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Jüdische Rundschau · 1905-10-06 · Heft 40 (6.10.1905) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 40 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5!! 3• bei Minderjährigen die Erlaubnis des Vaters oder gej setzlicheu Vormundes ’einzureichen. Bevorzugt werden solche talentvolle Schüler, welche Mittel z!un Studium (500 Freu.) jährlich) zur Verfügung haben. Bewerbungen sind postfrei zu richten an: I. E. M. Lilien, Berlin S.W., Grossbecrcnstrasse 69 aus europäischen Ländern. Letzter Termin 1. Novcmber 1905. 2. Prof. Boris Schatz, Jerusalem (Palästina) — aus Amerika und anderen Weltteilen. Letzter Termin 10. Dezember 1905. Berlin, September 1905. Komitee des ״Bezalcr. Vom VII. Zionistenkongress Der Zionister.kongress oder die Tagung eines jüdischnationalen Parlaments ist für weite, ja selbst jüdische Kreise, roch von einem so fremden, beinahe phantastischen Nimbus umgeben, dass man bei seiner Erwähnung vielseitig den ungchcucrlichstcn Urteilen und Meinungen begegnet. Kopfschüttclr, I10hnlacb.cn. billige und schlechte Witze sind dabei an der Tagesordnung. Ein erschreckender Mange! an Kenntnis und Einsicht der ganzen Bewegung tut sich hier kund — und — wir wollen hier bleiben, wir ziehen nicht nach Palästina, wir sind Deutsche und lieben unser deutsches \ aterlanJ. das sind die Mauptsclilagworte mit denen unsere jüdischen Gegner ihre Steilung zu der Bewegung als abgetan dokumentieren zu glauben können. Von der Hoheit und dem Idealismus der Idee, die den Gründer und Führer des Zionismus leitete* die seine Mitkämpf.r beseelte und die heute Tausenden und Abertausende!! das Herz mit scebgcn Hoffnungen erfüllt, die dem körperlich und geistig bereits halb degenerierten heimatlosen jüdischen Flüchtling noch den letzten ethisch-moraiischcn Halt gewährt, haben diese Assimüanten keine Ahnung. Es ist somit beinahe überflüssig, ihnen immer und immer wieder das Basler Programm: ..Der Zionismus erstrebt eine öffentlich-rechtlich g.sicherte Heimstätte* für d*־c Juden in Palästina, oder in erweitert!.in Sinne iür diejemgen Juden, die sich nicht assimilieren wollen und nicht können” vor Augen zu halten. Der Blinde sieht nicht — und der Taube hört nicht. Wer aber von diesen an so schwerem Obel Leidenden die letzten Juli- und che ersten Augusttage die Treppen, Haben ur*J Säle des Stadtkasino in Base! zu sehen sich die •Miihe gemacht hätte, mancher von ihnen wäre vielleicht plötzlieh seifend geworden, sicher aber ist. dass die in so vielen verschied.neu Idiomen geführten menschlichen Laute, die aHe in Klagen. B tten und Begeisterung endigten, vielen ״kranken Ohren“ eine wahre ״Radikalkur" gebracht hätten. Wie durch ein Wunder wurde man hier geradezu zum Spraehkünstler und ohne russisch, englisch, französisch oder hebräisch zu. verstehen. las man da d.:n Menschen, sowohl im Kongresssaal, wie •im ganzen .Gebäude, mit vollem Verständnis die Worte vopi Munde, man wusste sofort, ob für oder gegen Uganda gesprochen wurde und man wusste vor alten Dingen, dass jedes hier gesagte Wort in dem einzigen Reiram ansklang: ״Gebt uns eine Heimat, schafft uns ein Vaterland." Und das ist das ״Wunderbar:", das ..Einzigartige“ eines Zionist.n- und besonders des scheuten Kongresses, dass trotz der verscliiedenen Strömungen, die sielt innerhalb der Bewegung, seit Herzls leider allzuTiihem Tode, entwickelt haben, trotz der mancherlei Ansichten, die s'cli hier oft in ziemlich drastischer Form üussern. diese Leute alle sieh doch gleich wieder sagen — ja wir wissen, cs führen eben verschiedene Wege — nach Jerusalem. Gewiss wurden dem Gebäude des Zionismus, nachdem ihm sein Erbauer und Erhalter so jäh entrissen wurde, schwere Schäden beigebracht und einen Augenblick, alter nur einen einzigen gab cs. an dem man an der Festigkeit des Fundaments zweifelte, aber gleich darauf zeigte cs sich, dass kejuc Stürm:, woher sie auch kämen, die Grundmauern des Baues zu ersehütt.ru im Staude wären. Und gerade dieser jüngste siebente Kongress hat dies aufs Neue bewiesen, denn die manchmal in heftiger Erregung sich kund gehenden Kampfe, die hier ausgcfochten wurden und die ja durch die Tagespresse hinlänglich bekannt und oft auch ebenso aufgcbauscht wurden,, zeugen von dem