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Jüdische Rundschau · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 38 i\ % ■ * 'J;!■ '1 ׳ ו , .! i l י I I * I i 1 I 1 , : ו - 1 ן 1. 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sete 480 Befriedigung sonst nicht geboten wird, anderseits den jungen Kräften, deren stürmisches Wesen dorthin geiockt wird, wo Leben, Kampf mit dem Verknöcherten ist, wo mehr Opfer verlangt werden, den Zutritt ermöglichen. Man kann sagen, dass dies im Grossen und Ganzen in beiden Richtungen ge- Schicht. Es wird immer fühlbarer, wie sehr der Zionismus Von allen übrigen Institutionen im Judentum durch seine historische Bedeutung sich abhebt, dass e r allein nicht nur Geldgeber, sondern auch Volksmassen besitzt. Auch für die Jugend, die begeisterte und idealsuchende, wird cs immer klarer, dass der Zioivsmus etwas so sehr Ungewöhnliches, Schwieriges und Grosses anstrebt, dass er wahrlich des Schweisses der Edlen wert ist, dass er der Jugendkraft und ihres Mutes bedarf und würdig ist. Der letzte Kongress hat zweifellos erwiesen, dass wir jetzt stärker sind denn je. Nicht auf die Bedeutung und Tragweite der gefassten Beschlüsse kommt es hier an. Dies kann erst die Zukunft ergeben. All dem lächerlichen Geschrei über den Untergang des Zionismus infolge der Lärmszenen auf dem Kongress gegenüber soll uns al’cn der Beweis des quantitativen und qualitativen Wachstums urscrcr Bewegung, von d;m wir selbst vielleicht unmittelbar vor dem Kongress uns nicht genügend Rechenschaft gegeben haben. Mut einflössen. Man muss der ganzen Ugandafrage diesen grossen Vorteil iür den weitern Vcriaui der Bewegung 7.uschreiben, dass sie die Partei bis auf den Grund durclnvüh t hat. Von da ab verschwand d!e verhängnisvolle Apathie, die in den früheren Jahren geherrscht hat, ein lebhaftes Inter:ssc ergriff nun sämtliche Parteimitglieder. Die darauffolgende schwicrige Lage, in der sich die Partei befand, steigerte nur noch das allgemeine Interesse, das sich so stark auf dem letzten Kongress kundgegeben hat. Wir wollen hoffen, dass es auch fürderhin wachsen und eine grössere Intensität in der Arbeit für die Partei bewirken wird. Der siebente Kongress zeichnet sich noch ganz besonders durch sein starkes, demokratisch-republikanisches Gepräge aus, vielleicht dieser mehr als die vorigen, weil diesmal der starke Leiter, der Bändiger der Masse, ׳fehlte, und sie jetzt mehr ihre Leidenschaft, ihr Ungestüm, ihre Gunst und Unstetigkeit kundgeben konnte. Gerade dieser Charakter der Bewegung lässt uns jetzt den passenden Moment kom* men sehen, der dem Judentum eine Anzahl grosser Männer von bleibendem historischem VVert bringen wird. Ja, vielleicht kommt manchem von uns, der in einer seligen Stunde guten Hoffnungen und Träumen sich Umgibt, das schöne Bild der ersten römischen oder der griechischen Republiken in den Smn und der Gedanke, dass auch wir vielleicht jetzt in einen ähnlichen Moment grosser Männer und grosser Ta‘en getreten sind. Die dazu berufen sind, werden selbst zu uns kommen. Künstliche Agitation brauchen wir nicht. Wir sollen nur die Entwickelung zum Zionismus fördern, wir soll;« denjenigen, die ein Herz für's Judentum haben urd arbeiten können, den Weg zu uns erleichtern. Dies soll durch Aufklärung, gegenseitige Verständigung, ja durch gegenseitiges Vertrauen geschchen, nie aber durch Konzessionen unsererseits, de einer Selbstverleugnung gleichkommen. Wir dürfen also zu niemandes Gunsten auf seine jüdischnationale Gesinnung verzichten, wenn er unser Parteigenosse werden soll. Es erscheint mir daher ganz unzulässig, wenn man diejenigen, die eine Kolonisation nach unserem Programm als Hilfsaktion gegen das jüdische Massenelend antnehmen könnten, zum Anschluss an Unsere Organisation auffordert, und ihnen zuliebe das Gefahrlose unseres Programmes in einer Weise darst;׳llt, die einen Dispens von jiidisch־nat:onaier Gesinnung bedeutet. Sollte dieser Auffassung auch die berechtigte Erwartung zu Grunde liegen, dass unsere Bewegnng bereits stark genug ist, um solche nicht als ״Voll* juden" eingetretene Mitglieder zu guten Juden zu erziehen, sie aber nicht Gefahr läuft, von ihnen