Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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iicfikeit betrachten, dass der letzte Kongress ein bcstimentes politisches Mittel für alle Zeiten aus der Hand geben wollte. Diesen Gesinnungsgenossen kann das Recht nicht abgesprochen werden, innerhalb der Bewcgang auf eine Abänderung dieser Beschlüsse hinzuwirken. Dieses Recht hat aber jeder deutscher Zionist mit einer höheren Pflicht in Einklang zu brngen. Wir deutschen Zionisten haben uns immer als die Leibgarde des zionistischen Programms und unserer Organisat.on in der ganzem Welt betrachtet. Wir haben demnach auch jetzt ein Beispiel der Disziplin zu geben, einerlei ob wir auf dem Boden der Freiburger Beschlüsse stehen oder ob wir der Meinung sind, dass eine Autonomie ausserhalb Palästinas für uns ein gutes politisches Mittel wäre, nach Zion zu gelangen. Einerlei welcher Fraktkm wir angehören, haben wir selbst, wenn wir ein Opfer des Intellekts bringen müssten, die Führer in der vom Kongress dictierten Politik zu unterstützen, solange nicht ein anderer Kongress eine neue Richtung einschlägt. Wir haben demnach überall nach besten Kräften neue Anhänger für die Zionistische Idee zu werben und für die Verwirklichung ihrer Ziele. Jeder in seiner Weise, zu wirken und zu kämpfen. Kein detitscher Zionist, keine deutsche Gruppe darf sich demnach einer Organisation anschliessen, welche mit politischen Mitteln für ein autonomes Landgebiet ausserhalb Palästuias eintritt. ־ W ir dürfen unsere Kräfte nicht zersplinem. Keiner darf sich der Arbeit entziehen. Jetzt mehr wie je gilt für uns der Ruf: ״Alle Matt! an Bord “ Wer von der Mannschaft nicht da ist, wenn das zioniscrscfie Schiff zu neuem Werbezug h die See sticht, der kat sich der Meuterei schuldig gemacht. Wir furchten keine Stürme, wir fürchten kcin:n Feind, wenn wir einig sind über das Ziel, nach welchem wir das Schm zu Icnkc.n haben. Den Kurs aber, m welchem wir nach diesem Ziele fahren, bestimmt einzig und allein der Kongress. Die höchste Instanz in der heutigen schwierigen Zeit, für die deutschen Zionisten eine, vöPigc Klarheit der Situation zu schaffen, ist der Dejcgicrtcntag. Ich gianbe. dass wir nicht säumen dürfen densGbcn in Kürze etnzaberafen. Diesem Delegicrtentag will ich einige Resolutionen unterbreiten, die meiner \ufussung der Sachlage entsprechen. Ich hoffe, dass der Delegiertentag meine Vorschläge genehmigen wird. Ich habe die feste Zuversicht, mich auf das Vertrauen der deutschen Zionisten stutzen zu dürfen. Dann aber zweifle ich nicht, dass unsere deutschen Genossen einigen Sinnes mit Eiter und Energie weiterhin der Sache der zionistischen Beuegung dienen werden. Dann können wir wieder die Bannerträger des Zionismus werden und unsere Flagge klar und weithin sichtbar entfalten, mag auch Neid, Verdrass und Vorurteil unserer Gegner das Sciräge tun, um unser Panier in den Staub zu ringen. Drnm rufe ich esch getrosten Mutes zu: ״Alle Mann an Bord*‘ zum deutschen Delegiertentag! Köln« im Oktober 1905. Folgende Resolutionen werde ich dem Zentralkomitce in seiner Sitzung vom 29. Oktober und dem deutschen Delegicrtentag zur Annahme unterbreiten. D r. Bodenheimer. Resolutionen; 1. ) Die deutsche Landesorganisation unterwirft sich den Beschlüssen des VII. Kongresses und erklärt, die Führung der Bewegung in der vom VH. Kongress vorgeschriebenen Politik mit treuer Ergebenheit unterstützen zu wollen. 2. ) Die deutsche Landesorganisation erklärt jedoch gleichzeitig, dass sie an dem Programm des l. Kongresses festhält und eine weitere Beschränkung der Führung in der Wahl ihrer Mittel, als dieses Programm vorsieht, für einen politischen Fehler betrachtet. 3. ) Jedem einzelnen steht es daher frei, durch Wort oder Schrift und in Vereinsversamm- I ungen einen von den Kongressbeschlüssen abweichenden Standpunkt zu vertreten und für die Aufhebung dieser Beschlüsse auf dem nächsten Kongress tätig zu sein. 4. ) Den deutschen Organisationen und deren offiziellen Vertretern ist es aber nicht gestattet, einer Organisation beizutreten, welche mit politischen Mitteln ein autonomes Gemeinwesen ausserhalb Palästinas und seiner Nachbarländer schaffen will. 5. ) In Agitationsversammlungen sollen Erörterungen über die Zionistische Politik tunliehst vermieden werden und die Redner sich auf die Darlegung der Zionistischen Idee und deren Ziele beschränken. 6. ) Das offizielle Organ hat in einem hierfür bestimmten Raume allen Richtungen innerhalb der Bewegung für eine Diskussion in parlamentarischen Formen seine Spalten zu öffnen. * . Den vorstehenden Aufruf, bei dessen Eingehen die JUEÜISCHE RUNDSCHAU bereits unter der Presse war, glaubten wir im Hinblick auf seine dringliche Bedeutung unseren Lesern doch noch in diese! Woche zugänglich machen zu sollen, und geben ihn daher als Beilage zu der No. 40 unseres Blattes. Die Red. d. J. R. 1 %. : .•v* * ־ ־ ־ * ..; v ' 4 ' / D r. B 0 d e n 11 c i m e r. 4’* 4 . \