Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ho. 40 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 507 לילה p Sohn der Nacht sein, der eben erst zum schattengebcnclen Baurr.e emporwächst, und schon ver* welkt und verdorrt. Der Wurm, der ihn zu Tode stech71׳ könnte, ist die Uneinigkeit und das Misstrauen. Wir müssen einander vertrauen, wie wir der Leitung Vertrauen entgegenbrbgen müssen. Der Vcrsöhnungs^c ist zur rechten Zeit an unseter Tür erschienen, wir bedürfen seiner als des ernsten Mahners, und wir wellen seinen Mahnungen nicht unser Ohr verschliessin. Zur Einigkeit ruft er uns auf, zur Aufrichtigkeit gegen uns selbst und zur Versöhnung und Versöhnlichkeit. Mit dem Himugweisen der falsch•:n (klübde und törichten [Jannformein gegen einander be• ginnt er. Und. nach weihevoller Nei'lahstininuing tönt er aus in das Bekennet: der Einigkeit und endlich in den Ruf, der nicht immer bloss ein frommer Wunsch bleiben möge: לשנה הנאד. בדדבלם H c i n r i c 11 Locwe. Mitteilung Bei seinem mehnlgigen Aufenthalt in W i c n zwecks Ucbcrnalmic der Bureaus hielt der Präsident des A.-K., Herr Wolffsohn, mehrere Sitzungen mit den Herren aus dem ehemaligen A.-K. zur Abwicklung der Geschäfte ab. Die nächste Sitzung des Engeren A.-K. wird der Feiertage wegen erst E ide Oktober in Köln stattfinden. Ein Bureau für die Leit u n g ist in Köln bereits eingerichtet, wohin auch alle Korrespondenzen zu richten sind, und zwar an die Adresse des Herrn Präsidenten des A.-K., D. Wolffsohn, Karolingerring. Ccfdserdungcn für zionistische Zwecke cind dagegen an die Jüdische Kolonialbank, respektive deren Zahlstellen zu richten. Ein Bureau für Administration wird in Bert in geschaffen werden, zu welchem Zwecke sich Herr ./olffsohn hierherbegab. Der Nationalfond ,wird in den bis• hcrigen Bureaus unter Leitung des Herrn Direktor Kremenezky bleiben. Bezüglich der WELT, .die verlegt werden soll, wird in der nächsten Sitzung des A.-K. definitiv über den Zeitpunkt der Verlegung und den Ort des zukünftigen Erscheinens beschlossen werden. Zur Pressfrage Was die Glocke hat geschlagen, Sollst du deinem Volke sagen, Rede Dolche, rede Schwerter! «Heine ) I. Nachdem 27 Gesinnungsgenossen, Delegierte oder Vorsitzende zionistischer Vereine, eine Protesterklärung gegen die Leitung des Organs der Zionistischen Vere nigung erlassen l aben, kann man offen v• n einer Pressfrage sprehen. D e Resolution wurde herautbeseworen dank der Parteinahme der JÜDISCHEN RUNDSCHAU in der Territoriumsfragc. Fs hat jedem Leser auffallen müsset dass nur die eine Partei zu Worte kam, sodass man den Eindruck gewinnen konnte, die deutschen Zionisten würden sich in ihrer Gesamtheit zu Herrn Ussischkins Programm bekennen, was entschieden ein falscher Eindruck war. Ein selbstverständliches Recht, das zu bestreiten kindisch wäre, gibt der. Redaktion die Mügl chkc t, bei jedem Probien! ihre eigene Meinung fest und energisch zu vertreten. Es wäre wirklich eine ״unwürdige Zumutung“, eine andere Meinung als die eigene zu verfechten (wiewohl cs hi Berlin Redakteure V gibt, die oft nicht ihrer Meinung sind). Was hat aber zu geschehcn, wenn die Meinung der Redaktion in Widerspruch gerät mit der anderer Gesinnungsgenossen? Unzwc felhaft haben aiuM! sie ein Recht, ihre Ansicht darzulegen, und einen Anspruch, gehört zu werden. Nun aber hat die Redaktion das diskrete und dehnbare Vorrecht, literarisch :• mderwertge Artikel abzulehncn, und cs hängt von ihrem be eil Ermessen ab, über d e schriftstellerische Qualifikation eines Aufsatzes in positivem und negatis'cn Sinne zu entscheiden. Da ihr