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Jüdische Rundschau · 1905-10-06 · Heft 40 (6.10.1905) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 513 No. .*10 JÜDISCHE RUNDSCHAU wäre als er. Pie *.Augusta" hat elic Clcsvllsdiait sctilicssüch! doch ttbcriiornmc••: sie ist aber um etwa IUMnhi Mark 2c-! «chädigl tirxi wül dese.1 Betrag 2c2eu den Aufslchtsrat.. als*» 21.2CU die Herren Reformer, cinklagen. Die straibaren Hand- Iui12cn. die jetzt an acht Vcrhandlungstagen - - der Prozess dauert bis zutu 7. Oktober — zur Erörtern!:!׳ st?hen. bestehen nach der Ankla2e darin, dass Direktor Lcl.le';thner. der viel in Grundstücksspekulationen und Hypotheken gearbeitet, seiner Gesellschaft die faulsten Hypotheken als Effekten überlassen und diese als ״m ii n d e 1 sic h c r“ auch der ״Augusta“ übergeben hat. Die Anstalt ist dadurch um zusammen .15 (HK) .Mark Kcschädigt worden. Direktor Lch'eithner soll ierner Geiiossenschaftsgeldcr in Höhe von 30 666 Mark unbefugt aus der Kasse der Versicherungsanstalt entnommen und für seine eigenen ZwccVe verwendet habjn. Zu den Freunden des Direktors zählte auch der überschuldete Leutnant a. D. Frei- |y.*rr v. Beskow. der mit seiner Gattin aut Schloss ..Huttenberg“ bei Meissen wohnte. Direktor Lehleithner lieh dem Leutnant auf eine fast wertlose Lebcnsvcrsicheruuespolice aus den Geldem der Allgemeinen Dresdener Versicherungsanstalt die enorme Summe von 100 000 Mark, und als einmal die Frau Leutnant v. Beskow geborene Baronin v. Padosch ״vorübergehend“ in Verlegenheit war. sprang Lehleithner sofort mit 12 000 Mark bei. d e er ebenfalls der Kass# entnahm und a's ,.Sicherheit'’ hierfür 7.w*.i faule Hypothekenbriefe entgegennahm. Zu dem Prozesse s'rid *16 Zeugen und ein kaufmä!> nischcr Sachverständiger geladen. Wir kommen auf dieses antisemitische Wäschewaschen natürlich nach Be.ndigung des gegenwärtg schwebenden Prozesses m»cl1 zurück. Jüdische Stiftungen Unserer alten Gepflogenheit gemäss vcröffentl chen wir heute wiederum zwei Inserate voji jüdischen S11 itu ngen, deren Gelder nur eben noch auf die Insertion in 11 i c 1.1 jüdisch.:!! Zeitungen gereicht haben, ohne Entgelt in unserem!hatte, damit auch d ic Juden davon Kenntnis erhalten, die s.ch über jüdische Angelegenheiten aus jüdischen Zeitungen o/ient'eren.!. Königliche Akademie der Künste in Berlin. Die Wettbewerbe um d e Stipendien der Michael B:cr*schen Stiftungen für das Jahr 16 *־• im Betrage von je 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Italien sind eröffnet: a) bei der ersten Stiftung für Maler aller Fächer Jüdischer Religion. b) bei der zweiten Stiftung für Kupferstecher ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses. Die Bewerbung hat bis zum 5. März 1906 zu erfolgen. Ausführliche Programme, welche d e näheren Bedingungen der Zulassung in diesen Wettbewerben enthalten, können von der Akademie der Künste zu Berlin W. 35. Potsdamerstrasse 120, sowie *<׳n den Kunstakademien zu Dresden. Düsseldorf. Karlsruhe. Kassel. Königsberg i. Pr.. München. Stuttgart Wien, der Kunstschule zu Weimar, dem Schksisehcn Museum für bildendc Künste zu Breslau sowie dem Staedelschcn Kunstinstitut zu Frankfurt a. M. bezogen werden. Berlin, den I. September 1905. Der Senat, Sektion fiir die bildenden Künste. Johannes Otzen. ’ t II. Am 2J. November 1905 und 2.1. bebruar!906 kommen aus Mitteln der Ellas und Friederike Mcyer-Stlftuiig - Vermachtnis der Frau Mathilde Weigert, geh. M-.ver — eine Anzahl Köhlen-Unterstützungen um je 1600 Stück Presskohlen an Juden unJ N'.chtjuden zur Verteilung. Gesuche müssen enthalten: I. Vor- und Zunahme, cvcutl. (Jehurtsiianic. 2. Gehurtstag und Geburtsort, bei verheirateten, vcrw'ttwetcu und geschiedenen Bifstellern. auclt des Ehegatten. 3. Angabe. ob und wi.viel Kinder unter 1-1 Jahren am Leben sind. -1. Angabe der Religion. In jedem Gesuch muss ferner vom Armeu-Kommissions- Vorsteher bescheinigt se:n. dass Bittsteller und sein Ehegatte weder Almosen noch Pflegegeld erhalten. Unvollständige Gesuche bieibeu unbcrücksicht gt. ebenso alle Gesuche, die nach dem 2!». Oktober 19 5׳ hi.r eiugeheii. Berlin, den 19. September 1905. Stadt sehe St.ftung‘-Deputation. Raschi-Preisausschreiben Der Vorstand der israelitischen Rcligioitsgemeindc in Worms hat aus Ai lass des H!M!j;!i:rig,.11 Todestages Raschi einen Preis von .100 Mark gestiftet für eine Schrift über: ..Was bedeutet Raschi fiir seine Zeit, wie wirkte er in der Folge und von welchem W'ert sind seine Schriften fiir die Jetztzeit?" Die Schrift soll •IS Oktavdruckseitcu nicht übcrschrc’t.n unJ im allgemeinen in verständlicher volkstümlicher Form verfasst \\crd..1!