im negativen Sinne beeinflusst zu werden, so wäre dennoch eme solche Agitationsweise für uns eine nicht zu rechtfertigenie Verzichtleistung auf die Grundlage all unserer Programme und Taten, sie wäre auch nicht ehrlich andern gegenüber. Denn nicht nur lässt sicilt nicht das jüdisch-nationale Gefühl als erstes Postulat eines jeden Zionisten aus deni Baseler Programm weginteroretieren. sondern cs ist auch ein Punkt. d:11 man nicht erst * aus irgend einem Wortlaut herausdeuten soll, da er doch das Wesen unser; r Bestrebungen ausmacht. Die Entwickelung des Zionismus gibt auch gar kein Recht oder Anlass zu einem derartigen Kompromiss. Das ״Jüdischnationale” im Zmnismus hat in den letzten Jahren nur eirc Stärkung erfahren. Die Wendung, die durch die Beschlüsse des letzten Kongresses herbeigeführt worden ist, bedeutet vor allem andern den Si:g des radikal jüdisch-nationalen Elementes im Zionismus. Dr. Jakob Thon. Ein Briefwechsel Herr Lu eien Wolif. der h. kannte englische üe1!״er des Zionismus, der von G r c c r. b c r g in seiner letzten Rede*) so vorzüglich clnrakUrisiert wurde, schreibt an den Ehren- Präsidenten der ..Jüdisch - territorlalistischen Organisation“. Israel Za ne will, folgenden Brief, den wir der aufmerksamen Loktüre unserer Leser empfehlen: Hotel Gibbon. Lausanne,!. September 1905. Mein Icber Zangwill! Ich habe eingehend über unser' ,Besprechungen in Giessbach nachgedacht, und es freut mich, sagen zu können, dass ich zu dem Schluss gekommen bin, dass unsere Ansichten gerügend übere'nstimmcn. um die Möglichkeit c'ncs Zusammenarbeitens mit Ihnen in der ״Jiidisch-Tcrritorialistischen Organi• sation" hcrzlichst willkommen zu heissen. Ich habe meine öffentlich über den Zion'smus geäusserten Ansichten nicht im geringsten modifiziert, doch kommen d esc. soweit ich sehe, bei dem jetzt von Ihnen geplanten Werk nicht in Betracht. Als ein Zion st hofien und glauben Sic ohne Zweifel, dass eine autonome jüd sehe Kolonie auf der von uns besprächeneu Bas s eventuell zur Etablierung e'ues unabhängigen jüd'.־ sollen Staats in Palästina führen kann. Ich würde eine solche Hoffnung, auch w.nn ich sie für ausführbar hielte, treht hegen, denn ich Italic noch immer die Ueberzeugung. dass wir Juden dem uninatonaten Stadium unserer Geschichte entwachsen sind, und dass wir weit grössere Bestimmungen in unserer Zer- Streuung zu erfüllen haben. Auch halte ich cs n'eht für ausfiihrbar. denn ich sehe keine Aussichten auf Erfüllung in den! Tendenzen europäischer Politik und der polnischen Lage in Ktcin-Asicn. Möglich st natürlich, dass Sic in! Recht sind und ich im Unrecht bin. aber ich bin bereit, dieses R'siko cinzugehen. wenn wir Inzwischen durch Ihr Projekt in wirksamer Weise etwas zur Lösung des Problems, das uns in der Unterdrückung unserer Glaubensgenossen in Russland und anderen rcakt'ouären Staaten entgegentrnt. beisteuern können. Jch sage. ..in wirksamer Welse etwas beisteuern'*. Hiermit me ne ich nicht, dass die jüdische Frage in Russland durch Auswanderung zu (lesen ist. Die Zukunft der russ'schcu Juden liegt, wie dese cs auch selbst erkannt haben, in Russland selbst und ich bin nicht geneigt, irgend etwas zu unternehme . sie in einer Ucberzcugung zu schwächen, au welcher Sic jetzt mit so viel Heroismus festhaltcn. welche bereits so viel für ihre sittliche Rehabilitierung getan hat und in so hohem Masse auf die Befreiung des ganzen russischen Volkes hinstreht. Es handelt sich jedoch im jüdischen Ausiedluugsrayon sowohl tim ein soziales, wie um ein panisches Problem in Russland, und hier sind Auswanderung und Ko!״n'satio:1 wirksame Mittel. Sie sind bestrebt, diese Mittel in einer neuen Form uml im grossen Massstabc anzuwenden. indem Sie das Angebot von Land in Ostafrika seitens der Reg erung Seiner Majestät an den verstorbenen Dr. Herz! akzeptieren, oder indem Sie s ch c ue andere Laudkouzessiott sichern, die für c:u erfolgreiches Projekt jüdischer Kolonisation sich besser eignen würde. Hierin haben Sie meiner Ansicht nach Recht. In der Tat war ich immer für eine Annahme des Angebots um! habe cs für einen *) Vgl. Nr. 36 u. 37 d. J. R. I I

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