zu häufen, — als ob unsere jahrelange opfervo'le Arbeit nicht Beweis genug gewesen wäre. Theodor Herz! ging in einer jammervollen, traurigen Nacht zu ihnen, — den Insulten einiger Fanatiker ausgesetzt. — wie die Aerzte sagen, schon damals den Todcskcim im Herzen, sich bewusst, dass er sein Leben ciiisetztc. Wir brachten die Neinsager zurück, wir bewill.gten, was immer *für Palästina bewilligt werden konnte. Wir hielten jeden Ausbruch der Freude über unseren Sieg zurück und wir alle leisteten mit Hcrzl jenen feierlichen Schnur auf unsere Palästinatreue• — Diesmal war es anders! — W ie man durch die Freiburger Beschlüsse und die Bestimmung der Unabänderlichkeit ders.lb.-n allen unseren Reden von vornherein den Stempel der Zwecklosigkeit und damit den der Lächerlichkeit aufgedrückt hatte, so wurden wir, als die Entscheidung gefallen war, mit Hohn und Schimpf überhäuft. Von der Tribüne herab und im Einz.elgcspräch riet man uns, uns hinwegzupacken aus euer Gesellschaft, in die wir nicht gehörten. Wohlgcmcrkt, wir, die wir als Endziel nur Palästina erstreben,• ii'tlit etwa diejenigen, welchen jedes Territorium als Ziel recht ist. Als Mittel zur Erlangung Palästinas auch hatt. man jede ausser* paläst rensische Siedeiuug verworfen, ־ und mir persönlich, der ich seit Jahren meine Kraft für Palästina einsetze, wurde von mehreren bedeutenden Zione-Zionistcn gesagt, ich müsse konsequenter Weise hinaus! Auf der Tribüne wurde irohlockend verkündet, — dies sei der Tag, an welchem der Ziouismus zu seinem Programm zurückg.kehrt sei, - mit anderen Worten: wir, die Jasager des sechsten Kongresses, mit Herzl an der Spitz.e. hätten das Programm verlasse«! Uns, die wir laut verkündeten, dass wir uns der Majorität selbst verstand- Ich unterwiirüi», dass wir aber für eine Aufhebung der uns verderblich erscheinenden Beschlüsse durch einen späteren Kongress eintreten würden, — wurde di״se Geltendmachung des einfachen Rechtes jeder Minorität als Verrat ausgelegt. — Ich will aber nicht einzeln aufzühlen, was man uns angetan hat, denn ich will lücht neue Erbitterung säen. W'ie verhi.lt sich denn mm die!Minorität des sechsten Kongresses. — die Gruppe der Neinsager? Ganz natürlich richten wir dorthin unseren Blick, um zu sehen, wie dem• nach Meinung jener, der jetzigen Majorität. sich eine loyale Minderheit zu verhalten hat. Da finden wir Herrn Ussiscnkins Sendschreiben, * d.e Konferenz v״n Charkow. — das berühmt. Ultimatum, ־— Zurückbehaltung der Gelder. — W'ir finden Obstruktion, Meuterei und Verfissungsbruch. Es stand bald für uns fest, dass dies kein Weg für uns sei. Welche Wege sonst standen uns offen? Durch die erwähnte Erklärung auf dem Kongress war das einfachste und selbstverständliche Verhalten einer loyalen Miud.rheit angedeutet W ir würden uns zu bemühen haben, innerhalb des Kreises der Zionisten dein Gedanken Verbreitung zu schaffen, dass e'ue autonome jüdische Siedeiuug ausserhalb Palästinas ein gutes und zulässiges Mittel zur Erreichung Ui:- scres Zieles sei. Wurde dieser Gedanke Boden g!.