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Jüdische Rundschau · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 486 der Ortsgruppen zu kritisieren wie jeder andere .ehrliche Zionist. Ich bitte alle diejenigen. die Sinn für Warheit haben.! meinen Artikel in voriger Nummer noch einmal zu lesen, vor allem den aiurcgriftenen Abschnitt auf Seite *16«?. Er wird dort finden, dass ich niemandem einen Vorwurf gemacht habe. Ich suchte vielmehr den Grund. dass wir keine Fortschritte gemacht haben, wohl rieht so ganz ohne Recht in unseren inneren Streitigkeiten. Ich begann mit der Ortsgruppe •Berlin, der ich selbst angehörc und die ich ja schliesslich sogar gegründet zu haben glaube. Jeh habe tdsa den Tadel, den ich »für andere hatte, zuerst f'r mich s ,";י und meine engsten Freunde ausgesprochen, ,eh glaube aber das Recht zu haben, der Meinung zu sein, dass es im ganzen Deutschen Reich keir empfänglicheres Feld f.'tir den Zionismus zur Zeit gibt als die Frovinzen Westpreussen und Posen nebst Oberschksien. dass aber die Erfolge in Posen in keinem Verhältuis zu den Fortschritten des Zionismus in Glciwitz. Zabrze. Oross-Strchlitz. Reuthen. Kattowitz. Ratibor und Taruowitz stehen. Der Vereinsbericht der Ortsgruppe Posen ändert nichts an dieser meiner Meinung, und ich kann nur wiederholen dass ich eine recht intensive Agitation nach aussen in der Provinz Posen wünsche. E1 j ג q 1 in. Erklärung Auf die redaktionelle Notiz wie aut die Beckcrschc Kritik zu meinem jüngsten Artikel beabsichtige ich hier nicht eirzugehen, da es mir widerstrebt, den Herren von der RUNDSCHAU- Redaktion in B c s c 11 i m p f u n g e » nachzueiicrn. Für heute nur soviel. Wenn unserer Redaktion ein ״Verband politischer Zionisten“ bisher nicht bekannt ist, so wird in allernächster Zeit dafür gesorgt werden, dass sie ihn griindlieh kennen und respektieren lernt. Bis dahin beabsichtigt der Verbai d nicht, sich die Berechtigung seiner Existenz oder seines Namens von den Herren Dr. Loewe und Becker bestätigen zu lassen. Im übrigen ist auch dem mildesten Beurteiler durch die Art, wie meine objektiven Betrachtungen von der Redaktion kommentiert wurden, zur Evidenz bewiesen, dass cs so mit unserem offiziellen Organ nicht mehr weiter geht. Wenn ich selbst auf dem Ylclcgicrtcntag ״das Temperament“ des Herrn Dr. Loewe kritisierte, so war das eine schon end e Be- Zeichnung für die gröblich verletzende Art. mit der seitens ckr Redaktion alle ihr nicht in den Kram passenden Anschauungen be- und verurteilt, verunsümpft und verketzert werden, für die Art namci.tlieh, wie vor dem Kongress in Sachen Ugaudismus und Territorialismus politische B r unncn vcrgi f tun g hetrieben wurde. Nach mir kamen auf dein Dclcgiertentagc noch viel schärfere Kritiker zum Wort; bezeichnend war besonders die Würzburger Beschwerde, die Herrn Dr. Loewe als Oberzensor ins rechte Lieht setzte. Die Herren Redakteure hatten eben bis dahin nicht begriffen, dass sie nicht Privatbcamte oder Untern e h in e r irgend eines Journals, sondern Beamte des offiziellen Organs der deutschen Zionistischen Verenigung sind. Ein solches Organ ist nicht dazu da, den Tummelplatz allcrpersönliebster Meinungen der Herren Redakteure und ihres Intimsten Kreises abzugehen. Mochte Herr Dr. Loewe es immerhin zur Propagierung der Vielweiberei unter den orientalischen Juden oder zur Betätigung eines nied er säe 11s i sehen Patriotismus gebrauchen; aber er missbrauchte es vor allem zur rücksichtslosen Propagierung einseitigster Parteimeinuug und zur schonungslosen Bekämpfung jeder anderen Richtung. Bis zum Jüngsten Delcgicrtcntag durfte man der Redaktion noch den Irrtum zu gute halten, dass sie den Standpunkt der Mehrheit der deutschen Zionisten zu repräsentieren glaubte. Nachdem aber ma thematisch bewiesen ist, dass die politischen Zionisten sowohl in der Landsmannschaft wie im neuen Zentralkomitee mindestens eine 9/:!