Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 484 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 38 Trotzdem ist die Folgerung der sog. politischen Zlon/ste• dass wir ״irgendwo auf der Welt“ kolonisieren müssen nicht richtig. Wenn w.r zunächst die Frage stellen, wo sic dem! di irgendwo auf der Welt'ein Land bekommen werden, in dem w r e-ne indische Sied Jung \ornehmcn können, so wird mar. hierauf wahrscheinlich mit ..nirgends“ antworten kennen. Aber auch sonst :st ihnen nicht zuzustimimn. Vorausgesetzt vc bekommen ..irgendwo auf der Welt“ ein Land dass sich für e׳ne grössere jüdische Siedelung eignet, so würde dieses Lind d;>e , unerforscht stn und fern von Kultur legen. Fs wäre also eine geraume Zeit zur genauen Erforschung nötig, während deren der Auswandererstrom weiter nach allen Richtungen flutet und :11 dem kulturfermn Lande würde mau auf besondere Schwierigkeiten stossen unJ sehr bedeutender Geldmittel bedürfen. Bei allen den in einem sul״״.־*״ Lande vorliegenden Schwierigkeiten fehlen noch die , Jmpomlerahil cn", d e ntan kefoeswegs uutersdtatzm darf. Der Jude wird, wenn er hier auf grosse Schwier gkeiteu stösst. die Flinte vic’ eher ins Korn werfen als in Palästina und sich auf d e Wanderschaft iiac't Amerika begehen von dem er so viel gehört hat und das ihm so viel verspricht. Fs treffen also besondere Umstände zusammelt, die eher für ein Fehlschlagen als für .1 Gelinge״: einer derartigen Siedelung sprechen, und* wenn dieses M ttel missl ngt. ist auch das Ziel verloren. Selbst wenn bei ein ז praktischen Tätigkeit vieie Kräfte mitwirken würden, die uns jetzt fern stehen, würden doch die besonderen Schw er:gk-.itc1;־ nur wenig gemindert werden. (L'cbrigens würden wir. um cs schon jetzt hervorzuhebca. diese jetzt Fernstehenden alter, auf den! Gebiete bekommen, das den Kerrpunkt me ner Ausüihrtmecn bi'den soll.) Dass die grossen jiid sehen Wohltätigkxitsanstalten eine iiaroi'ale Siedelung mit SelhMverwaltungsrechten nicht übernehmen wollen, hat sch leider ja gezeigt. Wenn aber die zionistische Organsation e'ne derartige Kolonisatiou seil st in die Hand nimmt, so wird sie. auch w ..11־ das F.Npcriment glückt, ihre Kräfte und Geldimttcl dort auf naibschirre Zeit derart fcstlegeu. dass n'cht einmal‘ die Vorarbeiten 11 Palästina geleistet werden könnten. Palästina wird 31 sichtlieh oder unabsichtlich weit in t'-'n Hintergrund trete י wen. nicht ganz verschwinden. Aus dem Zionismus würde inst l.ui Territorial smus geworden sein. Ueberhaupt ist der ..Verbind politischer Zionisten“ dazu angetan, imtcrlia’b der Organisation wieder Territorialsten zu züchten, und cs wäre leicht möglich, wenn sich ir.ncrhalb des ״Verbandes“ e'ue terr'torialistiscue Parte bildete, gehören ihm doch jetzt schon Leute an oder sind doch zu seinen Anhängern innerhalb der zionistischen Organisalioi! zu wählen, de von Territorialsten kaimi zu unterscheiden sind. Dean soll man deujen'gcn. welcher Palästina nur als ein Mittel betrachtet, die religiösen Massen für den Zionismus zu gewinnen, der meint dass dieses nun. nachdem es seine Schuldigkeit mehr oder weniger getan habe, von der Bühne abtreten könne, soll man denjenigen, dem Palast 1 höchstens noch als etwas Ideales, als ein ganz :11 weiter Ferne schwebendes, allerletztes Endziel erscheint, soll man •hu mehr Zionist als Tcrritorialist