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Jüdische Rundschau · 1905-09-29 · Heft 39 (29.9.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 495 No. 39 Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1/ Wir bitten die Ortsgruppen, welche auf unser Zirkular. bezüglich Vorbereitung von Agitationsvortrfigen, noch nicht geantwortet haben, dies unverzüglich zu tun. Die Feststellung einer Rednerliste ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine geeignete Agitation. 2. Wir bitten alle Parteigenossen, auch in diesem Jahre die Neujahrsgratulationen durch Spenden an den Naf'cnahWds abzulösen. Die Spenden werden, wie üblieh, unter einer besonderen Rubrik ausgewiesen werden. Alle Spenden bitten wir, bei kleineren Beträgen in Brief■ marken, au Hei rn Max W o 11 s t e i n e r, Berlin NW. 23, Holsteiner Ufer 10, zu senden. The Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) ־Limited Die für den 31. August a. c. nach London cinherufenc zweite ausserordentliche Generalversammlung, die den Be- Schluss der Baseler Versammlung betr. Änderung der Statuten wiederholen musste, wurde vertagt, womit gesagt ist, dass auch die erste Generalversammlung noch׳ einmal wiederholt werden muss. — Aus dem nun veröffentlichten Protokoll ist zu ersehen, dass es nur einer unglückseligen V e r - kettung der Umstände zuzuschreiben ist, dass die Vertagung eriolgte. Der Aufsichtsrat in Basel hatte nämlich drei Herren bevollmächtigt (und nicht einem, wie es in einer Meldung hicss), db Fonder Shares in London zu vertreten. Von den Bevollmächtigten konnte Herr Dr. Kokcsch wegen schwerer Erkr «tkuug nicht fahren; Herr Dr. Alexander M a r m o r e k wurde im letzten Moment am Kommen verhindert und war übrigens ruhig im Bewusstsein, Herrn Ingenieur T e m k i n auf der Fahrt zu wissen. Letzterer musste aber in Calais vom Dampfer getragen werden, weil er plötzlich erkrankte. Auf diese Weise waren die Fonder Shares in London nicht vertreten und nun stimmten die Gegner der Änderung für Vertagung, weil das Aufhebung hiess, und im selben Sinne stimmten die Freunde der Änderung, weil sie!iüichtetui, ohne die Fonder Shares nicht die Majorität zu haben. Auf diese W eise hob die Versammlung, die reine Formsache war, ungc- »unterweise die Baseler Beschlüsse auf. Das Direktorium wird den geschäftsordnungsmüssigai Weg einschlagcn, um die Änderungen durchzuführen. * Herr Präsident W׳ o 1 f f s 0 h n, der in die Leitung des AufsielHsrates berufen wurde, ist aus dem Direktorium der Bank geschieden. Letzterem gehören jetzt au: Dr. N. Katzcnclsohn-Libau (Präsident). I. Kann-Haag (\ izeprüsident), Samuel B a r h a s c h ־ Odessa. Hugo Uryson - Moskau, Josef Cnwcn• London (früher Governor). Die ״politischen“ Zionisten und unsere Arbeit Der VII. Kongress, der den Zionismus in seinen Grundiesten erschüttert hatte, hoiiten wir, würde uns den Frieden in das Haus bringen. Die Krisis war überwunden, das Basler Programm war auf’s neue als das starke Fundament unserer Bewegung bestätigt worden. Wer das Ziel des Zionismus nicht lediglich in der Erringung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina sah, der konnte und ־durfte in tiuscrn Reihen keinen Platz mehr haben, Zionismus ohne Zion wurde unmögbeh. Nun aber die schweren prinzipiellen Differenzen endgültig erledigt waren, musste der Weg frei sein für tatkräftige, zielbewusste Arbeit. Eine schw׳crc, traurige Täuschung! In unfruchtbaren Diskussioticn wird darüber gestritten, wer die grössere Schuld an gewissen unangenehmen Vorgängen auf dem Kongress gehabt habe. Man regt sch über die