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Jüdische Rundschau · 1905-10-06 · Heft 40 (6.10.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 508 JÜDISCHE RUNDSCHAU " ״ --—-^——-—- Meinung über diese Ansicht unabhängig davon zu verbeten, bleibt ihr ja unbenommen. Das scheint ein wunder Punkt in unserer Pressfrage zu sc'n. Aber loyales Entgegenkomcn hat schon öfters Misshclligke>ten beseitigt. U. Es ist noch nicht so lange her, dass Herr Profcssor Geiger aus Berlin sein Zionistengcsctz promulgierte, in dem er seinen iüdiscl.*nationalen Stannnesgcnossen als vaterlandsloscn Gesellen die deutschen Staatsbürgerrcchtc entziehen wollte. Darob erhob sch ein Sturm der Entrüstung in der jüdischen Journalistik. Ein einziger Aufschrei flammenden Protestes war die Antwort auf die infame Denunziation. Es regnete Zeitungsartikel, die . . . Ach nein, das war gelogen, cs regnete gar n:cht; d e ganze assimilatorische Presse schwieg; ihr ganzer Blätterwald von Dan bis Ber-Stba. von den orthodoxen Israeliten bis ti ־ hinab zu den Fam!*ienblättchcn, regte sich nicht. In allen W pfeln spürtest du nicht einen Hauch. Die mut:gc Tappstgkeit der ,.jüdischen Presse״ in Berlin konnte diese Tatsache nicht dementieren. Jene ״Taktik“ vertrug sich offenbar wider־ spruchslos mit der Assimifantcnmoral. Indessen sind wir we't davon entfernt, über jene G anzle stung der Assirnilantcnprcsse moralisch zu flennen, somier: wir wollen aus ihr, als einer Tatsache, die weder zu belache:! noch zu bewe inen ist, die unabwe'slichen Schlüsse ziehen. Aushau und Klärung der inneren Parteiange’egcnhcitcii haben unser Parteiorgan zu sehr in Anspruch genommen, als dass der Kampf nach aussen hätte genügend und gebühre d berücksichtigt werden können. Das ist selbstverständlich keine verlorene Arbeit gewesen, sie ist besonders uns selber zu gute gekommen. In der theoretischen Durchdrngung der feitenden Gedanken und in der prinzipiellen Verfechtung se'ncr Tendenz steht unser Parteiblatt, wie n'cht anders zu erwarten, hoch über den gegnerischen Blättern — was beinahe kein Lob ist. In diescr’Hinsicht ist cs gewachsen, wie nur.der Zonismus Es gibt keine jüdische Zeitschrift mehr, die einen grur.dsätzlieh entgegengesetzten Standpunkt einzunehmen und zu verteidigen auch hur den Versuch machte. M:t froher Genugtuung können wir aut desen Kampf zurückbfickcn. Der ganze Weg, auf dem wir seit dem Aufkommen der zionistischen Bewegung stetig vorwärtsgeschritten, ist bedeckt m t den zeibrochenen Degen und Knüppeln uncerer Gegner, die Degen una Knüppel wahllos als Waffen benutzten. Wenn wählend diesen Arbeitsleistung in der Hitze des Gefechts böse Ware gefaben sind, sollte man daraus dem Urheber keinen Strick drehen wollen. Auch wegen der oft biss'gen und manchmal auch witzig sein sollenden Briefkästennotizen ist man nicht bcleidigt. sondern man schiebt die Schuld daran am besten auf die Berliner Luft. Denn em Kampfblatt ist weder für gemiitstiefe Weber, noch für höhere Pensionatstöchter geschrieben, sondern für vernünftige Leute. Und deshalb sollte man ihn» mit dem Gemeinplatz vom guten Ton stets von! Halse bleiben. Aber man darf die theoretische Inncuarhcit auch nicht überschätzen, zumal da vzwisehen der Kampf nach aus-tn sehr vernachlässigt worden ׳'st. Wer sind dem! diese Gegner, die wir mit vereinten Kräften auzugreifeu bähen, um sie zu überwältigen! Man weiss doch, dass die Massen des Volkes unseren Bestrebungen v eie Sympathien entgegenbringen! Wenn man einem gewöhnlichen Erdenbürger von dem böswilligen Strecli erzählt den aus dem Hinterhalte He'rr Geiger gegen uns führte, so wird er ihn unbedenklich mit den richtigem, kräftigen Worten charakterisieren, und wäre er seihst einer der immer seltener auftrctnidcu Abonnenten der Zeitung des Judentums, Was aber jeder L.scr ohne weiteics täte, wenn er den Sachverhalt eriührc. das'dürfen die Redakteure gewissenhaft unterlassen. Dass aber der brave Leser den Tatbestand nicht erfahre, auch dafür sorgen die guten Leute ebens ג No. 40 vorsichtig wie einfach: sic unterschlagen ihn. Denn in die Politik der verehrt eben Redaktion mancher luscrtinnsorgane iu Berlin und Ma uz passt cs nicht hinein, über ernsthaite Kragen eine Meinung abzugeheu. wegen der P«»!