•fasst hah.ti, dann würden wir mit cnem entsprc:heode!! Anträge vor den Kongress treten. (Ich rede jetzt nur von der TerritorUnfrag.: in Wirklichkeit erscheint uns diese Frage nur als der Teil eines grossen Fragenkomplexes. Doch darüber ein anderes Mal mehr!) Zu d«csem Zwecke mussten wir gemeinsam arbeite־!, inr die Verbreitung auiklärend.r Schriften sorgen usw. -- kurz, einen Zusammenschluss der Gleichgesinnten fördern, um auf loyalem Wege unsere Ideen zu fördern. Es war keinem von uns einen Moment zweTdhaä, dass irgend eine andere Tätigkeit für e'ue ausserpalästniensischc Si.d.lung durch Organe der zionistischen Organisation ausgeschlossen sei: wir haben erst den Kongress zu gewinnen. Noch etwas anderes konnte mis nicht verwehrt werde:. Wir befürchteten, dass der Kongress auf der betretenen Bahn weitergehen und zur Kle׳»kol״uisation zuriiekkehren könne. Wir würden diesen Punkt scharf im Auge behalten müssen, um gegebenen Falles den Warnruf zu erleben, dem gewiss die meisten auch der jetzigen Majorität Beachtung schenken dürften. ln alle dem liegt gewiss nichts, was selbst der strengste Krit'ker illoyal oder verfassungswidrig nennen könnte. Aber wir selbst waren unsere schärfsten Kritiker. Wir fragt:n uns. ob nicht das Bestehen aut unserem una! zw eb'elbaren R.chte doch der Organisation von uns unbeabsichtigten S-\n* den bringen könnte, sei cs auch mir in Folge der inissverstündlichen Auffassung seitens politisch ungeschälter oder K־swilliger Gegner. — Gesetzt, wir würden auf d.n! nächsten Kongress die Majorität haben, was dann? Dann ward; auf der anderen Seite wieder jene sattsam bekannte Agit ttun und Obstruktion emsetzc». um durch den neunte־! Kongress die Beschlüsse des achten zu annullieren. Fine solche Schaukelpolitik, ein derartiger unjndlicher innerer Kamp! müsste unser Ansehen nach aussen schwächen und unsere זיזgaiiisatio!! untergraben. Fs kam noch etwas hinzu: Wir stellten uns nach den Proben, die wir in Basel empfangen, v;׳r. wie wir künftig von den übermütigen Siegern behandelt wer* den würden, wie demnächst in Versammlungen und in vier Presse wir als Zionisten zweiten Ranges gekennzeichnet werden würden, wie in den grossen Agitatinnsvcrsanunlungen wir nicht zuversichtlich wie •früher für unser grosses gemeinsames Ziel würden eintreten. dürfen, da im nächsten Moment «vir zum Gand uni d.s Publikums der gewohnte« 1iehenswürdige!! Be* handluug eines tirscrer bisherigen Mitkämpfer verfallen könnten. So kanui, wir denn zu dem Schlüsse, dass, w e 11 i: i u der Tat von der anderen Seite die abstoss e n d c T a k t i k 11 n s g e g c 11 ii her b c i b c h a 11 c n w c rder sollte, unsere lätigkeit bald sich darauf würde heschränken müssen, den Schekel zu entrichten und allenfalls Staniol zu sammeln. Wir werden selbst daun nicht die Flinte ins K״rn werfen, sondern (:.־wehr nci Fuss warten, bis man uns gestatten wird, wieder •aktiv zu werden. Das Schauspiel, wie ehe Zionisten sich gegenseitig zerfleischen, soll, sowei: es an uns liegt, der Welt nicht geboten werden. Aber leicht ist solche Resignation nicht. Wir alle arbet.u mm seit Jahren in der Bewegung. .Ein gm Teil dessen, was in Deutschland für die Zionssache geschelivn ist. ist unser Werk. Jetzt abseits zu Stelen. 1"'c!1 dazu verhöhnt vo Jeu iriihercu Mitkämpfern wie von den gem.insamen Feinde:’.. ־■ :st ein schweres Ding. Aber doch, - - auf dem gemeinsamen Arbeitsgebiete scheint man uns nicht dulden zu wollen, es sei denn, dass wir unter dem kaiidinischen Joche uns beuge!: und unsere Ueberzeiigtiug pr.isgeben. und für unsere SouderiJeen gibt es vorläufig' kein Feld im Zionismus. Wir selbst w ären die ersten, welche einen Protest einlcgen würden, wenn vor Abänderung der letzten Beschlüsse ein Kolorisntinnsprojckt vor den Kongress g.bracht würde. Aber ausserhalb der Organisation für den Zionismus nach unserer Art zu wirken, das muss uns doch unversehrt bleiben. Wie c.'u Zionist als Privatmann etwa dem Esra angeboren kann ja wie sogar Zionisten zwe fcllo^ sich zu eircni Wohltütigkeitsvcreine zusammeiisebliessen dürfen, so v