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Jüdische Rundschau · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Seite 487 No. 38 JÜDISCHE RUNDSCHAU udkcrimg. worin dieselbe zur Zustellung der ()!)Position aufgefordert wird, antwortete de terroristische Partei mit Auft!>rderungen welche die Arbeiter zur Fortsetzung des Kampfes!״׳gen das Kapital und zur Herbeiführung einer allgemeinen Revolution anieuerten. fn der zweiten Hälfte des Juli criolgte etc Reihe von der Gesellschaft ״Per Bund־־ organisierter Kmtdgebmtgen in Berditschcw, Lublin. Kowno, Bialystok, Ickattrinoslaw und-verschiedenen Punkten des Wcstgcbictes.!.inen Zusam menstoss in i t d e nt Militär in B i a l vstok nutzten die sozialistischen und revolutcnärcu Organsutionen zur abermaligen Aufhetzung der Warschauer Arbeiter aus. Als Ausdruck der Sympathie für die Opfer de! Unruhen in Bialystok forderten in Warschau Verbreiter;.* P1<׳kiumafioncu den Generalstreik. Die Katnptnrgattsaton gab bekannt, dass es ihr gelungen sei. die Kreisrentei in Opatow um 10 000 Rübe' zu berauben. Achnliche Versuche wurden in de*!1 Srädten \Yct1grow־ und Lubartow gemacht. Die letzten Lreignissc 11 Warschau, welche bekaiuit sind, führten zur Verhängung des Kriegszustandes •ln der Stadt und dem Krc se.“ — Die furchtbare Masseumet/.c’ci harmloser und wehrloser Juden in AJialystok einen ״Zusamenstoss mit dem Militär" zu iiciuic'1. das ist der cdkn Tclegraphen-Agentur, ihrer Auitraggiber.n, der Regierung, und ihrer. Kischinewer" Vergangcuhc't würdig. Die Bande bleibt sich gleich - bis an's bitte״־׳ Ende. Von den Metzeleien' in Bia'ystok Aus Bialystok wird unter dem 30. August geschrieben: Pie Wirkungen der Metzeleien wollen nicht schwinden. Währerd der letzten Tage ist eine Massenauswanderung aus unserer Si.idt zu bemerken. Wer nur die Möglichkeit dazu hat. scliickt d!c Famiiie in andere Städte oder in die!1ächstgelegv41e11 Städtchen. Handel und Gewerbe liegen darnieder, die Banken arbeiten nur matt. Wechseizahiung.n finden nicht statt, es gibt überhaupt keine ‘Geschäfte. Die Lage ist kläglich. l:s geht das Gerücht, die revolutionären Parteien hätten erklärt, dass sie für die Metzeleien vom I?. August durch Bombenanschläge auf die Soldaten Rache nclumn würden. Darauf soll der lulizeinieister erklärt haben, dass er das jüdische Viertel r e g e i r c c 111 b e s c h i e s s e 11 unJ zugrunde richten lassen würde, w enn auch nur eine Bombe .gegen Soldaten fallen sollte. Man kann sich denken, wie solclur Gerüchte hier die Panik verstärken müssen. Neue Jud tze i ו Kreme tschu In dem südrussisclicn Blatt JUSHNOJf: Sl.OWO findet sich unter der Überschritt ..Lin furchtbarer Tag" folgende kurze Mitteilung: Am 31. August kam gegen 3 Uhr nachmittags eine Menge von bleichen und erschrockenen Juden zu uns in die Redaktion gelaufen und rief: ״Rettet uns. verteidigt uns!" Ihre Lrzählungen über das. was in der Stadt vorgeht, klangen so furchtbar und unwahrscheinlich, dass wir nur das zu veröffentlichen beschlossen, was wir mit eigenen Augen gesehen haben. Die Juden berichteten, dass in der Stadt ein Blutbad beginne und die Kosaken d:c Juden nio' deo. Auf dem Bahnhole erblickten wir eine Gruppe Kosake.iofti/.icre. Gemeine, den Obersten Korotscha im Range eines Oberstleutnants. Rufe wie ״Nieder mit den Juden!" ״Schlagt s;e tot!“ iönten durch die Luft. Oberst Stezcnko hielt eine Ansprache a 1 die Kosaken, in welcher er unter anderem folgendes saute: ..Wenn ich den Zaren verrate, was werdet Ihr mit mir machen." — .,Totschlagen!“ ״Aufhüngen!" ..Abschlachteu!" riefen .die Kosaken. ..Ich danke Euch. Brüder! Seht, die Juden verraten den Zaren!" Schlachtet sie ab!" Und nun ging es in wildem fjclicul über die Juden her. Was die Stadt an diesem Tage durchlebt hat. lässt sich schwer beschreiben. Bis. in die späten Nachstunden hielt die Panik an. — Von den 0*ס fern der Jude 11 hetze schweigt das Blatt, da der weitere Berieht dem Stift des Zensors zum Opfer gefallen ist. Ansiedlungs-Rayon Die Erweiterung des jüdischen Ansässigkeits-Rayons ist russ’schen Blättern zufolge im Ministerium des Innern im Positiven Sinne entschied., n worden. Schon vor der ailge- «tenen Behandlung der Judeufrage in der Rcichsduma soll eilt־: ergänzende Liste von!