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Jüdische Rundschau · 1905-09-29 · Heft 39 (29.9.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wir erwarten von ihm alles Gute und wünschen, dass in ihm Israel erlöst v.crde. Indessen wissen wir sehr wohl, dass wir erst am Anfänge unerer eigenen Arbeit iiir unser Volk stellen, dass wir noch unendlich viel Mühen auf uns nehmen müssen, ehe wir oder unsere späten Enkel an das Ziel gelangen. Nicht einmal die erste Vorbedingung für eine erfolgreiche politische Arbeit, die Einigkeit und Einnaitigkeit zu diesem Ziele haben wir bisher erreicht. Nicht einmal die Unterordnung des Willens der unteren Instanz unter die obere haben wir uns selbst bisher abgerungen. Und doch sind w ir frohen Mutes. Denn wenn wir uns der Zeit erinnern, wo wir noch ganz allein mit dem zionistischen Gedanken und der zionistischen Arbeit standen, so müssen wir gestehen, dass ^trotzdem die Richtung eine solche,gew orden ist, dass die Bew egung, die so lange aus dem Judcntumc hinaus von Zion weg führte, trotz aller offenen und versteckten Feindschaft sich schon zum Judcntumc und nach Palästina hin gewendet hat. Es wäre verkehrt, sich durch einen judentumsfcindlichen L;'im1 hierin täuschen zu lassen. Das alte Jahr geht zu Ende, clas uns trotz allem cm gutes Stück Weges weiter gebracht hat in der Richtung zur Einigkeit, die nicht dadurch mehr auf die Datier zerstört werden wird, dass man von zionsfeindlichcr Seite St•.ine in den Weg baut, uni ihn ungangbar erscheinen 7.n lassen. Trotz aller Mühen der offenen und versteckten Feinde des Zionismus werden w ir auf der ganzen Linie uns nicht vortäusclicn lassen, dass der Weg nach Zu ח ein gangbarer ist. zu dessen Beschreiten w ir übernatürlicher Ereignisse zu harren haben. Darum eben ist der Zionismus der Fortschritt im Sinne konservativen Judentums, wofür das klassische Wort der Manu ge- schaffen hat, dessen Altneulaud nicht ein Irgendwo-Laud, sondern nur Palästina ist. Wenn wir mit solchen Gedanken in das Neue Jahr eintreten, so werden wir dabei sogleich von unserm •Mtresiestc im gleichen Sinne begriisst. von jenem R'Veh-haseh-schatmh, das uns die Stimme aus Ramuh '■ernehmen lässt. Rubels bitterliches Weinen um ihre Kinder, jenes selbe Röscli-hasdi-sclianjili, das uns gleich- "0111 nicht ohne den Trost von dannen ziehen lässt, ״dass fcrad hingeht zu seiner Ruhe, ein Volk, das nur eben dem Schwerte entronnen ist“. ״Aus der Ferne ist mir i # 1 | der Ewige erschienen. Ja. mit ewiger Liebe liebe ich j dich, darum ziehe ich dich mir nach in liebevoller j Neigung. Wieder werde ich dich bauen, dass 111. gc5 aut bleibest, Jungfrau Israeli wiederum sollst du Weinberge pflanzen auf den Bergen von Samaria; wa, die Bauern gepflanzt, das sollen sie ernten. Der Tag ist da. --- rufen die W ächter uuf dem Berge Efrajim — auf, lasset uns nach Zion ziehen, zu dem Ewigen, unserm Gotte. — Hilf, Ewiger, deinem Volke, dem Uebcrreste von Israel! ־ Siehe ich bringe sie heim aus dem Lande des Nordens, sammle sie ein von den Enden der Erde. Blinde und Lahme, Schwangere und Gebärerin zumal! Mit Weinen kommen sie, und während sic um Gnade flehen, bringe ich sie hierher, führe sie zu Wasserbuchen auf gradein Wege, sic sollen nicht straucheln. — Er, der Israel zerstreut, sammelt und hütet es. wie der Hirt seine Herde.“ Mit einer solchen Innigkeit spricht das Rösch-haschsehanäh-Pest zu uns von der Liebe zu tiuserin Volke und unserm Lande, die dem hiitorisclieu Judcntumc stets als untrennbare Begriffe galten, so dass dieses jüdische Neuiahrsfest mehr noch als alle die, besonderen nationalen Feste uns zu inniger Liebe zu Zion aufruft, von dem wir uns durch keine Sirenenklärge verlocken lassen: Zion ist und bleibt das w eithin sichtbare Panier, das die Juden aller Länder ideal einigt, bis einst auf eigenem Boden in Zic-n das Judentum die Zukunft sich errungen hat. die seiner grossen biblischen Vergangenheit angemessen ist. Aber wenn das Neujahrsfest so harmonisch in dem aus Zion und Israel zusammengesetzten Festjahre stellt und nicht minder mächtig zum Nationalgefühl und zur Palästinalicbe unseres Volkes spricht, wie irgend ein anderes Fest, das an nationale Grosstaten und an die Heimatscholle Palästinas anknüpft. so ist es doch immer in erster Linie mit dem Vcrsöhuimgstage das Fest rer Einkehr, wo der Mensch zu rückblickt auf die Spanne Zeit, die er zurückgelegt hat, und Gedanken der Verganglichkcit und der Ewigkeit, die aufs innigste mit einander Zusammenhängen, werden ausgelöst. Man blickt zurück auf das Jahr, das man durchschritten hat. denn es ist 1ms bekannt mit allen seinen Widerwärtigkeiten und mit ah dem Guten, das es uns doch gebracht. In die Zukunft kann man nicht blicken; und deshalb wendet sich der Blick an einem solchen Wendepunkte rückwärts; denn die Zukunft bringt nur, was von der Vergangenheit vorbereitet wurde. Und auch wir können frohen Mutes sein. Unser Blatt selbst mit seiner vor vier Jahren ungeahnten Entwick-

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