dadurc!» ein fadenscheiniges Mitte! an die Hand gegeben ist, missliebige Ansichten zu unterdrücken, so wird vielfach die Forderung gestellt man solle die Beurteilung aller c'nlaufcnd״!! Zcitungsarlikcl der Redaktion überhaupt cntziche.11 und jene dem Pressausschuss überweisen. Dadurch jedoch ist das Dilemma nicht fcoseit gt, sondern an eine weitere Instanz abgeschoben, D e Sache wird natürlich nur komplizierter. Ist der Prtssausscimsj» dazu befugt, über schriftstellerischer. Voll- oder Mnderwert einer Arbeit zu urteilen? Ferner, wird nicht auch auf de;! Pessausschuss das Odium ungerechter Zurückweisung falle , wenn uie Majorität auf der Gegenpartei steht, und er wegtn literarischer Unfähigkeit der Arbeit ihr die Aufnahme weigerte? Man sieht, das wäre ein genau so unhaltbarer Zustana. Es muss eben dem Seibstertsclieidungsreclit der Redaktion ein Spielraum gelassen werden, der nicht gerade mt dem Zirkel abgegrenzt werden kann. Darauf wird ein selbständiger Rcdaktcur auch nicht verzichten. Schwerwiegender noch als die genannten Bedenken ist die eine Frag:, ob ein fähige! Jourralist eine solche Bevortin undur.g sich würde gcbllcu lasse:!, de seine Tätigkeit aui eine mechanische Registrierarbeit bcschränkte. Wie, wenn der Pressausschuss e'nem Aufsatz sein «Imprimatur erteilte, der Redakteur aber es vor seinen! literarischeu Gewissen nicht verantworten könnte, ihn in den DrutK zu geben? Damit wären wir nun so klug als wie zuvor. Eime geometrische Abzirkclung der redaktionellen Befugnisse ist ebenso unmöglich wie ,unnütz. Die Redaktion eines Parte.bialtes ist c'n Vertrauensamt, das auf der Voraussetzung gtgenscit ger Treuherzigkeit beruht. Wenn die Schwüle der Kongress• temperatur dieses Vertrauen gelockert hat, so möge die kühle!e Jahreszeit es wieder fest'gen. Bloss eine Bemerkung sei noch gestattet. Nur ein Zionist wird in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU, d e offiz'elles Organ der Zionistischen Vereinigung füi Deutschland ist, Artikel veröffentlichen wollen, nur ein Jude, der aui nationalem Boden steht. Wer seinem jüdisch-nationalen noch ein religiös-orthodoxes Bekenntnis zugeseilt, hat in unserem gesegneten Deutschland sogar ein besonderes Misrachi-Blatt zur Verfügung. Es ist demnach nicht wahrscheinlich, dass in der RUNDSCHAU sich gewaltige WeUanschauungsgcgensützc äussern werden, die vom zionistischen Standpunkte mit Feuer und Schwert zu bekämpfen sind. Int allgemeinen werden bloss taktische, wissenschaftliche Meiiiutigsverschedenheiten zur Diskuss'on stehen. Nun weiss man. dass die grssc Masse der Leser sich unter der ״Redaktion*‘ ein mystisches Wesen vorstellt, den! de himmlische Gabe der Unfehlbarkeit innewohnt. Wenn ״die Red." :n einer Vorbemerkung oder Nachschrift einem Artikel eine schlechte Note gibt oder nur das Placet verweigert, so wird zwar eine Anzahl Leser jetzt gerade interessiert werden, für die grosse Masse aber ist der Verfasser gerichtet: der redet Unsinn. Auf diese Weise liegt es in der Hand der Redaktion, die Wirkung eines missliebigen Art kels beinahe illusorisch zu machen. Wenn unter einem Aufsatz nicht der Name oder das SchriftsteUerzeteucu e'mes Redaktionsmitgliedcs steht, so braucht die Redaktion die darin ausgesprochenen Ueberzeugungcn keineswegs zu verantworten, aber auch keineswegs zu desavouieren. Da ihr ricmand die Verantwortung dafür ambürden vv'rd, kann sie auch auf die levis notä verzichten, db den etwa licrvorgerufcuct! Eindruck einer ihr eutgegcngestcUtcu Ansicht sofort aufhebt. Ihre eigen / יי*" m v*״״ *wum—h,■ ■1 v״-׳* "'S״ י״?יי^י^י»״יין 1% «*??״״׳ h"wrnm''fm *