־'lecken lind Doriern verüffentlicht werden, in denen Juden sieh niedcr!ass;n dürfen. — Bleibt die Grösse dieser ..Ergänzung" abzuwarten. obgleich unter den jetzigen Verhältnisse in ganz Russland selbst eine relative Bewegungsfreiheit den Juden cbensoviclc Nachteile w׳ic Vorteile brächte. Vom Territorialismus Die ״Jüdisch-Tcrritorialische Organisation“ (Lhrenpräst dem: Israel ZangwiJl; Zentrale: Warschau: Mil- *Weder des Zentralbureaus: Dr. Jassinowski -Warschau, r i u k eis te i n-Warschau. Dr. W u 11 de r I i c 11-Oppeln) Versendet soeben das Protokoll ihrer von! 30. Juli bis I. August d• J. in Basel abgehaltenen ersten Konferenz. Das Programm dieser neuen Organisation lautet: 1. Die jiidisch-territorialistischc nationale Organisation hat den Zweck, ein Territorium aui autonomer nationaler Basis für diejenigen Juden zu finden, die in den Ländern, in denen sie jetzt leben, nicht bleiben können oder wollen. 2. Zur Verwirklichung dieses Zieles stellt sich die Organis.ation zur Aufgabe: a) alle Juden, welche mit dem Zwecke dieser Organisation einverstanden sind, zu vereinigen. b) mit Regierungen, öffentlichen und orivaten Institutionen in Verbindung zu treten. c) die Schaffung von Finanzinstitutioncu. Arhtberbureaus und anderen Einrichtungen, weiche nötig sind, den Zweck der Organisation zu erreichen.־־ Diesen! P r 0 g r a m in schlicsst sich folgende K e s o! u ־ t io 11 an: ״Die Organisation als solche n.1־n1l zu der bereits be• stellenden zionistischen Organisation keine Stellung. Jedem Ang^iörigcn derselben, event. auch jeder an ihr beteiligten Gruppe, steht es frei, ihre Beziehungen zur zionistischen Organisation nach eigenem Ermessen zu bestimmen." Soweit es sich um eine Notstandsaktion handelt, wie im ..Hilfverein der deutschen Juden." der JCA usw., ist unsere Stellung durch unsere bisherige Stellungnahme zum Hilfsvercii». zur JCA usw. bereits festgelegt. Soweit es sich um eine politische Parte! handelt, die im bewussten (1 •. g e n s a t z zum politischen Z i o 11 i s m u s sich gebildet hat. wird honemüeh die Zionistische Organisation ihrerseits ihre Stellung zu der neuen Partei klar und unzweideutig präzisieren. Ein neues Territorium Da das Uganda-Projekt so wenig Anziehungskraft gehabt hat. wird im TKLLORAAL (Amsterdam) die Aufinfr1׳:־ י ־־־ der Zionisten auf die holländische Kolonie Surinam gelenkt, wo im IS. Jahrhundert eine blühende jüdische Ansiedelung, genantst Jüdisch ־ Savatmah. mit einigen tausend Einwohnern und einer Synagoge bestanden hat. Der TKLEGRAAF ist der Ansicht, dass die holländsche Regierung einen neuen Ansiedelungsplan durch Landkonzessionen an die territoriaiistisehe Organisation erleichtern könnte. — Da hatten uns dann die Antisemiten endlich in dem Lande, in das sic uns seit langer Zeit von Herzen wünschen — im ״Lande, wo der Pfeffer wächst". Surinam :st Holländisch-G uy a na. Frankreich henützt setten Besitz in Guyana bekanntlich als S trüfliugsk o l o n i e. und unweit davon liegt auch die ״T e u i e I s - i n s e I*־, die den freien Zukunfts-Juden Surinams ja besonders angenehme Empfindungen wecken wird. Uebrigens ist die ganze Meldung, wie bereits erwiesen, eine fette tendenziöse- Elite, mit dem Bestreben, die Aufmerksamkeit der antizionistischen Judenpresse in bestimmter Richtung wachzu halten. In unserm LITERATURBLATT werden wir demnächst die hochinteressante Geschichte dieser Surinamer Judenkelonie bringen. Es ist immmerhin bemerkenswert, dass der hollärdisclte Antisemitismus, dir bekanntlich sonst sehr zahm ist. sich lediglich gegen die ״Surinamer Joeden" richtet. Jüdische Freiheit in Finnland Der letzte Bcr.'cht der Alliance Israölite Universelle für 190-1 enthält ausser den üblichen statistischen Daten über die von der Allianz im Orient. Marokko usw. unterhaltenen Schulen und eingehenden Darstellungen der Lage der Juden in Russband, Rumänien, Persien und Marokko Mitteilungen über höchst auffallende Massrcgeln. die der Senat F i n 1 a 11 d s gegen die •inländischen Juden getroffen hat. Darnach sind die in Pittland ansässigen Juden nicht befugt, ausserhalb Heisingfors, Wiborg und Aho sich n'ederzulasscn. einschliesslich auch eines jeweiligen Aufenthaltes auf dem Lande. Die in F i 1׳ - I a n d wohnhaften Juden dürfen mit a u s w ä r 11 - gen Juden keine Heirat sch Hessen und die f i n I ä n d i s c h c 11 Juden dürfen, mit Ausschluss jeder anderen Beschäftigung, nur Lumpen, Streichhölzer und alte Kleider verkaufen. Der Erwerb unbeweglicher Güter ist ihnen strengstens untersagt. Die Juden erhalten Aufcnthaltspässe nur auf die Daue! von 6 Monaten. Jeder Jude kann nach Begehen eines VeTbrechens innerhalb 2A Stunden aus dem Lande ausgewiesen werden. So harte Bestimmungen findet man selbst in den übrigen Teilen Russlands nicht und sie sind ungeheuerlieh in einem Lande, das sich in seinem Freih c i t s k a 111 p f e gegen russische Vergewaltlgung' so eifrig um die Sympathie des Ausla»des bemüht. - Das wird sehr natürlich auch iu.

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