reimen? Cs ist also einerseits heute eine Besiedelung Palästin as noch nicht möglich und ausserhalb Palästinas In c nein ..Lande irgendwo auf der Welt“ darf d e zionistische Orgat!isat:״n nicht kolonisieren, während doch andererseits de Judcrimt so eischrecklich gross ist. Sollen wir also doch ruh'g Zusehen? Nein und abermals nein! Aber wo linden wir den Ausweg'■׳ Die Antwort auf diese Frage hat der VII. Kongress selbst gegeben, indem er die Nachbarländer Palästinas in den Bcre-'cF zion'stiseher Tätigkeit c'nbczogcn .hat. Dic-e Nachbarländer werden wir zum Teil bald, wem! wir ua$ Verlangen stellen, besiedeln können, oder doch in weht zu ferner Zelt, nachdem cin'gc Fragen, die jetzt augenblicklich die Diplomat c gewisser Mächte beschäftigen, erledigt sind. In den Nachbarländern sind auch die . Imponderabilien” in gew sscr Hinsicht vorhanden, sind es doch grösstenteils Länder, an die uns I storische F■־ innerungen knüpfen, s'ud sie doch ויו un1mtt:ll־m־r Umgebung des so heiss ersehnten Zieles, nach dem m:׳u von dort nicht mehr aus weiter Ferne, sondern aus der Nähe licrflberschaucn kann. Hierzu kommt noch e'n sehr wichtiges Moment, Die Nachbarländer vereinigen 'n gewisser Hinsicht Zcl und Mittel. Denn die derehistigc kompakte jüdische S'edt/ung in Palästina w rd bald auf die Nachbarländer n's ihre natiirl'che Wirtschaftliehe Interessensphäre angewiesen sc'n. Auch hei «len Nachbarländeru, besonders den englischen würde man Kräfte und Kapital der jetzt noch Fernstehenden bekomme.! waiirscheiitlieh viel eher und zahlreicher als bei der Besiedelung eines entlegenen .Landes irgendwo auf der Weit“, fn die Nachbarländer können wir schon in nächster Zeit e:nen Te l der wandernden Massen konzentrieren, h'cr können wir s״i zu brauchbaren jüdischen Bürgern erziehen, hier sünncu wir m grossem Massstabc alles erproben, was wir an wirtschaftlichen und sozialen Fortschritten in Palästna einführen wollen, ohne dass wir dabei unsere Arbeiten in Palästina vernachlässigen. Die Nachbarländer können also das einigende Gebiet sein, auf dem alle Richtungen innerhalb des Zionismus, mögen sie auch jetzt h.nsichtiich der Mittel und Notwendigkeit einer Gegenwartsarbeit differieren, sich 7.u gemeinsamer Arbeit zusammenfinden können. Mögen alle diejenigen, d c jetzt anderer Ansicht sind, sich dies rcifl cli überdenken, damit die Spaltung innerhalb des Zbiiismus. die jetzt droht, schon in ihrem Kcirrc bes.vtigt wird. % Ich fasse meine Ausführungen über den ..Verband politischer Zionisten" noch c utnal zusammen. Der ..Verband pol tischer Zionisten" ist. was den Namen anlangt, nachdem der VII. Kongress erklärt bat, dass der offizielle Zionismus ein pol t scher sei. und der politischen Tätigkeit mindestens e i.c gleiche Stellung mit den im Sinne des politischen Zionismus zu führenden Vorarbeiten in Palästina zugew esen hat. überflüssig und kann daher mir verwirrend und für das äussere Aasebni der Bewegung schädigend wirken. Fine Einigung aller R.chtungcn iimcruulh des Zionismus, mögen sic auch Hinsicht- Feh der Mittel d iferiereu. ist auf der Basis der Fi»be־zichu g der Nachbarländer In den Bereich zionistischer Tätigkeit tnog- Fleh und daher geboten umsomehr, als diese in gewisser Hüsicht Ziel und Mittel in sich vereinigen, da eine dereinstige kompakte jüdische Siedelung in Palästina auf sc als ihre natürliche