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Jüdische Rundschau · 1905-09-29 · Heft 39 (29.9.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 500 JÜDISCHE RINDSCHAU No. 59 ׳. den Thron behaupteten. Das Misstrauen des!etzägen Sultans.! das geradezu pathologische Formen angenommen hat. ist auch ' noch durch einen Sonderumstand zu erklären. Ausser zum Selamlik geht der Herrscher der Gläubigen so gut wie rie aus. Er zieht nicht in di; Kriege, er begleitet seine-Truppen weder nach Thessalien noch nach Jemen, er macht kenc lnspektiorsreiseu in die Provinzen. Solch aufiallcndcr Mangel an Bewegung muss zuletzt krankhafte Dispositionen erzeuge*. Er ist wohl auch schuld an der übermässigen, ungesunden Zentralisation des Reiches: Abdul Hamid will eben all־:s selbst besorgen oder will. dass wenigstens im Jildis-Kjöschk. dass *rj seiner Nähe, durch seine unmittelbare Umgebung, alle, auch u.e geringsten Kleiniektiten crled.et wc-der. . Die Zukunft der Türkei ist bedeutend hoffnungsvoller, als vor einem Mcnsehena'ter angenommen wurde. Sie strahlt in hcllerctn Lichte, als man selbst noch vor zwei Jahren glaube״ durite. Die Wolken, die von Ost.«11 her dräuten, haben sich verzögern Die Fiicrsucht der Mächte hat das iibtige getan. Während der ersten Hä!f\• von der Regierung Abdul HamiJs hat die Türke: so manche Provinzen c ngclnisst: Siidbulg «riei*. CvDern. Thessalien. Agvp tn und Küstenstriche והב Roten jtid Persischen Meer: aber jetzt ist vor einer Aufteilung die ״iiirkei vorläufig sicher. Auch haben die inneren Wirren d.*r letzten zwei Jahrzehnte «Mir wenig zu schaden vermocht. Wcd.r; durch Armcnierputsclic noch durch Mazcdoni.rimruhcn noch durch albanesische Revolten ward sie erschüttert. Sowohl mit dem Schah als auch mit dem Sc’.ieri.'en von Marokko ist sie ausgesöh!!{. l)!e (lefalir naht ihr von einer Seite, von d.r j sie am wenigsten vermutet wurde: von Arabien, und zwar in doppelter Gestalt. Der Nationalismus hat in der Semiten- | weit sein Haupt erhöhe!. Er will in Arabien. Serien und Mesopotamien ein unabhängig.s Reich aiifrieliteu. Er will einen Vertreter der edelsten Rasse und de.• vornehmsten * Sprache zum Obhcrrn aller Gläubigen erheb.n an Stelle des j nordischeil Eroberers, der kein rechte: Imam ist. der nicht; vorn Samen Mohammeds, der als Verrcter;hier Barbarenj horde zu gelten hat. Diese arab.sche Bewegung., die gerade ׳ in jüngster Zeit deutlicher sich entfaltet hat. ist die Ursache j der fortwährender Kämpfe in Jemen und Hadramaut. jener ' *׳neuen Wunde im Körper d.s türkischen Reiches. Und cs! sieht aus. als ob sich England der Bewegung bemächtigen ' wolle. England strebt nach dem Besitz von Mekka, um so I -den Hort des Islams in die Hand zu bekommen, um Deutschland zu verdrängen und die von ihm erstrebte Schtitzerrclle selbst zu übernehmen. Allein auch gegen diese ätisserste Gefahr, d . seiner geistlichen und weltlichen Autorität droht, hat Abdul ' Hamid schon eine Gegenmine bereit: die Mckkabahn. So d.tnt. was die l.ebcnsirteressen der Türkei fördert, Iijer ziigjoich •der Erschliessung Asiens, dient dem Fortschritt der Welt. An die jüdischen Abiturienten Seit einigen Semestern treten wir an die jungen zionistisehen Kommilitonen mit einem herzlichen Willkommen und Begrüssungsrut heran. Es freut uns jedesmal, wenn unsere Zahl wächst, wenn eine weitere Altersstufe zutn freien akademischen Bürger herargercift ist. Denn erst als solcher kan י der junge Zionist seine Kraft in den Dienst unserer Sache stellen. Man erwartet viel von uns. Komm iitonen! Denkt daran, dass Herzl uns Studenten seine Garde nannte! Dies Wort des toten Führers muss uns ein teures Vermächtnis sein. Es mahnt uns. stets in den ersten Reihen der zionistischen Kämpfer unseren Manu zu stellen. Drum auf an die Front! Es gilt mit frischem Alpt gegen die traurige Ignoranz und den Indiiierentismus in der heutigen Judcnheit. zumal im akademischen Lager, zu Felde zu ziehen. Es gilt aber auch ln unseren eigenen Reihen einen frischen, doch friedfertige׳ Kampi auszufechten: den Kampf der Meinungen, den wir — mit unserem hochverehrten Präsidenten -- als ein erfreuliches Zeichen unerschiitterl eher Lebenskraft aufrichtig begriissen. An beiden Aufgaben müssen wir Studenten nach unseren Kräften innigsten Anteil nehmen. Haben doch gerade wir das Glück, mehr dam alle anderen unserem hohen Zionsideale 1ms hingeben zu können. Und halten wir uns vor Augen, dass eilst auch von uns die Geschichte Rechenschaft darüber ver> langen wird, ob wir in dieser