Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 37. Seite 469 JÜDISCHE RUNDSCHAU nicht wahnwitzig ist — bezeichnet unser Streben nach Palästina als «Torheit״. Wie Ist denn 4er Hergang gewesen? Herr Wolf — der nicht wahnwitzig ist — machte faktisch dem verstorbenen Herrn von Plehwe den Vorschlag einer ausgedehnten indischen Kolonisation. Und wo? In der Mandschurei. (Heiterkeit) Nur zu viele unserer armen Juden sind leider dahin ausgewandert, aber welch ein staatsmännischer Überblick in einem, der nicht wahnwitzig ist? Welch eine Eingebung war die Mandschurei! Ich möchte jedoch Herrn Wolf, der jahrelang mein guter persönlicher Freund gewesen ist. biu,:n. sich zusammenzunchmen. solange es noch Zeit ist. Er kennt doch sicherlich die Geschichte von dem Manne, der eine Irrenanstalt besuchte und einen der. Einwohner fragte, was ihn dahin gebracht hätte. «Nur eine Meinungsverschiedenheit“, war die Antwort. ״Ich behaupte, die Welt sei verrückt und die Welt sagte, ich sei es. Die Welt war in der Mehrzahl.“ (Heiterkeit.* Ich bin ersucht worden. Ihnen die folgende Resolution vorzulegen: Diese Versammlung von Londoner Zionisten erklärt Ihre unabänöjrllche Absicht, 10t das He.l des Jüdischen Volkes dadurch zu wirken, dass s’e für dasselbe ein gesetzlich geslchertes und Öffentlich anerkanntes Helm gründet, und gibt auch Ihrem Entschlüsse Ausdruck, die während des siebenten zionistischen Kongresses getroffenen Entscheidungen bis auf das äusserste durchzuführen. Ich lege Ihnen diese Resolution von ganzem Herzen vor und bin überzeugt, dass Sie sich ihr per. Akklamation ansch Hessen werden. Ich bitte Sie aber, noch mehr zu tun. Ich bitte Sie. ihr nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Geiste nach beizustimmen und wo Sie nur können. Streitpunkte zu unterdrücken und solche Punkte, mit den;11 Si; übereiiistnmien, hervorzuheben. Unser Werk ist auch unter den günstigsten Umständen ein schweres; da sind noch manche Furchen zu ziehen und manche Stoppeln wegzuräumen, bevor wir nur hoffen können, die Saat zu säen, die wir ernten möchten. Wir können nur stark und guten Mutes sein und überzeugt sein, dass eine gute und gerechte Sache in unserer Obhut ist. die Sache Israels, und dass der Hüter Israels uns schützen und unser Werk «fördern wird. Wir haben schwere Zeiten durcligcmachl. wir haben unser volles Mass von Leid gehabt; vielerlei Prü fungen mögen uns noch bevorstehen. Aber lasst uns n:cht mutlos sein. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Mögen die, die die köstliche Saat mit sich tragen, weinend hinausgehen; sie werdensicherlich in Freuden zurückkehren mit.den Garben der Ernte. (Stürmischer Beifall.) Die Resolution wurde mit Akklamation angenommen und die Versammlung nach einer Dankeskundgebung an die D:legierten und den Vorsitzenden unter Absingum? zionistischer Lieder geschlossen. ... —I Aus der Bewegung ן— Berlin. Donnerstag, den 21. September, abends 8% Uhr. pünktlich, wird Herr Dr. Heinrich Lo.?we in Dräsels Festsälen. Neue Fried riehst r. 35. seinen Bericht über den VH. Kongress erstatten. Alle Zionisten Berlins sind eingelanden. Berliner Zionistische Vereinigung. Stettin. Während in den meisten Städten Deutschlands unter den Zionist;« der heisse Meinungskampf zwischen den sogenannten ״politischen” und ..zionistischen“ Zionisten wogt, der leider vielfach die zionistische Innen- und Aussen-Arbeit beeinträchtigt, hat sich die Stettiner zionist sche Jugend zu einem He rz 1 -KIub“ zusammengeschlossen, der ״die Pflege des zionistischen Ideals innerhalb der j ü - dischcn Jugend bezweckt.“ Der Herzl-Klub, der durch seinen Namen keineswegs eine bestimmte Richtung innerhalb der zionistischen Bewegung bezeichnen will, beab- Sichtigt durch Vorträge, Beschaffung einer Bibliothek jüd sehen Inhalts und durch das Halten von jüdischen Zeitschriften das zionistische Ideal unter seinen Mitgliedern zu vertiefen und nach ausssen weiter zu verbreiten. Das Statut d;s ״Herz!- Klubs" setzt fest, dass 20 pCt. des Beitrages dem Nationaliond als monatliche Selbstbesteuerung zutliessen. und macht den Scbekel für seine Mitglieder obligatorisch. Wir können den jungen Gesinnungsgenossen in anderen Stadt;« nur empfehlen, sich ebenfalls zusammenzuschlicssen und mit uas einen der Lieblingsgedankcn Hcrzls ausführen zu helfen: Die Eroberung der jüdischen Jugend für den Zionismus. — Weitere Auskunft erteilt gern Erich Frey er. Königstor 1. Hamburg. Am 7. Scpt. veranstaltet die hiesige Ortsgruppe eine Mitgliederversammlung, ln der die Kongressberichte!fortgesetzt wurden. Vor Eintritt in die Tagesordnung wandte sich Herr Morita: Goldschmidt ln entschie- ..—r** ..־׳״־..