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Jüdische Rundschau · 1905-10-06 · Heft 40 (6.10.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 512 JÜDISCHE RUNDSCHAU ___• No♦ 40 Die Juden hoffen, dass Warschau, das drei Delegierte entsendet, eilten Juden wählen wird. Die jüdischen Kreise h.mm auch die Hoffrum!. dass die liberale Partei in Petershurt! die Kandidatur dies Juden atn'stcllcu wird: wahrscheinlich wird einer der berühmten Advokaten in Betracht kommen. Im (tanzen hätten somit die Jud.n höchstens drei Vertreter in der Reicbsdtinia. In Wilna verfügen de Juden über ein a b s o I u t c s Übergewicht bei den Wahlen, denn auf die Gesamtzahl Von 2017 Stimmberechtigten entfallen 168יי Jude•. D־.״ Kandidatur eines Juden aus Wi'na wird überdies auch von Seite der polnischen Wähler eine U'nterstiitzuiig erfahren, 'dafür bleiben den Pol.n jüdische Stimmen bei den Wahlen in den Landgemeinden aber Gouvernements von Litauen gesichert. In Wilna werden die Juden, wie cs heisst, die Kandidatur des Chirurgen Dr. R 0 tu tn aufstcHcn. ז ln den!.־!tciiden jüdischen Kreisen Russlands wird jetzt di. Frage lebhaft erörtert, ob die zukünftigen jüdischen Duma* mitgLeder sich ohne weiteres in Petersburg authaltcn dürfen werden. In den Bestimmungen für die Rcichsdmua ist rieht erwähnt worden, dass die Wahl eines Juden ztim Dumamititlicd ihm das Recht gibt. in der Hauptresidenzstndt Russlands une u* geschränkt zuwohncu. Bei der in Russland h.rrschenden PoVzciwillkür und den in Bezm! au: die Juden s״ oft vcriib*en ...Missverständnissen“ ist cs nicht ausgeschlossen. dass irgend cir Revierleutnaut auf dem Pass des jüdischen DuiraiuitgiieJes mit roter Tute.den Vermerk machen wird: ״na wjvest‘“ (..zur Abreise“ h Die rechtzeitig. Erörterung dieser letzteren b,r£ge /st zweifelsohne durchaus angebracht: denn hei russischer Polizei- Willkür ist eben wirklich alles nüißüoli. Aber wie c'n Hohn auf die ganze Duma klingt si. doclt! \Y o in diesem Augias- Stall soii dieser narbmen'ariscl.e Embryo mir anfangen mit der Arbeit, zu der wirklich ein Herkules gehörter Ausweisungen jüdischer OpnrnsKng״r pus Moskau Aus dem bci!i׳.:eu Moskau, der Zarenstadt wird gemeldet: Durituwo hat drei Säuger, brau Brunn und die Herren Sibirhknw und Kaniousky von hier ausgew iesen. Alle drei gehören zu den ersten Kräften der hiesigen Oper. SiDrjakuw war auch mehrere Jahre an der kaiserlichen Opern in St. Petersburß. Politische Oründe für die Auswcisutiß sind ßanz ausßcsch!״ssen. und so wird auch im Polizeih. rieht ausdrücklich erklärt, sc hätten als Juden-kJit Recht. ווו Moskau zu wohnen und hätten sich in den Ausstelhmßsrayoii zu begeben. D e alte Methode w ird also ßanz ruh ß weiter ßofibt. trotz Duma, trotz ,erweiterter Wohnrechte‘, trotz — allen audereti Schwindels! Eine Besserung? Mit Genehmigung des russsclten Ministeriums, der Volksaufkläruiiß ist die Aufnahme von Juden in das Warschauer P 01 v t c c 11 n i k u nt diesmal ohne Drozcntuale Linschränkuiiß erfolßt. Alle iiidischen Aspiranten, die sich r.ehtzeit g ßcemJdct hatten, haben an d»*r Hochschule Aufnahme ßd'undeii. Die Sorache der russischen Judo ר Nach den Pffizicüen Materialien im Konscil des Ministeriums des Imiern werden in dem jüdischen A n s i c dl 1111 g s - rayou •US99 5'H) Jude:? gezählt: von diesen gehen 04־ Prozent Jas sind ־T79J 670 Personen, als ihre Mutter- und Umearßsspräche das Jüdisch-Deutsche an. Die iibriß:n 99 830 nennen als ihre Mutter- und Unißaiißssprachc: Russisch. Polnisch. Deutsch und Tatarisch. 