׳• »k. Dies■.־ vcrelirlichcn Redaktionen bestehen aus einigen IntcTektuellen. Advokaten und Rabbinern, die aus euer grossmiitigen Grille ihres Herzens, aus verbohrter Pr nzipienreiterei, aus gekränkter Unschuld, aus ängstlicher Besorgnis um ihren Eintragsrulm. und aus dergleichen hohen und niedrigen Motiven zur Bekämpfuiig des Zionismus sich gedrängt u:J berufen fühlen. Der unglückliche Zufall, dass d esc Leute aus Tagen längst entschwundener Herrlichkeit über Zctungsrcdast.ouen und andere Mcimmg.smaclierinstitute verfügen, darf un ■ nicht darüber Iiinwcgblenden, dass heute hinter jenen Führern des Judentums gewöhnlich nicht vcl mehr sieht, a's ihr eigener Schatten. Dass dadurch die allgemeine Volksmeinung über den Zionsmus in einem fort gewünscht und gefälscht wird, liegt auf der Hand. Wem! wir gegen diese Täuscniu’gen und Fälschungen zu Felde ziehen und ihre Urheber mit Peitschet:- hieben treffen, so gewinnt unser Blatt nicht nur an agitatorischer Kraft, sondern cs leistet auch dem jüdischen Volke einen amklärenden Dienst. Und wenn die Geschundenen dann übe־• unseren ״sozialdemokratischen" Ton jammern, so werden wir diesen Vorwurf mit einer Resiguat on ertragen, die eine:! Philosophen zieren würde'. Das fe ne Planchen jenes Toischwcigesysums, das wir an einem herrlichen Beispiel zu bewundern Gelegcnhe.t hatten, erfolgrexh zu durchkreuzen, die fälschenden Ausstreuungen zu bekämpfen, ist eine der ersten Aufgaben der zionistischen Presse. Aut diesem Gebiet harrt reichliche Arbeit unser. Angenehm :st sie rächt, und grosser Ruin!! zu gewinnen ist dabei auch nicht. Vous Icur faites, Seigneur, — En les tuant, bcnucoiip d’hoiiueur. Aber sie muss geleistet werden. Das liegt im Interesse der Partei. Tuba I. Der Zionismus und die gegenwärtige Judennot Solange eine Judennot existiert, hat der angestammte Wohltätigkcitssinn glücklicher Juden nicht geruht, den bcdrängten Stammesbrüdern zu liclteit. Die Zalii der W'oh•- tätigkeitsvereine grossen und kleinen Stiles ist Legion. Aber selbst durch die opferfreudigste Hingabe konnte nur ein w'.nz'ger Bruchteil des allzu otfcttktmd gen Elends beseitigt w erden, um so mehr, als die Ursache desselben unberücksichtigt blieb. Diese Art der Bekämpfung der Judennot gleicht den. Bemühen, den aus der Quelle ewig nachströmemlen Fluss 1!1:t Ein!er!> aussehopfeu zu woben. Etwa; rationeller ginger, d e Vereine vor, welche die armen Juden zur selbsttätigen Mitarb.it heranziehen wollten. Zu dieser Gruppe sind die auf nhilaiitroplschcr Basis begründeten KV.lcmisationsgcscUsehaitcn, die Handwerker- und Gewerbeschulen. Erziehungsanstalten etc zu ן•eי•l^iוen. Aber ihre Kräfte reichten einmal gegenüber der imgeheuren Masse der H besuchenden nicht aus und ־mdeierst ts fohlte Jen wehrhafter Gemachten unter dem!'׳rucke cmengender I.andesgesetzt das Feld zur Betätigung ihrer Kräfte. So brach die Erkenntnis durch, dass nur Selbsthilfe imstande sei, die Not zu beseitigen. Diese Selbsthilfe koimte. beim Mangel materieller M ttcl, nur iu Acndcrimg der Verhält!! sst bestehen welche die Judennot liervorgebracht batten und uriterh elttn. Es ist interessant, zu sehen, dass die grosse Masse der östlichen Juden, welche gezwungen war, der materiellen Not zu begegnen, den entgegengesetzten Weg esuschlug' wie die westlichen, welche die ge d ge und gesellschädliche Zurücksetzung beledigen wollten. Wenn die Bedingungen ihres Landes die Juden drückten, so mussten s'c erstere ändern oder sich fügen — abgesehen von der später

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