wirtschaftliche Interessensphäre angewiesen sein wird. j—ן Aus der Beweguijg ־—ן Stetlh. Am 11. September fand eine von etwa 10־ Personen besuchte Versammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, in welcher Herr H. Jacob In fast eiustän.J gern Vorträge über den VH. Ziouisteti-Kongress Bericht erstattete. An den Bericht schloss sch viiic sehr!ebhaite Diskussion, in welchem sowohl vom Standpunkte der politischen Zionisten als auch der Zior.e-Zion £.11$ der Beseh'nss des Kongresses in der Ostjfrika-AngeLuenheit erörtert wurde. Nach längerer Debittc bringt Herr stud. Frcvcr nachstehende Resolution ein: ..Die von der zionistiseiten Vereinigung zu Stet* 11 am II. September 195'׳ einberufene Versammlung erklärt sich mit de.1 B.Schlüssen des VII. Kongresses ciuvcrstai den. wonach dieser iede k’oionisat.on ausserhalb Palästinas sowohl als Zweck wie als Mittel ablclmt.“ — Herr H. Jacob schlägt dagegen folgende Resolution vor: ..Die am II. September stuttgehabte Versammlung der Ortsgruppe Stettin erklärt ihr Bedauern, dass das in Ostafrika in Aussekt genommene Land sich a!s unge.•cnet erwiesen l:u*T. Die Versammlung hält au der Schaffung euer öffentlich recht- ’»ich gesicherten Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina as Endziel der zionistischen Bewegung unverbrüchlich fest. Sie iii'lt es jedoch mit dem Basier Programm durchaus verefnbar. als Mittel zur Erreichung des Endziels und zur Linderung der gcg.mvärtigen Judemio! ein anderes geeignetes Land bei gesicherter Autonomie zur Besiedelung in Betracht zu ziehen.“ Im weiteren Verlaine der Debatte wird von verso'iicdencn Rednern d iraiL'ngcwicscu. dass für die Ortsgruppe keil! zwingender Grund vor! ege. sich nach der Gneri oder anderen Richtung hin fest/ulcg.n. Man solle cs vermeiden, ohne drin• kcnde Notwendigkeit eine Stellungnahme herbeiztuuhren. da dies Spaltungen hervorruien und der gemeinsamen Sache sch 'den kö: ne. Das Ostafrikaprojekt sei erledigt und ein neues Landtmgchot Fege nicht vor. Fs sei daher bc den Antragstell rn die Zurücknahme;!!rer Resolution zu empfehlen. Daraufhitt wird zunächst die Resolution Frcver und dann die Rcsohition Jacob zurückgezogen. Herr Jacob betont alsdann die WiJ ilgkeit der Palästinaarbeit. Fs sc׳ namentlich mit Rücks eht auf den Kongr.ssbeschluss. der jede Arbeit ausserhalb Palästinas und seiner Nachbarländer verbiete, dringend notwendig, über Palästina durch geeignet; Vorträge Aufklärung zu schaffe:׳. Der Vorstand sei bemüht, einen Redner für einen soIJicu Vortrag zu gewinnen und hoffe, bald von e nein Frfolge berichten zu können. B. Pcscn. Am 16. September fand in der Ortsgruppe die 2. ordentliche General-Versammlung stett. Der Vorsitzende Dr. Jeremias erstattete den Jahresbericht. Aus demselben seien folgende Daten hervorgehoben. Im Berichtsjahre hatte d׳e Ortsgruppe einen Zugang von 30, einen Abgang U’ortzug bezw. Ausweisung) von 7 Mitgliedern: sie zählt jetzt H3 Mitgieder. Der Vorstand hielt 15 Beratungen, die Ortsgruppe 7 Mouatssitzunges־ und J Diskussionsahcnde ab. Öffentliche Versammlungen finden 5 statt: eine davon diente der Bcgrür.Jung d־.r Nitioualjüdischen Fraucuverc nigung. die denn auch Ende des Walters ins Leben trat und!!och 3 Sitzungen batte. Die iniieic Arbeit wandte sich insbesondere dem Nationaüond zu: iast 40 Büchsen sind jetzt im Betriebe und