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Jüdische Rundschau · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 47S_■_ _ iODlSCHE sic erwecken lm anderen Laser eine reaktive Bewegung und führen 5a zu einer Verschärfung der Situation. Es ist meine ernsteste Überzeugung, dass die deutschen Zionisten, wenn sic die vollendete Tatsache, die der Kongress sohuf, anerkennen, ihren Eifer mul ihre Autorität aber dazu benützen, der künftigen Fahrt des Zionismus unter den neuen Steuerleuten einen politischen Kurs zu־ sichern, sie nicht allein unserer heiligen Sache den besten Dienst leisten, sondern auch dazu gelangen werden, der deutschen Landsmannschaft aus der traurigen Rolle, die ihr auf dum letzten Kongresse zufiel, herauszuhclfcn zu der geachteten ur.-d ausschlaggebenden Stellung, die sic *sicbon Jahre hindurch ehrenvoll behauptete. Ausserdem wird uns eme einheitliche und kräftige Propaganda in Deutschland, die so dringend nottut, ermöglicht. Wenn wir uns zu dieser einzig nützlichen Taktik entschicessen, so wird uns auch unsere Stellungnahme zur jüdischterritorialistischen Organisation sehr erleichtert werden. Wir haben im Zionismus nicht die Augenblickshilfe zur Steuerung der ökonomischen Judenuot. zur Regelung der schrecklichen Judenwanderung zu suchen. Das geht aus den Ba?״!er Be- Schlüssen von 1905 klar hervor, und wir sind wieder auf dem Standpunkte angelangt, den vor dem VI. Kongresse auch alle unsere dem politischen Zionismus huldigenden Agitatoren in Deutschland stets verkündeten, dass der Zionismus keine Augenbfickserfolgc verheisst und nicht nach solchen bemessen sein will. Nichts steht im Wege, dass wir ausserhalb des Zionismus als Juden mit .luden zusammen das unternehmen, was zu der Beseitigung oder Linderung jämmerlicher Gegenwartssituation unserer Brüder zu tun nötig und möglich ist. Ich hatte, wie aus einem von mir in No. dS des Jahrgangs 19CM der WELT veröffentlichten Aufsätze ״Neue Bahnen” hervorgeht, allerdings gehofft, dass sich anlässlich des Ztisarnmenarbeitens bei der Emigrationskonferenz eine von allen Organisationen, die unsern mitinbegriffen, gemeinsam betriebene grosse Hilfsaktion vorberciten würde und ich habe in jenem Artikel auch versucht, den Anteil aestzustclkn, den wir an der Gesamtarbeit zu nehmen hätten. Meine dort ausgesproebenen Erwartungen haben sich nicht erfüllt, aus Gründen, (fie im Rahmen dieser Ausführungen nialit näher besprochen werden können. Nun hat sich die neue Vereinigung, die jüdisch-territorlalistische Organisation vorgescizt, durch Erlangung geeigneter Landkonzessconen zu autonomen Judensledelungen in der Ratlosigkeit, (fie alle, welche sich ernstlich mit der gegenwärtigen Judenwanderung befassen, befallen hat, angesichts der stetig fortschreitenden gesetzlichen Einschränkung der Einwanderungsmöglichkeiten und der Erschwerung der wirtschaftlichen Existenzbedingungen iti den Immigratioiisgebieten, Hilfe zu sah affen. Mussten uns Entstehungsart und Entstehungs o r t mit Misstrauen erfüllen und in uns die Furcht erwecken, dass ab irato hier eine Art Konkurrenz zur zionistischen Organisation geschaffen werden sollte, die unsere Einheit gefährden könnte, so haben uns die Erklänmgeil (der Führer der Organisation, insbesondere ZangwIHs bcruhigt. Nach diesen Erklärungen beabsichtigt die neue Vcreinigung keinerlei feindliche Stellung gegen den Zionismus, sondern will Zionisten und Niclitzionisten zur Erreichung des Vorgesetzten Zieles zusammenführen. Es ist keine neue Volksbewegung, die Zatigwill entfachen will. Die Volksbewegung ist und bleibt der Zionismus mit seinem Palästinaziele. Soweit meine Informationen reichen, ist die Organisation in ihrem Aufbau wähl ähnlich den grossen jüdischen Wohlfahrtsinstiinstitutionell, vielleicht ähnlich dem Hilfsverein der Deutschen Juden gedacht. Nur dass ihre Leiter durch die Schule des Zionismus hindurchgegaiigen sind und gelernt haben, eine jüdische Hilfsaktion auf ein politisches Piedcstal zu stelle««. Es ist in den letzten Tage« etwas davon durchgc&ckcrt. dass es dem neuen Bunde gelinge, sehr