tiefen Ernst und dem zielbewussten \Vollcn der Zionisten. Und in der Tat. eine Welt- | bewegung, die auf ein Volk von zwölf Millionen, das nach und nach zu ihr stehen wird, blickt — die auf weitgehendster demokratischer Basis aufgebaut ist — die nur Adelsmcnsclien. aber keine Adelsgeschlechter will — 1׳L M a n n und Weib als gl.iichwcrtigc und gleichberechtigte Genossen und Mitkümp.'er erkennt, die körnte nicht bloss auf zwei Augen und zwei Schultern ruhen. Und das tut sic auch nicht — denn die Risse und Spaltungen, die sich in Basel zu bilden schienen, sic werden geheilt und iiberbrfickt werden — und zwar nicht zum weitesten durch den ernsten, gesunder, und gerechten Sinn der jüdischen Frau. Sie war bei den Kongressd.legierten nicht nur zcmlieh stark vertreten, sondern sic ist bei den Dcbaiten auch mehrfach zu Wort gekommen. Sogar verschiedcjie wcc bliche Zionisten 11 i c h t j ü d i s c h e n Glaubens und 11 ic 11 tjiidisc her Herkunft waren aus weiter Ferne zum Kongress gekommen, so eine Französin, eine Russin, cne Engländerin und eine Amerikanerin. Letztere, die ich selbst zu sprechen die Ehre hatte, kam direkt aus San Franzisko und ich sah sie täglich auf demselben Platz m;t grösstem Interesse den Verband* lungen lauschen. Genau so. wie es ein Baseler Blatt von den jüdischen männlichen Elementen sagte, dass cs vom geringen Schnorrer bis zum Professor von Weltruf hi;r vertreten war. verhielt es sich auch mit der Frau. Die einfache in ärmliche Klc der gehüllte jüdische Arbeiterin, die vom nahen Genf u״<J Bern heriibergckonimenc Studentin, deren müder Bück und hohle Mangen von Not und Arbeit sprechen, di: geprüfte und bereits praktizierende Ärztin, die geschulte Journa* listin. wie de feine elegante Saloudamc sah man hier auf <k!)selber Bänken sitzen und dem jeweiligen Redner durch Bravo oder Ahlelirung .ihre Meinung bekund׳:n. Als ganz s:eher darf aber angenommen werden., dass auch hier, wie fib.ra'I wo in Zukunft grosse Mcnschl.eitsfragen zur Lösung kommen so'len. der Frau eine bedeutende Aufgabe zufä’lt und wenn bei Herzls Wort: ״Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen" der erste Teil desselben das ..Wollen" zum Durchbruch — zum Siege ©.langt, so wird dies das jüdische Volk nicht zum kleinsten Teil, der treuer: begeisterten Mithilfe — wenn nicht gar d:r Initiative der Frau zu danken haben. Elise Gutmann. (Aus der FRAUEN-RUNDSCHAU.) —I Aus der Bevveguijg ן— Ebcrswaldc. Hier hat sich eine Zioirstische Vereinig u i! g Ebcrswaldc ״Theodor H e r z 1” gebildet, die bereits 25 Mitglieder zählt. Der Verein, der hoffentlich gute Arbeit!eisten wird, wird gleichzeitig die Zentrale *iür den neu cingcteilteu Gruppenverband Brandenburg (ohne Berlin)- Pommern darstellcn. W r bitten daher sämtliche in diesen Provinzen wohnenden und keinem V. reine angchörendcn Schckclzal.ler, ihre Adressen so schnell wie möglich dem mit- Unterzeichneten Vorsitzenden bekamttzugeben. In den Vorstpnd der Gruppe Ebcrswaldc wurden gewählt: Lazarus B a r t h ־ He:gcrmül1le. Vorsitzen«, r: Alfred Schwarz, Sehriitiiihrer: Snlly Michaelis, Kassierer: Frau Lindem an!!. Nationalfordskommissariii. Herrn Dr. C11 a m i z c r und Herrn Dr. Mühsam danken wir an dieser Stelle iiir ihre freundliche Unterstützung. Hamburg. Das Komitee zur Veranstaltung jung-jüdischer Abende hatte zu seinem fünften Diskussionsabend Herrn cand. jur. Gustav Lcvien als Referenten über ״Die Bedeutung des Baseler Programms“ gewonn.n. Der Redner sprach sich gegen jede indisch-nationale Ansicdltmg in einem anderen Territorium als Palästina aus. — In der nächsten Versammlung wird Herr st!1 ׳. jur, Möller als Gegner über das Thema: ״Warum ka! n ich als orthodoxer Jude nicht Zionist sein?” referieren. Sehönlanke, 25. September. Die hiesige jüdische Gemeinde beging gestern die feierlich; Einführung ihres ncugewählten Rabb.ncrs. Herrn Dr. pliil. Baniberger aus Würzburg in Bayern. — Dr. Baniberger ist, wie wir anlässlich seiner Wahl imtteilten. ein treuer Zionist. - Rundschau — Aus Russland Juden in der Reichsduma In der Rciehsduma werden d e Jud.n. trotz der ihnen eingeräumten Wahlrechte, nur spärlich vertreten sein. Ein jüdischer Kandidat wird bestimmt nur in W׳ i 111 a gewählt werden.

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