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Jüdische Rundschau · 1905-09-29 · Heft 39 (29.9.1905) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 494 J Ü DISCHERU א l)SC H AU 39 hing ist der beste Beweis dafür, dass unser Judenstamm, vor allem der so oft geschmähte und viel yerachtete Kleinbürgerstand voll von jüdischer Volkskraft steckt und dass wir keine Veranlassung haben, in unserin Vormarsch eine Verlangsamung eintretcn zu lassen. Heute wie alle Tage ist unsere Losung: Vorwärts! " Freilichbefindet sich der Zionismus gerade in Deutschland in einer schwierigeren Lage, als jemals bisher, eine Lage, die schlimmer ist, als es selbst in den Tagen der seligen ״zweiten Ortsgruppe“ war. Der Zwiespalt ist in unsere Reihen cingekehrt. Fraktionen entstehen und, was noch schlimmer ist, ״Führe r.“ Es wird zum Kampfe gegeneinander auigerufen, und die Gegner des Zionismus giessen eifrig Oel in das Feuer. Da gilt es, sich zum Zionismus zu bekennen, dessen markanteste Eigenschaft es sein und bleiben muss, dass er d i e Einheitspartei im Judentum sein muss. Jeder, der diese Einigkeit antastet, legt die Axt an die Wurzel des Judentums. Diese Einigkeit muss erhalten bleiben. Schon jubehen die Gegner und Feinde unseres Volktmns drinnen und draussen. dass die durch den Zionismus geschaffene Einmütigkeit gebrochen und damit die Organisation ln Wahrheit schon zerstört ist. Da gilt es. sie Lügen zu strafen durch einmütige Arbeit nach aussen. Da hat sich ein Mann in Basel ein hohes Verdienst erworben, das zu verschweigen, ungerecht wäre. Als er zur unterlieg .־!!den Minorität gehörte, da ist er nicht in den bequemen Schmollwinkel gekrochen, sondern hat uns erklärt, .lass er unter voller Wahrung seiner andern Meinung übet die diplomatische Taktik 'der Partei «erkläre und auch im Namen vieler Freunde erklären zu dürfen glaube, dass die Aussenarbeit für Zion und Zionismus von seiner Seite keinen Augenblick ruhen werde. Er werde sich mit seinen Freunden an der intensiven und extensiven Ausbreitung und Ausweitung des Zionismus wie bisher beteiligen, so schmerzlich gerade ihn die Kongressbeschlüsse berührten. Wenn auch an und für sich diese Stellungnähme eine selbstverständliche ist, so muss sie gleichwohl hoch anerkannt werden; denn was logisch richtig und leicht ist, ist psychosogisch das keineswegs. Der wackere Mann, dessen Name allen bekannt ist, die mit uns in Pasel waren, erklärte damit nicht weniger, als dass ihm. die Parteieinheit höher stünde als die Sonderanschauung innerhalb des Parteirahmens. Er verstand es. dass wir vor dem Feinde stellen, und dass jeder, der die Parole ausgeben würde: ״Gewehr bei F u ss!“ erwarten muss, wie ein Soldat behandelt zu werden, der in offener Schlacht die Waffe, niederlcgt, weil ihm der neue Generalstab nicht gefällt. Der gemeine Soldat, der das täte, würde sich dadurch der schwersten Strafe schuldig machen, und um wie viel mehr der Offizier. Der gemeine Soldat ist verpflichtet, dem unmittelbaren Vorgesetzten den Gehörsam zu verweigern, wenn er ihn in der Feldschlacht zum müssigen Zuschauer machen w ollte. Aber die Gefahr iiir den Zionismus ist heute grösser als jemals zuvor. Denn cs ist eine neue Bewegung auf den Plan getreten, die ja in anderer Weise schon früher in Hilfsvereinen und Allianzen vorhanden war. die aber jetzt durch den Zuzug von Zionisten sich zu einer politischen Bewegung auswaehsen möchte. Ohne eine Siellung zti dieser Bewegung hier zu nehmen, müssen wir uns doch darüber klar sein, dass