5370 Juden, die das Christentum angenommen haben, nennen als ihre Umgangssprache das Jüdisch-Deutsche. Von diesen 5370 Person.״ sind 2351 zur orthodoxen Kirche iibergetrden. 21)5-1 zur katholische:) und 502 zur lutherischen: 125 Juden haben den IsDm angenommen. Verschiedenes Lodz, 30. September. Der Orossiridustrlelle Julius Knnitzer. Ei״entiimer einer der grössten Fabriken hier, wurde auf einem elektriscl.cn Strassenbahuwagen von ein.m Arbeiter erschossen. Der Täter wurde verbauet. Das bringt die russische Rcgieruneskunst mm eben so mit sieb, dass jeder seine Privatrachetrcliistc mit dem Revolver befriedigt. 111 diesem balle ist d.:r russiseb.n Anarchie mm ein hoehverdienter und sjlcrselts geschätzter Manu zum Opfer gefallen. Njeschiii (Gouvernement Tschernißowl, 2. Okt. Eia Jude welcher einen Polizc.beamten ermordet hatte, wurde vom Kriegsßcrcht zum Tode verurteilt. Das Urteil veranlasstc die Glaubensgenossen zu d e m oiistricrc 11. Die jüdischen (ieschäfte sind geschlossen. Die Studenten und die byttmasasten der oberen Klassen bleibe״ dem Unterricht• ajrn. 111 der Hauptstrasse drängt s eh e 11e gross״:! Menschenmenge. Viel Kosaken und Polizei wurden anfßchoten. — Das ist die Ankündigung einer Judenhetze!in der bekannten Mverschämten'’ borm! Zuckerwucherer und Antisemit Die Antisemiten haben Pech. Bei den. binanzskaudalcn der letzten Jahre handelte es sich, mt wenigen Ausnalim.n. nicht um Juden, sondern vielfach sogar um Personen, welche durch ausgesprochene Judenfeindschaft sieh hervortaten• Auch bei den neuesten Skandalen auf dem Par.ser Zuckermarkt handelt es sich um antisemitische Yolksr.ttcr. Die reichen Zuckermagna teil in brankreich sind überhaupt starke Stützen der Reakfon. brau I.cbaudy. die Mutter des ..Kaisers der Sahara . war stets eine ireigebige Anhfnißerin der Nationabsteu. Der Direktor Crosnier. welcher durch Selbstmord, unter Hinterassung vii:: ca. 50 Millionen bres. Passiven, seinem Leben ein Ende «.macht bat. ist pobt'scli nicht hcrvorgctrctei». war aber Vertrauensmann klerikaler Kreise. Endlich ist Jules Jaluzot. der auch mit etwa 30 Millionen bres. passiv ist, hervorragend a's nationalistisch-anUsem tisclier Politiker hervorgetreteu. Er war nicht nur Abgeordneter, sondern bcsass dadurch hedcutcndercit politischen Einfluss, dass er Haupt- •jktlmiär und Geldgeber der beiden nationalistisch..וו Abendblattcr LA PRESSE und LA PA'JRIE ist. Jules Jaluzot hatte a's Begründer und langiähriger D.s t/cr eines \\ aareohauscs der Magasins du Printemps. die dann in eine Aktiengesellschaft!