historischen Werdezeit unseres Volkes m diesem Dienste unsere Pilicht getan h1־b*־n! Schliesst Euch uns an, Kommilitonen! Nur die Bausteine, die sich fest und in vorgezeichneter Ordnung aneinanderlcgen werden zur sturmsichcren Festung. Wir müssen uns bestreben, auch an praktischer Organisation und straffer Disziplin allen anderen ein vorbildliches, Be:spicl zu liefern. Lasst nicht lange auf Euch warten! Wir müssen schon letzt wissen, welchen Zuzug wir zu erwarten haben, damit wir schon ',am Anfang des Semesters •die Arbeit aufnehmen können. Wir dürfen unsere Zeit nicht auf langes .Kelen*־ verwenden. Aber auch Ihr. die Ihr nicht als Aktive ln unsere Reihen treten könnt, beteiligt Euch als Verkelirsciiste an unseren öffentlichen und internen Institutionen. — ü l unserer Statuten lautet: ..Die fre'׳e Verbindung Hismonae.1 bezweckt, die Idee des Zionismus zu fördern, ihre Mitglieder mit de: jiid sehen Geschichte und Literatur beka-vt zu machen, und neben der Pflege der Geselligkeit für de körperliche Ausbildung der Bundesbriidcr Sorge zu tragen.*• Nicht die Absorderung von anderen ist das Ziel unserer Korporation, so״- deru eine Arbcitszeiitrale für alle zürn st sehen« StuJenten mbi'litc sie sein. An Euch alle, die Ihr das kommende Wintersemester di, Universität besucht, richten wir die Bitte um Angabe Eure: Adressen, darn't wir mit Euch in Fühlung treten können. Die Ferlepk01nmlss.cn der freien Verb ndung Ha. meraea. L A.: stud. ur. Conrad Kaiser. Berlin. Brunnenstrasse 1Q_\ cand. rned. Felix T 11 e i I h a b e r. M ii 11 c 11 e n . Pcttenkofcr- Strasse 23. cand. med. Willi Unna. Altona. Grosse Bergstrasse M7. An die jüdische Jugend Freudigen Herzens las ich in der No. 37 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU die Notiz von der Gründung des ..Herzl-Clubs" für die Stettiner z »»nistische Jugend und die daran geschlossene Aufforderung zur Nachahmung dieses Beispiels. Machte doch diese Aufforderung Verwandtes i:t mir erklingen. Hatte ich mich bisher nur mit der Absicht getragen, so reifte jetzt der Fntschluss in mir. mich mit folgenden; an die zionistische Juguid zu wenden: Die Hoffnung eines jede!׳ Volkes ist seine Jugend, ln ihr sieht es die Trägerin seiner Traditionen. Sie ist cs. die einst, die Alten ablösend, den Kampf für die Ideale jener, für das. was jene Mir gut und wahr erkannt, auf: ehmen und fortsetz.«1 sollen. Darum wird ein grosser Dienst geleistet den Jdenlen. denen man zustrebt, dem Wahren. Guten und Schönen, das man erkannt, wenn mau die Jugend dafür zu begeistern sucht, und sic so auf de dcrcinstige Aufgabe aufmerksam macht und vorbereitet. Und wo fände man ein willigeres Ohr als bei der Jug.״׳d. mit ihrem empfänglichen Herzen ihr Ideale und alles Gute. Schöne und Wahre. Darum. Zionisten, ist cs Eure Pflicht, die Jugend der ImJif- «creuz zu entreissen und in ihr weiches Herz den Keim zu legen, der im Manne zu tatenbriugender Saat reifen wird. Und Ihr Jünglinge, die Ihr nicht mehr indifferent seid, deren jüdisches Herz feurig schlägt für Euer Volk, für Zion, für Jerusalem, helft mir bei meinem Plane! Denn Ewigkeit macht stark. In Berlin ■fehlt ,noch eine Stätte, wo die zionistische Jugend, junge Kaufleute. Gymnasiasten. Realschüler. Präparanden usw.. die noch zu jung sind, um der zionistischen Ortsgruppe beizutreten — aber nein mehr zu jung, um jüdisch denken, jüdisch t'iihler־ zu können. — Zusammenkommen, um durch gegenseitige Anr,Kling das gemeinsame Ideal zu erhalteif. zu fördern und zu verinnerlichen. In Wien bestellen mehrere solche Vereinigungen, wie z. B. die der Mitte’schiüer. In Deutschland ist uns Stettin mit gutem ßcisp^l vorangeeaiigcn. tun wir es ihm nach. Erhard Sin a s 0 h n. BerlinN. 37. Metzerstr. 32 I. Junge Leute von 16 Jahren, die dem oben angeregten Gedanken näher kommen wollen, werden gebeten, sich an die obige Adresse zu wenden. Aufruf! In der Nacht vom 11. zum 12. September ist unsere russischc Nachbarstadt Polangcu von einer fürchterlichen Feuersbrunst ha'mgcsucht worden, durch welche 57 Häuser zerstört worden sind. Zahlreiche Familien — meist j ü d isehe — sind unglücklich geworden und haben ihre ganze Habe verloren. Hungernd und obdachlos sehen sie dem nahenden Winter im Jammer und Elend entgegen. Schnelle und ausgiebige HU?e ist sofort erforderlich, um die allergrösste Not zu lindern. Die Unterzeichneten richten an alle Edcldenkenden die herzlichste und dringende Bitte, das Hilfswerk durch eigene I

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