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Jüdische Rundschau · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 38 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 479 arbeiten, um auf die ״Erregung“ deutscher Ortsgruppen versöhnend einzuwirken. Das wird dadurch geschehen, dass man nicht immer wieder damit graule•! geht, dass letzt die Palästinaarbeit zur planlosen Kleinarbeit hinfiihrc. Wie oft soll man es noch wiederholen, dass dies nicht geschehen wird? Eines nur tut Not: Das Vertrauen zur neue« Führung, dass es nicht geschieht. Das Vertrauen zur Führung, die die Beschlüsse des 51ו110ו0ס0ז Kongresses so ausführen will, wie sie gdfasst sind, nfunlich ״parallel mit der potitisci1:diplomatischct1 Tätigket, als reelle Unterlage und zur Stärkung der seiben unsere Positionen in Palästina systematisch auszugestalten." — . Ja, nur das ist notwendig: das wirkliche־ Vertrauen zur Führung,: da* •nicht trän/, verständlich, einige der ״erregten“ Ortsgruppen sonderbarer Weise gleichzeitig mit ihrem Widerstaird gegen die K״ngressbcschliissc bekundet haben. Was soll cs aber, wenn .man immer \v׳eder mit Charkow kommt und damit, Bass Ussischkin dem kranken Führer schweren Kummer bereitet hat? Das ächafii gerade uie Gegen- ‘ sätzc und verschärft sie, die Dr. Frieden,mm bannen helfen will. Missverständnisse nicht nur zwiscl.e/i Ost und West, auch innerhalb der deutschen Grcnzpfälilc. Auch viele unter uns wissen Ussischkin hohen Dank dafür, dass er es war, der mit entschlossener Hand jenen Besen Iiinauswa.'f, der so Unheil- \01l gewütet. Urd wir sind empört darüber, dass man inmier wieder mit diesen Sticheleien kommt, weil Ussischki:׳ für seine Überzeugung kämpfte. Wir sind empört, selbst wenn wir sein Charkow nicht gebilligt haben. Und auch wir haben Theodor Herzl geliebt. Bis man nicht dem nächsten Kongress die Resultate der Arbeit in und um Palästina vorlegt, der dann prüfen wird, ob sie wertvoll sind und planniässig im Sinne des politischen Zionismus, zu dem wir uns alle bekennen, hat Ruhe zu herrschen und Vertrauen. Dr. Friedemann schlicssf: ,.Der politische Zionismus muss wieder die Fahne der Partei werden." Was heisst־das: ״muss wieder werden?" Nichts berechtigt ihn, absolut nichts, anzunehmen, dass dem nicht mehr so ist. Will er dcfiuoch darüber beruhigt werden, nun, man wird Ihn nur mit Taton beruhigen können, da ihn die Worte der Führer rticht beruhigen konnten. Er soll die Führung arbeiten lassen und im übrigen vorerst Ruhe geben. Er und die ..tiefcrreßteii’’ Ortsgruppen! Ihm wirds gewiss leicht fallen. Weil er weiss, dass ’die neue Führung, wie Theodor Herzl, ״nicht nach Uganda gehen will und einer solchen Sache ganz fernsteht." ___ ־ * : t Zur Frage der Propaganda’ Der Zionismus soll seiner Idee und seinem Streben nach das ganze Jüdische Volk umfassen. Wenn wir auch noch recht weit von diesem Endziel uns befinden, so können wir doch ohne Uebertreibung behaupten, dass wir uns ihm immer mehr nähern. Es ist ganz klar und zweifellos, dass der Zionismus immer stärker wird, dass die Zionistenschaar von Jahr zu Jahr wachst. •Die Grundbedingung für eine erfolgreiche Agitation, für eine Zunahme unserer Parteiangehörigen, ist die innere Stärke der Partei. Die zionistische Partei muss denen, die zu ihr kommen, genügende Arbeitsmögliehkeit gewähren. Je grösser die Leistungsiähigkeüt des einzelnen ist, ein desto grösseres Arbeitsgebiet muss er Im Zionismus finden können. Man muss lautet! So weit siird wir gekommen in den letzten zwei Jahren! Wahrlich, hätte Theodor Herzl ahnen können, wie wenig Viele noch auszuharren verstehen bei den ״Schwierigkeiten, die ausserordentlich viel Geduld und Treue erfordern.*) ich glaube er hätte Uganda — trotz seiner politischen Rücksichten — von vornherein zu verleugnen als das kleinere Übel betrachtet. Er glaubte •mit den Treuen ״kann man den Weg fortsetzen und ihnen kann man auch alles sagen.