*Mehrheit haben, mussten die Herren Redakteure — nicht ihre Meinung wechseln, aber jeder anderen Anschauung die Spalten unseres Organs No. 3S offen halten, ohne Ihr eine unberechtigte und unmassgebliche Kritik auzuhängen und ihrer Miiioritütsanscl.auung den Anschein offizieller Geltung■ verschaffen zu wollen. Nachdem nunmehr jeder Zweifel beseitigt ist, dass unsere Herren Redakteure sich initic vornehme Reserve eines offiziellen Organs nicht zu schicken wissen, bleibt also nur übrig, in de׳! Beziehungen entweder der Mehrheit der deutschen Zionisten oder der jetz geu Redaktion zur JÜDISCHEN RUNDSCHAU eine gründliche Änderung cintrctcn zu lassen. Auf eine baldige Sanierung dieser unerquicklichen Verhältnisse hinzuarbeiteii. wird die nächste Aufgabe der politische, Zionisten Deutschlands sein. Dr. Jeremias-Posen. * ^AVir haben keine Veranlassung, - diesen! uns zur Veröffentlichung in der JÜDISCHEN R! oCHAU übergebene!: Schriftstück zu äussern. Es spricht für sieb selbst. Die Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU. Heinrich Loewe. Julius Becker. *®י Rundschau Die Gemeindestube In der letzten Renräseutantenvci'sanir.'lung der Jüdischen Gemeinde Berlin gedachte der Vorsitzende ־/.: Beginn der Sit/uüg in warmen Worten des jüngst veistorbeuc;; Mitglieds der Versammlung. Martin S i m o n . und des nun ebenfaFs verstorbenen, um die Gemeindeverwaltung verdienten Geheimrats Wicsenthal. -- Beurlaubt sind von den ^Sitzungen auf längere Zeit Professor Geiger und Geheimrat S c n a t o r. Aus den Beschlüssen der Versammlung ist zu erwähnen, dass Prof. Wasser m a n n in den Vorstand des Krankenhauses berufen wurde. Dem Ausschuss J. dessen Mitgiiederzahl arr 10 erhöht wird, werden die Herren.G. Simon und Sicsskind beigegeben. Zu Mitglicdcxn eines Aus- Schusses zur Vorbereitung der Wald eines Acltcstcn-Stellvcrtreters werden gewählt die Repräsentation B1 u m c n 111 a I. A. Hirsch. M a n n -h e i m c r. ß 1 a s c h k c und Sach s. —־ Die Einführung eines nicht obligatorischen Kursus in englisc 11er Sprache .,für begabte und ficissige Schülerinnen der Fortbi'duiigsklasse“ der Gemeinde-Mädchenschule wird unter Bewilligung von 600 .Mark Jährlich beschlossen. Die detaillierte Vorlage betreffend den Neubau der Knabenschule (Gesamtbudget •WO000 Mark) wird genenmigt. - - Ferner wird eine kleinere Ausgabe zur Reparatur der Fenster des Sitzungssaales dei Repräsentantin- Versammlung beschlossen. --- Einige weitere Vorlagen werden in geheimer Sitzung beraten. Im Anschluss an die bei der letzterwähnten Vorlage in der Sitzung selbst bereits zur Sorache gekommene Mangelhaftigkeit des Sitzungssaales möchten wir bemerken, dass 0» hoch an der Zeit wäre, einmal etwas zur Verbesserung der geradezu schauderhaften Akustik des Sitzungssaales zu tun. Die klarstgesprochenc Ridc wird in diesem Saale selbst für den nahestehenden Hörer zu einem äusserst schwer verstandbehen SchwaM von Lauten. Die dickeren Fensterscheiben allein werden diesem Uebclstandc nicht abhclfct! können. Aus Russland Regierurigsprovokaüonen Aus Petersburg berichtet die ״Petersburger Telegraphen- Agentur‘*: ״Das Polizcidcpartcmcnt hat eine Mitteilung veröffeutliclit wonach seit Ende 190-1 eine intensive Tätigkeit de, verschiedenen revolutionären Parteien •im westlichen Tci’e Russlands herrschte, gemeinsam gegen die Regierung vorzi.- gehen. Eine jüdische Gchcimgesellschaft ״Der Bund“ begann in ag resst ver Weise gegen die Christen• vor- •Zusehen (?)’, auch die polnischen RevolntionspaTieien entw'ckeltcn besondere Tätigkeit und bildeten Kampforgäuisatmneu terroristischen und ..anarchistischen“ Charakters. Ihr Zweck war. in dem politischen und wirtschaftlichen Leben durch Attentate und Ausstäiule in den bedeutenderen Zentren Warschaus möglichst grosse Verwirrung hervorzurufen. Dies. Absicht ist in den letzten Monaten mit besonderer Hartnäckigl;e't verwirklicht worden. Alle Bemühungen der Vertrete! der gemässigten politischen R'ehtung. die erregten politische!! Leidenschaften zu besänftigen, sind erfolglos geblieben. Aut ein Sendschreiben des Erzbischofs von Warschau au die Be- JÜDISCHE RUNDSCHAU

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