׳. Sie muss ein Kennwort enthalten, das siel, auch auf den! bcizugebcudeii. den Namen des Verfassers enthaltenden Brit Umschläge befindet. Die preisgekrönte Schriit wird Eig.11tum der Wormser israelitischen Gemeinde, die sic mrch der Drucklegung weiten Kreisen zugäugig machen wird. Emsendungstermin bis 1. Januar I9!f>. Preisrichter sind: Rabiner Dr. Salie J-Mainz. Dr. Stcckclniacher-Mannhcim. Dr. St.bi- Worms. Vom Dreschgrafen Ein Piicklcrprozcss. der bereits mehrfach der Vertagung anlicimgetallen war, gelangte nunmehr am 26. Septemb.r vor der I. Strafkammer des Landgerichts II Berlin unter Vorsitz ues Laudgenchtsrats Hellwig zur Verhandlung. Wegen A ti frcLzuug zum Klassen hass war Graf Pückier- Klcin-Tsehirnc angektagt. Grat Pücklcr wurde, da er wiedcrholt ohne jede Entschuldigung zum Termine nicht erschienen war. von dem uniformierten Gcndarmeric-Oberwachtmcister König aus Klcin-Tschirnc v o r g e 1 ü h r t. Der Angeklagte wurde beschuldigt, an» 13. Dezember vorigen Jahr.s in Bernau verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten öffentlich angereizt zu haben. Am 13. Dezember hielt Grai Pückier in dem Restaurant ״Elys.um" in Bernau eine Rede über das Thema: Die Juden in Polen. Einzeln. Stellen der Rede, die wohl rieht recht ..bildlich" gemeint sein konnten, veraulassteu den Bernau.•r Poliz.eiwaciimeister. der die Ver- Sammlung überwachte, diese für aufgelöst zu erklären. Ausser den üblichen Kosenam.ii wie: Elende Gauner. Parasiten. Asiatettpak, schwarze L—kerls. mit denen Graf Pückier . seine Todfeinde belegte, forderte d.:r Angeklagte die zahlreich ersch.ciieiieu Bcrnauer Einwohner zu einem frisch-froh-fröl.lichen Kampfe auf. ״basst die schwarzen Hallimkeu am Kragen und macht ihnen mit euren kräftigeu Annen und Fäusten das Fcli locker. Feste druff, am* die Judenbaude! Wie schön wäre es. wenn sich auch hier ein paar junge Leute finden würden, d ie e i n bisschen demolicrc’n täten und den Juden ein bisschen die Fenster cinwerien würden. Nur Keile hilf t." Im Anschluss hieran ging Graf Pückier in ausführlicher Weise auf das Judentum in dem alten Königreich Polen ein und stellte die grosse Judenverfolgung in Krakau im Jahre 1-107 als leuchtendes Vorbild dar. Diese grossen Judenhetzten seien zun! Teil durch Kindcrsc!Pachtungen durch die Juden entstanden. Wieviel Kind’.rschlachtungen mögen nach der Konitzcr Mordsache, *n welcher russische Juden eine schcusslicftc Tat verübt haben, wohl bei uns verübt worden sen. -- ln dieser Tonart ging es weil.r. wobei die Bcrnauer Anhänger des Grafen sich in riesigem Beifall ergingen. Von Gericht bestritt Grat Pücklcr Jede Schuld, tmd bchauptctc wieder, die inkrimlnierten Stellen seiner Rede nur I) i I d 1 i c h oder in Form eines geistigen Kampfes g.meint zu haben. Der Staatsanwalt Brüning hielt indessen in der Rede des Angeklagten eine öffentliche Aufreizung zum Klassenhass Jur fcstgestellt. denn, wenn junge Leute v <» m Lande dazu aufgefordert würden, den Juden alles zu demolieren 'und ihnen die Fenster e i n z u w e rt e 11. so könne man u u m o glieh zu der Auffassung kommen, dass dies bildlich gemeint sei. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen wegen desselben Vergehens beantragte der Staatsanwalt drei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte nach kurzer Beratung wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung auf יי"" Mark Geldstrafe eveutl. fco Tage Gefängnis. Der ״V1ehjuden“-Hauptmann Ein Landwehrmann aus E. war im Monat Juni d. J. zu emer vierzehiitügigen Uebung cinherufen. Nachdem er seinen Dienst tadellos verrichtet hatte, redete ihn am Tage der Entl.'ssung der Mauptmaun vor versammelter Mannschaft mit den Worten an: ״Na. Sie sind aus E.: ich habe gehört, dass cs dort v 1 c I c c h tu i c r i g e V i c 11 j u d 1 n gibt.“ Der Landwe.iruiauu richtete wegen der ihm widerfahrenen Beleidigung eine Beschwerde an das Bczirkskornniando. fu dem ״wf.'־!•crkl:ir(c* "ic wir der Zeitschrift IM ur.UlM׳־rf׳.:N REICH entnehmen, der Kommandeur, nach den angeste'lten Ermittelungen habe der Hatiptmanu u-cht gewusst, dass s.ch uvv Lavvdwchmvann jiidisclicn Oluiihcos in der K<>!npane befunden habe. Trotzdem sei es in kc ine r Weise zu billigen, dass der Hauptmann vor der Kompanie durchaus ungehörige Aeusserungcii getan habe, die geeignet waien. Mannschaften jüdischen Glaubens zu verletzen. Das Erfordcrliehe habe ir veranlasst und er spreche sein Bedauern über diesen Vorgang aus.

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