״!!gewandelt wurden, sich ein rach vielen Millionen zählendes Vermögen geschaffen. I r hat dieses jetzt verloren, indem er, :11 Erwartung euer schlechten Zuckcrernte. alle sichtbaren Vorräte au Zucker aufkaufte, d.ssen Preis er zeitweilig nalv/zu er; die doppelte Höhe des üblichen Preises trieb. Besonderes Rai.'incmcm bewies folgendes Stückchen des Herrn Jaluzot ln Verbindung tu t se’ucni Warenhaus errichtete er eine Sparkasse, und da seine Z.itungeii ei:ri׳g gegen die staatlichen Sparkassen zu l eide /׳•gen. bei Jemen das Geld der Einleger gegen Ver'tist nicht genießend versichert s i. hatte seine Sparkesse ganz zu sehnliche E tiiage;׳. Auch d esc haben dazu dienen 1nnsse!1. die Spekulationen d.s Herrn Jaluzot zu unterstützen. Ucbrigetis ist das itich: das erste Mal. dass Herr Jaluzot den Preis des Zuckers getrieben bat. Vor einigen Jahren tat er das gleiche, nur dass er damals aus Seinen Engagements rechtzeitig imt Gewinn lierausging. So ist Herr Jaluzot Antisemit. Wnreu’niisbesit/er und ZucP.rw lieberer. Es ist dies :.׳Urs schon seit vielen Jahren, ohne dass diejenigen daran Ausbiss genommen habe:•» welche angeblich den Kampf gegen ..Warcn!!ausscl:w?1;del" und ..Lebeiisimttehvuchcr" führen. Aber wie sollte sch’iesslieh auch der politische Schwindel, der in der antisemitischen Partei sich verkörpert. Ausbiss i’ehmen an anderem Schwindel. Der Affäre Jaluzot in Paris folgt soeben in Dresden die Affäre Lchlcitucr — - Seilwinde! über Schwindel bei den paterticrt'.n Pächtern von Treue und Sittlichkeit . . Eine antisemitische Grösse . Vor der 5, Strafkammer d.s Dresdener Landgerichts wird gegenwärtig der Prozess gegen den ehemaligen Direktor der Dresdener Allgemeinen Versicherungsanstalt, il'v jetzt mit der ״A11ßPSta"-Ber'in, und der ״ArniiiiiV’-Mimche.•־. verschmolzen. Konrad Hermann I. *!11 e : t h n e r . verhandelt. Dem Augeklagten wurden zahlreiche balle von Untreue zur Last gelegt. Direktor Lchleitlmor. der früher in Breskiu ansässig war. dort ein kau'männisches Agenturgeschäft betrieb, später in Konkurs ger et und wegen einfachen Bankerotte mit einer ur.lir- 1m!tätigen Ociäi’gnisstraie bestraft wurde, bat c'uc recht beweßte Vergangenheit hinter sich. Er Stand läng־.re Zeit im Dienste des Batteiibcrgers. des vers'orbenen bürsten Alexander von Bulgari.n, genoss dessen volles Vertrauen und wurde schliessiich dessen Adjutant. Vor etwa acht Jahren kam er nach Dresden u!־d wurde an die Spitz der Dresdener Ailgemei! cn Vers ckenmgsanstalt berufen. Hier trat er in einer geradezu diktatorischen W eise njif ui d w ar bald ein Feind :euer gesamten Beamtenschaft. Keiner wag'e sich an dei A'lgewaltig.u heran, er stand unter dem Schutze der antisemitische 11 R e f o r m e r und w ar in ganz Dresden als einer der schlimmsten A!11 i s c m it c n w ii t c r i c h c bekannt. Der Aufsichtsrat der Geso'lschaft bestand ebenfalls nur aus R e i o r m cm. nachdem es dem schneidigen Direktnr gelungen war. die ..Roten'' aus der Verwaltung binaus/.udrängeju. Nun halt. Lelileit'mer freie Hand. 1901 .arbeitete die Dresdner Versicherungsanstalt noch mit einem l'eberscbuss von ,s7 000 Mark, ein Jahr später w ar c 11 gewaltiges Defizit da: aber cs gelau/ durcli eine ..Transaktion'' der Kassen, dieses Defizit noch in IS <<00 Mark lieberscluiss zit verwandeln. Als l.clileitliuer merkte, dass er aas :esnk.lt habe, suchte er eine Eus.on mit der ..■\ug11s*a"-Berliu: .r verband, :lte auf eigene Faust, und cs wäre ihm auch gelungen, sich aus der Schlinge zu ziehen, wenn ׳die Opposition nicht noch klüger gewesen

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