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Jüdische Rundschau · 1905-10-06 · Heft 40 (6.10.1905) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 16)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 514 No. 40 Anstalt für jüdische Schwachsinnige Se. Majestät der Kaiser liat kundgegeben. dass er zu Allcrhöchstseiicr und seiner erhabenen Gemahlin Silbernen Hochzeit kene kostbaren Gaben, sondern die Begründung wohltätiger Stillungen wünscht. Der Deutsch-Israelitische Gcnicindebund in Berlin wird diesen Allerhöchsten Wünschen nachsommen, indem er eine Anstalt für jüd sehe. Schwachsinnige plar.t. für die ein statistisch und erfahrungsgcinäss nachgewiesenes dringendes Bediirfn s vorhanden ist. Kr befolgt somit nur das Beispiel, das er schon zur Silbernen Hochzeit we land Kaiser Friedrichs durch die Begründung d.r Friedrich-Wilhelm •Victoria-Stiftung gegeben hatte, die Hunderten von israelitischen Kultusbeamten die Alters- und Reliktcnversorgutig ermöglicht hat. Obwohl streng rituell geführt und von jüdischen Beamten geleitet, w rd. nach dem Vorgänge vic’er anderer jüd scher Institutionen der Wohltätigkeit und der Erziehung, diese Anstalt, soweit der Raum es gestattet, auch christliche Pfleglinge aufnclimcn. Wir fordern edle Wohltäter, die zumal sch w a c h si n n i־ gen Kindern den Weg ebnen wollen, möglichst nützliche und glüeklchc Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden, auf. ihre Spenden für die Anstalt iiir jüdische Schwachsinnige an unser Bureau, Berlin W. 35, Steglitzcrstr. 85. senden zu woll.n. Über die Beiträge wird in den öffentlichen Blättern quittiert werden. Berlin, im Oktober 1935. Der Ausschuss des Deutsch - Israel'tischen Gernclndebundco. Kleine Mitteilungen Beim Heraitnalieit der kalten Jahreszeit macht sich in der von. arbeitswilligen Stammeseeuossen voll besetzten J ü d isehen Arbeiter-Kolonie in W e i s s o n s c e das Bedürfnis nach Kleidungsstücken sehr fühlbar geltend. Die zahlreichen Gönner des humanitären Unternehmens. werden herzlich gebeten, durch eine an Herrn Inspektor Bohrend in W e i s s c n s c e bei Berlin. Wörth- Strasse 20 schrinbch oder telephonisch (Amt NVeissensec 192) zu richtende Aufforderung. die Abholung von gebrauchten Sachen gegen Bescheinigung gütigst veranlassen zu wollen. Die Umgangssprache der Juden in Österreich wird gemeiniglich a’s deutsch angenommen. Das ist falsch. Die oifiizielle Statistik, wie sic die letzte Volkszählung lieferte, erbringt die Tatsache, dass von den 1 224 711 in Österreich gezählten Juden 622235. das ist mehr als die Hälfte, polnisch als Umgangssprache angegeben haben: mit deutscher Umgangssprache hatte man 419 210. das ist 34.2 Prozent aller Juden in Österreich, gezählt. Dje Verwaltung der Stadt Bingen hal der israelitischen Religionsgemcindc daselbst anlässPch der Svnagogen-Einweihung ein Fest gesehen k in Höhe von 6000 Mark hewilligt mit der Bestimmung, dass dafür die Kosten der Orgel bestritten werden sollen. Am verflossenen Sabbath feierte Oberrabbincr Dr. W. Feilehenfcld in Posen unter allgemeiner Teilnahme sein fünfzigjähriges Jubiläum. Auch wir erlauben uns. dem verehrten Greise unsere herzlichsten Glückwünsche zu übermittcln. Der Rabbiner der Israelitischen Rcligionsgenוcinז׳- in Pest Dr. Simon Händler hat seinen Familiennamen mit ministerieller Genehmigung auf H e v e s i umgeändert. — Armer Hevesl, wirst doch ein Jud bleiben! Paris, 26. September. Das Zentralkomitee der Alliance Israelite bewilligte!für die Abgebrannten in Adrianopel eine weitere Unterstützung von 50X) F'rcs. Ferner 5000 Frcs. Sür die Opfer der antisemitischen Militürkrawallc in B i a I y s 10 k. Rundschau der Presse DIE WELT bringt in No. 39 an leitender Stelle die Be- Schlüsse ’des VII. Kongresses über die Förderung des N a t i 0nalfonds und daran anschliessend einen Artikel aus der Euler ihres Redakteurs J;Uprzinmy und der Überschrift .,Ein Nationalgebot“. Den warmherzigen, eindringlichen Ausfiihrungen entnehmen wir folgende Stellen: ״. . . . Das Fundament unseres zukünftigen Gebäudes ist der Boden, der Bodjm Palästinas, wo wir uns nach tollen und endlosen Lebensstürmen fest verankern zu können hoffen. Der Boden Palästinas, ist der ruhende Pol in der Meinungen Flucht gebliebe•־; dem e'nen ist er das nächste Ziel, der unfruchtbaren Theorie des andern erst das Ende eines Umweges. Hier hinzugelangen wünschen alle, arbeiten alle. Arbeiten aber schlecht. Die Hitze des Zionismus wirkt an einer falsche•* Stelle. Sic musste im Schmelzofen wirken, aus dem Go.d berausströmt. das Gold, das unser Wesen So lange vergiftet hat. n unserer Hand jedoch zum grössten Segen der Menschheit würde, indem wir es in Erde und Eisen verwandeln.