“ *) Selbst von Uganda kann man ihnen sprechen, ohne zu befürchten, dass skt anders als Innerlich fremd diesem Lande gegenüber stehen. Selbst die ״Jasager“ werden ״herausfüblen und versieben", dass man von Uganda spricht, ״weil sich die Führung in einer schweren Lage befindet." **) Musste nicht die Majorität des siebenten Kongresses dann so handeln, wie sic es tat, nachdem sie sah, welche Vcjrwirrung ״ein Wort" In unseren Rcihcii anzurichten imstande war? Ich will selbst einmal zugeben, dass die Beschränkungen des Tätigkeitsgebietes unserer künftigen Führung in Bezug auf diplomatische Verhandlungen (denn nur das kann Dr! Friedemann meinen, der fa in Herzls Sinne weiter arbeiten will, also nichts für Uganda übrig haben kann) lästig und störend S'iul. Selbst wenn dem so wäre, tat der siebente Kongress Recht daran, die Reinheit der Idee, die gefährdete Richtungslinic, die nur nach Palästina zeigen darf, höher zu stellen, als ungehinderte Diplomatie. Theodor Herzl wollte jeden Zauberbesen greifen, der ihm Wasser liefern konnte für seine Schiffe, die in der Ebbe la *11״, mit dem Bug aber nach Osten gewendet. Aber er ging dahin, der Meister, und Lehrlinge hautierten Cn ihrer Weise an seinem Zauberbesen, dass die hereinströmenden Wassermassen die Schiffe zu vernichten drohten mit Mann und Maus. Da gibts denn nicht mehr ein: ״In die Ecke Besau Besen, scids gewesen!“ Fort mit dem Besen, weg mit ihm, ein für allemal weg! Das allein konnte uns eine ruhige Zukunft verbürgen. — Es ist in der Tat eine Erregung in einer Reihe deutscher Ortsgruppen. Ich will dabei nicht untersuchen, wieviel von dieser Erregung hineingetragen wurde durch die Gruppenführer, denen der s׳cbcntc Kongress nicht zu WHUn war. Sicher aber wird die Erregung sich legen, w׳enn unsere Gruppenführer sich loyal unter die Kongrcssbcschiüssc beugen und in ihrem Sinne arbeiten wollen, so wie es ihre Pflicht Ist. Es ist nicht alles Zionismus, was aus diesen Gruppenmehrheiten spricht. Jeder, der in deutsclien Gruppen schon gearbeitet hat, weiss, dass noch ein gut Teil von denen, die den Schekel entrichtet haben, noch erst erzogen werden müssen In zionistischem Geist. Gerade diese Kategorie aber Ist noch gerne geneigt. Im Zionismus nicht viel mehr zu sehen, als eine zielbewusste Aktion zur Linderung ostj'üdischen Massenelends. Noch etwas sehen sic im Zionismus: ein stolzes Bekenner tum. Sie aber, die zu uns kamen aus Mitlcidcn und Rassenbewusstsein, können für Jedes Landprojekt eingenommen sein, das.tauglia!1 scheint, solange ihnen das Verständnis für das Historische im Zionismus abgclit, solange ihnen die וזבת צץ,״“ nicht viel mehr Ist als ein schöner Traum. Dort liegt eine grosso Gefahr. Durch die Agitation, wie sic jonc Ortsgruppen jetzt betreiben, wird die ״Zionslicbc" wahrhaftig nicht gefördert. Worüber sind eigentlich viele in jenen Ortsgruppen so erregt? Einfach, weil man ein Mittel pcrhorrcsziertc, das den östlichen Juden hätte ״helfen“ können. — Ich vermeide cs absichtlich eine Memung über dieses ״Mittel" zu sagen und in eine Kritik des ״Ugandisnius" cinzutrctcn. Wir kennen, gegenseitig die Ansichten darüber. Ich will nur zeigen, dass das nicht gerade zionistische Arbeit ist, die er.ne Reihe von Ortsgruppen da zu leisten gedenkt Ws zum nächsten Kongress. — Alle aber, die, w ie Dr. Fricdemann, niemals nach Uganda gehen wollen und einem Uganda innerlich fernstchcn (das heisst doch, in Herzls Sinne arbeiten?), sie können ihm auch jetzt äusserlich fernste’ien, da der Spuk gebannt ist und mit- *) Eröffnungsrede des VI. Kongresses. **) Schlussrede Herzls am VI. Kongress, Im Zionismus sich ausleben können, um ihm ganz und für immer anzugehören. .Um nur das Allgemeinste hervorzuheben, muss der Zionismus all denjenigen Elementen ihrer Begabung, Mühe und Arbeitslust angemessene Gelegenheit zur Betätigung ihrer Kraft•.' bieten, denen eine solche Gelegenheit zur eigener! יו^וייי״ד ״.y ^ז^^.*Wi*«י.■^י^ןw^יwwוwי«ו^ יויי 1יזיייו*?

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