ein Mitbewerber um die Anhängerschaft auf dem!,laue erschienen ist, auch wenn sie, wie ins versichert wird, dem Zionismus parallel laufe. Aber wenn zwei grade Linien von einem Punkte ausgehen und sich nicht decken, so sind sie niemals parallel, sondern divergierend und treffe!» sich in Ewigkeit nicht, es sei, denn dass eine von ihnen gebrochen würde. Unsere Sorge muss es sein, dass der Zionismus ungebrochen bleibt. Zu diesem Zwecke wird cs .notwendig sein, bald einen deutschen Delegierten tag einzuben.fen, damit alle Misshelligkeiten und Differenzen aus dem Wege geräumt werden. Es ist in diesem Sinne erfreulich, dass bereits in Basel Dr. Bodenheimer sich bereit erklärt hat, einen solchen Delegiertentag schleunigst einzuberufen. Er, der selber auf dem Kongresse eine solche ultrapu• lästinische Rede gehalten hat, dass sic aus ausscnpolitisehen Gründen besser nicht in! Protokoll in voller Ausfuhrlichkcit zum Abdruck kommt, versprach sich gleichwohl von diesem Delcgicrtcnta״e die Schaffung einer grossen Mittelpartei, die unter Gutheissung der Kongressbcselilüsse und unter Verwerfung a'usserpalästinischer Länder als von zionistischer Seite in Angriff zu nehmender Kolonisationsgebiete den politischen Charaktcr der Bewegung rejn erhalten wolle. Es ist also Hoffnung vorhanden, dass bald dieses Forum zusammentritt, um die Streitpunkte zu schlichten tmd eine gemein* same Operaticusbasis für die Arbeit nach aussen zu schaffen. Denn das ist uns allen klar: ״Gewehr bei Fu:s!־* würde an Verrat grenzen. Und deshalb wird kein ein* ziger Parteigenosse, welcher Richtung auch immer, diese verderbliche Parole ausgeben. Es gilt den Kampf nach aussen w ieder aufzunehmeu in einer tlotttruhliclicn Agitation. Die Waffen zur H and, aber nicht gegeneinander, sondern gegen den Feind, der die Axt an die Wurzel des Judentums legt. Darum begriissen wir die Einberufung des Deleglertcntagcs. der die gemeinsame Basis schaffen wird, auf Grund deren verschiedene Mcinnngen neben einander ihre Einigung finden im Kampfe nach aussen. DasRöscli-haseh-Schanfthfest, das weniger als andere jüdische Feiertage einen ausgesprochen nationalen Cha* raktcr hat. aber, wenn das möglich ist. noch zionistischer ist, als selbst die jüdischen Nationalfeiertage, lenkt unser» Blick auf die Zeit, die wir zusammen durclimcssctt haben. Es zeigt uns manches Erfreuliche und manches* Tief traurige, cs stimmt uns zu Wehmut und zu froher Hoffnung. Es יחahnt uns an unsere eigene Gebrechlichkeit mul an die Unvcrgängliclikeit unseres Volkes. Es mahnt uns an titiscrn grossen Toten un'd an seine, unverwüstliche Hoffniing, dereinst auf freiem Grund•* in Palästina seine Leiche ruhen zu wissen, inmitten eines grossem ku’turellen tmd glückhaften Jüdischen Volkes. Der Anfang des Jahrcs,״der uns zuruckblicken lässt, zeigt uns das neue Jahr als ein verschleiertes Bild, dessen Schleier wir nicht zu lüften vermögen. Aber wünschen dürfen wir diesem Schleier gegenüber, wünschen in althergebrachter :üdi* scher Weise: ״ לוזיים טובים תבתבZum Leben, zum gutem Leben mögest Du eingeschrieben werden.“ Jedem unserer Angehörigen und Freunde, imsorn Lesern un'd Parteigenossen w ünschen wir von He zen eine כתיבת ט־ב״, Und w ie alle Wünsche und Gebete, die ittis von unser!» Altvordern überkommen sind, sich nicht so sehr auf den einzelnen, wie auf dasganze Jiid'sJic Volk beziehen, so wünschen w ir von Herzen dem ganzen Jüdischen Volke בתיבה והתימה טובה! Heinrich Loew0. ז t ו

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