‘ . . . ,.Möge endlich der Ruf des Nationalfonds w e ein Sturmstoss vor dem Gewitter aufregend durch unsere Rethen iah reu Muss es den״ immer zürnend gesagt werden, dass dieses in seinen Zwecken so stolze, in seinen Forderungen so besehe dene Volkswerk beschämend schwach gefördert wird? Soll cs noch lange der Malmruf sein, der das Erforderliche in Gang bringt, statt der eifersüchtige, persönliche Ehrgeiz? Fis gibt kein Schlaicn während der Unruhe unseres Sch'cksals: es gibt kein H mintcrschwankcn der Ausweise, wenn *oder seine Pflicht tut. Bedenket doch ־-• wie eine kleine Pflicht! Ans den kleinsten Münzen wollen wir ja den Fonds zusanimcnsetzen. jeder Jude soll ihm ja weniger noch geben als er gehen, als er gedankenlos dem Bettler zu gehen nHcgt. aber rasch muss er geben und regelmässig." ... ..SeUbsthesteueriing. Sclbstbesteuerung, Sclbstbcsteueruug — das ist der Schliissi:! zum Ganzen. Der N’ationalionds muss rechnen können aut c'n Minimale nkotnnten. das durch fleissige Arbeit stetig anschwillt. Weichen Wert hat ein Verein, der nicht regeln! ä s s י g . nicht viel, aber regelmässig, was sollen alle Worte über nationale Erziehung wenn der geehrte Redner nicht viel, aber r e v'e I n! ä s s g dem nationalen Eonds einsch'ckt? Oer Zionismus ist schon so engerichtet. da$5 er weitab von jeder kapitalistischen Forderung auf jeden genau so zäbien kann, als er von ihm zählen Karn. Niemand darf daneben stehen! Denn selbst der Aermste kam! und muss einen Miiunalboitrag regelmässig geben, damit bei fixen Bezügen cn.diich eine HarJl abe iiir d e Tätigkeit vorhanden ist. wie \!et sie gehen darf. Endlich dfe Hauptsache: Der Beitrag der anderen, der vorläufige» Nkhtzion sten. Fr ist so leicht zu haben, als der Jude im Kern ja immer edel und klug ist und als er heute schon jedes Hcs'edlui’gswcrk zu fördern geneigt ist. Auch dieser Be trag, wem! auch noch so klein, muss regdmns>:g eingehohen werden. Dazu ist es nur nötig, dass sich jeder Zoi'lst zum Mittelpunkt eines Kremes von Freund(.!! des Nat onalfords macht, und mit jenen! edlen Eifer, zu dem ihn das Jdle Zel anspornt und berechtigt. Ordnung hält und Arbeit ,o stet." . . . An gleicher Stelle bespricht Dr. A.fred N ossig unter dein Titel ..Vcrsuehskohmisaf'on und wirtschaftliches Vordrin gen" den auch von uns hier zitierten Artikel Dr. Oppenheimers aus No. 37 der WELT. Die Forderung Oppen' heirrers nach e uer sofort gen Vcrsuchskolonisation aus den Mitteln des N'ationah'mids hält N'ossig für durchaus bcrechtigt. Er sagt da u. a.: .... Aber auch sachbch ist die sofortige Mersuchskolonisat on aus Nationaliondsnüttem heute genau ebenso berechtigt wie im Apr I 1901 nur dass ihre Unentschiedenheit dank der ununterbrochenen theoretischen Aufklärungsarbeit und der programmatischen Entwickelung, die seither im Zionsmus siattgeftmden hat. heute schon iiir alle evident sein sollte. Wer durch Schlagworte so verblendet ist. dass er den Uutcrsclred.zwischen planloser p h i I a 11 thropischer K I c i n k o 10 n i s a t i o n und s V s t e 111 a - t i s c h c r. nationalpolit׳ scher Kolonisation aut wachsender Stufenleiter auch heute noch nicht begreifen kann: wer es auch heute noch nicht eiusel 1 will, dass w'r nicht durch die öffentlich rechtliehen Sicherungen oder auch bloss Sultau-Iradcs uns die A k t i o n s n! ü g 1 i c h k e i t. sondern d u r c n u 11 ־ sc re Aktionen die Möglichkeit öifcnthchrechtlicher Sicherungen oder Konzessionen seitens der türkischen Regierung schafien müssen, der ist eben durch Argumente nicht zu überzeugen, den muss man durch Tatsacken zu überzeugen versuchen." Andererseits jedoch scheinen N'ossig manche Argumente Oppenheimers und ..die ganze programmatische Fassung, d e er der geplanten Aktion verliehen hat“, gewisse Gciahren zu enthalte!!. Indem nämlich Oppenheimer .die Anlegung einer Versuchsfarm nach den Prinz'pieu der SicdUmgsgenossenschalt aus Nationaltondsmittcln befürwortet, stellt er fast best'nmit in Auss'cht. dass der wirtschaftliche Erfolg der Grün düng weit über das Niveau der besten palästinensischen Baueriiansiedhmgcn hinausgehen werde, dass die Kolonisten das dargeUehenc Kapital sehr schnell zurückzahl'eu würden. ' Dieser glänzende Eriolg gilt ihm als Mindestmass des zu Er- ' wartenden. Würde er ausbleibcn.dann •st unser Versuch / gescheitert und wird abgebrochen werden•" — denn dann! könne für die zionistische •Bewegung die Kreditbasis nicht ge- י schaffen werden." Demgegenüber meint Nossig, die Leitung \ des Zionismus dürfe nie so na׳v sein. ..sich selbst chimärischen \ Erwartungen hinzugeben und wenn sie nicht voll und rasch

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