russischen Wahlen auf, obwohl doch offiziell iestgestcllt Ist, dass tx*.a fide von beiden Seiten gefehlt wurde. (Die paar Falle, wo wirklich mala fides vorlag, kommen doch wohl bei 712 Delegierten nicht in Betracht. Auch in dieser Beziehung ist übrigens wie In den meisten andern auf beiden Seiten gesündigt worden.) Das Resultat des Kongresses steht doch einmal fest; da wäre cs wohl an der Zeit, endlich einmal die Leichenreden zir lassen und an die Arbeit zu gehen, denn die tut bitter not. Nun, diese Nachwehen der Erregung des Kongresses sind zu überwinden, in ihnen liegt auch nicht die eigentliche Gefahr — nein, neue innere Kämpfe, neue Zersplitterung ist zu bdiürchten. Der Dämon der Uneinigkeit, den wir zerschmettert zu haben glaubten, er erhebt sch aufs neue. Da wir alle einig waren, nur ein Ziel erstreben zu dürfen, so konnte nur noch eine Differenz über die W'ahl der Mittel zur Erreichung unseres Zieles obwalten. Eins aber müssen wir von allen diesen verschiedenen Mitteln verlangen, dass sie die öncntliol.-rechtlicl. gesicherte Heimstätte in Palästina überhaupt ermöglichen. Das Mittel, das die ״politischen” Zionisten hauptsächlich in Aussicht nehmen, erfüllt diese Erfordernisse nicht. Diese Soiulcrfraktion, die offiziell Front macht gegen die Bö- Schlüsse des Kongresses, macht s:c!1 dadurch einer sehr schwcren Disziplinlosigkeit gegen die höchste Institution des Zionis- mus schuldig und gefährdet die Einheit unserer Bewegung in recht bedenklicher Weise. (Dieses Vorgehen wird dadurch nicht gerechtfertigt, dass von anderer Seite schon früher ein ähnlicher Verstoss begangen war.) Eine ״ •י•isserhalb Palästinas und seiner Nebenländer wird uns unser Ziel, wenn nicht überhaupt unmöglich machen, so e5T uns doch nie in seinem ganzen Umfange erreichen lassen. Dieses Mittel ist nichts anderes als eine, wenn auch unbewusste, Abart des Territorialismus, den der Kongress •für immer aus dem Zionismus Verbannt hat. Vergegenwärtigen wir uns doch einmal die mutmassliche Entwicklung für den recht unwahrscheinlichen Fall, dass wir ein halbwegs annehmbares Land erhalten. Auch die notwendigeti Kapitalien sollen uns zur Verfügung gestellt sein. Wir gehen also jetzt an die praktische Arbctt. Ja, wird es dann noch in unserer Macht liegen, nur eine bestimmte Menge Menschen ins Land zu bringen und dann Halt zu rufen? Das wäre doch ganz unmöglich. Unsern unglücklichen Brüdern kommt cs bei aller Sehnsucht nach Zion mindestens eben so sehr auf die Rettung aus der schweren materiellen Not an. Wenn s'e nun zwischen d*m ״in nebelhafter Ferne liegenden Zion” und dem realer, gegenwärtigen ״Irgendwo-Land” zu wählen haben, wenn sich ihnen die Aussicht auf eine sofortige Umgestaltung ihrer unerträglichen wirtschaftlichen und sozialen Lage bietet, so ist es doch wohl sonnenklar, dass sic in Massen in das neue Territorium strömen werden. Sie werden in diesem ״Irger.dwo-Land” infolge der öffentlich-rechtlichen Garantic auch wirklich sesshaft werden. ״Gut, werden die Herren ,.politischen" Zionisten jetzt sagen, da haben wir ja das ersehnte Nachtasyl für Juda, oder einen grossen Teil unseres Volkes. Ja, wer sagt denn, dass es bloss ein Nachtasyl bleibt? Dks Nachtasyl wird nicht mehr und nicht W'eniger werden als ein Judenstaat, wenn auch kein Idealer, Im ״Irgendwo- Land". Diese Abwanderung der Juden nach dem ״Irgendwo- Land" wäre mit der Abwanderung der Ostjuäen nach Amerika usw. durchaus nicht zu vergleichen. Die hcut:gc Wanderung lässt unsere Brüder doch immer halbe oder ganze Fremdlinge A

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