einflussreiche Persönlichkeiten für seine Bestrebungen zu interessieren. Wenn es auch auffällig ist, dass darunter Männer sich befinden sollen, die, als sie zur Beteiligung an der Ügandakolomsation von RU NDSCHAU_____N״! der zionistischen Leitung aufgefordert waren, sich ablehnend verhielten, so dürfen wir doch nicht etwa dem Verdachte Raum geben, dass unter <ftn Beweggründen, die diese Persönfichkcitcn dem Zangwillschcn Unternehmen geneigt machten, ,der Gedanke, dass hier etwas gegen den Zionismus ausgeführt weiden so!!, eine ausschlaggebende Rolle spielt. Wir sind vielmehr überzeugt, dass die einsichtigen philantropischcn Kreise in diesem Momente, wo sie keinen Ausblick mehr aus der traurigen Judeulage erblicken, sich der Schwere der Verantwortung bewusst sind und nicht mehr glcichgiltig und ablehnend der Erschliessung neuer Immigrationsgebictc gegenüherstehen wollt n. Dann müssen wir auch in Rechnung ziehen, dass der politische Gedanke des Zionismus seine Wellen immer weiter in das Flachland der jüdischen Philantropic gcworfen hat. Trotzdem ist es keinem Zionisten zu verdenken, 7/enn er vorläufig noch eine ab wartende Stellung zur jüdischterritorialistischen Organisation cinnehmen will; aber wir haben keinen Grund, die neue Organisation zu bekämpfen, deren Arbeit zwar ausserhalb des TätigKxftsprogrammcs des Zionismus von heute liegt, die aber durch Schaffung einer jüdisch-autonomen Sicdelung Entwickcluugsniöglichkeiten im zionistischen Sinne n:cht ausschlicsst. Eine, bessere Augenblickshilfe tmJ ökonomische Gegenwartsarbeit auch vom zioristisclien Standpunkte aus, gäbe es freilich hei der jetzigen politischen Lage nicht, als die Ansiedelung von Juden in autonomen Kolonien, wo die Immigranten nicht nur Schutz und Brot finden, sondern auch die Gelegenheit, ihrer jüdischen;Eigenart zu leben und sich jüdisch-national z« entwickeln. Die deutschen Zionisten werden gut tun, sich rechtzeitig zu einer bestimmten. Stellungnahme diesem neuen Unternehmen gegenüber durchzuringen, damit die Zionistische Vereinigung in Deutschland nicht wieder von einer vollendeten Tatsache überrascht *vird und sich erstaunt die Augen reibt. Das Zentralkomitec, das, wie ich höre, demnächst zusammen tritt, hat jedenfalls allen Grund, die neue Organisation ebenso mit in den Bereich ihrer Beratungen zu ziehen, wie es gut daran tun wird, den Zionisten Deutschlands die von mir eingangs befürwortete Stellung zu den Kongressbeschlussen zu empfehkn. Erregte deutsche Ortsgruppen Dr. Friedemann hat seinen Aufsatz in der letzten Nummer der RUNDSCHAU damit begonnen, dass er Worte Theodor Hcrzls zitierte, aus denen hervorging, dass unser verstorbener Führer keinen Weg gehen wollte, der nach einem Uganda führt. Das war die Einlyitiuig seines Artikels. Am Schluss sprach er dann von der tiefgehenden Erregung deutscher Ortsgruppen darüber, dass der Kongress ein für allemal erklärte, ״ke'ne» Weg gehen zu w׳oIIen, der nach einen! Uganda führt." Wie kommen nun diese erregten deutschen Ortsgruppen dazu, Theodor Herzls politische Ansichen für sich zu reklamieren, sie. d;c darüber erregt sind, dass die Mehrheit des Kongresses, um weiter mit Herzls Worten zu reden, ״dieser Sache innerlich׳ ganz fern" stand?! Seien wir u!׳s doch klar! Die Ortsgruppen in Posen, Hamhurg usw. sind nicht darüber ״tief erregt," dass durch die Be- Schlüsse des siebenten Kongresses der Führung eine gewisse Möglichkeit zu diplomatischer Tätigkeit genommen wurde. Sie denken nicht mit Herz!,, dass ״das Problem des Jüdischen Volkes nur in Palästina zu lösen" sei. Sie zweifeln bereits mehr oder minder schon an Palästina; jedenfalls gebts ihnen nicht rasch genug. Drum erhofften sie nicht ein schlechtes •Resultat der Untersuchimgskommissio», die Herzl aus politisollen Motiven glaubte nicht sofort ablehnen zu sollen; sie wünschen so sehr ein gutes Resultat; sie dränge» so ungestüm auf diesen Weg, den Theodor Herzl nicht gehen wollte, dass sie sogar dem Expeditionsbericht misstrauen, w׳ei! er ungünstig / ו

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