י י־ — dener Weise gegen einen in No. 35 der JÜDISCHEN RUND- SCHAU erschienenen anonymen Artikel, der sich gegen den Vorstand unserer Ortsgruppe richtete. Der Vorsitzende Dr. Kalmus forderte sodann den Artikelschreiber, der doch sicherlich auch in di;ser Versammlung anwesend sei, auf, persönlich seinen Standpunkt zu vertreten. Seine Aufforderung bfeb unbeantwortet. Der Anonymus hüllte sich auch weiterhin in Schweigen, als Dr. Besser erklärte, dass, abgesehen von den persönlichen Angriffen des Artikels, auch die sachliehen Vorwürfe jeglicher Begründung entbehren und dass sich niemand in jener ang;griffcnen Mitgliederversammlung vergewaltigt gefühlt habe. Hierauf erstatteten (Ke Herren Stcbel, Dr. Viktor und Fr. Fra.nk ihre Kongressreferate. In der Diskussion vertrat Herr Dr! Ha Ipern in entschiedener Meise den Standpunkt der Zione-Zion. Ihm traten die Herrai Lstermann. D r. Victor und Bloch entgegen, währena Herr Dr. mcd. David eine vermittelnde Stillung einnahm. Die zirka 100 Personen zählende Versammlung folgte aufmerksam der bis 1 Uhr dauernden, in .friedlichen Formen verlautenden Debatte. _ , , , Dr. Besser. 2. Schriftführer. Breslau. In der von über 70 Personen besuchten Ver- Sammlung der Ortsgruppe Breslau vom 11. er. wurden folgende Resolutionen angenommen: rj 1• Die Breslauer Zionistische Vereinigung erklärt, auf dem Boden des politischen Zionismus zu stehen und mit dcn,grund- Iegem.cn Beschlüssen des VII. Kongresses einverstanden zu sein. IAngenommen mit allen gegen 2 Stimmen.)! r». Die 1P״,^״ue,r Zionistische Vereinigung hält nach Lage uer Dinge die Gründung e nes "besonderen Verbandes sog:nannter politischer Zionisten für überflüssig und daher iiir die Ei.t- Wicklung und das Ansehen der Bewegung schädlich. (Angenommen mit allen gegen 5 Stimmen.) 1•״:Ic Breslauer Zionistische Vereinigung hält eine Einigung aüer Richtungen innerhalb d.s Zionismus aui "da. Basis der nmbeziehun״ Hyr Nachbarländer in den Bereich ziomstischer latigkcit iiir möglich und geboten. (Angenommen mit allen gegen 2 Stimmen.) - Dfes^aucr Zionistische Vereinigung •hält Berlin ttir den geeignetsten Sitz des Aktionskomitees, innerhalb, Deutschlands. (Angenommen mit allen Stimmen.) Lin Herr erklärte gegen die Resolutionen deshalb gestimmt zu haben, weil er die Fassung solcher Resolutionen, die nur ein Einverständnis mit Kongressbeschlüssen ausdrückten, für überflüssig erachte. In der vorausgegangenen lebhaften Diskussion machte nur ein Redner sachliche Einwendungen gegen die Resolutionen und stellte sich auf den Standpunkt der Mandelsrammschen Riehhing. Sämtliche anderen Redner vertraten den Standpunkt der Resolutionen und verwahrten sich gegen die von einigen deutsehen Zionisten_ jetzt betriebene Opposition gegen rechtsgiltige Kongressbeschlüsse, von der das Gleiche gelte, was dieselben Herren seinerzeit gegen die Charkower Konferenz ciinwandten. ״dass sie die Einheit der mühsam geschaffenen Organisation gefährde." Es wird darauf hingewiesen, dass speziell einige der jetzt so oppositionellen Herren früher die ״Breslauer Zionistische Vereinigung” wegen ihrer damaligen Opposition geradezu massregelu wollten, von auswärts nach Breslau kamen, um hier ״Ketzergerichte‘• abzuhalten. Dieselben, d«e früher jede Opposition iür .schädlich erklärten, machen jetzt in der schärfsten Weise F'r.ont gegen ein Mitglied der neuen Leitung, und setzen diese dadurch vor der Aussenwelt herab. Bei der sich daran anschliessaidcn Vorstandswahl \iieidcn die Herren Schachtel. Dr. Sandler und Paul Walk wiedergewählt, die Herren Moritz und W i s 1 i c k i neugewählt. «qI. Leipzig. Der Verein Zionistischer Studenten kann nun auf ein günstig verlaufenes Semester zurückblicken. Ausser dcii jede Woche von Mitgliedern gehaltenen Vorträgen nahm der Verein zu allen d.n Zionismus betreffenden Fragen Stellung. Die Sitzungen erireuten sich immer eines reichen Zuspruchs von Gästen, die dem jungen Verein reges Interesse entgegenbrachten und sich lebhaft an den Diskussionen beteiligten. Lerder gelang es nicht aus Mangel an geeigneten Rednern in wünschenswertem Masse Agitation zu treiben. Um auch mit anderen akademischen zionistischen Vereinen in Fühlung zu treten, beschloss der Verein, die Gründung eines allgemeinen zionstischen Studcntcuverbandes an deutschen Hochschulen anzuregen. Es bliebe noch zu bemerken, dass der Verein sich an allen Veranstaltungen der hiesigen zionistischen Ortsgruppe aufs lebhafteste beteiligte, und so sicht er mit'Zuversicht dem künftigen Wintersemester entgegen. In dem es ihm hoffentlich gelingen wird, in noch höherem Masse für den Zionismus tätig zu sein, Schönlanke, 7. September. Vor acht Tagen wurde in unserer Ortsgruppe von dem Delegierten, dem Kaufmann W וויוי י!י£יייי